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Buchanfang Maßtheorie by Richard4321/ Der Satz von Stokes – „Mathe für Nicht-Freaks“

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Wir setzen den Umkehrsatz aus der Analysis II und die regulären Flächen, Tangentialvektoren, Tangentialräume, Normalenvektoren und die Orientierbarkeit aus der Differentialgeometrie voraus. Die Verallgemeinerung der regulären Flächen sind Mannigfaltigkeiten mit Rand. Der Rand einer solchen Mannigfaltigkeit ist zum Glück wieder eine Mannigfaltigkeit mit um Eins reduzierter Dimension.

Wir zeigen dann, dass es eine unendlich oft differenzierbare Zerlegung der Eins gibt durch Funktionen, die nur auf Kartengebieten definiert sind. Damit können wir eine kompakte Mannigfaltigkeit durch endlich viele Karten überdecken.

Mit der Transformationsformel der Maßtheorie können wir beweisen, dass das Integral einer Funktion definiert ist: schließlich ist der Definitionsbereich nur bis auf Kartenwechsel definiert und die Transformationsformel berücksichtigt genau die Änderung durch den Kartenwechsel.

Der Satz von Stokes sagt dann anschaulich, dass sich der Wert einer Größe innerhalb der Mannigfaltigkeit genau um so viel ändert, wie Anteile der Größe über den Rand hinausströmen. In der Anwendung werden wir i.A. eine Volumenfunktion über die Kugel integrieren und ihre Ableitung über den Rand der Kugel integrieren.

To-Do:

Die ersten 5-10 Kapitel der Differentialgeometrie zur Verfügung stellen.

Mannigfaltigkeiten mit Rand

Definition

a) Der Halbraum von n ist

Hn={(x1,,xn)n:x10}

Das sind alle x, deren erste Komponente im linken Halbraum liegt.

b) VHn heißt offen genau dann wenn

Es gibt ein offenes Un mit, dessen Schnitt mit dem Halbraum V ergibt

V=UHn

Offen bedeutet eigentlich, dass um jeden Punkt xU eine kleine Kugel noch ganz in U liegt. Das geht auf dem Rand des Halbraums (bei {x1=0}) zwangsläufig nicht. Man behilft sich nun mit dieser Definition, dass es eine in n offen Menge gibt, deren Schnitt mit dem Halbraum V ergibt.

c) Sei VHn offen. Eine Funktion f:Vm heißt differenzierbar genau dann wenn

es gibt ein offenes Un mit VU,es gibt eine differenzierbare Funktion

f:Unm

mit

f|Vf

Erneut definiert man f auf einem in n offenen U und betrachtet dann die Einschränkung auf f. Man definiert

dfp:=dfp

Beweis

Der Halbraum reicht, um Folgen zu konstruieren, die gegen {x1=0} gehen und damit die Differenzierbarkeit zu beweisen.

fxj=limt0f(p+tej)f(p)t=limt0f(p+tej)f(p)t

Damit ist fxj eindeutig durch f festgelegt und damit gilt für das Differential von f

df=df=(f1x1f1xnfmx1fmx1)

Wir verallgemeinern die regulären Flächen zu Mannigfaltigkeiten mit Rand

Definition

M ist eine n-dimensionale reguläre Mannigfaltigkeit mit regulärem Rand genau dann wenn

Es gibt offene Mengen UiHi und Parametrisierungen

Fi:UiHnM

mit

1.) alle Fi sind injektiv

2.) M ist die Vereinigung der Bilder der Fi:

iFi(Ui)=M

3.) Für alle Paare i,j für die sich die Bilder der Parametrisierungen schneiden Fi(Ui)Fj(Uj) sind die Urbilder des Schnittes offen in Hn und die Verknüpfungen der Parametrisierungen differenzierbar

Fi1(Fi(Ui)Fj(Uj)),Fj1(Fi(Ui)Fj(Uj)) sind offen in HnFj1Fi,Fi1Fj sind differenzierbar.

d.h. es liegt folgendes kommutierende Diagramm vor

Fi(Ui)Fj(Uj)MFiFjUiFi1(Fi(Ui)Fj(Uj))Fj1FiFj1(Fi(Ui)Fj(Uj))Uj

4.) Die Familie (Ui,Fi)iI ist maximal bzgl. 1.)-3.), d.h. man hat alle möglichen Parametrisierungen aufgenommen.

