Soziologische Klassiker/ Münch, Richard

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Münch Richard

  • geboren 1945 in Pforzheim Deutschland
  • Studium an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg
  • 1971 Promotion in Heidelberg
  • 1972 Habilitation an der Universität Augsburg
  • 1974 - 1976: Professur an der Universität zu Köln
  • 1976 - 1995: Professur an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf
  • seit 1995: Professur an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg
  • mehrere Gastaufenthalte an der University of California in Los Angeles
  • schrieb außerdem mehrere Bücher
    • das bisher Letzte: "Soziologische Theorie Bd. 3; Gesellschaftstheorie" erschien 2004


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Es ist nicht ersichtlich und daher auch nicht anzunehmen, dass es bedeutende Ereignisse von allgemeiner Relevanz im Leben Richard Münchs gab, die über das Private hinausgehen. Auch durch historische Ereignisse wurde er wie es scheint, nicht über das, in der Natur von Ereignissen liegende Maß beeinflußt.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Zunächst vertrat Münch den von Talcott Parsons begründeten Strukturfunktionalismus und dessen Systemtheorie. Er verteidigte Parsons "grand theory" recht erfolgreich gegen z.B. die Systemtheorie Niklas Luhmanns. Richard Münch gilt nicht zuletzt wegen der immer wiederkehrenden Anlehnung an das Werk von Parsons als der "amerikanischste" deutsche Soziologe. Auch sonst beschäftigt er sich immer wieder mit der US Amerikanischen Gesellschaft und vergleicht diese häufig mit Europas Gesellschaft, die er im Verhältnis als sehr rückständig ansieht.

1982 entwirft Münch in seiner "Theorie des Handelns" eine Rekonstruktion über die Theorien von Talcott Parsons, Emile Durkheim und Max Weber. Als Bezugsrahmen verwendet er Parsons "AGIL-Schema" = "four functions paradigm". Das "AGIL-Schema" beschreibt, dass funktionale Differenzierung in autonomen Systemen als ein sekundärer Vorgang gesehen werden muss, und nicht als „fundamentales Bauprinzip der Moderne“(Bernd Giesen). Ganz im Gegenteil, er verdecke sogar den integrativen Kern der modernen Ordnung. Die Anhänger des Symbolischen Interaktionismus machten Parsons den Vorwurf, dass in seinem System das individuelle Handeln (Mikroebene) gegenüber den gesellschaftlichen Normen und Strukturen (Makroebene) vernachlässigt wird. Richard Münch verteidigte Parsons zwar gegen dessen Gegner, jedoch betont er die Wichtigkeit des Zusammenspiels von individuellem Handeln und der sozialen Ordnung. Diese Koexistenz bezeichnet er selber als "die zentrale Idee der Moderne". 1998 ruft Münch die "Originale Dritte Moderne" aus, welche sich auf die vorher erwähnte zentrale Idee stützt.("Originale Zweite Moderne" von Ulrich Beck)

1986 verfasst Münch "Die Kultur der Moderne", wobei er wieder auf Parsons "AGIL-Schema" zurückgreift. Münch unterstützt in seinen Werken Talcott Parsons, wohingegen er ein großer Kritiker Luhmanns ist. Laut Luhmann existieren gesellschaftsweite, verbindliche Wertvorstellungen nicht. In jedem „geschlossenen“ System wie Wirtschaft, Politik, Familie etc. zählen jeweils andere Werte. Münch dagegen betont die permanente Spannung der Realität mit den eigenen Bedürfnissen und das gegenseitige Durchdringen der Werte aller Funktionssysteme.

In den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts greift Münch Jürgen Habermas Theorie über die Moderne auf und treibt sie auf die Spitze. Münch kritisiert die Theorien der Postmoderne ebenso wie auch die durch New Age und Buddhismus inspirierte Esoterik.


Werke[Bearbeiten]

1972 Mentales System und Verhalten. Grundlagen einer allgemeinen Verhaltenstheorie / (Dissertation)

1973 Gesellschaftstheorie und Ideologiekritik / (Habilitationsschrift)

1976: Theorie sozialer Systeme. Eine Einführung in Grundbegriffe, Grundannahmen und logische Struktur / Westdeutscher Verlag.

1976: Legitimität und politische Macht / Westdeutscher Verlag.

1982: Basale Soziologie: Soziologie der Politik / Westdeutscher Verlag.

