Soziologische Klassiker/ Piaget, Jean

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Piaget Jean

geboren am 9.8.1896 in Neuchatel in der Schweiz gestorben am 16.9.1980


  • Piaget Veröffentlichte bereits mit elf Jahren seinen ersten wissenschaftlichen Beitrag über Albinospatzen. Er beschäftigte sich noch während seiner Schulzeit intensiv mit Philosophie
  • 1915: Piaget macht Abitur und beginnt ein Biologiestudium,
  • 1916: bereits 35 Beiträge in naturwissenschaftlichen Zeitschriften,
  • 1918: Piaget promoviert in Biologie; Wachsendes Bedürfnis nach empirischer Forschung; Piaget geht nach Zürich und beschäftigt sich mit experimenteller Psychologie,
  • 1919: Piaget geht nach Paris an die Sorbonne, nimmt eine Stelle an einem entwicklungspsychologischen Labor und

die Lehrtätigkeit im Fach Entwicklungspsychologie an und führt empirische Studien zur kindlichen Intelligenz durch.

  • ab 1924: mehrere Monographien zum kindlichen Denken; Ehe mit Valentine Chateney,
  • 1925: Lehrstuhl des (Logikers uns Wissenschafthistorie) in Neuchatel,
  • 1925, 1927 und 1931 wurden seine Kinder geboren. Diese waren ihm in seiner Tätigkeit als Sozialforscher eine Hilfe und so schrieb er infolge dessen drei Werke zur frühkindlichen Intelligenz,
  • 1929: Ruf nach Genf als Professor für Wissenschaftsgeschichte,
  • 1936: Erste Ehrendoktorwürde durch die Universität in Harvard,
  • 1940: Lehrstuhl für Experimentelle Psychologie
  • 1950: dreibändige „Entwicklung des Erkennens“ – wissenschaftliche und genetische Erkenntnistheorie,

In den folgenden Jahren arbeitete Piaget weiter an seinem Projekt der genetischen Epistemologie,

  • 1965: Piaget veröffentlicht das Buch „Weisheit und Illusionen der Philosophie“, Piaget blieb bis ins hohe Alter wissenschaftlich tätig. Er starb am 16.9.1980 im Alter von 84 Jahren

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Anfang des 20. Jahrhunderts dominiert der klassische  Behaviorismus. Piaget distanziert sich ganz deutlich von diesem Trend. Das Reiz- Reaktionsschema ist Kernpunkt des Behaviorismus und dieses kritisiert Piaget oftmals in seinen Arbeiten. Weiters wird die Konzeption des Lernens durch Konditionierung des öfteren von Piaget kritisiert.

Piaget beschäftigte sich mit der Philosophie Henri Bergsons. Er bildete sich in Vorlesungen von Lalande und Brunschvicg weiter. Bärbel Inhelder war eine langjährige Mitarbeiterin und Vertraute. Durch die Gründung des Centre international d`epistemologie genetique hatte Piaget viel Kontakt zu bekannten Wissenschaftlern seiner Zeit. (Beispielsweise zu Benoit Mandelbrot, dem Begründer der fraktalen Geometrie, dem Logiker  Wilard Quine,  Warren Mc Culloch, dem Entdecker der Logik der Neuronen, dem Nobelpreisträger  Ilja Prigogine,  Thomas Kuhn, dem Verfasser der These von der Struktur wissenschaftlicher Revolutionen und viele andere mehr.)


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Die oben im historischen Kontext angeführten Wissenschaftler haben Piaget in seinem Wirken beeinflusst wie auch umgekehrt.


Werke[Bearbeiten]

1907: Erste Veröffentlichung in der lokalen Zeitschrift „Club Jurassien“ Beobachtung von Albinosperlingen, 1909: Beginn der Veröffentlichungen zur Malakologie, 1916: Bis zu diesem Jahr bereits 35 Veröffentlichungen in naturwissenschaftlichen Zeitschriften und auch Texte mit stärker philosophischen Schwerpunkten, 1920: Erste Veröffentlichung zur Entwicklungspsychologie, 1923-1926: Erste Monographien zum kindlichen Denken, 1936: Erstes Werk über die sensomotorische Intelligenz, hiermit beginnt die mittlere Phase von Piagets Werk, 1947: Werk „Psychologie der Intelligenz“ 1950: Veröffentlichung von „Die Entwicklung des Erkennens“, 1955-1965: Dokumentation von verschiedenen Symposien, herausgegeben in der Reihe“Etudes d`Epistemologie genetique, 1965: Erscheinung des Werkes “Weisheit und Illusion der Philosophie“, 1967: ab diesem Jahr erscheinen die späten Werke, z. B.: Biologie und Erkenntnis, 1968: „Der Strukturalismus“, 1975: „Die Äquilibration der kognitiven Strukturen“,

Dies ist ein Auszug der wichtigsten Werke, Piaget verfasste im Laufe seines Lebens hunderte von Artikeln und weit über fünfzig Monographien.