Definition

a) Ein Punkt heisst im Rand von M

Für eine (und damit jede) Parametrisierung F:UHnM um p gilt

F(0,x2,,xn)=p

d.h. die Parametrisierung bildet Randpunkt von U auf Randpunkte von M ab.

b) Die Menge der Randpunkte ist M.

Beweis

Wir zeigen mit dem Umkehrsatz über einen Widerspruchsbeweis, dass die Definition eines Punktes am Rand nicht von der Parametrisierung abhängt.

Seien Fi:UiM Parametrisierungen um pM mit

F1(0,x2,,xn)=p=F2(y1,y2,,yn)

und y10. Nach Voraussetzung ist

F11F2:F21(F1(U1)F2(U2))F11(F1(U1)F2(U2))

umkehrbar differenzierbar.

Wegen y10 gibt es ein ε>0 sodass eine ganze Kugel in dem Definitionsbereich der Parametrisierung enthalten ist

0<ε<|y1|2: B(y1,,yn,ε)F21(F1(U1)F2(U2))

d.h. die y1-Achse wird nicht geschnitten. Mmt U=B(y1,,yn,ε) gilt für die Verknüpfung der Parametrisierungen

F11F2:UHn

da die Parametrisierungen injektiv sind (dann hat das Differential vollen Rang)

detd(F11F2)(q2)0

Mit dem Umkehrsatz damit existiert ein offenes VU, sodass

F11F2:V(F11F2)(V)n

umkehrbar differenzierbar ist. Dann existiert aber eine ganze Umgebung von (y1,,yn) in F11F2(V)U2 und somit auch Punkte mit y1>0

(y1,,yn)F11F2(V):y1>0(Hn)C(F11F2)(V)

Das kann nach Definition von U2 nicht sein. Ein Widerspruch. Damit muss y1=0 gegolten haben.

(0,x2,,xn)U1HnnF11F2(y1,,yn)VB(y,ε)U2HnnF1F2pM

Satz

a) Sei M eine n-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit mit Rand M. Dann ist M eine (n1)-dimensionale differenzierbare Mannigfaltigkeit.

b) Ist M orientierbar, so erzeugt M eine Orientierung auf M

Beweis

a):

Sei pMn ein Randpunkt der Mannigfaltigkeit und Fi:UiHnMn eine Parametrisierung um pMn. Dann ist die erste Komponente des Urbildes von p Null

Fi1(p)=(0,x2i,,xni)Ui

Betrachte die Projektion

pr:nn1,(x1,,xn)(x2,,xn)

die einen Vektor aus dem n einfach auf den n1 einschränkt. Wir benötigen nun Definitionsbereiche für unsere Parametrisierungen von M. Wir zeigen, dass wir die Projektionen der Ui verwenden können. Behauptung:

pr(Ui) ist offen  

Beweis: Sei (x2,,xn)pr(Ui). Nach Definition von pr gibt es ein x1 mit

(x1,x2,,xn)Ui

Da Ui offen ist, gibt es eine ganze ε-Kugel um (x1,x2,,xn) in Ui

Bn((x1,,xn),ε)Ui

Diese wird durch pr abgebildet auf eine Kugel

Bn1((x2,,xn),ε)pr(Ui)

denn für yBn((x1,,xn),ε) mit erster Koordinate x1 gilt

i=2n(yixi)2=(x1x1)2+i=2n(yixi)2

und somit liegen alle zBn1((x2,,xn),ε) im Bild von pr.

Damit ist pr(Ui) offen. Wir benötigen noch Parametrisierungen für den Rand, die wir uns durch Einschränkung verschaffen

Fi:=Fi|pr(Ui):pr(Ui)M

Da pr differenzierbar ist, ist

Fi1Fj:pr(Uj)pr(Ui)

differenzierbar. Betrachte nur jene Indizes, für die die Kartenbilder den Rand von M schneiden.

I:={iI: Fi(Ui)M}

Dann ist die Familie (pr(Ui),Fi)iI maximal für M.

b):

Wähle eine Orientierung für M, d.h. nur (Ui,Fi)iI mit

det(Fi1Fj)>0

Mit

FiFj1:UjUi,(x1j,,xnj)(x1i,,xni)

gilt

FiFj1:pr(Uj)pr(Ui),(x2j,xnj)(x2i,xni)

Somit ändert sich x1i nicht auf der Einschränkung pr(Ui), wenn man x2j,,xnj ändert, d.h.

x1ix2j==x1ixnj=0

Da x1i<0 und x1j<0 in einer Umgebung von p, gilt

x1ix1j=limh0x1i(0,x2,,xn)x1i(h,x2,,xn)h>0

Nun können wir die Determinante des Differentials hinschreiben, die wegen der Orientierbarkeit größer als Null ist.

