Religionskritik: Marx

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Ein jugendlich, frisches Bild von Karl Marx

Zitate[Bearbeiten]

  • Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen.
    • Marx-Engels-Werke, Band 1: Einleitung „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, Seite 378
  • Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.
    • Marx-Engels-Werke, Band 1: „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, Seite 385
  • Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.
    • Marx-Engels-Werke, Band 1: Einleitung „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, Seite 378

Einleitung[Bearbeiten]

Aus heutiger Sicht wird für viele das Bild von  Karl Marx geprägt

  • durch seine radikale Agitation für den Kommunismus und die Herrschaft der Arbeiterklasse sowie
  • durch seine realen Auswirkungen in den Staaten, die sich selbst als sozialistisch bezeichnet haben.

Dies führt zu einer Voreingenommenheit, die man relativieren muss, wenn man die Zeit und die gesellschaftliche Situation betrachtet, in der Karl Marx gelebt hat.

Der Beitrag von Karl Marx zur Religionskritik[Bearbeiten]

Marx kritisiert alle Formen einer  idealistischen Philosophie und insbesondere alle Formen der Religion. Diese dient nach Marx nur dazu, die Existenz des Menschen durch Träumereien und Trost im Jenseits erträglich zu machen und so das faktische Elend zu verlängern und zu legitimieren. In einem berühmten Ausspruch bezeichnet Marx die Religion deshalb als Opium des Volks.

Marx zählt zusammen mit  Ludwig Feuerbach,  Friedrich Nietzsche und  Sigmund Freud zu den bedeutendsten deutschsprachigen Religionskritikern der Neuzeit. Religion ist für ihn, wie bereits für Feuerbach, dessen Religionskritik Marx übernimmt und weiterführt, ein ideologisches Hirngespinst der von sich selbst entfremdeten Menschen: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Die Überwindung dieses Hirngespinstes bedarf jedoch nicht nur der theoretischen Kritik, sondern der materiellen Veränderung jenes Lebens, das die Religion als „Stoßseufzer der bedrängten Kreatur“ erst nötig macht.

Die Religion ist für Marx die Mystifikation einer Welt, die selbst quasi-mystische Züge trägt. In der Religion scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten [zu sein]. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. So sei Religion nicht nur Täuschung, sondern besitze auch eine innere Wahrheit:

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elends und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist.
Hammer und Sichel, die pseudoreligiösen Symbole des Kommunismus

Gleichwohl vermöge die Religion nicht anzugeben, was es mit dem Elend auf sich hat, dessen Ausdruck sie ist, - im Gegenteil, so Marx, täuscht sie darüber mit Hirngespinsten und jenseitigem Trost hinweg. Insofern sei sie ein falsches Bewusstsein, also reine Ideologie. Weil Religion und Gesellschaft also wesenhaft zusammenhängen, nimmt die Religionskritik eine zentrale Stellung bei Marx ein: die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik. Jedoch könne die Kritik am falschen Bewusstsein nur dazu dienen, die Ursache des Irrtums zu erkennen und dadurch die Möglichkeit seiner praktischen Aufhebung ins Bewusstsein rücken. Klassenbewusstsein bedeutet in diesem Sinne für Marx, die sozialen Verhältnisse „objektiv“ wahrzunehmen und die Beteiligung des Menschen an der Reproduktion der kapitalistischen Herrschaft zu erkennen und zu kritisieren. Sie müsse an die Stelle der Mystifikation und des religiösen „Nebelschleiers“ die Bedürfnisse der Menschen selbst stellen, für deren Verwirklichung sie zu kämpfen habe. Die Philosophie müsse zur „revolutionären Praxis“ werden.

Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.MEW 1: Seite 385

Literatur[Bearbeiten]

  • Ein Gott der keiner war. Die Autoren schildern ihren Weg zum Kommunismus und ihre Abkehr (Taschenbuch)
    • von Arthur Koestler (Autor), Ignazio Silone (Autor), Andre Gide (Autor)
      • 286 Seiten , Verlag: Philo Verlagsges.; Auflage: 1 (Januar 2005)
      • Sprache: Deutsch ISBN-10: 385665514X ISBN-13: 978-3856655143
  • Kommunismus als Religion. Die Intellektuellen und die Oktoberrevolution
    • von Mikhail Ryklin (Autor)
      • Verlag der Weltreligionen Insel Verlag; Auflage: 1 (März 2008)