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Niederländisch/ Band 8 - FAQ - Fragen und Missverständnisse

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Holländisch oder niederländisch?

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Der Name "Holland" hat sich in Deutschland eingebürgert, wenn man die Niederlande meint, zum Teil auch durch den Einfluss der Niederländer selbst, die ihr Fußballteam "Holland" nennen oder den Begriff "Made in Holland" prägen.
Tatsache ist aber, dass "Holland" genau genommen nur die zwei Nordseeprovinzen Noord-Holland und Zuid-Holland sind. Diese zwei sind jedoch geschichtsbestimmend, da fast 40% der Einwohner des Landes hier wohnen und hier die Wurzeln des heutigen Staates liegen.

Ein Einwohner Maastrichts (zum Beispiel) ist also kein Holländer, sondern Niederländer; er wohnt in Limburg und ist Limburger sowie die Einwohner von Brabant eben Brabanter sind. Und wenn der Limburger seinen Idiom spricht, spricht er kein Holländisch, aber sehr wohl Niederländisch. Der Clou ist nämlich, dass Holländisch nur einer von zahlreichen Niederländischen Dialekten ist, und zwar der, der in den Westprovinzen Nord- und Südholland gesprochen wird. Hier ballt sich von jeher auch die wirtschaftliche und kulturelle Macht der Niederlande und so kam es, dass bei Bedarf einer Nationalsprache (u.a. für eine einheitliche Handelssprache) dieser Dialekt zur Nationalsprache erkoren wurde.

Ähnlich verhält es sich übrigens mit Platt- bzw. Niederdeutsch und Hochdeutsch. Niederdeutsch ist die Sprache der tief gelegenen Lande. Sie hat daher nicht zufällig die große Ähnlichkeit mit dem Niederländischen (das übrigens früher auch Niederdeutsch hieß). Aber die Deutschen haben sich nun einmal für einen anderen ihrer Dialekte entschieden.

Flämisch oder Holländisch?

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"Weder noch". Um genau zu sein, ist die offizielle Amtssprache des nördlichen Belgien "niederländisch" (Nederlands), auch wenn von vielen Flamen gerne "flämisch" (Vlaams) als Begriff verwendet wird. Es handelt sich aber um dieselbe Sprache. Auch in Österreich ist das gesprochene (und geschriebene) deutsch zum Teil von der Melodie und von bestimmten Ausdrücken oder wenigen grammatischen Konstruktionen anders als in Deutschland, aber keiner würde auf die Idee kommen von "österreichisch" zu sprechen; trotz "Jänner" (statt Januar) und anderen Regionalismen. So verhält es sich auch zwischen Flandern und den Niederlanden, wir können aber von einer Schrift- und Hochsprache sprechen, auch wenn viele Regionen stärker als im Norden von lokalen Dialekten geprägt sind.

Holländer sprechen alle Fremdsprachen

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Wie gesagt, Niederländer, nicht "Holländer". Wenn man einen Niederländer fragt, wird er ohne Umschweife zustimmen, dass alle seiner Landsleute ein besonders gutes Verhältnis zu Fremdsprachen haben. Das war früher sicher auch so, doch Tatsache ist, dass die Sprache Molières inzwischen fast gar nicht mehr gesprochen wird (obwohl sie mal einen sehr hohen Stellenwert hatte, was die vielen franz. Lehnwörter im Niederländischen zeigen...), und Deutschkenntnisse besonders bei der jungen Generation in schneller Talfahrt abnehmen bzw. kaum noch messbar sind. Englisch hat seit den 80ern fast überall Deutsch als erste Pflichtfremdsprache in der Schule abgelöst, und man spricht mit Deutschen und Franzosen lieber gleich englisch. In Grenzregionen zu Deutschland mehr deutsch, aber je tiefer man ins Landesinnere vordingt, desto mehr wird englisch bevorzugt. Die Hemmschwelle englisch zu benutzen ist in NL viel niedriger als in Deutschland, da man in den Medien tagtäglich damit konfrontiert wird. Der Beherrschungsgrad ist aber teilweise unterschiedlich und nicht so fehlerfrei, wie die Niederländer selber glauben, trotzdem beeindrucken die Zahlen:

Englischkenntnisse ausreichend (oder besser) um am Gespräch teil zu nehmen: ca. 80% (in Deutschland: 45%)
Deutschkenntnisse ausreichend (oder besser) um am Gespräch teil zu nehmen: ca. 50%
Französischkenntnisse ausreichend (oder besser) um am Gespräch teil zu nehmen: ca. 10% (in Flandern: 60%)
[Gelesen in einer EU-Statistik, aber dies sind nur Annäherungswerte.]