Soziologische Klassiker/ Maffesoli, Michel

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Maffesoli Michel

  • geboren am 14. November 1944:in Graissessac (Hérault), in Frankreich


  • Maffesoli besuchte das Gymnasium Henri IV in Béziers.
  • 1969: Im März heiratet er Hélène Strohl, mit der er vier Töchter hat.
  • 1971: Maffesoli absolviert bei Lucien Braun und Julien Freund seine Studienabschlussprüfung. Die Abschlussarbeit trägt den Titel "Explications et modification. La technique chez Marx et Heidegger". Anschließend nimmt Maffesoli eine Assistentenstelle an der Universität Pierre Mendès-France in Grenoble an.
  • 1973: Aus den Arbeiten in Grenoble über die Alltagskultur der einfachen Leute entsteht seine Doktorarbeit.
  • 1978: Maffesoli schließt seine Habilitationsarbeit mit dem Titel "La dynamique sociale ("Die gesellschaftliche Dynamik") im Juni ab.
  • 1978: Im selben Jahr kehrt er wieder nach Straßburg zurück, wo er die Leitung für Konfliktforschung übernimmt. Er besetzt die Position des Maître-Assistant, was soviel wie selbstständig lehrender Oberassistent auf Lebenszeit bedeutet.
  • 1981: Maffesoli wird auf die Pariser Université René Descartes (Paris V) - Sorbonne- berufen, um den Lehrstuhl für Soziologie zu besetzen.
  • 1982: Maffesoli gründet mit Georges Balandier das Centre d`Etudes sur l`Actuel et le Quotidien (CEAQ) an der Sorbonne. In der von Maffesoli gegründeten und herausgegebenen Zeitschrift "Sociétés" werden viele Arbeiten der CEAQ veröffentlicht.
  • 1988: Er gibt die Zeitschrift "Cahiers de l‘Imaginaire" heraus. Diese Zeitschrift gehört zum Centre de Recherche sur l`Imaginaire in Paris, das er seit Anfang der 1980er Jahre, nunächst gemeinsam mit Gilbert Durand und später dann alleine, leitet.
  • Ebenfalls Anfang der 1980er Jahre organisieren Michel Maffesoli und Georges Balandier die ersten großen Soziologiekongresse in Frankreich.
  • 1990: Maffesoli erhält unter anderem den Prix de l`Essai André Gautier für das Buch "Au creux des apparences" (deutsche Übersetzung: "Im Hohlraum der äußeren Erscheinungen").
  • 2003: Maffesoli bekommt den Orden des Chevalier der französischen Ehrenlegion und weitere Titel, wie z.B. des Chevalier du mérite. Letzterer gilt in Frankreich als höchste Auszeichnung für militärische oder zivile Verdienste, die französische Gesellschaft betreffend.


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Michel Maffesoli ist in einer kleinen Ortschaft in den Cevennen geboren. Seine Familie väterlicherseits ist eine Einwandererfamilie. Der Großvater stammte aus Norditalien und seine Großmutter aus Algerien. Dort lernten sich die beiden auch kennen und zogen 1910 gemeinsam nach Frankreich. Maffesolis Vater wurde in Graissessac geboren. Seine Mutter hingegen stammte aus einer alteingesessenen franzözischen Familie, die in der selben Region lebte.

Graissessac und seine Bewohner/innen waren stark durch den Untertage-Kohlebergbau beeinflusst. Durch diese Einnahmequelle lebten zahlreiche Immigrant/innen in dem Ort, v.a. aus Spanien, Italien,Polen,etc. Maffesoli wuchs also in einer Umgebung auf, die von der harten Bergbauarbeit, welche auch die Beschäftigung seines Vaters darstellte, geprägt war. Zu Maffesolis stärksten Erinnerungen gehört das Heulen der Sirene, welche ein Unglück ankündigte:

"In my childhood,the sound of the bell brought every woman, dressed in black, to the coal mine to organize immediate funerals" [1]

Der Arbeitsalltag in Graissessac wurde regelmäßig durch kollektive Dorffeiern, bei denen die Familien das schwere Leben vergessen konnten, unterbrochen.

