Soziologische Klassiker/ Park, Robert Ezra

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Robert Ezra Park

  • geboren am 14. Februar 1864 in Harveyville, PA
  • gestorben am 7. Februar 1944 in Nashville, Tennessee


  • Eltern:
    • Vater: Hiram Asa Park, Getreidegroßhändler.
    • Mutter: Theodosia Park, geborene Warner, Lehrerin
  • Kinder: Edward Cahill Park; Theodosia Warner Park; Margaret Lucy Park; Robert Hiram Park
  • Ehe: 1894 Clara Cahill, Rechtsanwaltstochter
  • Religion: protestantisch


Biographie

  • 14.2.1864: Geboren in Harveyville, Pennsylvania.
    Aufgewachsen in vermögendem Elternhaus in Red Wing, Minnesota.
    Besuch der Highschool in Red Wing.
  • 1882-1883: Studium der Ingenieurswissenschaften an der State University of Minnesota in Minneapolis, Minnesota.
  • 1883-1887: Studium der Philologie, Geschichte und Philosophie an der University of Michigan in Ann Arbor, Michigan; 1887 Ph.B. Bekanntschaft mit John Dewey (1859-1952), der ihn mit dem Zeitungsherausgeber und Finanzjournalisten Franklin Ford (1848-1918) bekannt machte; 1893 Entwicklung der Idee einer neuen, "soziologischen" Zeitung, "Thought News" mit Dewey und Ford, welche allerdings nie erschien.
  • 1887-1898: Journalist und Redakteur bei Tageszeitungen in Minneapolis (Minnesota), Detroit (Michigan), Denver (Collorado), New York (New York) und Chicago (Illinois).
  • 1994: heiratete er die Rechtsanwaltstochter Clara Cahill, mit der er vier Kinder hatte.
  • 1898-1899: Studium der Psychologie und Philosophie an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts; 1899 M.A. (Philosophy).
  • 1899-1903: Aufenthalt in Deutschland.
  • 1899-1900: Ein Jahr Studium der Philosophie und Soziologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, unter anderem bei Georg Simmel (1858-1918).
  • 1900: Ein Semester Studium an der Universität Straßburg [Strasbourg], um bei Wilhelm Windelband zu studieren.
  • 1900-1903: Studium der Philosophie und Psychologie an der Universität Heidelberg.
  • 1903: Dr. phil. an der Universität Heidelberg; Betreuer: Wilhelm Windelband (1848-1915); Dissertation: Masse und Publikum. Eine methodologische und soziologische Untersuchung.
  • 1904-1905: Assistent in Philosophy bei Hugo Münsterberg (1863-1916) an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts.
  • 1905: Wandte er sich von der Universität ab und der Politik zu. Sekretär und Presseagent der "Congo Reform Association", welche sich mit belgischen Verbrechen im Kongo beschäftigte. Hier lernte er den afroamerikanischen Bürgerrechtler Booker T. Washington kennen.
  • 1905-1914: Lebte in Tuskegee, Alabama.
  • 1905-1914: Presseagent und Ghostwriter für Booker T(aliaferro) Washington (1856-1915), Präsident des Tuskegee Institute in Tuskegee, Alabama.
  • 1912: Organisator der internationalen Konferenz "On the Negro"; Bekanntschaft mit William I. Thomas (1863-1947), der ihn nach Chicago, Illinois vermittelte.
  • 1914-1935: Lebte in Chicago, Illinois.
  • 1913-1914: Gastvorlesung ("The Negro in America") im Wintersemester an der University of Chicago in Chicago, Illinois.
  • 1914-1936: Mitglied der University of Chicago in Chicago, Illinois: 1914-1923 Lecturer in Sociology, 1923-1933 Full Professor of Sociology; 1933 emeritiert.
  • 1922-1924: Daneben 1922-1924 Präsident der "National Community Center Association", 1923-1925 Director des "Race Relations Survey of the Pacific Coast", 1927 Mitglied des Social Research Council, 1929-1930 Reise in den Orient, 1931-1932 Research Professor in Sociology an der University of Hawaii in Honolulu, Hawaii, 1933 Studienreise zu Rassenproblemen in Indien, Afrika und Brasilien.
  • 1935-1944: Lebte im Winter in Nashville, Tennessee und im Sommer meist in Harbor Springs, Michigan.
  • 1935-1943: 1935 Guest Professor, seit 1936 mit Unterbrechungen Lecturer in Sociology an der Fisk University in Nashville, Tennessee, damals eine der führenden amerikanischen Universitäten für Schwarze.
  • 7.2.1944: Gestorben in Nashville, Tennessee.