0<M orientierbardetd(Fi1Fj)=det(x1ix1jx1ixnjxnix1jxnixnj)=det(x1ix1j00x2ix1jx2ix2jx2ixnjxnix1jxnix2jxnixnj)

Entwicklung der Determinante nach der ersten Zeile liefert mit x1ix1j>0 und der Definition der Determinante des Differentials von d(Fi1Fj)

0<x1ix1j>0detd(Fi1Fj)0<detd(Fi1Fj)

Damit ist M orientierbar.

Differenzierbare Zerlegung der Eins

Die Mannigfaltigkeit kann im Allgemeinen nicht durch eine Parametrisierung überdeckt werden. Die konstante Funktion mit Wert 1 ist immer nur auf einem Kartengebiet definiert. Das ist unpraktisch. Wir zerlegen jetzt diese Einsfunktion in Funktionen, die nur auf den Fi(Ui) ungleich Null sind und gemeinsam addiert über alle Kartengebiete genau eins ergeben. Dann können wir Beweise auf den Kartengebieten führen und im letzten Schritt mit der Zerlegung der Eins auf die ganze Mannigfaltigkeit ausdehnen. Das ist uns einige Vorarbeit wert.

Satz

Die folgenden Hilfsfunktion

g1:,t{e1(t+1)(t+2)t(2,1)0t∉(2,1)

ist unendlich oft differenzierbar. Sie ist ein Buckel, der nur auf dem Intervall (2,1) größer Null ist und sich an den Rändern in den Punkten {1} und {2} sanft der Null annähert.

Beweis

Sei t∉[1,2]. Dann ist g1 identisch Null und somit unendlich oft differenzierbar.

Sei t(1,2). Dann ist g1die Verknüpfung der unendlich oft differenzierbaren Funktionen exp und 1t und Addition und damit unendlich oft differenzierbar.

Sei t{1,2}: Die linksseitige Ableitung in {2} und die rechtsseitige Ableitung in {1} sind identisch Null, da g1 dort die Nullfunktion ist.

Nun betrachten wir den Grenzwert der Ableitungen im Inneren des Intervalles (2,1). Dazu müssen wir per Induktion berechnen, dass die n-te Ableitung die Form hat

dndtng1=g1i,j=1Nai,j1(t+1)i1(t+2)j

Induktionsanfang n=1:

ddtg1=g1(1t+11(t+2)2+1t+21(t+1)2)

Das ist von der angegebenen Form.

Induktionsschritt: n1n. Nach Voraussetzung ist die n1-te Ableitung von der angegebenen Form

dng1dtn=ddtg1i,j=1Nai,j1(t+1)i1(t+2)j=(i,j=1Nai,j1(t+1)i1(t+2)j)g1(1t+11(t+2)2+1t+21(t+1)2)+g1i,j=1Naij(i(t+1)i+11(t+1)j+1(t+1)ij(t+1)j)

Das ist wieder von der angegebenen Form.

Da die Exponentialfunktion schneller wächst als jede Potenzfunktion, gilt

limxxnexp(x)=limxxnexp(x)=0

gelten

limx11(x+1)nexp(1(x+1)(x+2))=0limx21(x+2)nexp(1(x+1)(x+2))=0

Damit ist g1 auch in den Punkten {1,2} unendlich oft differenzierbar.

Das war die Buckelfunktion im 1. Jetzt bauen wir daraus eine Plateau-Funktion um den Nullpunkt im n.

Satz

Es existiert eine differenzierbare Funktion

g:B(0,3),p{1 für pB(0,1)(0,1] für pB(0,2)0 für pB(0,3)B(0,2)

Beweis

Mit

g1:,t{exp(1(t+1)(t+2)) für t(2,1)0 für t∉(2,1)

ist auch

g2:,ttg1(s)dsg1(s)ds={=0 für t2(0,1] für t(2,1)=1 für t1

unendlich oft differenzierbar, denn im Nenner steht eine Zahl größer Null und der Zähler wird nach einmaligem Ableiten g1, das unendlich oft differenzierbar ist.

