Soziologische Klassiker/ Mills, C. Wright

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Charles Wright Mills


  • Mills Charles Wright
  • geboren am 28. August 1916 in Waco, Texas;
  • gestorben am 20. März 1962 in Nyack, New York


Großeltern Mütterlicherseits

Großvater Braxton Bragg Wright, Viehzüchter

Großmutter Elizabeth Gallagher Wright, Tochter von irländischen Einwanderern

Vater Charles Grover Mills, Versicherungsvertreter

Mutter Frances Ursula Mills, geborene Wright und Hausfrau

Geschwister 1 Schwester

1 Ehe 1937 Dorothy Helen James, geschieden 1940

Kinder Pamella Mills, Lehrerin

2 Ehe 1941 neuerlich Dorothy Helen James, geschieden 1947

3 Ehe 1947 Ruth Harper, Statistikerin, geschieden 1959

Kinder Kathryn Mills, Verlagsangestellte

4 Ehe 1959 Yaroslava Surmach, Künstlerin und Fotografin,

Kinder Nik Mills

Nationalität Amerikaner

Religion römisch-katholisch, nicht praktizierend


  • 28.8.1916: Charles Wright Mills wurde als zweites von zwei Kindern in Waco, Texas geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt er in seinem Geburtsort, bis die Familie nach Dallas umzieht.
  • vor 1934: Beginn der eigentlichen Schullaufbahn an der Technical High School in Dallas. Auf dieser katholisch geprägten Schule soll Mills die Grundlagen für eine spätere Ausbildung zum Ingenieur erhalten.
  • 1934 - 1935: 1934 wechselt er zum Texas Agricultural and Mechanical College. Mills bleibt dort jedoch nur ein Jahr. Welche Umstände Mills veranlassten das Texas A&M zu verlassen, sind nicht genau bekannt. Vielleicht war er, mit der von den Eltern vorgesehenen sicheren Karriere nicht einverstanden.
  • 1935 - 1939: Im Herbst 1935 geht Mills an die University of Texas nach Austin. Unter David L. Miller (Philosophie), Clarence E. Ayres, früherer Mitarbeiter von Thorstein Velben (Ökonomie) und Warner E. Gettys (Soziologie) entwickelt sich Mills bald zu einem außergewöhnlichen Studenten. Den Marxismus lernt Mills erst durch Seminare von Edward Everett Hale kennen. In dieser Zeit beschäftigt er sich auch intensiv mit Max Weber.
  • 1938 – 1939: Politisch engagiert sich Mills an der University of Texas kaum, allerdings hat er 1 Jahr lang den studentischen Vorsitz der 'Southwest Social Science Association' inne.
  • 1939: Mills schließt mit einer Master-Arbeit über „Reflection, Behavior and Culture“ ab und erhält im Juni desselben Jahres das Zertifikat eines Bachelor und Master of Art.
  • 1939 – 1941: 1939 wechselt er zusammen mit seiner Frau Dorothy James, die er an der University of Texas kennen gelernt hat, an die University of Wisconsin. In Wisconsin lernt Mills den aus Deutschland geflüchteten Hans Heinrich Gerth kennen, der ihn in die Arbeiten von klassischen deutschen Soziologen, speziell Max Weber, einführt.
  • 1942: 1942 erlangte er mit seiner Doktorarbeit „A sociological account of pragmatism“ den PhD (Doctor of Philosophy). Die Doktorarbeit war mit einigen Schwierigkeiten verbunden, weil die Kommunikation zwischen dem Doktorvater und dem Doktorrand nicht die Beste war.
  • 1941 - 1945: Aus gesundheitlichen Gründen wird Mills Ende 41 nicht zum Kriegsdienst nach Europa einberufen. Darum wechselt er Ende 1941 – Anfang 1942 als Associate-Professor of Sociology an die University of Maryland. Es ist Mills erste akademische Position und erstmals zeigt Mills auch politisches Interesse.
  • 1945 – 1962: 1945 wechselt Mills an die Colombia University in New York. Von 1945-1946 arbeitet Mills als Lecturer, von 1946-1950 als Assistant Professor, 1950-1956 als Associate Professor und von 1956-1962 dann als Full Professor of Sociology. In dieser Zeit schreibt und polemisiert Mills leidenschaftlich in New Yorker Magazinen wie dem Gewerkschaftsmagazin „The New Leader“, „The New Republic“, und „Politics“. Er wird auch zunehmend als Gastredner zu politischen Veranstaltungen eingeladen und organisiert selbst politische Diskussionen.
  • 1945 – 1948: Direktor der Labor Research Division des "Bureau of Applied Social" Research der Columbia University in New York City. Weiters nimmt er auch Angebote zur Auftragsforschung für die „United Automobile Workers“ der Gewerkschaftsorganisation CIO in Detroit sowie für das „New York State Department of Labor“ an.
  • 1953 – 1955: Mills tritt als Redner vor den verschiedensten Foren auf; unter anderem beim "Herald Tribune Forums" in New York, der "Couchiching Conference" in Toronto, vor Kadetten des Air War College in Alabama und vor Studenten der Wayne State University in Detroit.
  • 1956 – 1958: Nach seiner Ernennung zum Full–Professor an der University of Columbia, versucht Mills Abstand vom Universitätsleben zu gewinnen und begibt sich 1956 für einen längeren Aufenthalt nach Europa. Die Reise führt ihn nach England, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien und nach Polen, wo er Vorträge an verschiedenen Universitäten (Kopenhagen, Frankfurt, London) hält. 1958 kehrt Mills wieder in die USA zurück.
  • 1959 – 1960: Im Herbst 1959 nimmt Mills am Weltsoziologenkongress in Brasilien teil. Im darauf folgenden Frühjahr verbringt Mills mehrere Monate in Mexiko um dort mit lateinamerikanischen Intellektuellen zu diskutieren.
  • 1960 – 1962: Nach einem Herzinfarkt im Dezember 1960 folgt Mills dem Rat seines Arztes, eine Pause einzulegen, und reist abermals nach Europa, wo er mit dem VW Bus bis nach Moskau gelangt. Dort hofft Mills auf eine effektive Behandlung seiner Herzkrankheit, die leider ohne Erfolg bleibt. Im Januar 1962 kehrt Mills im schlechten Gesundheitszustand nach New York zurück.
  • 20.3.1962: Mills stirbt an einem weiteren Herzinfarkt in Nyack, New York.