Maffesolis Schulkarriere ist nicht mit der Ausbildung vieler seiner Kolleg/inn/en in Eliteschulen vergleichbar. Meffesoli besuchte das Gymnasium Henri IV in Béziers, in Südfrankreich. Nach einer kurzen Zeit in Lyon, wo Maffesoli Propädeutik und Literaturwissenschaften studierte, wechselt er 1967 an die Universität Straßburg. Dort beginnt er mittelalterliche Philosophie und Soziologie zu studieren. Zu dieser Zeit herrschen Student/inn/enunruhen und politischer Aufstand. In Straßburg war es die Zeit der Situationisten.

Die Situationistische Internationale war eine anarchistische und aktionistische Gruppierung, die hauptsächlich aus Avantgardkünstler/inne/n und Intellektuellen bestand, und von 1957-1972 existierte. Guy Debord ist die zentrale Figur in dieser Bewegung. Die Situationistische Internationale befasste sich vor allem mit Malerei,Theorie,Geschichte und Stadtplanung, wobei sich der Fokus immer mehr in Richtung Politik richtete. Ihre Ideen waren anarchistisch und libertär. Maffesoli hat sich in Gruppen aufgehalten, die dieses Gedankengut auch lebten und teilte großteils die Ideen von Debord, außer dessen in der "Gesellschaft des Spektakels" geäußerte Entfremdungskritik. Außerdem beschäftigte sich Maffesoli in Heidelberg, wo er sich während seiner Studienzeit in Straßburg oft aufhielt, mit dem deutschen Rätekommunismus.

Als Maffesoli 1971 die Assistentenstelle am Institut für Stadtforschung an der Université Pierre Mendes Frances in Grenoble annimmt, arbeitet er hauptsächlich am Thema Alltagskultur der einfachen Leute. Die Sozialist/inn/en, welche die Stadtpolitik in Grenoble zu dieser Zeit bestimmten, befürworteten eine Veränderung der gegenwärtigen Situation, hin zum "Totalitarismus der planenden und kalkulierenden Vernunft" (Keller 2006:14). Maffesoli stimmte der Einstellung der Sozialist/inn/en mit ihrer Haltung der Anarchie und des Situationsismus zu und ist bis heute ein Freund des libertären Denkens, des Anarchismus und Situationismus geblieben.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Zu Maffesolis bedeutendsten Lehrern während seiner Studienzeit zählen vor allem Lucien Braun, der auf dem Gebiet der Philosophie und Mystik des Mittelalters ein Fachmann war, und der Konfliktsoziologe Julien Freund. Durch sie lernt Maffesoli auch Max Weber und Georg Simmel kennen. Maffesoli orientiert sich schließlich an Simmels Grundverständnis von Soziologie. Auch Karl Marx hat Maffesoli beeinflusst, genauer die philosophisch-marxistischen Strömungen. Aus dieser Perspektive untersuchte Maffesoli die "Funktionsweise des Imaginären" (Keller 2006:14), nachzulesen in Logique de la domination" ("Die Logik der Herrschaft" 1976).

Auch das Werk von Martin Heidegger hat Maffesoli nachhaltig beeinflusst, wie auch die philosophischen Ansätze von Friedrich Nietzsche: z.B. die Annahme einer beständigen Wiederkehr des Gleichen oder die strikte Amoralität (vgl. Keller 2006:36). Aspekte der alten Kritischen Theorie mit Vertretern wie Henri Lefèbvre oder Herbert Marcuse sind in Maffesolis Werken ebenso wiederzufinden.

Da Maffesoli sich vor allem für theoretisch fundierte qualitative und interpretative Methoden in der Soziologie interessiert und ausspricht, befasst er sich auch eingehend mit der Lektüre von Soziolog/inn/en, die eine phänomenologische und wissenschaftssoziologische Tradition verfolgen, wie u.a. Alfred Schütz, Peter Berger und Thomas Luckmann.

Im Hinblick auf den gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Zusammenhalt beruft sich Maffesoli auf Emil Durkheims Reflexionen.

Die Position Maffesolis zum Sinnbild des Dionysos wurde vor allem durch Georges Bataille beeinflusst, auch wenn Maffesoli Bataille nicht in allen Bereichen zustimmt.

Zur Bedeutung des Imaginären, was einen Schwerpunkt in Maffesolis Arbeit darstellt, schließt er vor allem in späteren Arbeiten an den Zugang von Carl Gustav Jung an.

Guy Debord sollte an dieser Stelle auch genannt werden, da er ja wie bereits erwähnt, eine zentrale Figur des Situationismus darstellte, deren Ideen Maffesoli weitgehend teilte.