Da g_ auf (-1,0] konstant gleich 1 ist und die Wurzel aus der Summe von Quadraten unendlich oft differenzierbar ist,

g2|(1,0]=konstanti=1nxi2:n{0}(0,) glatt

ist die Verknüpfung dieser Funktionen

g:B(0,3),xg2(i=1nxi2)

wieder unendlich oft differenzierbar.

Satz

Sei Mn eine differenzierbare Mannigfaltigkeit, pM und

F:UnM eine Parametrisierung um p.

Dann gibt es eine Parametrisierung F~:B(0,3)M um p mit

F~(B(0,3))g(U)F~1(p)=(0,,0)

Man verschiebt einfach den Definitionsbereich der Parametrisierung mittels einer vorgeschalteten Abbildung um 0.

Beweis

Sei (x10,,xn0)U der Punkt, der auf F(x10,,xn0)=p abgebildet wird. Da U offen ist, gibt es eine ε-Kugel in U

r>0: B((x10,,xn0),r)U

Die Verschiebung um x0

T:nn,(y1,,yn)(y1x10,,ynxn0)

und ihre Umkehrung sind als eine Differenz/Summe automatisch unendlich oft differenzierbar. Die Erweiterung auf B(0,3)

H:nn,p3pr

und ihre Umkehrung sind als Skalarmultiplikation ebenfalls unendlich oft differenzierbar. Damit gilt

HT:B((x10,,xn0),r)B(0,3)

Da H und T umkehrbar sind, ist

F~:=FT1H1:B(0,3)M

definiert und wieder unendlich oft differenzierbar.

Nach diesen Vorarbeiten kommen wir zur Zerlegung der Einsfunktion auf kompakten Mannigfaltigkeiten.

Satz (Zerlegung der Eins)

Sei M eine kompakte Mannigfaltigkeit und (Vi)iI eine Überdeckung von M durch Kartenumgebungen. Dann existieren differenzierbare Funktionen g1,,gm und Karten V1,Vm sodass gilt:

a) i=1mgi=1

b) Die Werte der gi liegen im Intervall [0,1]: 0gi1

c) Der Träger der gi liegt in Vi: supp(gi)Vi

Beweis (Zerlegung der Eins)

Für alle pM betrachte die im Satz vorher konstruierte Parametrisierung Fp:B(0,3)M mit Fp(B(0,3))Vp. Auf

Wp:=Fp(B(0,1))Vp

ist die Funktion konstant Eins.

Da M kompakt, Wp offen und

MpMWp

wird M von endlich vielen Wi überdeckt überdeckt

Mi=1nWii=1nVi

Dann sind

hi:M,x{gfi1(x) für xVi0 für xMVi

unendlich oft differenzierbar, da Null auf F(B(0,2)C) und der Träger der hi liegt in Vi.

supp(hi)Vi

Definiere gi durch

gi:M[0,1],phi(p)j=1mhj(p)

Als Quotient und Summe ist gi wieder unendlich joft differenzierbar, da definiert.

Das Integral einer n-Form

Das definieren wir einfach als das Integral über den Koeffizienten der n-Form. Dazu müssen wir zeigen, dass es unabhängig von der Kartenwahl ist.

Definition

Sei M eine orientierte Mannigfaltigkeit und

w=a1(x1,,xn)dx1dxn

eine n-Form auf U_1. Dann heißt

V1w=U1a1(x1,,xn)dx1dxn

das Integral von w.

Beweis

Seien (U1,F1,V1),(U2,F2,V2) Parametrisierungen und

f=F11F2:U2U1,(y1,,yn)(x1,xn)

Dann erhalten wir eine neue n-Form w2=f(w1) auf U2Rn mit Koeffizienten :

a2=a1(f1(y1,,yn),,fn(y1,,yn))

Aus der Transformationsformel für Mehrfachintegrale im n folgt, da f umkehrbar und da durch die Orientiertheit detdf>0

V1w=DefU1a1(x1,,xn)dx1dxn=TrafoU2|det(df)|a2(y1,,yn)dy1dyn=detdf>0U2det(df)a1(f1(y),,fn(y))dy1dyn=V2a1(f(y))det(df)dy1dyn=V2a1(f(y))det(df)det(dy1dy1dyndyn)=V2a1(f(y))det(df(dy1),,df(dyn))=V2fw

Definition

Sei M eine kompakte orientierte Mannigfaltigkeit und i=1mgi eine Zerlegung der Eins. Das Integral von w ist

Mw:=i=1mMgiw

Beweis

Da die Träger der gi in Vi sind supp(giw)Vi macht es Sinn zu schreiben:

Mw=Mi=1mgiw=i=1mVigiw

Sei Wj eine Überdeckung mit derselben Orientierung wie Vi und sei </math>hj eine zugehörige differenzierbare Zerlegung der Eins.