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Mills war ein Mann in Eile. Sein Privatleben war geprägt von vielen Affären. Mills hat Kindern aus drei Ehen. Sein Leben verlief somit überaus turbulent und ungeordnet. Aber auch sein Berufsleben war alles andere als gleichmäßig. Bereits in seiner Studienzeit galt Mills als ein sehr charismatischer Mensch, der antiautoritär und individualistisch war und oftmals den Anschein hinterließ, gegen sich selbst, jedem und alles zu kämpfen. Er hatte auch keine Scheu davor, Kritik an Professoren zu üben. Einen Theoretiker an der Wisconsin Universität bezeichnete er sogar einmal als „real fool“ (wirklicher Dummkopf). Später als Professor an der Columbia Universität war Mills isoliert und entfremdete sich immer mehr von seinen Kollegen. Zeitweise hoffte Mills auch auf seine Professur verzichten zu können und nur von seiner publizistischen Tätigkeiten leben zu können. Jedoch verhinderten Geldschwierigkeiten diesen Schritt und auch seine professionelle Isolation nahm dadurch weiter zu. Mills ungeliebte Columbia Professur veranlasste ihn auch nach Europa zu reisen. Schon während seiner Studienzeit in Wisconsin mit Hans Gerth, einem deutschen Emigranten, ist Mills Europa sehr nahe gekommen. Vor allem aber das von Franz Neumanns 1942 erschienene Buch „Behemoth“ über Herkunft und Struktur des Nationalsozialismus hat bei Mills nachgewirkt und ein besonderes Interesse für die deutsche Gesellschaft geweckt. Ein weiterer Grund für seine Reise war, dass er die Umbrüche in Europa, nach dem Krieg, hautnah miterleben wollte. Besonders interessierte er sich für die "Blockbildung", die den Kalten Krieg zufolge hatte. Die Stationen dieser Jahre zwischen 1956 und 1962 waren Kopenhagen, Innsbruck u.v.a., wo er als Gastdozent lehrte. Er reiste zuerst mit seiner ersten und dann mit seiner zweiten Frau per Motorrad, VW-Bus und dann sogar mit einer Isetta durch viele europäische Staaten. 1960 wird er von den Übersetzern seines Buches „The Power Elite“ in die damalige Sowjetunion eingeladen. Auf seiner Kubareise 1960 interviewte er Fidel Castro und Che Guevara, was für Mills eine Schlüsselerfahrung war. Noch im selben Jahr erschien sein Buch „Listen Yankee“, das er im Stile eines kubanischen Revolutionärs geschrieben hat und in dem er auf die nachteiligen Auswirkungen auf die antikubanische Ausgrenzungspolitik der USA eingeht. Dies brachte Mills auch eine FBI Akte ein. Generell schrieb Mills in dieser Zeit wie ein Besessener, wenn auch mit Pausen, in denen er sich, je nach Region, dem Bier oder dem Whiskey hingab, was seiner Gesundheit zunehmend zusetzte. Im März 1962 stirbt Mills in seinem neuen, selbst gebauten Haus in West-Nyack, New York.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

