Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Dominanz und Macht im Geschlechterverhältnis

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Theorien zu Dominanz und Macht im Geschlechterverhältnis[Bearbeiten]

Tönnies[Bearbeiten]

Aus Tönnies Ausführungen geht klar hervor, dass das männliche Geschlecht über dem weiblichen steht.Er beschreibt also das Geschlechterverhältnis nicht als komplementär, in dem die Akteure, also Mann und Frau gleichrangig agieren. Beispiel dieses Machtungleichgewichts wird in der Sicht familiärer Strukturen deutlich, in denen der Vater die beherrschende Rolle innehat. Im Bild des Mannes als Vaterfigur vereinen sich nach Tönnies die drei Arten der Würde (Alter, Stärke und Weißheit).

Männliche Dominanz wird als von der Natur vorgeschriebener Kulturzustand befürwortet und gleichzeitig dadurch legitimiert. Im gesellschaftlichen Rahmen können zwei Prinzipien gelten, das männliche und weibliche, um Orientierung in der sozialen Welt zu finden. Dennoch erkennt Tönnies den erstarrenden und unbeweglichen Gegensatz der Geschlechter.

Simmel[Bearbeiten]

Die Tragik der Männlichkeit sieht Simmel dort, wo die eigene Wesensbestimmung Einheit verlangt, diese ihm jedoch lebenslang verwehrt bleibt. Der Mann ist demnach verflucht, durch die innere Zerrissenheit als Folge von Objektivierung, das Selbst als Einheit nie zu erleben. Hieraus zieht er den Schluss der vorherrschenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse zwischen Mann und Frau begründet.

Simmel verbindet die Geschlechtlichkeit der Frau mit dem einfachen Sein und die des Mannes mit dem Tun und Handeln. Das Wesen beider Geschlechter und die damit verbundene Identität ist beim Mann leichter zu fassen, da die Zuordnung männlichen Handelns = menschliches Handeln mehr Raum für die Entfaltung von Identität bietet. Sein Handeln wird nicht als Zuweisung eines geschlechtsspezifisch zu ort baren Handeln verstanden, sondern als allgemein menschliches Tun, was dazu führt dass das männliche Handeln außerhalb der Geschlechtzugehörigkeit bestimmt wird. “Obwohl beide Geschlechter mithin etwas Absolutes ausdrücken, das männliche “als übergeschlechtlich Objektives”, das weibliche “als übergeschlechtlich Fundamentales", resultiert daraus keine soziale Gleichheit.” [1] Der daraus entstehende Machtvorteil kommt dem Mann zu, die Frau wird somit zum Objekt männlichen Herrschaftsmechanismen und erfährt hierbei ihre Prädestination. Das männliche Handeln hebt sich somit über das weibliche, welches durch das ursprüngliche Sein gekennzeichnet ist. Dabei entsteht eine Paradoxie, bei dem das weibliche Geschlecht zwar ersichtlich, jedoch nicht im Begriff Ausdruck findet. Das männliche Geschlecht findet zwar Einlauf in das System der Differenziertheit, kann jedoch nicht durch geschlechtliche Zugehörigkeit bestimmt werden. Die natürlichen Bedingungen, die die Frau durch die Mutterschaft definiert, lassen dem Mann zum Träger der Arbeitsteilung werden, demzufolge entsteht auch die Dichotomie (wie bei Tönnies) von der weiblichen Natur und der männlichen Kultur. Die Anstöße die Simmel hierbei liefert, sind teilweise Grundlage für aktuelle Diskussionen. Die Geschlechterdifferenz ist ein Konstrukt der sozialen Gesellschaft, aber dennoch nicht neutral zu bewerten, vielmehr in das Verhältnis von Macht und Herrschaft zu unterteilen. Das Herrschaftsverhältnis erfährt durch die männliche = allgemein Perspektive Stabilität und entzieht sich somit der Wahrnehmung. Das Geschlecht findet auch Ausdruck in der sozialen Praxis.

Durkheim[Bearbeiten]

Zum Herrschaft- und Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern äußert sich Durkheim lediglich zu den Unterschieden zwischen männlichem und weiblichem Körperbau, der dem Mann die dominierende Position zukommen lässt. Damit eine Familie funktioniert, bedarf es der Unterordnung der Frau, wobei hier keine Verbindung zu Unterdrückung gemeint ist. Auch die Familie unterliegt einem Prozess, indem die Frau sich unterordnet, aber es wird ihr gleichzeitig eine große Bedeutung als Mutter und Ehefrau zugeschrieben. “Der Mann sieht sich mehr und mehr als der Gefährte der Frau, und seine Gewohnheit, seine Frau als minderwertig zu betrachten, schwindet. Diese Entwicklung vollzieht sich nicht gegen, sondern innerhalb und auf der Basis der patriarchalen Familie[2] Dass sich dieser Zustand ändert, liegt außerhalb Durkheims Vorstellungsvermögens.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Meuser (1998)
    Geschlecht und Männlichkeit: Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster'
    Leske + Budrich, Opladen


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Meuser, 1998 Seite 38
  2. Vgl. Meuser, 1998 Seite 49