Der Begriff Mykorrhiza

Aus Wikibooks
Wechseln zu: Navigation, Suche

Seitentitel: Mykorrhiza – Pilz-Wurzel-Symbiosen/ Der Begriff Mykorrhiza
(Mykorrhiza – Pilz-Wurzel-Symbiosen/ Der Begriff Mykorrhiza)
Zurück zu „Vorwort“ Zurück zu „Vorwort“ | Hoch zum Inhaltsverzeichnis Hoch zum Inhaltsverzeichnis | Vor zu „Die Grundprinzipien“ Vor zu „Die Grundprinzipien“


1885 veröffentlichte A. B. Frank in den Berichten der Deutschen Botanischen Gesellschaft einen Artikel mit dem Titel: „Über die auf Wurzelsymbiose beruhende Ernährung gewisser Bäume durch unterirdische Pilze". Darin heißt es:[1] „Wie die folgenden Mitteilungen zeigen, muss diese Frage aber noch viel weiter ausholen, weil sie die Kenntnis von Dingen hinsichtlich der Natur und der Ernährung von Pflanzen voraussetzt, von welchen die Wissenschaft bis jetzt keine Ahnung hat. ... Es betrifft die Tatsache, dass gewisse Baumarten, vor allem die Cupuliferen (Buchengewächse) ganz regelmäßig sich im Boden nicht selbständig ernähren, sondern überall in ihrem gesamten Wurzelsystem mit einem Pilzmyzelium in Symbiose stehen, welches ihnen Ammendienste leistet und die ganze Ernährung des Baumes aus dem Boden übernimmt. So überraschend dieser Satz klingen mag, so ist er durch die Ausdehnung meiner Untersuchungen schon jetzt als fest begründet zu betrachten.“ A. B. Frank nannte diese Symbiose „Mykorrhiza“, d. h. Pilzwurzel von altgriechisch myces (Pilz) und rhiza (Wurzel). Franks Arbeit regte zahlreiche weitere Untersuchungen an (u. a. Janse 1897 an tropischen Pflanzen, Gallaud 1905 an krautigen Pflanzen, Bernard 1909 an Orchideen). 125 Jahre Forschung (Koide & Mosse 2004) haben Franks geniale Erkenntnis bestätigt, auf fast alle Landpflanzen und viele Pilzgruppen ausgeweitet und gezeigt, dass Wachstum und Vermehrung dieser Pflanzen und Pilze in der Natur nur in der Symbiose möglich sind (Smith & Read 2008).

Der Begriff „Mykorrhiza“ ist inzwischen zu einem Terminus technicus geworden. Er kann als solcher für alle zur Verbesserung der Nährstoffversorgung entwickelten Symbiosen zwischen Landpflanzen und Pilzen verwendet werden, also auch dann wenn keine Wurzeln gebildet werden, wie bei den Gametophyten von Lebermoosen, einigen Farnen und Bärlappen und den Vorkeimen der Orchideen. Man kann in diesen Fällen auch von "Mykothallus/Mykothalli" sprechen als nicht in Spross und Wurzel gegliederten Pflanzen mit Mykorrhizapilzen. Die beteiligten, symbiotischen Pilze werden als Mykorrhizapilze oder Mykobionten bezeichnet. Als Mycobionta werden teilweise aber alle echten Pilze (Chitinpilze, Fungi) verstanden, weshalb der Ausdruck Mykorrhizapilze bevorzugt werden sollte.

  1. Frank 1885 S. 128


Zurück zu „Vorwort“ Zurück zu „Vorwort“ | Hoch zum Inhaltsverzeichnis Hoch zum Inhaltsverzeichnis | Vor zu „Die Grundprinzipien“ Vor zu „Die Grundprinzipien“