- Bereits in seiner Studienzeit an der University of Texas lernt Mills Karl Marx, in Seminaren von Edward Everett Hale, kennen und wird von Marx auch in weiterer Folge beeinflusst und geprägt. Zu jener Zeit wurde der Marxismus von vielen amerikanischen Soziologen ignoriert oder vernachlässigt, jedoch Mills war einer der wenigen, die sich bemühten den Marxismus und seine soziologischen Theorien am Leben zu halten. Allerdings las Mills erst Mitte der 50ziger Jahre Karl Marx, denn er konnte kein Deutsch und war somit auf sehr wenige englische Übersetzungen angewiesen. Mills selbst war kein Marxist. Während der Arbeit an seinem letzten Buch „The Marxist“ schrieb er; …..“ich war niemals so richtig emotional in den Marxismus oder Kommunismus involviert, habe also niemals dazu gehört, dennoch kenne ich das Zeug ziemlich gut. Aber abgesehen davon finde ich, dass ich auf seltsame Weise aufgeregt werde, wenn ich an diesen Dingen arbeite".

- Eine andere prägende Person für Mills war Max Weber, der einen überaus großen Einfluss auf ihn hatte. Mills und Hans Gerth veröffentlichten 1946 das Buch "From Max Weber: Essay in sociology", wo sie Arbeiten von Max Weber übersetzten. In späterer Folge ist in fast allen Schriften von Mills, ein Einfluss von Max Weber zu erkennen. Diese Beiden, Karl Marx und Max Weber, bezeichnete Mills auch als Helden.

- Durch die Kollaboration mit Hans Gerth, in der Mills viel über die neuen Mittelschichten im Deutschland der Weimarer Zeit, über ihre Orientierungslosigkeit bis hin zur Anfälligkeit für den Nationalsozialismus erfuhr, wurde sein Interesse an der deutschen Soziologie geweckt. Hans Gerth war für den jungen und wissbegierigen Mills so etwas wie eine wandelnde Bibliothek. Die engere Zusammenarbeit mit Gerth begann 1940/41 mit einem großen Projekt und zwar mit der Übersetzung der wichtigsten Texte Max Webers ins Englische, verbunden mit einer Umfangreichen Einführung. Die Arbeitsteilung bei der Übersetzung war von vornherein klar; Gerth übersetzte aus dem Deutschen, während Mills die Rohübersetzung in ein geschliffenes amerikanisches Englisch brachte.

- Zu anderen Zeitgenössischen Soziologen, wie Talcott Parson, Paul F. Lazersfeld oder Robert K. Merton, die damals die amerikanische Soziologie dominierten, hatte Mills teilweise eine sehr kritische Haltung. Persönlich wie intellektuell blieb Mills immer ein Außenseiter und er war sich dieser Tatsache auch bewusst.

- Prägend für seine soziologische, wie politische Haltung waren sicher auch seine vielen und ausgedehnten Reisen durch Europa und Lateinamerika, wo er eine etwas differenziertere Haltung gegenüber der amerikanischen Gesellschaft annahm.

Werke[Bearbeiten]

  • Gerth, Hans (translator), Mills, C. Wright (editor)
  • 1946 From Max Weber / Essays in Sociology
Mills, C. Wright
  • 1948 The New Men of Power / America´s Labor Leaders
Mills, C. Wright
  • 1951 White Collar / The American Middle Classes
Gerth, Hans & Mills, C. Wright
  • 1953 Character and Social Structure / The Psyhology of Social Institutions
Mills, C. Wright
  • 1956 The Power Elite
Mills, C. Wright
  • 1958 The Causes of World War Three
Mills, C. Wright
  • 1959 The Sociological Imagination
Mills, C. Wright
  • 1960 Listen Yankee / The Revolution in Cuba
Mills, C. Wright
  • 1962 The Marxists
POSTHUM
Mills, C. Wright
  • 1967 Power, Politics & People / The Collected Essay of C. Wright Mills
Kathryn & Pamela Mills (Töchter von Mills)
  • 2000 C. Wright Mills / Letters and Autobiographical Writings


