Soziologische Klassiker/ Gouldner, Alvin

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Biographie in Daten[Bearbeiten]

Alvin Ward Gouldner

  • geboren am 29. Juli 1920 in New York City
  • gestorben am 15. Dezember 1980 in St. Louis, Missouri


  • Eltern: Jüdische Einwanderer


Ausbildung:[Bearbeiten]

  • 1937: Highschoolabschluss
  • Gouldner Studierte Soziologie, Philosophie, Sozialpsychologie und Geschichte am New Yorker City College (CCNY) und an der Columbia University.
  • 1941: B.B.A. (business degree)
  • 1945: M.A.
  • 1953: Ph.D.


Berufliche Daten:[Bearbeiten]

  • 1959 bis 1967: Professor der Soziologie an der Washington University
  • 1962: Präsident der Society for the Study of Social Problems
  • Seit 1967: Max-Weber-Professor der Soziologie an der Washington University in St. Louis
  • 1972 bis 1976: Professor der Soziologie in Amsterdam

Außerdem Lehraufträge und Gastprofessuren an der University of Buffalo, Antioch College, University of Illinois, Harvard University, Hebräische Universität Jerusalem, Universität Warschau, Freie Universität Berlin, Universität Stockholm


Andere Tätigkeiten:[Bearbeiten]

Gründer und Herausgeber einflussreicher sozialwissenschaftlicher Fachzeitschriften:

  • 1963 - 1966: "Trans-Action"
  • seit 1969: "New Critics Press"
  • seit 1974: "Theory and Society"

Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Die Frankfurter Schule aber auch C. Wright Mills trugen wesentlich zu Gouldners Sichtweise der Rationalität und des Kritizismus bei. Das Interesse an Bürokratie, Macht und Wissen zeigt den Einfluss der Weberschen Tradition auf die Arbeit von A. W. Gouldner.


Werke[Bearbeiten]

Hauptwerke:[Bearbeiten]

  • Studies in Leadership (1950)
  • Industry and Bureaucracy. Ph.D. Dissertation (1953)
  • Patterns of Industrial Bureaucracy (1954)
  • Wildcat Strike (1954)
  • Emile Durkheim's Socialism and Saint Simon (1958)
  • Gouldner und Richard A. Peterson: Notes on Technology and the Moral Order (1962)
  • Enter Plato: Classical Greece and the Origins of Social Theory (1965)
  • The Coming Crisis of Western Sociology (1970)
  • For Sociology: Renewal and Critique in Sociology Today (1973)
  • The Dialectic of Ideology and Technology (1976)
  • The Future of Intellectuals and the Rise of the New Class (1979)
  • The Two Marxisms (1980)
  • Against Fragmentation: The Origins of Marxism and the Sociology of Intellectuals (1985)


Gouldner publizierte in vielen Zeitschriften und Journalen, u.a. in folgenden: "American Journal of Sociology", "Social Problems", "American Sociological Review".

Beispiel:

  • "The Norm of Reciprocity: A preliminary Statement." In: American Sociological Review 25: 161- 178.


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Gouldners Hauptinteresse lag immer in der Erneuerung und Kritik der Gesellschaftstheorie. Unter dem Einfuß von Webers Bürokratietheorie entstanden Arbeiten wie „Patterns of Industrial Bureaucracy“ (1954) und „Wildcat Strike“ (1955) mit Inhalten wie Streiks, Management und Sozialer Kontrolle. In den 60er Jahren wandelte sich Gouldners Interesse in Richtung Marxismus und wissenschaftliche Soziologie. Kombiniert mit dem Studium der antiken Klassengesellschaft, v. a. der Sklaverei, Problemen der Ideologiebildung, der Massenkultur und der Revolution, entstand eine Kulturkritik, immer in Bezug auf die Tiefenstruktur des modernen Lebens, die nicht nur Anhänger fand.


In seinem Hauptwerk „The Coming Crisis of Western Sociology“ formulierte Gouldner in den ersten beiden Teilen die Rekonstruktion soziologischer Theoriebildung mit Konzentration auf Parsons methodische Vorgangsweisen. Der dritte Teil ist eine umstrittene Studie zum Funktionalismus und Marxismus und dessen Auswirkungen im Ostblock. Im vierten Teil erarbeitete er die Grundlagen der Reflexiven Soziologie: Die Soziologie selbst sollte zur Praxis und somit zum Bestandteil der Alltagskultur werden. Das Hauptaugenmerk muss nach Gouldner in der Soziologie auf wissenschaftliche Analysen gelegt werden, diese wiederum müssen in die soziologische Theoriebildung eingebettet werden. Ist die Soziologie selbst Praxis, muss der Soziologe selbst auch Teil davon sein und dies in der Analyse berücksichtigen. Reflexion ist von Nöten da der Wissenschaftler dem Untersuchungsobjekt nicht wertfrei gegenüberstehen kann.


„Eine reflexive Soziologie wäre eine moralische Soziologie“.


Die Reflexive Soziologie stellt eine wissenschaftliche Haltung und Arbeitsethik des Soziologen dar.


Prinzip der Reziprozität (und Komplementarität):

Geben und Nehmen bzw. Tauschhandlungen in sozialen Beziehungen erfolgen nach bestimmten Regeln, die insgesamt "Reziprozitätsnorm" genannt werden können. Diese besagt, dass die Tauschbeziehung auf Gegenseitigkeit beruht, was zur Folge hat, dass sowohl der Gebende als auch der Nehmende diese Beziehung als befriedigendes Verhältnis empfindet.

Eine Formulierung der Reziprozitätsnorm besteht aus zwei Teilen. Das erste Prinzip lautet: „Du sollst denen helfen, die dir in der Vergangenheit geholfen haben.“ Das zweite Prinzip: „Du sollst denen, die dir in der Vergangenheit geholfen haben, nicht schaden.“ Das bedeutet, dass sich aus Erfahrungen in früheren Interaktionen mit einem Tauschpartner eine Verhaltensvorschrift für spätere Interaktionen ableitet. Daneben gibt es eine weitere Form, die sogenannte negative Reziprozität, die häufig als Rechtfertigung für Vergeltungsmaßnahmen Verwendung findet: „Du darfst denen, die dir in der Vergangenheit geschadet haben, schaden.“

Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Mit der Reflexiven Soziologie beschäftigten sich in den USA während der 70er Jahre Generationen von Studenten. Die linksliberale Kritik der Schulsoziologie gibt Gouldners Werk als Standardliteratur an, welches sensible und informierte Kritik an den westlichen Soziologien übt. Gouldners Ansatz einer praktisch gewordenen Soziologie fand in den 80er Jahren in Deutschland in die wissensoziologisch informierte Verwendungsforschung Eingang.

Die Reziprozitätsnorm wurde von James Coleman im Bereich der „rational choice theory“ als rationale Erklärung für reziproke Tauschhandlungen und der daraus resultierenden Folgen verwendet.


Literatur[Bearbeiten]

  • , J., J. (1999)
    "Alvin W. Gouldner: Sociologist and Outlaw Marxist. Aldershot (u.a.)"
    Ashgate
  • Maier, J. (1984):
    "Gouldner, Alvin W In: Bernsdorf, W., Knospe, H. [Hrsg.] Internationales Soziologielexikon, Band 2"
    Stuttgart, S.302-303
  • Mutz, G./ Alvin W. Gouldner (2000):
    In Kaesler, D., Vogt, L. [Hrsg.]: Hauptwerke der Soziologie"
    Stuttgart, S. 176-180
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Internetquellen[Bearbeiten]