In den Jahren, die Mafffesoli in Grenoble verbringt, entstehen auch Freundschaften mit anderen Randgängern der französischen Soziologie, wie etwa zu dem Philosophen und Schriftsteller Jean Baudrillard,Gilbert Durand, einem der bedeutendsten Mentoren von Maffesoli,Edgar Morin, der eine eigenständige Form systemtheoretischer und soziologischer Reflexion auf die Komplexität der Beziehungen von Gesellschaft und Natur entwickelt hat (vgl. Keller 2006:21) und Pierre Sansot, der sich vor allem mit den Phänomenen der Alltagskultur beschäftigte.

Der Afrikaexperte,Ethnologe und Soziologe Georges Balandier ist auch eine präsente Figur in Maffesolis Leben, so ist er zum Beispiel eine jener Personen, die Maffesoli zu dem Lehrstuhl für Soziologie an der Pariser Sorbonne verholfen haben und neben Maffesoli, Organisator der ersten großen Soziologiekongresse in Frankreich. Außerdem sind er und Maffesoli gemeinsame Gründer des Centre d'Études sur l'Actuel et le Quotidien (CEAQ) an der Sorbonne.


Werke[Bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten]

Maffesoli, Michel (1976): Logique de la domination. Paris

Maffesoli, Michel (1979): La Violence totalitaire. Paris

Maffesoli, Michel (1979): La Conquête du présent. Sociologie de la vie quotidienne. Paris

Maffesoli, Michel (1982): L'Ombre de Dionysos. Contribution à une sociologie de l'orgie. Paris

Maffesoli, Michel (1984): Essais sur la violence banale et fondatrice. Paris

Maffesoli, Michel (1985): La Connaissance ordinaire, précis de sociologie compréhensive. Paris

Maffesoli, Michel (1988): Le Temps des tribus. Le déclin de l'individualisme dans les sociétés de masse. Paris

Maffesoli, Michel (1990): Au Creux des apparences. Pour une éthique de l'esthétique. Paris

Maffesoli, Michel (1992): La Transfiguration du politique. Paris

Maffesoli, Michel (1993): La Contemplation du monde.

Maffesoli, Michel (1996): Éloge de la raison sensible. Paris

Maffesoli, Michel (1997): Du Nomadisme. Vagabondages initiatiques. Paris

Maffesoli, Michel (1997): Le Mystère de la conjonction. St Clément de Rivière

Maffesoli, Michel (2000): L'Instant éternel. Paris

Maffesoli, Michel (2003): Notes sur la postmodernité. Le lieu fait lien. Paris

Maffesoli, Michel (2003): Le voyage ou la conquête des mondes.

Maffesoli, Michel (2004): Le Rythme de la vie. Paris

Maffesoli, Michel (2004): La Part du Diable. Champs-Flammarion

Maffesoli, Michel (2007): Le Réenchantement du Monde. Paris


Werke in Kollaboration[Bearbeiten]

Maffesoli, Michel / Pessin, Alain (1978): La violence fondatrice. Paris

Maffesoli, Michel / Bruston, Andre (1979): Violence et transgression. Paris

Maffesoli, Michel (1980): La galaxie de l'imaginaire. Dérive autour de l'oeuvre de Gilbert Durand. Paris

Balandier, Georges / Maffesoli, Michel (1981): Les Sociologies I. Band 1. Paris

Balandier, Georges / Maffesoli, Michel (1981): Le pluriel. In: Recherches Sociologiques: Vol 13, Nr.1/2. Straßburg

Balandier, Georges / Maffesoli, Michel (1982): Les Sociologies I. Band 2. Louvain

Rivière, Claude / Maffesoli, Michel (1985): Une Anthropologie des Turbulences. Hommage à Georges Balandier. Paris

Maffesoli, Michel (1989): The Sociology of Everyday Live. In: Current Sociology. ISA. The Sociology of Everyday life: Vol 37, Nr.1. London


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Michel Maffesolis praktisches Verständnis von Soziologie[Bearbeiten]

Um die wichtigsten Thesen Maffesolis zu verstehen, ist es notwendig etwas über seine Einstellung zur Soziologie und seine "Praktizierung" der Soziologie zu wissen: Wie bereits erwähnt, steht Maffesoli für ein qualitative, interpretative und verstehende Soziologie aus einer libertären Perspektive. Deshalb sind auch seine wichtigsten behandelten Themen und Thesen nicht auf das Logische reduzierbar und quantifizierbar. Vielmehr geht es um ein affirmatives soziologisches Erkennen. (vgl. Keller 2006:62).

