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Praktikum Organische Chemie/ Trennung und Isolierung niedermolekularer organischer Verbindungen/ Einleitung

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Die Chemie ist keine Buchwissenschaft. Ihre Ursprünge liegen im Handwerklichen, dem Experiment. Dies zeigt sich in den Lebensläufen vieler bedeutender Chemiker und Naturforscher. Um Beobachtungen in Experimenten zu erklären, wurden Hypothesen und Theorien entwickelt, die oft im Laufe der Zeit verändert werden mussten.

Wer sich im Studium ernsthaft mit dieser Wissenschaft auseinandersetzen will, sollte daher solide handwerkliche Fähigkeiten erwerben. Fach- und Hochschulen bieten dazu Praktika an, bei denen die Studierenden in Gruppen Versuche machen. Einzelunterricht ist selten geworden. In den Praktika werden die Studierenden von Betreuern/Betreuerinnen (’Assistenten, Assistentinnen‚‘) angeleitet, Diese erklären die verwendeten Laborgeräte und deren Handhabung. In der Regel erhalten die Studierenden auch Skripte, in welchen die Versuche beschrieben werden.

Praktika der organischen Chemie setzen meistens voraus, dass grundlegende Arbeitstechniken in den Praktika ’Anorganische Chemie‘ vermittelt worden sind. Seit der Etablierung des Faches ’Allgemeine Chemie‘ in Deutschland (hervorgegangen aus ’General Chemistry‘ in USA), wird dabei auch in die Laborpraxis eingeführt. Wer Versuche zur organischen Chemie zu machen hat, benötigt weitere Techniken; schließlich sollen diese zu einer experimentell einwandfreien Forschungsarbeit (Bachelor-, Diplom-, Master-Arbeit) führen.

Für Praktika der Organischen Chemie sind zahlreiche Lehrbücher verfasst worden. In Deutschland wurden Standards gesetzt mit dem ’Gattermann-Wieland[1], dem ’Organikum[2] und dem ’Hünig-Märkl-Sauer[3]. Nicht unterschlagen werden sollen jedoch zahlreiche englisch-sprachige Praktikumsbücher, die zum Teil neue didaktische Konzepte bieten.

Viele Hochschullehrer mussten jedoch die Erfahrung machen, dass Studierende die Kosten für den Erwerb solcher Bücher scheuen, oder sich unter Zeitdruck fühlen, und daher auf eine gründliche Lektüre verzichten.

Obwohl über Techniken und Praxis in organisch-chemischen Laboratorien irgendwo schon alles geschrieben worden ist, soll mit diesem Wikibuch der Versuch gemacht werden, wenigstens einen Teil davon als Wikimedia-Projekt interessierten Studierenden zur Verfügung zu stellen. Das Wikibuch soll aber kein Ersatz für das Studium der klassischen Bücher (Print-Medien) sein. Daher wird in den einzelnen Kapiteln eine Auswahl entsprechender Literatur angegeben.

Wenn oben das Verhältnis von Handwerk und Theorie angesprochen wurde, soll jedoch keineswegs der Eindruck erweckt werden, dass im Praktikum Organische Chemie nur das Handwerk (’Kochen‘) zählt. Erfolgreich eingesetztes Handwerk setzt voraus, dass ausreichende theoretische Kenntnisse vorhanden sind. Daher wurde im Wikibuch versucht, die Theorie (in möglichst einfacher Form) mit den praktischen Aspekten zu verbinden. Dies vor allem für Studierende, die nicht Chemiker werden wollen, sondern mehr an ’Lebenswissenschaften‘ (Life sciences) interessiert sind. Für diese ist die organische Chemie eine Schlüsselwissenschaft.

Fußnoten

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  1. Ludwig Gattermann, Die Praxis des Organischen Chemikers., Verlag von Veit & Comp. 1. Aufl. Leipzig, 1894. 15. Aufl.: De Gruyter, Berlin, 1920. Fortgeführt von Heinrich Wieland und Theodor Wieland bis zur 43. Aufl. 1982; ISBN 3-11-006654-8.
  2. Organikum: organisch-chemisches Grundpraktikum / von einem Autorenkollektiv der Technischen Universität Dresden [Heinz Becker et al.], Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1962.
  3. Hünig-Märkl-Sauer, Integriertes Organisches Praktikum, Verlag Chemie, Weinheim, 1979.

Literatur

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  • Ludwig Gattermann, Die Praxis des Organischen Chemikers., Verlag von Veit & Comp. 1. Aufl. Leipzig, 1894. 15. Aufl.: De Gruyter, Berlin, 1920. Fortgeführt von Heinrich Wieland und Theodor Wieland bis zur 43. Aufl. 1982.
  • Organikum: organisch-chemisches Grundpraktikum / von einem Autorenkollektiv der Technischen Universität Dresden [Heinz Becker et al.], Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1962. Siehe auch den Artikel in Wikipedia:  Organikum.
  • Hünig-Märkl-Sauer, Integriertes Organisches Praktikum, Verlag Chemie, Weinheim, 1979.
  • Tietze-Eicher, Reaktionen und Synthesen im organisch-chemischen Grundpraktikum, Thieme, Stuttgart, 1981.
  • Laborpraxis, Band 1 – 4, insbesondere Band 3: Trennungsmethoden, Birkhäuser, Basel, 1987
  • K. E. Geckeler, H. Eckstein, Analytische und präparative Labormethoden, Vieweg, Göttingen, 1987.
  • H. Fischer, Hrsg., Praktikum in allgemeiner Chemie: ein umweltschonendes Programm für Studienanfänger mit Versuchen zur Chemikalien-Rückgewinnung, VHCA, Basel; VCH, Weinheim u.a.O., 1992-1994.
  • J. Leonard, B. Lygo, G. Procter, Praxis der Organischen Chemie. Ein Handbuch, Übersetzt von S. Gräf, Herausgeber G. Dyker, VCH, Weinheim, 1996.


  • H. D. Durst, G. W. Gokel, Experimental Organic Chemistry, McGraw-Hill, New York u. a. O., 1980.
  • J. A. Miller, E. F. Neuzil, Modern Experimental Organic Chemistry, D. C. Heath and Co., Lexington, Toronto, 1982.
  • A. Ault, Techniques and Experiments for Organic Chemistry, 5th Edit., Allyn & Bacon, Boston u. a. O., 1987.
  • D. L. Pavia, G. M. Lampman, G. S. Kriz, Introduction to Organic Laboratory Techniques, 3rd Edit., Saunders College Publishing, Philadelphia u. a. O., 1988.
  • J. W. Lehman, Operational Organic Chemistry: A Laboratory Course, 2nd Edit,.Allyn & Bacon, Boston u. a. O., 1988.