Soziologische Klassiker/ Geschlechterforschung/ Micheal Meuer

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Michael Meuser[Bearbeiten]

Geschlecht: Soziale Rolle oder soziale Konstruktion?[Bearbeiten]

Erst ab der Mitte des 20.Jahrhunderts wurden Arbeiten der Klassiker (Tönnies, Simmel und Durkheim) über das Geschlechterverhältnis erneut aufgegriffen und erweitert. Besonders durch die Arbeiten von Talcott Parsons erfährt die Geschlechterbeziehung in Bezug auf die Rollentheorie in der Soziologie wieder mehr Aufmerksamkeit.

Geschlechtsrollentheorie[Bearbeiten]

Der Begriff der Geschlechterrolle meint das Konzept, welches den sozialwissenschaftlichen Diskurs über das Verhältnis der Geschlechter bestimmte, wobei vor allem Probleme und Kennzeichen der männliche Geschlechterrolle und der damit verbundenen Identifikation im Mittelpunkt psychologischen Interesses standen. In den USA diente das Konzept der männlichen Geschlechtsrolle als psychologisch grundlegende Erklärung zum Verständnis männlicher Erfahrung und Wahrnehmung. Um theoretisch die Rolle des Mannes zu fassen, gelten hierfür zwei Aspekte. Der erste Aspekt umfasst die unmittelbare Verbindung der Geschlechterrolle mit dem biologischen Geschlecht, welches seine Identität durch den Erwerb und Besitz bestimmten Eigenschaften und Merkmale erfährt. Der zweite Aspekt umfasst die Übereinstimmung geschlechtsspezifischer Skalen von typisch männlichen und weiblichen Eigenschaftsmustern. Der Normalfall von Heterosexualität zweigt sich in den viel verwendeten Modifikationen Maskulinitäts- und Femininitätsskalen. Als extremste Form der Abweichung gilt die Homosexualität, die aufgrund fehlender Instinktsteuerung erklärt wird.

Geschlechtsrollentheorie: Kritik[Bearbeiten]

Sie geht in keiner Weise auf die Verhältnisse zwischen Mann und Frau ein, im Hinblick auf Macht-, Herrschafts- und Ungleichheitskomponenten. Im weiteren enthält die Geschlechtsrollentheorie keine klare Unterscheidung zwischen dem biologischen und sozialen Geschlecht, sondern versteift sich vielmehr auf den weiblichen und männlichen Unterschied, der in einem Dualismus kategorisiert wird. Mann und Frau werden in zwei vorgefertigte Modelle verfrachtet, die sie mit einem bestimmten Rollenset ausstatten, welche sich aber von vornherein ausschließen. Daher ist der Wandlungsprozess im Geschlechterverhältnis kaum fassbar. Mängel liegen auch im empirischen Bereich vor. Es gibt zwar Normen und Rollenerwartungen die an die Frau und den Mann herangetragen werden, diese sind aber nicht empirisch überprüft.

Männerforschung[Bearbeiten]

In den siebziger Jahren gab es einen enormen Boom der Forschungen über die männliche Rolle infolge der Aufkommenden feministischen Kritiken. “ Diese neue Forschung zur männlichen Geschlechterrolle fragt des weiteren danach, welche Folgen der soziale Wandel des Geschlechterverhältnisses für den Mann hat.”[1] Die Folgen die die Veränderungen innerhalb des Geschlechterverhältnisses mit sich bringen legen die Vermutung nahe, “dass seit den siebziger Jahren Mannsein bedeutet, mit einer Fülle von Unsicherheiten und widersprüchlichen Anforderungen leben zu müssen. Zwar sind Männer nicht Opfer geschlechtlicher Diskriminierung, aber durch die rigide Geschlechtsrollensozialisation erfahren auch sie Unterdrückung ”.[2] Der Trend männliche Eigenschaften zu negieren und Schlecht zu machen, stellt dem positiv etablierten traditionellen Rollenbild des Mannes ein neues Gesicht gegenüber, das der männlichen Psyche, welches immer mehr in die männliche Krise führt. Die veränderte Perspektive auf sich verändernde Rollendefinitionen löst eine Welle der Kritik auf Seiten der Frauenforschung, aber auch der in der 70er Jahren entstanden “men studies”.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Meuser (1998)
    Geschlecht und Männlichkeit: Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster'
    Leske + Budrich, Opladen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl, Meuser 1998, Seite 59 - 60
  2. Vgl, Meuser 1998, Seite 60