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Mills soziologisches Credo lautete; der Sozialwissenschafter ist dazu da, private Sorgen in öffentliche Angelegenheiten zu übersetzen. Besonders Der Zweite Weltkrieg hat für Mills gezeigt, welches Ausmaß private Sorgen erreichen können. Neben den üblichen privaten Problemen eines jeden (in denen sich der Gegenstand der Soziologie versteckt), wären also auch jene besonderen privaten Probleme zu betrachten, welche den Sozialwissenschaftler befallen, wenn er die akademischen Grenzen verlässt und politisch wird. Mit dem Buch „The Power Elite“ hat Mills diese Grenze überschritten und zugleich einen Nerv des massenkulturellen Bewusstseins berührt. Mills orientiert sich in diesem Buch auch ein wenig an Thorstein Velben, einem anderem „Maverick“ der Soziologie, der Ende des 19. Jahrhunderts eine vita experimentalis führte und daraus Einsichten über die soziale Rolle der Reichen, über das soziologische Handwerk, über Macht und Herrschaft jenseits des Vorstellungsvermögens von Universitätsgelehrten, gewinnen konnte.


In „The Power Elite“ beschreibt Mills wie F. D. Roosevelts Reformen und Planungsanstrengungen des Zweiten Weltkriegs, das traditionelle Etablishment durcheinander gewirbelt hatten. Er zeigt, wie die Reichen und Superreichen es lernten, in dieser neuen Welt der Massenmedien, des Aktieneigentums, der Werbung, des Massenkonsums sowie eines wachsenden Selbstbewusstseins der Mittelschichten, ihren Einfluss zu bewahren und zu mehren. Aber der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Umbau der US-Gesellschaft brachte auch neue Formen der Macht und neue Privilegienstrukturen hervor, verkörpert durch eine noch weitgehend gesichtslose Konzern-Elite, die teilweise mit der traditionellen Geldelite zu einer neuen „upper class“ verschmolz. Der reorganisierte Reichtum, so Mills, erlaubte es, Einflussimpulse über das gesamte politische System in streng hierarchisch-autoritärer Manier zu verteilen und zudem die Exekutivmacht allmählich einem der Parteiendemokratie entrückten politischen Direktorat zuzuschanzen. Für Mills waren die drei Schlüsselpositionen dieser modernen Gesellschaft; Wirtschaft – Regierung – Militär, die ausschließlich von amerikanischen Eliten besetzt waren. Diese elitäre Führungsmacht wird von Generation zu Generation weiter gegeben und die Konzentration von Geldmacht hat, parallel zur Konzentration in der Wirtschaft, weiter zugenommen.


Ein weiteres wichtiges Werk von Mills war „The White Collar“, wo er die Formel für eine zentrale Sozialkategorie der Dienstleistungsgesellschaft in die Welt setzte. Eingangs beschäftigt sich Mills in dem Buch mit den alten Mittelschichten, denen die scheinbare Sicherheit ihrer Eigentumsverhältnisse und Überzeugungen mit dem Siegeszug der Shareholder Wirtschaft abhanden kommt. Die Welt der Unternehmen aber wandelt sich. Dadurch verändern sich auch die Arbeitsstrukturen und Berufsprofile und es entstehen neue Hierarchien, in denen Autorität gefiltert und als funktionale Macht im Top-Management verankert wird. Die herkömmlichen freien Berufe verfangen sich im Geflecht der Großorganisationen und der Bedarf an Experten für Organisation und Informationsverarbeitung sowie für Marketing und Verkauf wächst enorm. Die neue Machtpyramide beschert den Arbeiter und Angestellten auch neue Lebensstile und Lebensmilieus. In denselben Büros sieht man einerseits Aufsteiger, die in den oberen Etagen sitzen und andererseits fröhliche Roboter, die in den unteren Etagen sind. Mit der Automatisierung von Büros und der Arbeitsteilung werden Jobs zur reinen Routine, wobei intellektuelle Kapazitäten verloren gehen und nur mehr das leitende Personal das Attribut der Jobautonomie besitzt. Auch die Einkommensschere, von Managern und Angestellten geht immer weiter auseinander, was zu sozialen Konflikten führt.


