Soziologische Klassiker/ Das soziologische Dorf/ Ahnengalerie - Kant

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Immanuel Kant (1724-1804)[Bearbeiten]

Immanuel Kant steht in der Tradition der Aufklärung, d.h. Anschauungen, die auf politischer oder religiöser Autorität beruhen, werden durch solche ersetzt, die sich aus der menschlichen Vernunft ergeben und die vernunftgemäßer Kritik standhalten.

Kant vertritt eine Synthese von Hobbes Pessimismus und Rousseaus Optimismus und beeinflusste Max Weber und Georg Simmel.

  • Der Mensch als widersprüchliches Wesen:
    • Er steht zwischen Sinnlichkeit und Vernunft.
    • Der Mensch ist Teil der Natur, kann sich aber über die Natur erheben.
    • Ist an äußere Bedingungen seines Daseins gebunden, kann aber in Freiheit handeln.
    • Führt ein potenziell freies Dasein.
    • Der Mensch ist offen zum Guten wie auch zum Bösen.

Das richtige Handeln der Menschen bemisst sich nicht an Traditionen und Gewohnheiten, denn aus diesen hat er sich gelöst (durch Emanzipation) Das richtige Handeln bemisst sich an allgemeinen Grundsätzen.
Ein solcher Grundsatz ist: „Die Freiheit des Einzelnen muss mit der Freiheit aller anderen in Einklang gebracht werden.“ (so wortwörtlich nicht von Kant stammend)

  • Der Gesellschaftsvertrag ist nur ein Ideal, es kann ihn nicht geben!
    • Der Gesellschaftsvertrag konstruiert nicht das Recht des Bürgers gegenüber dem Staat, aber er drückt aus, dass der Staat selbst der Idee des Rechtes verpflichtet ist.
    • Der Staat ist damit Garant für Freiheit, Sicherheit und Verträge.
    • Soziale Ordnung wird gewährleistet durch die Einsicht in Regeln und Maxime, die der Bürger aufgrund ihrer Vernünftigkeit und Notwendigkeit anerkennt.
    • Normen und Werte können nur integrierend wirken, wenn sie über bloße Vorschriften hinausgehen, wenn sie als allgemeine Handlungsmaxime Geltung haben.
  • Kategorischer Imperativ: „Handle immer so, dass die Maxime deiner Handlungen allgemeines Gesetz werden könnten“.
    • Der Staat hat nicht die Aufgabe, für das Glück des Einzelnen zu sorgen. Der Staat muss aber die Legalität der Handlungen überwachen.
    • Integration heißt nicht moralische Verbrüderung wie bei Rousseau und auch nicht kollektive Wohlfahrt wie bei Hobbes!

Integration heißt die Vereinigung von Menschen unter bestimmte Rechtsgrundsätze. Die Freiheit kann man weder unterdrücken (Hobbes) noch darauf hoffen, dass sie der Einzelne zugunsten kollektiver Werte aufgibt (Rousseau)

Der Kategorische Imperativ kann als Kompass für die Regulierung zwischenmenschlicher Beziehungen benutzt werden.

Vorausgenommen wird hier von Kant das Prinzip der Reziprozität: Man vermeidet Böses deshalb, weil sonst der andere ebenfalls böse wäre.


Literatur

  • Gabriel, Manfred (2005):
    "Geschichte der Soziologie. Vorlesung WS 2005/06. Paris Lodron Universität"
    Salzburg