Soziologische Klassiker/ Geiger, Theodor

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Biographie in Daten[Bearbeiten]

Geiger Theodor Julius

  • geboren am am 9. November 1891 in München
  • gestorben am 16. Juni 1952 auf der Fahrt von Kanada nach Dänemark


  • Eltern:

Vater: Karl Geiger (?- 1942) Gymnasiallehrer und Gymnasialdirektor

Mutter: Philippine Géiger, geborene Unrein (?- 1908) Hausfrau


  • Kinder: keine
  • Ehe: mit Eline Marie Nicolaysen (1938)


Ausbildung[Bearbeiten]

1901-1910: Humanistisches Gymnasium in Landshut

1910: Abitur

1910-1914: Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und Würzburg

1918: Promotion zum Doktor der Rechtswissenschaften (Dissertation: Die Schutzaufsicht)


Berufliche Daten: Anstellungen[Bearbeiten]

1919-1920: Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in München

1920: Posten bei der Zeitschrift "Fremde Presse" bei der er über skandinavische Länder berichtete, Geiger zeigte schon früh ein Interesse für skandinavische Sprachen

1920-1929: Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter und Dozent der Soziologie an der Volkshochschule in Groß Berlin, ab 1924 ist er dort Geschäftsführer

1924-1933: Mitglied der technischen Hochschule in Braunschweig, er wird Lehrbeauftragter und später außerordenrlicher und ordentlicher Professor der Soziologie

1933: Emigration und Kündigung am 1.10.1933

1934-1938: Stipendiat der Rockefeller Foundation in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Volksökonomie in Kopenhagen

1938-1940: Professor der Soziologie an der Universität in Aarhus, 1940 verlässt er Aarhus (2. Weltkrieg)

1943-1945: Geiger gibt Gastvorlesungen an der Universität in Stockholm (Geiger flieht ins neutrale Schweden)

1945-1952: Geiger kehrt zurück nach Aarhus und wird wieder ordentlicher Professor an der Universität

1945: Begründung und Leitung des ersten soziologischen Forschungsinstituts in Skandinavien durch Geiger

1949: Geiger ist Mitbegründer der "International Sociological Association"

1951 und 1952: Gastvorlesungen an der Universität in Toronto (Kanada); Geiger unternimmt außerdem eine ausgedehnte Vortragsreise duch die USA


Wichtige private Ereignisse[Bearbeiten]

1914-1918: Freiwilliger im ersten Weltkrieg, er wird im ersten Weltkrieg verwundet

1933-1943: Exil in Dänemark

1918 : Geiger wird Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, aus der er jedoch im Dezember 1932 wieder austritt. (Wegen ihrer Haltung zur „nationalen Konzentration“)

1943 : Geiger muss unter dem Druck der Polizeimaßnahmen ins neutrale Schweden fliehen. (in Dänemark gibt es zahlreiche Anhänger des Nationalsozialismus).


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Theodor Geiger und seine Arbeit wurden sicherlich von den beiden Weltkriegen und seiner Emigration stark beinflusst. Bei seinen Arbeiten zur Massensoziologie analysierte Geiger auch das Phäomen des "Trenddenkens", besonders jenes der Jugendbewegungen zwischen den beiden Weltkriegen.

Der Nihilismus beeinflusste Geigers Konzept von den Normen. Seine Kritik am Nationalsozialismus hat sich in seinen Werken niedergeschlagen.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Geigers Arbeit war beeinflusst von der sogenannten formalen Soziologie besonders von Simmel, Tönnies und Vierkandt. Auch der Kontakt mit der "School of legal and moral philosophy" in Uppsala beeinflusste sein späteres Interesse für das Gesetz.


Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Die Masse und ihre Aktion. Ein Beitrag zur Soziologie der Revolution. Stuttgart 1926
  • Die Gestaltung der Gesellung. Karlsruhe 1928
  • Führen und Folgen. Berlin 1928
  • Die soziale Schichtung des deutschen Volkes. Soziographischer Versuch auf statistischer Grundlage. Stuttgart 1932
  • Erbpflege. Grundlagen, Planung, Grenzen. Stuttgart 1934
  • Aufgaben und Stellung der Intelligenz in der Gesellschaft. Stuttgart 1949
  • Ideologie und Wahrheit. Eine soziologische Kritik des Denkens. Stuttgart 1953
  • Die Gesellschaft zwischen Pathos un Nüchternheit. Aarhus/Kopenhagen 1960


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Geiger war der Begründer der Schichtungstheorie

Schichtung- Klassengesellschaft- soziale Mobilität

Geiger kritisiert das Klassenmodell von Marx, es ist für ihn ein Tendenztypus, aber kein realitätsgetreues Abbild. Geiger sagt, dass es auch eine Mittelschicht geben müsste, für ihn ist das Einkommen ein wichtiges Mittel zur Schichtung, das es erst möglich macht, die Schicht zu wechseln.

Geiger geht davon aus, dass die Menschen auf Grund der Schicht, der sie angehören und ihren damit verbunden Lebensverhältnissen eine Mentalität entwickeln, die sich eben von Schicht zu Schicht unterscheidet. Schicht ist für Geiger die Verknüpfung von einer sozialen Lage mit einer Mentalität und diese Mentalität spiegelt sich in der Lebensführung (=Lebensduktus) wider. Aber nicht alle Menschen einer Schicht entwickeln dieselbe Mentalität. Interessant ist weiters, dass Geiger vorhergesagt hat, welche Schichten sich von Nationalsozialimus angezogen fühlen werden.


Rechtssoziologie

Geiger fordert dazu auf, Rechtsbeziehungen nüchtern zu betrachten. Er sieht die Rechtssoziologie als Erfahrungswissenschaft. Das Recht ist für ihn eine "Sonderart sozialer Beziehungen" und er ist der Meinung, dass das Recht zur Ordnung des sozialen Zusammenlebens gebraucht wird.


Methodologie

Geiger war als einer der ersten europ. Soziologen empirisch tätig und entwickelte eigene Methoden der Erhebung und Darstellung.

Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Geigers Werke waren schnell vergriffen und er hatte auch außerhalb der Soziologie einen guten Ruf. Geiger wurde eher erst nach seinem Tod bekannt, was mitunter mit seiner Emigration nach Schweden im Zusammenhang steht. Zu Lebzeiten wurde ihm zu wenig Bedeutung zugemessen. Er hatte keine Schüler, die seine Arbeit weiter geführt hätten, und hat auch keine Schulen gegründet, die sein Werk nach seinem Tod weiterentwickelt hätten.


Seine Werke und Thesen sind bis heute aktuell. Sie sind auch heute noch für die Soziologie wichtig. Schichtung ist bis heute ein wichtiges Thema und wird es auch noch lange bleiben, auch wenn wir heute eher von Milieus und sozialer Lage sprechen und nicht mehr von einer Schicht, bleiben die Überlegungen, die dahinter stehen, trotzdem die Gleichen.


Literatur[Bearbeiten]

  • Kaesler, Dirk [Hrsg.] (2003):
    "Klassiker der Soziologie. Band 1 Von Auguste Comte bis Norbert Elias, 4. Auflage"
    München


  • Geiger, Theodor(1969):
    "On social order and mass society : selected papers / ed. and with an introd. by Renate Mayntz"
    Chicago