Dann ist (ViWj)i,jI eine Überdeckung von M und gihj ist eine zugeordnete Zerlegung der Eins und

i=1mMgiw=i=1mMgi(j=1shj)w=ijMgihjw

Das letzte Gleichheitszeichen verwendet, dass für jedes i die Funktionen gihj in ViWj definiert sind.

j=1sMhjw=j=1sMhj(i=1mgi)w=ijMgihjw

Der Satz von Stokes Wir benötigen Hilfsaussage, dass der Abstand zwischen einer kompakten Menge und einer abgeschlossenen Menge, die sich nicht schneiden, echt größer Null ist

Satz

Sei Ap abgeschlossen und K kompakt mit AK=. Dann ist der Abstand zwischen beiden Mengen echt größer Null

dist(K,A)=inf{d(x,y):xK,yA}>0

für jede Metrik d.

Beweis

1.) Die Funktion xdist(x,A)=inf{d(x,y):yA} ist stetig

Mit der Definition der Metrik gilt

d(x,y)d(x,z)+d(z,y)

folgt durch Infimumbildung auf beiden Seiten, die das Kleiner-Gleich-Zeichen erhält

dist(x,A)=inf{d(x,y):yA}inf{d(x,z)+d(z,y):yA}=d(x,z)+inf{d(z,y):yA}=d(x,z)+dist(z,A)

Mit vertauschten Rollen von x und z gilt auch

dist(z,A)=inf{d(z,y):yA}inf{d(z,x)+d(x,y):yA}=d(z,x)+inf{d(x,y):yA}=d(x,z)+dist(x,A)

Für beliebiges ε>0 wähle δ=ε und es folgt

|dist(x,A)dist(z,A)|d(d,z)<ε

und das ist die Definition der Stetigkeit.

2.) dist(K,A)>0

Da K kompakt ist, nimmt die stetige Funktion xdist(x,A) ihr Minimum an auf K in einem Punkt, in Formeln

qK: dist(q,A)=dist(K,A)

Da A abgeschlossen ist, ist AC offen und da qKAC, gibt es eine ganze ε-Kugel um q in AC

ε>0: B(q,ε)AC

Damit folgt

dist(K,A)=dist(q,A)ε>0

Satz

Sei Mn eine differenzierbare Mannigfaltigkeit mit Rand, kompakt und orientiert und w eine differenzierbare (n1)-Form auf M und sei

i:n1Hn,(x2,,xn)(0,x2,,xn)

d.h. es gilt

n1iHUjprpr(Uj)FjFjMM

Dann gilt:

Miw=Mdw

In lokalen Koordinaten

pr(U)a1(0,x2,,xn)dx2dxn=U(j=1n(1)j1ajxj)dx1dxn

Beweis

Die (n1)-Form hat die allgemeine Form

w=j=1najdx1dxj1dxj+1dxn

wobei die aj differenzierbar sind. Nach Definition gilt für die Ableitung

dw=j=1nk=1najxkdxkdx1dxj1dxj+1dxn

Man tauscht dxk an dx1,,dxk1 vorbei und erhält wegen

dxidxk=dxkdxi

einen Faktor (1)k1. Dadurch tritt in n1 der Summanden ein Teilterm dxkdxk auf, der aber Null ist und diese Summanden fallen weg (weil dann zwei Zeilen der Determinante gleich sind), in Formeln

dw=j=1nk=1najxkdxkdx1dxj1dxj+1dxn=vertauschej=1nk=1,kjn(1)k1ajxkdx1dxkdxk=0dxj1dxj+1dxn+j=1n(1)j1ajxkdx1dxj1dxjdxj+1dxn