" Ist das, was ich mache, etwas Wissenschaftliches? Da bin ich mir nicht sicher. Nehmen Sie es lieber als eine Art von Wachträumerei, der ich nachgehe und die ich zur Diskussion stelle." [2]

Die Umsetzung von Maffesoli´s Ideen werden als "Phänomenologie des "Stils" und der "Formen" postmoderner Sozialität" (Keller 2006:69)bezeichnet. Diese operiert mit verschiedenen Techniken des Sichtbarmachens, wie z.B Metaphern. "Stil" bedeutet in diesem Sinn, zum Beispiel eine epochenspezifische Ausdrucksform, bei Maffesoli besonders die Unterscheidung zwischen "modernem" und "postmodernem" Stil. Seiner Meinung nach reflektiert der Stil einer wichtigen Zeitspanne, das Denken und Gefühl einer Kultur. "Formen" bezeichnen in diesem Sinn die verschiedenen Strukturbildungen innerhalb sozialer Beziehungen. (Vgl. Keller 2006:62-77)


Themen und Formanalysen[Bearbeiten]

Macht und Gewalt[Bearbeiten]

Maffesoli macht bei seinen Reflexionen über Gewalt, aber auch Macht und Herrschaft auf die "Doppelgesichtigkeit" aufmerksam. Auf der einen Seite ist Gewalt zerstörerisch, auf der anderen Seite schaffend. Gründungen von modernen Nationen beruhen meist auf Gewaltanwendungen.

Außerdem unterscheidet Maffesoli zwischen der"totalitären Gewalt der institutionalisierten Mächte", wie Bürokratien oder Staaten, einer "begründenden anomischen Gewalt sozialer Kollektive" und der "banalen,im Alltagsleben ritualisierten Gewalt".

In Bezug auf das Politische unterscheidet Maffesoli zwei soziale Erscheinungsformen:

  • "puissance": nicht-organisierte bzw. -institutionalisierte Macht. Erinnert an Nietzsches "Wille zur Macht".
  • "pouvior": politisch institutionalisierte und legitimierte Macht (z.B.: Staatsmacht)

(Vgl. Keller 2006:78-93)


Das Alltagsleben[Bearbeiten]

Für Maffesoli stellt das Alltagsleben einen Ort der widerständigen und nicht politischen Sozialität, aber auch die"sich vollziehende Vergemeinschaftung" (Maffesoli 1985b:13, zit. nach: Keller 2006:94) dar. Der Alltag ist ein "Mittel der schöpferischen Alternative und Widerstandsraum" (vgl. Balandier 1983:12, in: Keller 2006:93).

Für die soziologische Analyse hat Maffesoli zwei Ansatzpunkte herausgearbeitet:

  • Alltagsleben, als Ausdruck der existenziellen Sinnlosigkeit ("Sein zum Tode")
  • Alltag, durchzogen von Rituellem und Irrationalem, welche die "grundsätzliche Tragik der Existenz auffangen" (Keller 2006:94)


Das Dionysische Paradigma[Bearbeiten]

In der griechischen Götterwelt ist Dionysos ein Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Er stellt sowohl Liebe als auch Tod dar, ist Symbol von der "Entfesselung" von Sorgen, aber auch des Leidens und der Widersprüche.

Nach Nietzsche, Freud und Durkheim greift u.a. Maffesoli die unproduktiven und dionysischen Aspekte des Alltagslebens wieder auf. Er versucht diese Situationen des "Außer-Sich-Seins" (Keller 2006:101), des Rausches und der Ekstase empirisch nachzuweisen und im nächsten Schritt die Argumentation einer Wieder-Verbreitung des Dionysischen zu entwickeln. Damit ist eine Verbindung von neuem Hedonismus, der Ökologie-Bewegung und der "Zirkulation der Leidenschaften" gemeint (Vgl. Keller 2006:100f.). Die Logik der Vergemeinschaftung beginne, so Maffesoli, die Logik der Vergesellschaftung abzulösen. Der Orgiasmus stellt in diesem Zusammenhang das Verschmelzen des Individuums mit dem Kollektiv zu einer "konfusiellen Ordnung korrespondierender Elemente" (Keller 2006:102) dar.


