Soziologische Klassiker/ Fraser, Nancy

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Grundstruktur des Kapitels:


Biographie in Daten[Bearbeiten]

Fraser Nancy

Nancy Fraser 2008
  • geboren 1947


  • Nancy Fraser ist eine US-amerikanische Politikwissenschaftlerin, mit einem Abschluss in Philosophie. Sie ist eine der bekanntesten amerikanischen Feministinnen, welche zusammen mit Andrew Arato die Zeitschrift „Constellations“ herausgibt. Darin werden hauptsächlich Kritiken an der Demokratietheorie behandelt. Nancy Fraser unterrichtet Politikwissenschaften an der New School for Social Research und beteiligt sich an der Frauenforschung an der Northwestern University of Chicago.

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Die Geschichte des Feminismus betrachtet Nancy Fraser als eine Geschichte des Fortschrittes, welche ihren Kern in den 70er Jahren hat. Die Träger waren weiße, heterosexuelle Frauen der Mittelschicht.

Die Geschichte des Feminismus kann unter anderem in drei Phasen eingeteilt werden, wobei die Erste im Zusammenhang mit neuen sozialen Bewegungen steht, die Zweite die Problematik der Identitätspolitik aufgreift und die Dritte bereits als Konzeptidee in die nationale Politik eingreift, mit der Absicht die männliche Dominanz zu beseitigen.


Werke[Bearbeiten]

  • Redistribution or Recognition? A Political-Philosophical Exchange. London: Verso, 1998

(in Zusammenarbeit mit Axel Honneth entstanden)

  • Justice Interrupturs: Critical Reflections on the „Postsocialst“ Condition. New York: Routledge, 1997
  • Feminist Contentions: A Philosophical Exchange. New York: Routledge,1994

(in Zusammenarbeit mit Seyla Benhabib, Judith Butler und Drucilla Cornell entstanden)

  • Unruly Practices: Power, Discourse and Gender in Contemporary Social Theory. Minneapolis: University of Minnesota Press and Polity Press, 1989
  • Feminist Contentions: A Philosophical Exchange. New York: Routledge, 1994

(in Zusammenarbeit mit Seyla Benhabib, Judith Butler und Drucilla Cornell entstanden)


  • Social Justice in the Age of dentity Politics: Redistribution, Recognition and Participation“, in: The Tanner Lectures on Human Values, Vol. 18. University of Utah Press.
  • “Communication, Transformation and Consciousness-raising“, in: Hannah Arendt and the Meaning of Politics. Ed. Craig Calhoun and John McGowan. University of Minnesota Press.
  • “Another Pragmatism: Alain Locke, Critical Race Theory and the Politics of Culture“, in: The Revival of Pragmatism: New Essays on Social Thought, Law and Culture. Ed. Morris Dickstein. Duke University Press, 1998.
  • “Social Criticism without Philosophy: A Encounter between Feminism and Postmodernism“. Communication, 1988. 345-366


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Politik der Anerkennung[Bearbeiten]

In erster Linie ging es Nancy Fraser, ähnlich wie anderen Feministinnen darum, kulturelle Veränderungen zu bewirken. Ausgegangen wird von der „Politik der Anerkennung“, im Speziellen auch kultureller Differenz, welche im Weiteren zur „Politik der Gleichheit“ umschlagen soll. Zunächst wird die Tatsache dargelegt, dass eine Trennung der Geschlechter, für das weibliche Geschlecht zum Nachteil eingesetzt wird indem diese Differenzierung zur ungleichen Chancenverteilung führt. Neben dem Problem der fehlenden Anerkennung gibt es noch jenes der ungerechten Güterverteilung, speziell am Arbeitsmarkt, und das der Unterrepräsentation in der Politik und Wirtschaft.

In Europa greift der Feminismus bereits in die ökonomische Politik, Herrschaftsstrukturen der globalen Wirtschaft angefochten werden und in die Strukturen der Europäischen Union eingegriffen wird, was den Aktionsrahmen erweitert.

Nancy Fraser zufolge muss eine Differenzierung der Geschlechterrollen anerkannt werden. Die Statusordnung der kapitalistischen Gesellschaft ist grundlegend für männliche Dominanz. Feministinnen versuchen aus dem Grund auf die weit verbreitete männliche Dominanz aufmerksam zu machen und streben eine Verbindung zwischen feministischer Differenz- und Identitätspolitik und dem Kampf für soziale Gerechtigkeit.