Im letzten Satz des Kapitels über Differentialformen

Mathe_für_Nicht-Freaks:_Differentialformen

haben wir schon gezeigt, dass gilt

iw=a1(0,x2,,xn)dx2dxn

1.) Sei F:UHnM eine Parametrisierung, deren Bild den Träger von w enthält (das konstruieren wir uns später durch eine unendlich differenzierbare Zerlegung der Eins, die wir an w dranmultiplizieren)

supp(w)F(U)

a) Das Bild der Parametrisierung schneide nicht den Rand: F(U)M=

Da der Träger von w in F(U) liegt nach Voraussetzung, gilt

w|M=0

Damit gilt, dass

iw=a1(0,x2,,xn)=0dx2dxn=0

und das Integral über die Untermannigfaltigkeit M über iw wird automatisch Null

Miw=0

Erweitere die Funktionen aj von ihrem jetzigen Defnitionsbereich U auf ganz Hn durch Fortsetzen mit Null

aj(x1,,xn)={aj(x1,,xn) falls (x1,,xn)U0 falls (x1,,xn)HnU

Mit dem kompakten Träger K=B(x,r)U der Zerlegung der Eins gilt da Hn abgeschlossen KH mit dem letzten Hilfssatz

d(K,H)>0

Damit ist K in einem Quader Q enthalten, dessen Abstand von {x1=0} echt größer Null ist.

KQ=[x1,x0]

Die aj sind auf dem Rand des Quaders Q Null: Für 1jn gilt

aj(x1,,xj1,xj0,xj+1,,xn)=aj(x1,,xj1,xj1,xj+1,,xn)=0

Damit folgt durch partielle Integration über die jeweils j-te Koordinate

Mdw=U(j(1)j1ajxj)dx1dxn=j(1)j1Qajxjdx1dxn=j(1)j1[aj(x1,,xj1,xj0,xj+1,,xn)=0aj(x1,,xj1,xj1,xj+1,,xn)=0]dx1dxj1dxj+1dxn=0

b) Die Parametrisierung schneidet den Rand der Mannigfaltigkeit: F(U)M

Wie in a) erweitern wir die Funktionen aj auf Hn und betrachten einen Quader Q=[x1,x0]n, der in der ersten Koordinate nur Elemente kleiner gleich 0 erfasst, der den kompakten Träger von w enthält. Jetzt wir ein Term bei der partiellen Integration ungleich Null

Mdw=j=1n(1)j1Qajxjdx1dxn=j=1n(1)j1(xj1xj0ajxjdxj)dx1dxj1dxj+1dxn=Q[a1(0,x2,,xn)a1(x11,x2,,xn)=0]dx2dxn+j=2n(1)j1Q[aj(x1,,xj0,,xn)=0aj(x11,,xj1,xn)=0]dx1dxj1dxj+1dxn=a1(0,x2,,xn)dx2dxn=ij=1najdx1dxj1dxj+1dxn=Miw

2.) Benutze die unendlich oft differenzierbare Zerlegung der Eins

Sei (Vj)j=1n eine Überdeckung von M durch Koordinatenumgebungen die mit der Orientierung verträglich ist.

Sei g1,,gn eine untergeordnete differenzierbare Zerlegung der Eins.

Die Formen wj=gjw erfüllen Fall 1.) und es gilt

j=1nwj=w

Da j=1ndgj=0 gilt j=1ndwj=dw. Es ergibt sich

Mdw=j=1mMdwj=j=1mMiwj=Mij=1nwj=Miw

Jetzt wollen wir die Versionen des Satz von Stokes für zwei und drei-dimensionale Mannigfaltigkeiten beweisen, wie sie in der Anwendung, insbesondere der Physik und den partiellen Differentialgleichungen verwendet werden.

Definition

Wir definieren uns die folgenden Abbildungen, die wir schon aus der Analysis II kennen

:C(X)V(X),ff=(fx1,fx2,fx3)×:V(X)V(X),f×f=(f3x2f2x3,f1x3f3x1,f2x1f1x2):V(X)C(X),ff=i=1pfixiΔ:C(X)C(X),fΔf=i=132fxi2


Satz (Der Integralsatz von Stokes)

Sei X3 offen, a ein differenzierbares Vektorfeld auf X und M2X orientierte kompakte Mannigfaltigkeit mit Rand. Zudem sei N der Normalenvektor an M2.