Geistes- und kulturwissenschaftlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Zwischen 1887 und 1898 arbeitete Park als Reporter und Redakteur in verschiedenen amerikanischen Großstädten. Der Einfluss, den diese Tätigkeit sicher auf ihn nahm, bleibt in den meisten Biographien leider unberücksichtigt. Vielleicht um das Bild des Soziologen nicht durch das eines Journalisten zu verzerren. „A moral man cannot be a sociologist“, ein wichtiger Leitsatz des Soziologen, den er sein Leben lang vertrat. Laut seinen Schülern war er ein aufbrausender Mensch, der ihnen die Wertlosigkeit ihrer Ideen vorhielt und gern seinen Zynismus walten ließ, vor allem gegenüber den „damned do- gooders“.

William James bekannter Vortrag „On a Certain Blindness in Human Beings“ hinterließ einen lebenslangen Eindruck in Park. Er versucht seine Studenten auf die „gewisse Blindheit“ aufmerksam zu machen, mit der die meisten durch das Leben schreiten. Für Park ist jegliches Anschauungswissen die Wurzel jeder wirklichen Kenntnis, für ihn gilt „to see and to know life“.

Robert E. Park gilt als Begründer der Chicagoer Schule, in der sich die Wurzeln der stadtsoziologischen Forschung finden. Die goldene Zeit der berühmten Chicagoer Schule von 1920 bis 1932 ist fast deckungsgleich mit Parks Anwesenheit und Arbeit in dieser. Einfluss auf ihn hatten die beiden Städte Chicago und Berlin, die beiden Städte, die zu seiner Zeiten die sozialen Brennpunkte ihrer Kontinente waren.

Erwähnenswert erscheint auch, dass Park sein soziolgisches Interesse auf das Lesen von Goethes "Faust" zurückführte. Sein faustisches Interesse trieb Park zeitlebens ("will wissen was die Welt im innersten zusammenhält").


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Robert Park wurde von der Arbeit als Zeitungsreporter (der Soziologe als "Superreporter) zutiefst geprägt. Für ihn war die Forschung im Alltäglichen von besonderer Bedeutung, "to see and to know life" wurde zu seiner empirischen Devise. Das Studium des menschlichen Gruppenverhaltens sollte nicht in abstrakten Situationen am Schreibtisch vonstatten gehen, sondern in spezifischen geographischen Gebieten, in der Stadt, in sozialen Institutionen als ökologische Einheit untersucht werden, durch die die Probleme der Vergesellschaftung und des sozialen Wandels erkannt werden.

Everett C. Hughes meinte „Park left no magnum opus“, wie es bei Max Weber der Fall ist. Jedoch kann behauptet werden, dass die Chicago School of Sociology selbst Parks übergroßes Werk war. Laut Edward Shils war Park der „moving spirit“ des Departments und der soziologischen Reihe der University of Chicago Press. Park sah sich selbst als Forschungsleiter, einem „captain of inquiry“. Seine Denkweisen und Ideen waren geprägt von immerwiederkehrenden Begriffen der Bewegung, des Übergangs, des Wechsels: Movement, change, restlessness, mobility, fluctuation, locomotion, news.

