Soziologische Klassiker/ Nowotny, Helga

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Helga Nowotny

  • geboren am 9. August 1937 in Wien geboren.


Ausbildung[Bearbeiten]

  • 1947 - 1955 Realgymnasium in Wien; Matura 1955 mit Auszeichnung.
  • 1953 - 1954 Nowotny ist als Austauschschülerin an der "West de Pere High School" in Wisconsin.
  • 1955 - 1959 Nowotny studiert an der Juristischen Fakultät der Universität Wien; schließt das Studium 1959 mit einem Doktorat in Rechtswissenschaften ab.
  • 1965 - 1969 studiert an der Soziologischen Fakultät der Universität Columbia - New York; schließt das Studium 1969 mit einem Ph.D. in Soziologie ab.
  • 1980 erwirbt die Lehrberechtigung für Soziologie an der Universität Bielefeld.
  • 1982 erwirbt die Lehrberechtigung für Soziologie an der Universität Wien.


Beruflicher Werdegang[Bearbeiten]

  • 1960 - 1964 Assistentin am Institute für Kriminologie der Universität Wien.
  • 1967 - 1969 Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung "Applied Social Research" der Universität Columbia - New York.
  • Ph.D. der Soziologie an der Universität Columbia - New York; Ph.D. Thesis: "Procedures of Macrosociological Research" mit Paul F. Lazarsfeld.
  • 1969 - 1970 Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutes für Höhere Studien im Fachbereich Soziologie.
  • 1970 - 1972 Ausserordentliche Professorin und Leiterin des Fachbereiches Soziologie am Institut für höhere Studien in Wien.
  • 1972 - 1973 Fellowship am King´s College, Cambridge, U.K.
  • 1974 - 1987 Gründungsmitglied und Verantwortliche Direktorin des "European Centre for Social Welfare" in Wien.
  • 1982 - 1987 Universitätsdozentin an der Universität Wien.
  • 1987 - 1996 Professorin für Soziologie und Vorstand des neu gegründeten Institutes für Wissenschafttheorie und Wissenschaftsforschung an der Universität Wien.
  • 1996 - 2002 Professorin für Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsforschung an der ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) Zürich und ab 1998 Leiterin des "Collegium Helveticum" .
  • 2001 - 2005 Vorsitzende der "European Research Advisory Board of the European Commission"
  • 1972 - 1999 Zahlreiche Gast-Professuren und Mitgliedschaften in Österreich, Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande,etc.


Momentane Beschäftigung:

  • Vizepräsidentin des ERC Scientific Council
  • Vorsitzende des "Scientific Advisory Board" an der Universität Wien
  • Mitglied des Kuratoriums des Wissenschaftszentrums für Sozialwissenschaften Berlin


Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

  • seit 1989 Mitglied der "Academia Europaea", London
  • 1992 - 1995 Presidentin der "International Society for the Study of Time"
  • 2002 Arthur-Burkhardt-Preis
  • 2002 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • 2002 Auswärtiges Mitglied in der "Royal Society of Science" in Uppsala - Schweden
  • 2003 "John Desmond Bernal" Preis für "Distinguished Contribution to the Field" (Wissenschaftsforschung)
  • seit 2006 Auswärtiges Mitglied in "The Royal Swedish Academy of Sciences"


Gegenwärtige Mitgliedschaften einiger akademischen und berufsbedingten Gesellschaften[Bearbeiten]

  • Society for Social Studies of Sciences
  • European Association of Science, Society, Technology
  • Gesellschaft für Wissenschafts- und Technikforschung ISA
  • Research Committee on the Sociology of Science Deutsche
  • Gesellschaft für Soziologie, Sektion Wissenschaftsforschung
  • Österreichische Gesellschaft für Soziologie International
  • Society for the Study of Time Association for the Social Study of Time
  • International Council for Science Policy Studies
  • Österreichische Gesellschaft der Geschichte der Naturwissenschaften
  • Österreichisches Forschungsinstitut für Technikgeschichte
  • International Sociological Association, ad-hoc group "Environmental Issues"
  • Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich

Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Folgende für die Soziologie wichtige Autoren haben Helga Nowotnys Werke (Leben, Denken) beeinflusst; Paul F. Lazarsfeld, der als Begründer der modernen empirischen Sozialforschung gilt; Robert K. Merton; Norbert Elias, der heute als einer der einflussreichsten Soziologen des 20. Jahrhunderts gilt und Niklas Luhmann der als einer der Begründer der soziologischen Systhemtheorie gilt.
Für Helga Nowotny wichtige Autoren: "der grosse und kleine Kanon der Weltliteratur…"[1]


Werke[Bearbeiten]

  • Counter-movements in the Sciences: Science and Anti-science (Ed. mit H. Rose)(1979). Sociology of the Sciences. A Yearbook, vol. III. Dordrecht: Reidel
  • Kernenergie - Gefahr oder Notwendigkeit, Anatomie eines Konflikts (1979). Frankfurt/Main: Suhrkamp
  • Nineteen-Eighty-Four: Science between Utopia and Dystopia (Ed. mit E. Mendelsohn)(1984). Sociology of the Sciences. A Yearbook, vol. VIII. Dordrecht: Reidel
  • Wie männlich ist die Wissenschaft? (Ed. mit K. Hausen) (1986). Frankfurt/Main: Suhrkamp
  • Über den Umgang mit Unsicherheit – die Entdeckung der Gestaltbarkeit von Gesellschaft (mit A. Evers) (1987). Frankfurt/Main: Suhrkamp
  • Eigenzeit. Entstehung und Strukturierung eines Zeitgefühls (1989) 2.Auflage (1995). Frankfurt/Main: Suhrkamp
    • 1992 Übersetzt in Französisch: Le Temps à Soi. Genèse et Structuration d‘un sentiment du temps. Editions de la Maison des sciences de l‘homme, Paris
    • 1993 Übersetzt in Italienisch: Tempo Privato. Origine e struttura de concetto di tempo. Bologna: Il Mulino
    • 1994 Übersetzt in Englisch: Time. The Modern and Postmodern Experience. Cambridge: Polity Press
    • 2008 Übersetzt in Chinesisch: in Vorbereitung
  • Self-Organization: Portrait of a Scientific Revolution (Ed. mit W. Krohn, G. Küppers) (1990). Sociology of the Sciences. A Yearbook, vol. XIV. Dordrecht: Kluwer
  • In Search of Useable Knowledge (1990). Boulder: Westview Press
  • Macht und Ohnmacht im neuen Europa. Zur Aktualität der Soziologie von Norbert Elias (Ed. mit K. Taschwer) (1993). Wien: Wiener Universitätsverlag
  • Science meets the public: a new look at an old problem (Ed. mit U. Felt) (1993), Public Understanding of Science, Vol. 2, Nr.4
  • The New Production of Knowledge. The Dynamics of Science and Research in Contemporary Societies (mit M. Gibbons, C. Limoges, S. Schwartzman, P. Scott, M.Trow) (1994). London: SAGE
    • 1994 Übersetzt in Japanisch
    • 1997 Übersetzt in Spanisch : La nueva producciòn del conocimiento. Barcelona: Ediciones Pomares – Corredor
  • Wissenschaftsforschung. Eine Einführung (mit U. Felt, K. Taschwer) (1995). Frankfurt/Main: Campus
  • The Sociology of the Sciences. A Reader (Ed. mit K. Taschwer). (1996). Cheltenham: Edward Elgar Publishing Ltd.
  • After the Breakthrough: the emergence of High Temperature Superconductivity as a research field (mit U. Felt) (1997). Cambridge University Press
  • Es ist so. Es könnte auch anders sein (1999). Frankfurt a. M.: Suhrkamp
  • Re-Thinking Science. Knowledge and the Public in an Age of Uncertainty (mit P.Scott und M. Gibbons) (2001). Cambridge: Polity Press
  • Imaginierte Laien. Die Macht der Vorstellung in wissenschaftlichen Expertisen (Ed.mit Priska Gisler, Michael Guggenheim, Alessandro Maranta) (2004), Weilerswist: Velbrück Wissenschaft
  • Unersättliche Neugier: Innovation in einer fragilen Zukunft (2005). Berlin: Kadmos Verlag
    • Übersetzt in Italienisch: Curiosità insaziabile. L’innovazione in un futuro fragile. Torino: Codice edizioni
  • The Public Nature of Science under Assault: Politics, Markets, Science and the Law (mit D. Pestre, E. Schmidt-Aßmann, H. Schulze-Fielitz, H.H. Trute) (2005). Heidelberg, New York: Springer
  • Cultures of Technology and the Quest for Innovation(2006). New York: Berghahn Books

Sie verfasste bis heute auch knapp 200 Artikel, Buch-Kapitel und Forschungsberichte und schrieb weitere Bücher[2].