Neo-Tribalismus und postmodernes Nomadentum[Bearbeiten]

  • Neo-Tribalismus: Maffesoli hat die These aufgestellt, dass der Gesellschaftsvertrag durch ein konfliktreiches, zergliedertes und sich ständig neu arrangierendes Netz aus "Stammesbildungen"abgelöst wird. Er bezeichnet diese "Abstimmung" als "postmoderne Form des sozialen Bandes" (Maffesoli 1993a:73, zit. nach: Keller 2006:106). Der Begriff des Stammes verdeutlicht, dass die Verbindungen nicht zweckorientiert sind, sondern aufgrund gemeinsamer Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen entstehen. Innerhalb des Stammes bestehen Rituale, Zwänge, etc., an die sich die Mitglieder des Stammes halten müssen. Kennzeichnend für den Neo-Tribalismus ist das dynamische Hin und Her zwischen der "Masse" und den Stämmen, wobei auch gemeint ist, dass die Zugehörigkeit zu einem Stamm nur temporär ist und Stammeswechsel möglich sind.
  • postmodernes Nomadentum: Die Individuen agieren in dieser postmodernen Gesellschaftsform als ruhelose "Nomaden" zwischen den Stämmen. Der postmoderne Nomade ist als Idealtypus zu verstehen. Er ist in den vielen sozialen Kreisen, in denen er verkehrt sowohl zugehörig, als auch außerhalb, zugleich verbunden und getrennt. Er lehnt das Streben nach Konsistenz und Eindeutigkeit ab. Vielmehr ist er ein dahintreibendes Individuum auf der Entdeckung verschiedenster Möglichkeiten und Selbstverwirklichung.(Vgl. Keller 2006:106-123)


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Dass Michel Maffesoli für seine Leistungen reichlich Anerkennung findet, lässt sich schon aus dem Kapitel "Biographie in Daten" (siehe Beginn des Artikels), in dem einige Auszeichnungen aufgelistet sind,ableiten. Auch die Auflagenzahlen seiner Bücher sprechen für Maffesoli. Allerdings gilt er unter manchen französischen Soziolog/inn/en durch seine "anderen" Ansichten als Aufrührer.

Insgesamt hat Maffesoli jedoch wichtige Begriffe geprägt und zahlreiche Denkanstöße sowie Forschungsprogramme geliefert. Weltweit nutzen Soziolog/inn/en seine Arbeit für ihre Forschungen. Aktuelle Beispiele wären Themen wie z.B. Banden der Pariser Metro-Unterwelt, Drogenszenen, etc. Im deutschen Sprachraum wurden seine Arbeiten vor allem von Dietmar Kamper und Christoph Wulf für das Projekt einer "Historischen Anthropologie der Leidenschaften" genutzt. Im englischsprachigen Raum trifft man vor allem auf seine Theorien zum Neo-Tribalismus und zum postmodernen Nomadentum. Außerdem gilt er in Cultural Studies als bedeutender französischer Kulturtheoretiker (Vgl. Keller 2006:123-126)


Literatur[Bearbeiten]

  • Keller, Reiner (2006):
    "Michel Maffesoli. Eine Einführung"
    Konstanz
  • Evans, David (1997):
    "Michel Maffesoli´s sociology of modernity and post-modernity: an introduction and critical assesment. In: The Sociological Review: Vol.45"
    S.220-243
  • Fish, Jonathan S. (2003):
    "Stjepan Mestrovic and Michel Maffesoli´s "implosive" defence of the Durkheimian tradition: theoretical convergences around Baudrillard´s thesis on the "end" of the social In: The Sociological Review: Vol.51, Nr.2"
    S.257-275
  • Keller, Reiner (1988):
    "Das ästhetische Paradigma in der Soziologie von Michel Maffesoli. Ein exemplarischer Vergleich französischer und deutscher Theorien der Gegenwart. Unv. Diplomarbeit"
    Bamberg
  • Keller, Reiner (2006):
    "Michel Maffesoli. Die Rückkehr der Stämme in der Postmoderne In: Moebius, Stephan / Quadflieg, Dirk [Hrsg.]: Kultur. Theorien der Gegenwart"
    Wiesbaden
  • Keller, Thomas (2004):
    "Ein französischer Lebenssoziologe. Michel Maffesoli In: Moebius, Stephan / Peter, Lothar [Hrsg.]: Französische Soziologie der Gegenwart"
    Konstanz


Internetquellen[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maffesoli, 2005, S. 200, zit. nach Keller, 2006, S. 10
  2. Maffesoli 2004c, zit. nach Keller, 2006, S. 62