M2×a,NdF=M2a,Tds

Beweis (Der Integralsatz von Stokes)

Mit einer Zerlegung der Eins genügt es in einem Kartengebiet zu rechnen. Sei (U,F,V) eine Parametrisierung

F:UH2M

Die positive u1-Richtung zeigt aus U heraus. Wähle deshalb

N~=Fu1

Der Tangentialvektor T=Fu2 ist eine Basis von TpM2. Sei dx1,dx2 die zu N~,T gehörige duale Basis (sie besteht nur aus zwei Elementen, da wir eine zweidimensionale Mannigfaltigkeit mit Rand betrachten). Da a nach Voraussetzung differenzierbar ist, betrachten wir die 1-Form

w=a1dx1+a2dx2

Daraus berechnen sich gemäß dem letzten Kapitel und wegen dxidxi=0

To-Do:

hier ist ein Vorzeichenfehler

iw=a2dx2dw=i=12j=12aixjdxjdxi=(a1x2a2x1)dx1dx2

Das ergibt für die beiden Integrale nach dem gerade bewiesenen Satz von Stokes

F(U)iw=F(U)a2dx2=F(U)a,Tdx2

und mit dem auf T,N~ in X3 senkrechten Vektor N

F(U)dw=F(U)(a1x2a2x1)dx1dx2=F(U)×a,Ndx1dx2

Mit einer Zerlegung der Eins lässt sich die Aussage auf ganz M und M fortsetzen.

Satz (Der Gaußsche Integralsatz)

Sei n3,Xn offen und a differenzierbares Vektorfeld auf X. Sei MnX kompakte n-dimensionale Untermannigfaltigkeit mit Rand. Mn ist durch den n orientiert.

Sei N das nach außen gerichtete Einheitsnormalenfeld auf M. Dann gilt

MnadV=Mna,NdF

Beweis (Der Gaußsche Integralsatz)

Mit einer Zerlegung der Eins genügt es, in Kartengebieten zu rechnen.

Sei (U,F,V) Parametrisierung mit

F:UHnM

Die positive u1-Richtung zeigt aus dem Kartengebiet UHn. Wähle deshalb

N=Fu1

Sei dx1,,dxn die duale Basis zu Fu1,,Fun

Nur wenn man den folgenden Herleitungsweg für die n-1-Form wählt, passt es mit den Vorzeichen nach der Ableitung.

Aus der kanonischen n-Form (ein Vorfaktor würde sich bei der Endformel herauskürzen)

det(dx1dxndx1dxndx1dxn)

erhält man durch Einsetzen von a eine (n1)-Form (Multilinearität in den Zeilen und Null, wenn zwei Zeilen gleich sind, bleiben dabei erhalten)

det(dx1(a)dxn(a)dx1dxndx1dxn)

wie man durch Entwicklung der Determinante nach der ersten Zeile sieht, da a nach Voraussetzung differenzierbar ist.

det(dx1(a)dxn(a)dx1dxndx1dxn)=a1det(dx2dxndx2dxn)a2det(dx1dx3dxndx1dx3dxn)++(1)jajdet(dx1dxj1dxj+1dxndx1dxj1dxj+1dxn)++(1)n1andet(dx1dxn1dx1dxn1)

Das ergibt

w=j=1n(1)j1ajdx1dxj1dxj+1dxn

und somit

F(U)iw=F(U)a1(0,x2,,xn)dx2dxn=F(U)a,Ndx2dxn

und

F(U)dw=F(U)d(j=1n(1)j1ajdx1dxj1dxj+1dxn)=F(U)j=1n(1)j1(1)j1ajxjdx1dxn=F(U)adx1dxn

Mit einer Zerlegung der Eins gilt die Aussage für ganz M.

Satz (Satz von Green und partielle Integration)

Sei X3 offen, M3X kompakte 3-dimensionale Untermannigfaltigkeit mit Rand und f,g:X differenzierbar. Dann gilt

M3ΔfdV=M3f,NdFM3(g,f+gΔf)dV=M3gf,NdFM3(fΔggΔf)dV=M3fggf,NdF

Die partielle Integration ist mit n3,v:Mnn gegeben durch

MnfdivvdV=MnfvdSMnvgradfdV

Beweis (Satz von Green und partielle Integration)

a) Setze:

b=f

b)

(gf)=i=13xj(gfxi)=i=13gxjfxi+gi=132fxi2=g,f+gΔf

c)

M3(fΔggΔf)dV=M3(fΔg+g,f)dVM3(gΔf+g,f)dV=fg,NdFgf,NdF=fggf,NdF

d)

MnfvdS=Stokes/GaußMndiv(fv)dV=Mn(fdivv+vgradf)dV