Soziologische Klassiker/ Gumplowicz, Ludwig

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Ludwig Gumplowicz

  • geboren am 9. März 1839 in Krakau
  • gestorben am 19. August 1909 in Graz


  • Eltern: waren Juden, Namen sind unbekannt
  • Ehe: unbekannt
  • Kinder: keine


Biographie:

  • 1875: nach absolviertem Jus- und Publizistikstudium begann er eine akademische Lehrtätigkeit in Graz als Dozent für Verwaltungslehre
  • 1882: er wurde außerordentlicher Professor in Graz
  • 1893: er wurde ordentlicher Professor an der Uni Graz
  • 1905: er veröffentlicht das Buch "Geschichte der Staatstheorien"
  • 1909: Veröffentlichung des Buches "Der Rassenkampf"
  • 1910: nach seinem Tod, Veröffentlichung von "Sozialphilosophie im Umriss"


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Gumplowicz kam in Krakau (welches damals noch zur Donaumonarchie zählte) zur Welt und war von jüdischer Abstammung, weshalb er schon früh mit den Problemen der Minderheiten vertraut war. Diese Problemstellung hat ihn auch sein Leben lang begleitet. Des Weiteren wurde er vom Sozialdarwinismus enorm beeinflusst, welcher zu dieser Zeit im Vormarsch war.

Zur Biographie:

Das Werk "Der Rassenkampf" wurde erstmalig nicht 1909, sondern bereits 1883 vom Verlag der Wagnerschen Universitätsbuchhandlung in Innsbruck herausgegeben.

Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Gumplowicz wurde, wie bereits erwähnt, sehr stark vom Sozialdarwinismus beeinflusst. Dieser stützt sich auf die Ideen von Charles Darwins Evolutionstheorie. Durch die biologische Entwicklung der Menschen soll mit logischem Schluss die Analyse menschlicher Gesellschaften folgen (siehe auch Positivismus). Die Hauptaussagen des Sozialdarwinismus waren folgende:

  • Kampf und Konflikt als Entwicklungsmotor für sozialen Wandel.
  • Die Chancen von Gruppen im Kampf hängen dabei von ihrer genetischen Überlegenheit ab.


Werke[Bearbeiten]

  • Grundriss der Soziologie. (Wien, 1877)
  • Rasse und Staat. (Wien, 1875)
  • Philosophisches Staatsrecht. (Wien, 1877)
  • Der Rassenkampf. (Innsbruck, 1883)
  • Die Soziologische Staatsidee. (Graz, 1892)
  • Soziologische Essays. (Innsbruck, 1899)
  • Geschichte der Staatstheorien. (Innsbruck, 1905)


Posthum:

  • Sozialphilosophie im Umriss. (Innsbruck, 1910)


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Ausgangspunkt seiner Theorien waren die so genannten Gruppen (damals noch als „Rassen“ bezeichnet). Den Staat beschrieb er als „Unterwerfungsinstitution“ der jeweils an der Macht stehenden Gruppe. Er hat versucht, seine Gruppentheorie mithilfe der Sozialdarwinistischen Sichtweise zu erklären. Dabei versuchte er, den sozialen Wandel als ein Ergebnis des Konflikts zwischen Gruppen (in ethischer Hinsicht) zu erklären. Dies wird auch intersoziale Selektion genannt.

Eine weitere Aussage von ihm war folgende: „Nur eine soziale Einwirkung erzeugt einen sozialen Zustand“. Er verfolgt die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft von ihren Anfängen bis zum modernen Staat. Was er dabei beobachtet ist, dass der Mensch grundsätzlich Konflikte braucht, um überleben zu können. Gumplowicz meint, dass es nur durch Konflikte zu einer Weiterbildung der Gesellschaft kommen kann. Weiters ist er der Ansicht, dass zumeist eine Minorität die Herrschaft über eine Majorität ausübt.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Aufgrund seiner rhetorischen Fähigkeiten als Vortragender hatte er zahlreiche Schüler im italienischen, polnischen, und auch deutschsprachigen Raum. Joseph Schmumpeter baute seine „Klassentheorie“ auf dem Werk „Rassenkampf“ von Gumplowicz auf. Durch seine Aussagen zur sozialen Gruppe hat er auch Vorarbeit für die heutigen Konflikttheorien geleistet. Gustav Ratzenhofer griff seine Ideen auf und versuchte diese weiterzuentwickeln. Des Weiteren beeinflusste er ebenfalls Albion Small, Ward, Trade, Durkheim, Simmel und Franz Oppenheimer.


Literatur[Bearbeiten]

  • Schmid, Josef in Oesterdiekhoff, Georg W. [Hrsg.] (2001):
    "Lexikon der soziologischen Werke"
  • Eisermann, G. in: Bernstorf, W./ Knospe, H. [Hrsg.] (1980):
    "Internationales Soziologenlexikon"
    Stuttgart
  • Mozetic, Gerald in: Kaesler, Dirk/ Vogt, Ludgera [Hrsg.] (2000):
    "Hauptwerke der Soziologie"
    Stuttgart

Internetquellen[Bearbeiten]