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Mathematik für Faule: Differentialrechnung/ Abhängigkeit der Lösung von Startwerten und Parametern

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Satz (Die Lösung einer univariaten Differenzialgleichung hängt limestreu vom Startwert ab):

Es sei x(t)=f(x(t),t) eine Differenzialgleichung, die für alle Startwerte x0 in einer randlosen Menge U wobei f eine eindeutige Lösung aufweist; hierbei sei f außerdem limestreu. Dann hängt die Lösung x(t,x0) der Gleichung mit x0 als Startwert limestreu von x0 ab.

Beweis: Wir verwenden folgende Notation: x0 sei der Startwert der Lösung x, und für ϵn sei xϵ(t) die Lösung mit Startwert x0+ϵ.

Sei nun t fest. Angenommen, xϵ(t)↛x(t) für ϵ0. Dann gibt es eine Nullfolge (ϵn)n, sodass xϵn(t)x(t)>C für ein festes C>0.

Falls nun t und ϵ hinreichend klein sind (insb. auch für ϵ=0), so gilt, da f wegen des Satzes von Weierstraß auf ü-endlichen Mengen beschränkt ist, dass

xϵ(t)0tf(xϵ(t),t)dttM

für ein bestimmtes M>0; in der Tat, finde zunächst eine obere Schranke D>0 von f auf einer Umgebung von x0 und wähle dann t,ϵ hinreichend klein, sodass die Lösung wegen der Integralgleichung die gegebene Schranke nicht überschreiten kann. Ebenso kann natürlich f(xϵ(t),t), die Ableitung von xϵ, beschränkt werden. Wirft man also zu große ϵn weg, so ist der Satz von Arzèla–Ascoli anwendbar, und die konvergente Teilfolge konvergiert (wie man leicht prüft) zu einer Lösung der Differenzialgleichung mit Startwert x0, die wegen xϵn(t)x(t)>C für alle n aber nicht mit der Lösung x identisch sein kann. Dies ist ein Widerspruch zur Eindeutigkeit.

Der allgemeine Satz folgt nun wie folgt: Wir überdecken das Intervall [0,t] mit randlosen Mengen, innerhalb derer die gewünschte Abhängigkeit besteht. Da [0,t] ü-endlich ist, und da die Verkettung limestreuer Zuordnungen limestreu ist, folgt die Behauptung.

Satz (Die Lösung einer univariaten Differenzialgleichung hängt ggf. differenzierbar von Startwerten ab):

Es sei xμ(t)=f(t,xμ(t)) eine Differenzialgleichung zu lösen für die Abhängige xμ, die mit xμ(0)=μ zu einem Anfangswertproblem wird. Des weiteren sei f limestreu steigend. Dann ist die Lösung limestreu steigend abhängig vom Startwert μ.

Beweis: Durch Zeitautonomisierung nehmen wir ohne Beschränkung der Allgemeinheit an, dass f nicht von t abhängt. Des weiteren können wir durch Nichtbeachtung aller anderen Koordinaten von der Lösung xμ annehmen, dass xμ eindimensional ist, und außerdem können wir durch Betrachtung der Richtungssteigungen in μ annehmen, dass auch μ eindimensional ist.

Nun gilt für den entsprechenden Differenzienquotienten

xμ+h(t)xμ(t)h=0tf(xμ+h(s))f(xμ(s))xμ+h(s)xμ(s)xμ+h(s)xμ(s)hds;

der Satz von Picard–Lindelöf impliziert ja schließlich, dass xμ+h(s)=xμ(s) für h0 nicht sein kann. Aus dieser Gleichung ersehen wir, dass der Differenzenquotient

yμ,h(t):=xμ+h(t)xμ(t)h

für h0 näherungsweise die Integralgleichung

yμ(t)=0tf(xμ(s))yμ(s)ds mit Startwert yμ(0)=1

erfüllt, welche nach dem Hauptsatz auch als Steigungsgleichung geschrieben werden kann, die nach dem Satz von Picard–Lindelöf eine eindeutige Lösung besitzt. Allerdings gilt

yμ,hyμ[0,T]0T(ϵh(t)yμ(t)+f(xμ+h(s))f(xμ(s))xμ+h(s)xμ(s)yμ(t)yμ,h(t)[0,T])dt(1MT)yμ,hyμ[0,T]0Tϵh(t)yμ(t)dt

wobei

ϵh(t):=f(xμ+h(t))f(xμ(t))xμ+h(t)xμ(t)f(xμ(t));

die gewünschte Schranke M>0 sowie die Beschränktheit von ϵh(t) folgen beide aus dem Mittelwertsatz. Daher impliziert der Satz von der dominierten Konvergenz die gewünschte Differenzierbarkeit.

Satz (Satz von Liouville über unabhängige Ströme):

Es sei ϕt(x) die Zuordnung für die unabhängigen Ströme bezüglich einer zeitunabhängigen Differenzialgleichung, deren limestreue rechte Seite mit F bezeichnet sein möge. Dann ist ϕt überall, wo es definiert ist, maßerhaltend genau dann, wenn F divergenzfrei ist.

Beweis: Es sei Jϕt die Jacobi-Tabelle von ϕt. Die Bedingung, dass ϕt maßerhaltend ist, ist gleichbedeutend mit |detJϕt(x)|=1. Für t=0 stimmt diese Gleichung, denn dort ist ϕt die Identität. Des weiteren ist diese Bedingung wegen der Limestreue äquivalent zu ddtdetJϕt(x)=0. Aber der Jacobi-Formel (unter Verwendung der Tatsache, dass ϕt invertierbar ist) gemäß gilt

ddtdetJϕt(x)=det(Jϕt(x))tr(Jϕt(x)1ddtJϕt(x));

die Kettenregel zeigt jedoch, dass

ddtJϕt(x)=JF(ϕt(x))Jϕt(x),

und die Spur ist invariant unter Redugenwechsel. Aber die Spur ist dann gerade die Divergenz von F am gegebenen Punkt.