1982: Theorie des Handelns. Zur Rekonstruktion der Beiträge von Talcott Parsons, Emile Durkheim und Max Weber / Frankfurt a. M.: Suhrkamp

1984: Die Struktur der Moderne. Grundmuster und differentielle Gestaltung des institutionellen Aufbaus der modernen Gesellschaften / Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

1986: Die Kultur der Moderne. Bd. 1: Ihre Grundlagen und ihre Entwicklung in England und Amerika, Bd. 2: Ihre Entwicklung in Frankreich und Deutschland / Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

1991: Dialektik der Kommunikationsgesellschaft / Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

1993: Das Projekt Europa. Zwischen Nationalstaat, regionaler Autonomie und Weltgesellschaft / Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

1994: Sociological Theory Vol. I: From the 1850s to the 1920s, Vol. II: From the 1920s to the 1960s, Vol III: Development Since the 1960s. Chicago / Nelson Hall.

1995: Dynamik der Kommunikationsgesellschaft / Frankfurt a.M.: Suhrkamp

1996: Risikopolitik / Frankfurt a.M.: Suhrkamp

1998: Globale Dynamik, lokale Lebenswelten / Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

2001: Offene Räume. Soziale Integration diesseits und jenseits des Nationalstaats / Frankfurt a.M.: Suhrkamp

2002: Soziologische Theorie. Bd 1: Grundlegung durch die Klassiker / Frankfurt a.M., New York: Campus.

2003: Soziologische Theorie. Bd 2: Handlungstheorie / Frankfurt a.M., New York: Campus.

2004: Soziologische Theorie. Bd 3: Gesellschaftstheorie / Frankfurt a.M., New York: Campus.


Sonstige Tätigkeiten[Bearbeiten]

  • 1982-1985: Mitherausgeber des “American Journal of Sociology”
  • 1985-1989: Mitherausgeber des “Current Perspectives in Social Theory”
  • seit 1998: Mitherausgeber der „Soziologische Revue“
  • seit 2000: Mitherausgeber der “Zeitschrift für Soziologie“

Weiters:

  • Mitglied im Fachbeirat des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln
  • Mitglied des wissenschaftlichen Direktoriums des Instituts für Europäische Politik in Berlin
  • Mitglied im Konzil der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Sprecher des Interdisziplinären Graduiertenkollegs „Märkte und Sozialräume in Europa“


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

  • Schwerpunkte seiner Arbeit:
    • soziologische Theorie
    • historisch-vergleichende Soziologie
    • empirische Gegenwartsdiagnose
  • Forschungsschwerpunkte:
    • Gesellschaftstheorie
    • komparative Makrosoziologie


Ein Thema das Münch intensiv beschäftigt, ist die Moderne sowie die moderne Gesellschaft. Vor allem verglich er in dieser Frage Europa und die USA . Lange Zeit betonte Münch den Mangel an Modernität in Europa gegenüber der modernen Gesellschaft der USA. Doch in seinen neueren Publikationen fällt sein Urteil schon etwas milder aus. Europa erscheint ihm nun eher als "gemäßigt" modern. Weiters gesteht er Europa zu, durch Solidarität die negativen Folgen der Moderne mildern zu können.

Im Zusammenhang mit der Moderne steht auch Münchs Zuwendung zu der empirischen Gegenwartsdiagnose, auf welche er sich in den 1990er Jahren spezialisierte. Münch betrachtet die Moderne so wie auch Jürgen Habermas als unvollendet. Im Gegensatz zu Habermas jedoch darüber hinaus auch als „unvollendbares Projekt“. Münch sieht zum Beispiel den Kommunismus als Versuch an, die Moderne als vollendet zu erklären.

Seit etwa 2005 tritt Münch in der Öffentlichkeit besonders mit seiner Kritik an der Reform des Hochschulsystems hervor. Seine - wie Kritiker sagen: wenig differenzierte - Kritik an der "unternehmerischen" Hochschule verbreitet er mit großem emotionalen Engagement in Büchern, Zeitschriften und Interviews.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Richard Münch hat seit 1995 den Lehrstuhl für Soziologie II an der Universität Bamberg inne. Auch veröffentlicht er immer wieder Bücher, ist Mitglied diverser Institute und seit 2000 Mitherausgeber der “Zeitschrift für Soziologie“.

Zur Zeit beschäftigt er sich mit der Moderne sowie mit der Entwicklung der modernen Gesellschaft. (siehe: "Die Kultur der Moderne" -1986)

Da Niklas Luhmann ein Gegner Talcott Parsons ist, kritisierte dieser auch Münchs Werk stark, wie dies auch meisten anderen Kritiker von Parsons tun.


Internetquellen[Bearbeiten]