Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Männlichkeit

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Definition[Bearbeiten]

„Männlichkeit“ steht für kulturell zugeschriebene Eigenschaften, die einen „Mann“ definieren. Das „Männliche“ steht der „Weiblichkeit“ als Gegenpol gegenüber. Die männlichen Eigenschaften sind dem kulturellen Wandel unterworfen und variieren sowohl gesellschaftlich, wie auch historisch.[1]

Theorien zur Männlichkeit[Bearbeiten]

Hegemoniale Männlichkeit

Die „hegemoniale (vorherrschende) Männlichkeit“ ist einer von Raewyn Connell geprägter Begriff, der entscheidend zu den men studies beigetragen hat, schnell zu einem Grundbegriff der Männerforschung wurde und sich auch in der Geschlechterforschung etabliert hat. Die hegemoniale Männlichkeit beschreibt die Macht- und Herrschaftsverhältnisse, sowohl zwischen heterosozialen und homosozialen Beziehungen.[2]

Connell erkennt die gesellschaftliche Dominanz der Männer nicht primär als ein Resultat von Gewaltausübung, sondern Vernetzung von Männlichkeit und Autorität auf symbolischer und institutioneller Ebene.

Connell spricht von Männlichkeit auch in der Mehrzahl: d.h. von „Männlichkeiten“. Sie erarbeitete in historischen und kulturellen Analysen, dass es nicht nur eine, sondern viele Ausprägungen von Männlichkeit gebe, die auch in ein und derselben Kultur gleichzeitig existieren könnten

Hagemann-White[Bearbeiten]

„Weiblichkeit“ und „Männlichkeit“ als messbare Persönlichkeitsmerkmale

Um „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ zu messen kann man sich in empirischen Studien auf die Selbsteinschätzung der Befragten berufen. Dabei wird jedoch die Realität (tatsächliches Verhalten) nicht berücksichtigt. Kinder im Vorschulalter benennen klar die weiblichen und männlichen Stereotypen, wenn man sie danach fragt, was sie unter als „weiblich“ und „männlich“ verstehen. Bei der Selbstbeschreibung weichen sie jedoch stark von diesen Typen ab.[3]

Sich selber Eigenschaften des „anderen“ Geschlechts zu zuschreiben steigert bei beiden Geschlechtern das Selbstbewusstsein. Somit haben Jungen die an sich „weibliche“ Eigenschaften erkennen ein höheres Selbstwertgefühl, umkehrt gilt das gleiche für Mädchen.

Georg Simmel[Bearbeiten]

Männliche Differenziertheit und weibliche Einheitlichkeit

Wie kein anderer Klassiker der Soziologie beschäftigt sich Simmel ausführlich mit der zentralen Bedeutung der Geschlechterthematik, besonders auf die neue Frauen- und Geschlechterforschung wird des öfteren Bezug auf seine Arbeiten genommen. Das prinzipielle Konzept der Geschlechtersoziologie erfährt durch das genaue Beleuchten der Wechselwirkungen beider Geschlechter Erweiterung. Nach Simmel erhält der differenzierte Mann als Wesen seine Geschlechtlichkeit erst durch die Relation zur einheitlichen Frau seine Geschlechtsidentität.(Deutlichkeit und Schemata im 1911 herausgebrachten Aufsatz: “ Das Relative und das Absolute im Geschlechter - Problem”) Simmel fragt nach der sozialen Konstitution der geschlechtlichen Ungleichheit. “Indem Simmel genau danach fragt und indem er auf die Perspektivität des Allgemeinen, Objektiven, Sachlichen hinweist, trägt er zu einer soziologischen Entzauberung des Fraglosen bei.” [4]

Dabei zeigt er aber auch auf, dass nicht nur der Mann seine eigene überlegene Funktion wahrnimmt, sondern auch auf Seiten der Frau Akzeptanz besteht, diese als allgemein gültig hinzunehmen. Simmel zeigt einen doppelten Maßstab des Mannes an die Frau auf. “ Zum einen werden die Frauen den allgemeingültigen (sprich: männlichen) Kriterien unterworfen, zum anderen sind sie mit Erwartungen an das spezifisch Weibliche konfrontiert. Dem einen können sie nur ungenügend gerecht werden, das andere wird, sobald es `geliefert` wird, abgewertet, ist keine der männlich vergleichbaren Leistung. Weder die eine noch die andere Strategie verhilft der Frau zu einer Anerkennung der Person (Schicksal der Sklaven)” [5]

Nach Simmel ist der Mann für Differenziertheit und individuelle Entfaltung prädestiniert und wird im Geschlechterverhältnis damit stets in Verbindung gebracht. Das daraus resultierende Bedürfnis nach Einheitlichkeit, welches der Mann selbst nicht stillen kann, lässt die Suche, Erwartung und Forderung beim weiblichen Geschlecht entstehen. Dabei ist ein Bezug zur Entwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zu erkennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartfiel und Hillmann [Hrsg.] (1982)
    "Wörterbuch der Soziologie"
    Dritte Auflage
    Alfred Kröner Verlag Stutgart
  • Fuchs-Heinritz, Lautmann, Rammstedt, Wienold [Hrsg.] (2007)
    Lexikon zur Soziologie
    Vierte Auflage
    Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden
  • Carol Hagemann-White (1984)
    Sozialisation: weiblich-männlich?
    Leske Verlag und Budrich GmbH Meisenheim
  • Michael Meuser (1998)
    Geschlecht und Männlichkeit: Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster
    Leske + Budrich, Opladen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.Hartfiel und Hillmann, 1982, S. 461
  2. Vgl. Fuchs-Heinritz, 2007, S. 408
  3. Vgl.Hagemann-White, 1984 S. 25
  4. Vgl.Meuser, 1998 S. 34
  5. Vgl.Meuser, 1998 S. 35