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Soziologische Klassiker/ Lazarsfeld, Paul Felix

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Biographie in Daten

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Lazarsfeld Paul Felix

  • geboren am 13. Februar 1901 in Wien, Österreich
  • gestorben am 30. August 1976 in New York, USA


Eltern:

Vater: Robert Lazarsfeld (1871-1940)

Mutter: Sophie Lazarsfeld, geborene Munk (1881-1976), Individualpsychologin und Publizistin

Geschwister: Elisabeth Henriette "Liesl" Lazarsfeld (1905-1986), sozialdemokratische Parteifunktionärin


1. Ehe: 1927 Marie Jahoda (1907-2001), Sozialpsychologin

2. Ehe: 1936 Herta Herzog (1910)

3. Ehe: 1949 Patricia Louise Kendall (1921-1990), Sozialwissenschaftlerin

Kinder: Lotte Franziska Lazarsfeld (1930), Sozialpsychologin, Professor of Management; Robert Lazarsfeld (1953)


Ausbildung:

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1919: Matura an einem Wiener Gymnasium

1919-1924: Studium der Mathematik und Physik an der Universität Wien

1924: Dr. Phil. der Mathematik

1924-1925: Post-Graduierten-Studium an der Sorbonne in Paris


Berufliche Daten:

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1925-1929: Gymnasialprofessor für Mathematik und Physik in Wien

1927-1933: Mitglied des Psychologischen Instituts der Universität Wien als Assistent von Karl Bühler und Charlotte Bühler mit Lehrauftrag für Psychologie

1931-1933: Initiator und wissenschaftlicher Leiter der "Österreichischen Wirtschaftspsychologischen Forschungsstelle" in Wien

1933-1935: Forschungsprojekt der Rockefeller Foundation in den USA

1935-1936: Supervisor bei der National Youth Administration in New Jersey

1936-1937: Direktor des Research Center der Universität von Newark, New Jersey

1937-1940: Forschungsdirektor und Co-Direktor des von der Rockefeller Foundation geförderten Office of Radio Research an der Princton University in Princeton, New Jersey

1939-1971: Fakultätsmitglied der Columbia University; zuerst Associate Professor, dann Full Professor of Sociology; erster Quetelet Professor of Social Sciences; Chairman des Graduate Department of Sociology

1940-1976: Direktor des Bureau of Applied Social Research in New York; legte später die Leitung zurück und blieb seit 1949 Associate Director. Intensive Zusammenarbeit mit Merton

1963: Gründung des Instituts für Höhere Studien in Wien zusammen mit Oskar Morgenstern; wiederholt hier als Gastprofessor tätig

1971-1976: Distinguished Professor of Social Sciences an der Universität in Pitsburgh, Pennsylvania


Andere Tätigkeiten:

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Berater des War Production Board im US-Kriegsministerium während des 2. Weltkriegs

1949: Berater der New York Public Service Commission on Canned Music

1948-1949: Gastprofessor an der Universität Oslo

1962-1963 und 1967-1968: Gastprofessor an der Sorbonne Paris

Außerdem Mitarbeit an zahlreichen TV Reasearch Commissions und am TV Bureau of Advertising


Wichtige private Ereignisse:

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1933: Emigration in die USA

1943: Annahme der Amerikanischen Staatsbürgerschaft

Historischer Kontext

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Bereits 1933 arbeitete er in den USA an wissenschaftlichen Projekten, was ihm die spätere Flucht vom Austro – Faschismus erleichterte, da er bereits Bekanntschaften mit Wissenschaftlern hatte. Außerdem war es in den Staaten nicht, wie dies in Europa der Fall war, verpönt, Projekte aus ökonomischen Prämissen zur Finanzierung von wissenschaftlichen Arbeiten heranzuziehen.


Theoriegeschichtlicher Kontext

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Vor allem die Mitarbeiter an seinen Projekten, unter anderem Robert K. Merton und James Coleman, profitierten von seinen methodischen Ansätzen.


Werke

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  • 1931: Jugend und Beruf. Kritik und Material.
  • 1933: Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langdauernder Arbeitslosigkeit. (Mit Marie Jahoda & Hans Zeisel)
  • 1944: The people's choice. How the voter makes up his mind in a presidential campaign. (Mit Bernard Reuben Berelson & Hazel Gaudet)
  • 1948: What is sociology?
  • 1955: Personal influence. The part played by people in the flow of mass communications. (Mit Elihu Katz)
  • 1958: Academic mind. Social scientists in a time of crisis. (Mit Wagner Thielens jr.)
  • 1968: The use of panels in social research..


Das Werk in Themen und Thesen

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Empirische Sozialforschung

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Paul F. Lazarsfeld gilt als der Begründer der modernen empirischen Sozialforschung. Er definierte verschiedene methodische Vorgangsweisen zur Datenerhebung. Am bekanntesten ist die zusammen mit Marie Jahoda und Hans Zeisel durchgeführte Untersuchung über die Arbeitslosigkeit in Marienthal. Seine dabei charakteristischen Vorgangsweisen :

Regel 1: Es ist wichtig Daten aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen (Datentriangulation) zu erheben, auszuwerten und zu interpretieren (z.B.: Auswertung von Tagebücher und Schularbeiten, Beobachtungen einer Ärztin, Interviews, etc.).

Regel 2: Um ein exakteres Ergebnis zu erhalten, sollte man sowohl subjektive (z.B.: Interview über das Befinden einer Person) also auch objektive (z.B.: Messung der Gehgeschwindigkeit) Daten einfließen zu lassen.

Regel 3: Es sollen gegenwärtige und vergangene Zustände Teil des Erhebungsgegenstandes sein.