Das Buch „The Sociological Imagination“ nimmt eine absolute Sonderstellung in der sozialwissenschaftlichen Fachliteratur ein und steht hinter Max Webers „Wirtschaft und Gesellschaft“ auf Platz 2 einer Liste der einflussreichsten soziologischen Werke der "International Sociological Association". Damit liegt das Buch noch vor soziologischen Klassikern, wie etwa Robert K. Mertons „Social Theory and Social Structure“ oder Peter L. Bergers und Thomas Luckmanns „The Social Construction of Reality“. C. Wright Mills prägte in diesem Buch den Ausdruck der „sozialen Phantasie“ und meinte damit, dass viele Aspekte unseres privaten Lebens, von Kräften beeinflusst werden, auf die wir keinen Einfluss haben. Dazu gehören auch die Verhältnisse bei unserer Geburt, wie alt unsere Eltern sind, wie viele Geschwister wir haben und mit wie vielen anderen Individuen des gleichen Alters wir in der Schule und dann am Arbeitsplatz konkurrieren werden, ja, ob wir überhaupt geboren werden. Gemeint ist damit, dass wir unsere Erfahrungen im Kontext unserer Ereignisse in unserer sozialen Umwelt erleben und wir strukturelle Zusammenhänge und Muster wahrnehmen, die sich unserer individuellen Erfahrung alleine nicht erschließen. Soziologische Imagination ist der methodologische Zustand, in den es sich mit Hilfe von Theorie und einfallsreicher Empirie zu versetzen gilt, um Gesellschaft nicht nur zu erleiden, sondern von unten zu verändern. Soziologie muss es möglich machen, Probleme der eigenen Biographie als Produkte historischen Wandels und als Gelegenheiten zu gesellschaftlicher Aktivität zu begreifen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist kein intellektueller Aufwand zu groß und die Strukturen historischen Wandels müssen erforscht, die eigenen und die Erfahrungen anderer ausgewertet, die Daten und Tatsachen des Gesellschaftsprozesses gesammelt und interpretiert werden. „The Sociological Imagination“ ist auch eine Demonstration des Umgangs mit den Möglichkeiten der Theorietraditionen der Soziologie, wenngleich hier der Gestus des Suchenden und des pragmatisch Experimentierenden dominiert, dem Mills bis hin zu seinem letzten Werk, "The Marxists", treu geblieben ist. TSI von Mills ist im deutschsprachigen Raum großteils vernachlässigt worden, da es den einen zu wenig wissenschaftlich, den anderen zuwenig marxistisch war. Auch war die deutsche Übersetzung nicht sonderlich gelückt.


In den Jahren 1948 bis 1960 brachte Mills einige soziologische Werke heraus, in denen er die US-amerikanische Gesellschaftsordnung kritisierte. Besonders hervorzuheben sind hier die Werke „The Power Elite“, „The Causes of World War Three“ und „Listen Yankee“. Mills wandte sich vor allem gegen die Monopolisierung und Technisierung der Gesellschaft, die immer weniger Raum für demokratische Mitbestimmung zu lassen schien. In seinen Untersuchungen darüber, wie eine funktionierende Demokratie aussehen soll, führte Mills das Begriffspaar „public“ und „mass“ ein. Als „public“ beschreibt er die Öffentlichkeit, die aus der Interaktion von Menschen entsteht, die in der Demokratie in der Funktion von Parlamenten gipfelt. Im Gegensatz dazu stellt der Begriff „mass“ eine Öffentlichkeit dar, die von wenigen dominiert wird, und zum Verlust der geistigen und politischen Unabhängigkeit der Mehrheit der Menschen führt. Mills sah die US-amerikanische Gesellschaft zunehmend als eine "Mass Society" an, in der es eine wirkliche Demokratie nicht geben kann.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

C. Wright Mills hat in den 50er und 60er Jahren auch in Europa viele Soziologen prägend beeinflusst. Seit ein paar Jahren erleben seine Werke eine Renaissance. Weiteres Aufsehen erregten, im Jahr 2000, die von Mills Töchtern Kathryn und Pamela Mills herausgegebenen nachgelassenen Briefe und autobiographischen Aufzeichnungen, die sie in dem Buch „C. Wright Mills: Letters and Autobiographical Writings“ veröffentlichten. In vielen amerikanischen Zeitungen, von der „New York Times“ bis zu „New Left Review“ ist eine neue Welle der Mills–Rezeption und Diskussion zu beobachten.


Literatur[Bearbeiten]

  • H. J. Krysmanski
    "Soziologische Ausflüge in die Massenkultur - eine Erinnerung an C. Wright Mills aus Anlass des Todes von Pierre Bourdieu"
  • Andreas Hess
    "Die politische Soziologie von C. Wright Mills"
  • Todd Gitlin; C. Wright Mills
    Free Radical
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Internetquellen[Bearbeiten]