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Jean Piaget verfasste Werke zu einer außerordentlichen thematischen Breite. Er beschäftigte sich mit Evolutionstheorie, Zoologie, Entwicklungspsychologie, Grundlagen von Mathematik, Logik und anderen Wissenschaften, mit Wissenschaftsgeschichte und nicht zuletzt mit Erkenntnistheorie.

Piaget verstand sich als empirischer Wissenschaftler. Er beschäftigte sich mit Problemen der Biologie und der Erkenntnistheorie und mit der geistigen Entwicklung des Kindes, in welcher Piaget einen genetischen Übergang zwischen biologischen und Erkenntnisphänomenen vermutete. Diese Beschäftigung gipfelte im Entwurf einer genetischen Epistemologie, die Piaget 1950 herausbrachte. Piaget versteht sich selbst weder als Biologe, noch als Entwicklungspsychologe, sein Hauptanliegen ist vielmehr die Erkenntnistheorie. Die Grundthese dieser Erkenntnistheorie ist, dass erkenntnis- und wissenschaftstheoretische Untersuchungen, die mit der wissenschaftlichen Forschung einhergehen und sie begründen, die Entstehung der Erkenntnisfähigkeiten in der kindlichen Psychogenese an zentraler Stelle berücksichtigen müssen. Eine Erkenntnistheorie, die nur das vermeintlich reife Denken thematisiert, wie es beim Erwachsenen und zumal in den Wissenschaften anzutreffen ist, ist demzufolge unvollständig. Mit diesem Programm begab sich Piaget in direkte Konkurrenz zur philosophischen Erkenntnistheorie.


Assimilation und Akkomodation:

Es gibt zwei unterschiedliche Prozesse in der Theorie Piagets, die Assimilation und die Akkommodation – beides Aspekte der Anpassung einer Person an die Umwelt. Assimilation und Akkomodation müssen immer in einem Zusammenhang gesehen werden. Vom Individuum wird stets ein Gleichgewicht dieser zwei Prozesse angestrebt.

Identität entsteht wie folgt: Der Mensch als „offenes System“ reagiert auf Umwelteinflüsse, er passt sich an, beziehungsweise verändert die Umwelt. Dem Menschen sind bedingt durch seine Biologie Grenzen gesetzt. Nach Piaget strebt der Organismus ständig nach Ausgleich – Assimilation / Akkomodation. Bei Misslingen entsteht ein Disäquilibrium. Durch das Streben zum Erreichen des Gleichgewichtes entsteht laut Piaget Identität. Piaget unterscheidet verschiedene Entwicklungsstadien der kognitiven Entwicklung

  • Sensumotorisches Stadium,
  • Präoperationales Stadium,
  • Konkretoperationales Stadium,
  • Formaloperationales Stadium.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Wie bereits erwähnt, hatte Piaget durch die Gründung des Centre international d`epistemologie genetique Piaget Kontakt zu bekannten Wissenschaftlern seiner Zeit. Beispielsweise Benoit Mandelbrot, dem Begründer der fraktalen Geometrie, dem Logiker Wilard Quine, Warren Mc Culloch, dem Entdecker der Logik der Neuronen, dem Nobelpreisträger Ilja Prigogine, Thomas Kuhn, dem Verfasser der These von der Struktur wissenschaftlicher Revolutionen,  Seymor Papert, dem Erfinder der Programmiersprache Logo, der amerikanische Psychologe Jerome Bruner und viele andere mehr. Der belgische Logiker Leon Apostel beispielsweise war ein Vertreter des logischen Positivismus. Nach gemeinsamen experimentellen Untersuchungen revidierte er seine ursprünglichen Auffassungen in Richtung der von Piaget vertretenen genetischen Auffassung. Piaget hielt nicht all zu viel von Statistiken und standardisierten Untersuchungsmethoden. Er stützte seine Erkenntnisse hauptsächlich auf die Untersuchungen seiner drei Kinder, was ihm teilweise Kritik bei seinen Kollegen einbrachte, die seine Methoden als unwissenschaftlich bezeichneten. Andererseits wurde Jean Piagets Arbeit mit mehr als dreißig Ehrendoktoraten und auch mit vielen internationalen Auszeichnungen honoriert.


Literatur[Bearbeiten]

  • Pulaski, M.A. (1975):
    "Piaget. Eine Einführung in seine Theorien und sein Werk"
    Kempten
  • Scharlau, I. (1996):
    "Jean Piaget. Zur Einführung"
    Hamburg