Regel 4: Neben „natürlichen“, also verdeckt beobachteten Daten (non-reaktiv; z.B.: Gespräche zwischen Nachbarn), sollten auch experimentelle, d.h. offen erhobene Daten (reaktiv; z.B.: Befragung mittels Fragebogen) herangezogen werden.

Regel 5: Man sollte sowohl „einfache“ (z.B.: Geschlechterverteilung) als auch „komplexe“ (z.B.: Analyse von Netzwerken) Daten heranziehen.


Die Arbeitslosen von Marienthal

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Das Marienthal war eine wirtschaftlich aufblühende Gemeinde, bedingt durch die ortsansässige Fabrik. Nach der Schließung der Fabrik 1929 entstand große Arbeitslosigkeit und damit wurde die Existenzgrundlage vieler Bewohner bedroht. Die im Ort Gebliebenen bildeten die Grundgesamtheit für die durchgeführte Studie. Untersuchungsgegenstand war die Frage, wie die Menschen auf Arbeitslosigkeit reagieren bzw. wie diese ihren Lebensstil beeinflusst. So wurde in dieser Studie Kontakt zu diversen Gruppen und Vereinen geschlossen und weiters wurden auch von den Wissenschaftlern, zur Erhebung von weiteren Daten, bestimmte Initiativen gegründet (z.B.: Kleidersammlung, Erziehungsberatung, Turnverein usw.). So entstand, ausgehend von der Beschäftigungslosigkeit, ein äußerst eindeutiges Bild der Perspektivenlosigkeit. Die Ergebnisse der Untersuchung von 478 Familien waren zum Beispiel: Der Verlust des Zeitbewusstseins und soziale Desorganisation.


Diese Studie würde man heute als Aktionsforschung bezeichnen. Aktionsforschung bedeutet, dass der Wissenschaftler selbst teilnehmender Gegenstand der Untersuchung ist und den Untersuchungsgegenstand beeinflusst (Reaktivität).


„The Academic Mind“ (1958)

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The Academic Mind war eine Studie zur Überprüfung, wie sehr sich der Druck des McCarthyismus auf die Lehrenden an US – amerikanischen Colleges und Universitäten auswirkte. Bedeutend an dieser Studie sind die methodischen Ansätze die er verwendet, die immer noch beispielhaft sind. Um z.B. die Produktivität der Lehrenden zu bestimmen, bildet er verschiedene Kategorien (Dissertation; Dissertation und mind. eine Veröffentlichung; + mind. ein Buch, usw.) und versieht sie mit Punkten (1 Punkt für Dissertation, 2 Punkte für + Veröffentlichung, 3 Punkte für + ein Buch, usw.). So ergibt sich ein Index für Produktivität. Diese Vorgangsweise ist typisch für Lazarsfelds Umgang mit latenten Variablen.


„The People’s Choice“ (1944)

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Sie ist die erste bedeutende Wahluntersuchung in den USA, bei der Lazarsfeld eine neue Forschungsmethode erfolgreich benutzte. Die Studie untersuchte den Präsidentschaftswahlkampf 1940 zwischen dem Republikaner Willkie und dem Demokraten Roosevelt, mit der zentralen Fragestellung „How the Voter makes up his mind in a Presidential Campaign?”

Das Neue an seiner Methode (Panel Methode) war, dass er sieben Mal, in gewissen Zeitabständen, die gleichen potentiellen Wähler befragte. Dadurch ließ sich erstmals der Einfluss großer Reden, Wahlkundgebungen bis hin zu Stellungsnahmen in lokalen Zeitungen des Untersuchungsgebietes feststellen. Die Ergebnisse seiner Studie brachten aber auch noch andere Ergebnisse. Er fand heraus, dass die meisten Wähler im Voraus zu einer Partei tendieren. Diese Prädisposition wird durch die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe bestimmt, dabei gilt je niedriger der sozio - ökonomische Status, desto wahrscheinlicher ist die Wahl der demokratischen Partei. Weiters zeigte er die hohe Bedeutung der Interaktionen der Wähler auf. Er formulierte die Idee des „opinion leaders“, der sein Umfeld nicht nur politisch berät, sondern auch versucht, anders Gesinnte zu überzeugen. Er entdeckte diesen opinion leader in allen gesellschaftlichen Gruppierungen. Aufbauend auf dieser Idee entwickelte er eine weitere These: „the two step flow of communication“. In dieser beschreibt er, wie Massenmedien ihre Zielgruppen in zwei Schritten - über die opinion leader - erreichen.


Rezeption und Wirkung

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Paul Felix Lazarsfeld gilt als Begründer der modernen Sozialforschung. Auf Grund ihrer Methodologie, Entwicklung durch projektnahes Arbeiten und seiner Bemühung um Institutionalisierung konnte er seine visionären Gedanken umsetzen.

Weiters definierte er seine eigene Rolle in der amerikanischen Medienforschung und wird damit als intellektueller Begründer der modernen Kommunikationsforschung gesehen. Seine Werke stellen auch für Gegenwart und Zukunft verschiedener Disziplinen eine bislang bei weitem nicht ausgeschöpfte Herausforderung dar.


Literatur

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  • Kaesler, Dirk [Hrsg.] (1999):
    "Klassiker der Soziologie: Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu"
    München, S.7-22
  • Bernsdorf/ Knospe (1984
    "Internationales Soziologenlexikon Band 2: Beiträge über lebende oder nach 1969 verstorbene Soziologen. 2., neu bearbeitete Auflage"
    Stuttgart, S. 476
  • Oesterdiekhoff, Georg W. [Hrsg.] (2001)
    "Lexikon der soziologischen Werke. 1. Auflage"
    Wiesbaden, S.379
  • Langenbucher, Wolfgang R. [Hrsg] (1990):
    "Paul F. Lazarsfeld. 1. Auflage"

Internetquellen

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