Postsozialistische Zeitalter[Bearbeiten]

Nancy Fraser richtet in ihrem Werk „Die halbierte Gerechtigkeit“ ihr Augenmerk auf Ungerechtigkeiten bezüglich der Arbeit und weist auf die Wichtigkeit von der Neubewertung unbezahlter Arbeit sowie der Familienarbeit hin.

Die US-amerikanische Politologin skizziert in den gesammelten Aufsätzen das gegenwärtige "postsozialistische Zeitalter", dem es an jeglicher fortschrittlichen Vision für ein besseres Leben mangelt und Gleichheitsbestrebungen zwischen Umverteilungs- und Anerkennungspolitik aufgerieben werden. Dabei gilt die Gleichheit der Geschlechter als wichtige Vorraussetzung für einen postsozialistischen Wohlfahrtsstaat. Diese kann durch das Modell der „universellen Betreuungsarbeit“ erreicht werden, in welchem die Arbeitszeit generell verkürzt wird und die Betreuungsarbeit in ein einheitliches Sozialsystem eingegliedert wird. Die Männer müssten somit auch ihre Erwerbsarbeit mit der Betreuungsarbeit kombinieren.

Außerdem sieht sie in der Dekonstruktion von Geschlechterrollen einen wichtigen Bestandteil für eine verändernde Ordnung. Jedoch ist die Schwelle zur größeren sozialen Umwälzung ebenso wie die Charakterisierung dieses Wandels, nicht genau feststellbar. Ihrer Meinung nach steht der Beginn dieses Wandels mit der Massenproduktion in engem Zusammenhang. Die Industriegesellschaft wird zunehmend zu einer Wissensgesellschaft, in welcher sich Frauen am Arbeitsprozess mehr beteiligen.


Wissensgesellschaft[Bearbeiten]

Der Feminismus wandelte sich von der Gesellschaftskritik in eine Wissenschaftskritik um.

Der Begriff „Wissensgesellschaft“ beruht auf der wandelnden Entwicklung vom Zeitalter der Industrieproduktion und der Maschinen im Zeitalter, in welchem Wissen produktiv eingesetzt und genutzt werden kann. Natürlich stellt man sich die Frage, was Wissen ist und welchen Stellenwert es in vergangenen Zeitaltern, im Vergleich zum jetzigen gesehen, eingenommen hatte. Man bemüht sich um eine einheitliche und umfassende Definition des Begriffes „Wissen“. Es sollte einen Bereich der Veränderungsoption einnehmen und schließlich für weitere Veränderungen, die noch nicht absehbar sind, offen sein. Das Wissen wird als ein kognitives Schema betrachtet, welches veränderungsbereit ist. Das Wissen wird als Vorraussetzung für den Vollzug einer Handlung angesehen. Das Wissen befähigt soziales Handeln.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Nancy Fraser kommt in dem Werk "Die halbierte Gerechtigkeit" als führende Theoretikerin des amerikanischen Feminismus zur Geltung und setzt sich mit der Situation der Linken nach dem Zusammenbruch des Sozialismus auseinander. Herlinde Pauer-Studer von der Frankfurter Rundschau jedoch bemängelt, dass es in diesem Werk im Bezug auf die Liberalismuskritik und den Begriff der „Privatheit“ an theoretischer Präzision fehle. Fraser verfüge über eine Menge Kenntnisse über die feministische Theorie-Debatte und sei auf die Subjektkonstitution, welche alles Politische in den Hintergrund stellt, zu sehr fixiert.

Der Neuen Zürcher Zeitung vom 23. Juni 2001 zufolge möchte Fraser in diesem Werk eine alternative Lösung für die Zersplitterung der „sozialen“ und „kulturellen“ Linken in den USA anbieten und verstrickt sich mit ihren Kolleginnen Seyla Benhabib und Judith Butler in ein "Scharmützel mit dem Ton von Besserwisserei".

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich-Böll-Stiftung [Hrsg.] (2002):
    "Gut zu Wissen-Links zur Wissensgesellschaft. Westfälisches Dampfboot"
  • Fraser, Nancy (2001):
    "Die halbierte Gerechtigkeit. Schlüsselbegriffe des postindustriellen Sozialstaats"
    Frankfurt am Main
  • Fraser, Nancy (2003):
    "Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse"
    Frankfurt am Main
  • Fraser, Nancy (1994):
    "Widerspenstige Praktiken. Macht, Diskurs, Geschlecht
    Frankfurt am Main


Internetquellen[Bearbeiten]