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Helga Nowotny behandelt in ihren zahlreich, renommierten Büchern soziologische Themen wie den Umgang mit Zeit, Wissen, Wissenschaft und Technik, Politik, Wirtschaft, Innovationen, Sozialen Ungleichheiten, Soziale Beziehungen, Gesellschaftliche Prozessen, etc. und stellt diese wissenschaftlich fundiert, sowohl in mikro- als auch in makrosoziologischer Weise dar.

  • Im dem Buch "Eigenzeit" ist ihre Grundidee, die "gesellschaftliche Veränderung des Zeitgefühls/Zeitkonstrukts". [3] Sie versucht dabei viele weitere ineinander verwobene Themenbereiche wie Arbeitszeit, Freizeit oder Ökonomie, etc. kritisch zu erfassen, welche zusammen der "Illusion der Gleichzeitigkeit"[4] ausgesetzt sind. Helga Nowotny setzt sich hierzu weiters mit dem neu aufkommenden Begriff der "Eigenzeit" - der Herausbildung einer subjektiven Zeit - auseinander, welcher in jedem Moment versucht, sich zu etablieren. Sie schreibt:

"Die Eigenzeit, als Ich-Zeit aus der Perspektive des Individuums gesehen, muss sich mit der Zeit der anderen, der Fremd-Zeit, neu arrangieren, vor allem im institutionalisierten Komplex der Arbeitszeit und seinen veränderten Bezügen zur arbeitsfreien Zeit."[5]

Nowotny stellt weiters fest:

"Zur Zeit überwiegt das Nebeneinander der Zeiten vor einem neuen Miteinander."[6], wobei sich hier eine Verbindung zu Norbert Elias erahnen lässt, der in seinem Leben stark an die "Ich-Wir-Balance"[7], an das "Wir" glaubte. Nowotny beschreibt technologische (ökonomische) und soziale Phänomene, welche natürlich in Verbindung stehen sollten und stellt fest:

"Die Ermöglichung einer approximativen Gleichzeitigkeit mit Hilfe der modernen Elektronik (Technologien) hat keines wegs zu einer sozialen Gleichzeitigkeit geführt. Im Gegenteil, neue Ungleichheiten erwachsen aus Ungleichzeitigkeiten. Paradoxerweise wächst die Kluft, die Entwicklungsländer von den Industrieländern mit ihren technologisch ökonomischen Vorsprung trennt, in dem Maße, in dem zeitliche und räumliche Entfernungen schrumpfen."[8] Sie hält weiters fest, "Soziale Ungleichheiten lassen sich in zeitliche Ungleichheiten übersetzten".[9]


Literatur[Bearbeiten]

  • persönlicher E-Mail-Verkehr
  • Nowotny Helga (1995):
    "Eigenzeit"


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Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. persönlicher E-Mail-Verkehr
  2. http://www.helga-nowotny.eu
  3. persönlicher E-Mail-Verkehr
  4. Nowotny Helga, "Eigenzeit", 1995, Suhrkamp, S.17ff
  5. Nowotny Helga, "Eigenzeit", 1995, Suhrkamp, S.42
  6. Nowotny Helga, "Eigenzeit", 1995, Suhrkamp, S.42
  7. In Anlehnung an einen Beitrag von Nowotny Helga in: Korte Hermann, "Blicke auf ein langes Leben - Norbert Elias und die Zivilisationstheorie" 1993, Picus Verlag Ges.m.b.H., S.51ff
  8. Nowotny Helga, "Eigenzeit", 1995, Suhrkamp, S.11
  9. Vergl. Nowotny Helga, "Eigenzeit", 1995, Suhrkamp, S.33