Soziologische Klassiker/ Das soziologische Dorf/ Ahnengalerie - de Secondat

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Montesquieu, Charles-Louis de Secondat, Baron de la Brède et de Montesquieu (1689-1755)[Bearbeiten]

Hauptwerk: L`Esprit des Lois (1748) Der Geist der Gesetze.

Sein Hauptthema: Was ist gesellschaftliche Ordnung?

  • Gesellschaftliche Ordnung ist das Ergebnis mehrerer Faktoren: Sitten, Gebräuche,

äußeren Lebensbedingungen wie zB. dem Klima und bestimmte Wertordnungen. Es gibt nicht nur ein Gesetz oder eine Naturordnung! Die menschliche Natur strebt nach Selbsterhaltung, Frieden, Fortpflanzung und Geselligkeit. Gesetze des menschlichen Lebens lassen sich nicht wie Natur-Tatsachen rekonstruieren, sondern nur aus den Bedingungen des Zusammenlebens selbst ableiten. Es gibt keinen Naturzustand. In allen Gesellschaften, auch in denen, die fremdartig sind, gibt es Ordnungen, die weder aus dem Willen eines übermächtigen Staates noch aus den Notwendigkeiten der menschlichen Natur abzuleiten sind.

  • Der Mensch ist zu komplex. Der Mensch muss sein Leben führen.

Der Mensch ist ein beschränktes Wesen, unterworfen der Unwissenheit und dem Irrtum. (Die physikalische Welt und Tiere folgen einfachen Gesetzen) Der Mensch ist solchen einheitlichen Gesetzen nicht unterworfen. Das menschliche Zusammenleben begründet Gesetze eigener Art, diese sind weder aus dem Willen Gottes, noch aus dem Willen des Königs (Machthabers) oder aus der menschlichen Natur abzuleiten.

  • Der Mensch ist nicht das Objekt allgemeiner Gesetze, sondern handelt aus sich selbst heraus. Konsequenzen dieser Handlungen können nicht auf wenige Maxime deduziert werden, sondern ergeben sich als typische Konsequenzen unter unterschiedlichen äußeren Umständen und Zusammenhängen.

Ebenso wie jeder Mensch am Leben bleiben will, strebt jede Gesellschaft nach einem inneren Zusammenhang. Ebenso wie jeder Mensch nach Zielen strebt, strebt jede Gesellschaft nach bestimmten einheitlichen Werten.

Montesquieu sucht typische Zusammenhänge, unter denen in erfahrungsmäßig nachweisbaren Situationen die Gesellschaft ein Gleichgewicht innerer und äußerer Faktoren erreichen: Dieses Gleichgewicht nennt er „Geist der Gesetze“.

Seine Gesellschaftslehre ist die Einsicht in typische Zusammenhänge, in denen Menschen ihr Leben führen. Die wissenschaftliche Einsicht besteht darin, die Verschiedenartigkeit der unterschiedlichen gesellschaftlichen Ordnungsmöglichkeiten zu begreifen. Das Gleichgewicht kann nicht durch äußeren Druck entstehen, sondern liegt irgendwo zwischen dem, was naturgegeben ist, und dem freien Willen des Menschen.

  • Drei Gesellschaftsordnungen zivilisierter Gesellschaften:
    • Monarchie,
    • Republik (a. Demokratie, b. Aristokratie),
    • Despotismus.

Der Unterschied zwischen den einzelnen Staatformen besteht nur in materiellen und ideellen Faktoren. Es gibt keine Herrschaftsform, die an sich gut oder schlecht ist, sondern nur Herrschaftsformen, die sich gut oder schlecht an die Umstände anpassen. Die beste Herrschaftsform ist die, die am wenigsten Kosten verursacht und die sich den gegebenen Umständen am besten anpassen kann.

Gründe für Despotismus:
Große Staaten, Ausdehnung des Reiches, auszehrendes Klima, unterwürfiger Volkscharakter, das Fehlen von Traditionen, die dem Herrscher Schranken setzen und eine hohe Bevölkerungszahl.
Das Prinzip des Despotismus ist Angst, sein größter Feind ist Freiheitswille.

Despotismus braucht:

    • Ein bestimmtes Klima
    • Einen bestimmten Boden, der Trägheit und Unterwerfung fördert Gesetze, die grausam sind und Angst einflößen
    • Würdelosigkeit des Menschen, die dazu führt, dass Menschen beliebig erniedrigt werden.

Das Gegenbeispiel zum Despotismus: Die Republik.

    • Demokratie: Volk ist Instanz der Souveränität,
    • Aristokratie: Nur ein Teil des Volkes hat Mitspracherecht

Das „Bewegende“ Prinzip in einer Republik ist die Tugend:

    • Liebe für das Vaterland,
    • Idee der Gleichheit.

Bedingungen für Republiken: Überschaubarer Rahmen, niedrige Bevölkerungszahl, Integration in Republiken. Die Tugenden Vaterlandsliebe und die Idee der Gleichheit entstehen erst im Schutz der Institutionen der Republik. Integration läuft über die Verpflichtung auf bestimmte Werte. Um Integration zu gewährleisten ist Gewaltenteilung notwendig.

  • Modell der Verfassung:
    • Ausführende Gewalt (Exekutive)
    • Gesetzgebende Gewalt (Legislative)
    • Richterliche Gewalt (Judikatur)

Es gibt 3 Klassen:

    • König (hat ausführende Gewalt),
    • Adel (hat gesetzgebende Gewalt),
    • Dritter Stand (Bürgertum)

Wer die richterliche Gewalt hat, wird nicht gesagt, aber wahrscheinlich auch der Adel. Eine Verfassung auf der Basis von Gewaltenteilung garantiert das Zusammenwirken aller gesellschaftlichen Kräfte und damit entsteht Integration.

Montesquieu wurde von Auguste Comte und Emilè Durkheim aufgrund seiner Denkungsweise als „erster Soziologe“ benannt.


Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriel, Manfred (2005):
    "Geschichte der Soziologie. Vorlesung WS 2005/06. Paris Lodron Universität"
    Salzburg