Der Begriff des „marginal man“, des „Randseiters“, stammt ebenso von Park. Dieser "marginal man" ist ein Mensch, der zwischen zwei Kulturen wankt, also an zweien teilnimmt, ohne einer wirklich anzugehören. Solch eine Persönlichkeit entwickelt sich aufgrund räumlicher, sozialer und kultureller Mobilitätsprozesse. Durch diese Prozesse wird der Mensch entwurzelt und orientierungslos, wodurch sich die Chance für den Betroffenen ergibt, sich zu erweitern und den Intellekt zu schärfen. Ein neuer Persönlichkeitstypus entsteht, der sich von der Tradition emanzipiert und „zum Träger kulturellen Wandels und zur Verkörperung moderner Subjektivität wird.“ Park sieht, ähnlich wie Georg Simmel, die Stadt als pars pro toto für die Gesellschaft. Sie wird zu seinem Untersuchungsobjekt, das er als natürliches Labor anerkennt, in dem menschliches Verhalten und soziale Prozesse in situ und in the making studiert werden können. Die Stadt ist eine „Menschenwerkstatt“, in der sich der Städter („city man“) und verschiedene andere Typen durch die Arbeitsteilung entwickeln.

In „The city“ schlägt Park ein Programm zur Untersuchung menschlichen Verhaltens in der Großstadt vor. Dieser Aufsatz ist ein Grundstein für die empirische Soziologie, in dem Park in vier Abschnitten sein Untersuchungsfeld die Großstadt behandelt:

1. Abschnitt: Untersuchung der Wechselwirkung zwischen physischer Struktur und kultureller Ordnung der Stadt.

2. Abschnitt: Individualisierung und Spezialisierung in der Großstadt und die daraus resultierenden Folgen werden thematisiert

3. Abschnitt: Behandlung der Veränderung in Beziehungen und Gewohnheiten der Stadtbewohner

4. Abschnitt: Park befasst sich mit dem charakteristischen Großstädtischen und dem „Naturell“ der Großstadtbürger

In seiner Gesellschaftstheorie unterscheidet Park zwei Ordnungen. Der gesellschaftliche Unterbau ist für ihn das Subsystem, die „community“, auf dem sich die gesellschaftliche Ordnung entwickelt, der eigentliche Untersuchungsgegenstand der Soziologie.

Der gesellschaftliche Reproduktionsverlauf wird nach Park durch Kommunikation und Konkurrenz geschaffen und aufrechterhalten. Die Konkurrenz bewirkt Individualisierung, die Kommunikation Integrierung und Vergesellschaftung. Die Kommunikation als Kulturideal kann nur mit selbstbewussten, verschiedenen Individuen funktionieren.

Zusammenfassend beschäftigte sich Park mit folgenden Themen: Vergesellschaftung, sozialer Wandel, Gruppenverhalten, Kommunikation, Stadt als Siedlungsstruktur, Bevölkerungsbewegung, soziale Mobilität, Rassenbeziehungen, Stadtentwicklung, Gruppenbildung, Kulturen und Subkulturen.

Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Wie kein anderer hat Robert Ezra Park beim Wandel der amerikanischen Soziologie in eine empirische Wissenschaft mitgewirkt. Dies betrifft sowohl die praktische Soziologie als auch die akademische. Mit seinem Leitspruch „to see and to know life“ appellierte er an seine Schüler, auf die Straßen zu gehen, aus dem Leben zu lernen und Erfahrungen zu sammeln, die einerseits zu einem Erkenntnisgewinn beitragen sollen, andererseits um durch diese Erfahrungen Vorurteile abzulegen.

Mit seinem Werk legte er den Grundstein für die Stadtsoziologie und für eine Soziologie der Massenkommunikation. Park schaffte es als erster zwei Disziplinen, die für nicht vereinbar gehalten wurden, zu einer Synthese zusammen zu schließen: Journalismus und Philosophie. Er stand mit einem Fuß in der Welt des öffentlichen Lebens, mit dem anderen in der Welt der Gelehrten.


Literatur[Bearbeiten]

  • Kaesler, Dirk [Hrsg.] (1999):
  • "Klassiker der Soziologie. Von Auguste Comte bis Norbert Elias"
    München
  • Oesterdiekhoff, Georg [Hrsg.] (2001):
    "Lexikon der soziologischen Werke"
    Wiesbaden


Internetquellen[Bearbeiten]