Soziologische Klassiker/ Scheler, Max

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Scheler Max

  • geboren am 22. August 1874
  • gestorben am 19. Mai 1928


  • Eltern: Vater ist ein zum Judentum konvertierter Protestant und die Mutter eine sehr strenge orthodoxe Jüdin
  • Kinder: Max Scheler, Fotograf (1928-2003)
  • Ehe: 1899-1912 Amelie von Dewitz-Krebs; 1912-1923 Märit Furtwängler; 1924 Maria Scheu


  • 22. August 1874: Geburt von Max Ferdinand Scheler in München
  • 1894: Ludwigsgymnasium in Münschen: Abitur
  • 1895: Medizin-, Psychologie- und Philosophiestudium an der Universität München (Th. Lipps) und an der Universität Berlin (G. Simmel, W. Dilthey), anschließend studiert er Philosophie (O. Liebmann, R. Eucken), Geographie (Fr. Regel) und Nationalökonomie (J. Pierstorff) an der Universität Jena
  • 1897: Promotion (R. Eucken) mit Dissertation: Beiträge zur Feststellung der Beziehungen zwischen den logischen und ethischen Prinzipien (Jena 1899)
  • 1899: Habilitation: Die transzendentale und die psychologiesche Methode (Jena 1900); Konversion zum Katholizismus
  • 1900-1905: Universität Jena: Privatdozent, Begegnung mit E. Husserl (in Halle)
  • 1906: Wechsel an die Universität München
  • 1907-1910: Universität München: Privatdozent, Kontakt mit Phänomenologenkreis in München/Göttingen
  • 1910: Skandalprozess über: Die Würde eines Hochschullehrers, Scheler wird von der Universität verwiesen, arbeitet als freier Schriftsteller
  • 1913-1928: Mitherausgeber: Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung (E. Husserl)
  • 1917-1918: Scheler braucht aus gesundheitlichen Gründen im ersten Weltkrieg nicht zu dienen, er betreut im Dienst des Auswärtigen Amtes deutsche Kriegsinternierte in der Schweiz und in Holland
  • 1919: Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften in Köln: Ernennung zum Direktor der Abteilung Soziologie, Kölner Universität: Ernennung zum Professor für Philosophie
  • 1927: Vortragstätigkeit
  • 1928: Universität Frankfurt: Berufung zum Professor für Soziologie und Philosophie
  • 19. Mai 1928: Tod von Max Scheler in Frankfurt


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Aus gesundheitlichen Gründen musste Scheler nicht im Ersten Weltkrieg dienen. Zu Beginn des Krieges vertrat er wie viele andere Akademiker eine nationale Position, die er im Laufe des Krieges wieder revidierte. Er äußerte in seiner Schrift "Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg" (1915), dass der Weltkrieg ein Aufruf zur geistigen Wiedergeburt des Menschen und eine Zerfallserscheinung des Kapitalismus sei. Seiner Meinung nach wäre für Europa ein christlicher Sozialismus oder Solidarismus der geeignete Weg, um einen Weg zwischen dem kapitalistischen Westen und dem kommunistischen Osten zu finden.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Max Scheler hatte schon früh, unter dem Eindruck von Friedrich Nietzsches Diesseitigkeitsphilosophie gestanden. Er versuchte das schöpferisch Irrationale und das Emotionale des Lebens gegenüber der geistigen Sphäre aufzuwerten. Ihm ging es darum, die irrationale Trieb- und Gefühlsschicht systematisch zu erforschen. Er bediente sich dabei der "phänomenologischen Methode", die von Edmund Husserl entwickelt wurde. Damit war er einer der ersten die dieses Verfahren praktizierten. Vor allem interessierte er sich für Wertempfindungen. Sein Ziel war es, diese konkret zu benennen und anders als Immanuel Kant zu zeigen, dass sich für moralische, ästhetische und religiöse Werte durchaus inhaltliche bestimmte Aussagen machen lassen (nicht nur wie bei Kant formale Aussagen).


Werke[Bearbeiten]

  • "Zur Phänomenologie und Theorie der Sympathiegefühle und von Liebe und Haß" (1913)
  • "Der Genius des Kriegs und der Deutsche Krieg" (1915)
  • "Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik" (1913 - 1916)
  • "Vom Umsturz der Werte" (1919)
  • "Neuer Versuch der Grundlegung eines ethischen Personalismus" (1921)
  • "Vom Ewigen im Menschen" (1921)
  • "Probleme der Religion. Zur religiösen Erneuerung" (1921)
  • "Wesen und Formen der Sympathie" (1923 ; neu aufgelegt als Titel von 1913: Zur Phänomenologie ...)
  • "Schriften zur Soziologie und Weltanschauungslehre" 3 Bände (1923/1924)
  • "Die Wissensformen und die Gesellschaft" (1926)
  • "Der Mensch im Weltalter des Ausgleichs" (1926)
  • "Die Stellung des Menschen im Kosmos" (1928)
  • "Philosophische Weltanschauung" (1929)
  • "Gesammelte Werke" 15 Bände (1954 - 1998)


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

In den zwanziger Jahren bildete sich die Wissenssoziologie heraus. Max Scheler gab dazu mit seinem Aufsatz "Wissensformen und die Gesellschaft" 1926 den Anstoß. Er erstellte Regeln, Typen und Gesetze des gesellschaftlichen Lebens und versuchte, die tatsächlichen Einflußgrößen des zwischenmenschlichen Verstehens und Handelns zu benennen. Die gegensätzlichsten Positionen könnten nebeneinander existieren und zum Ausgleich finden, indem sie anerkennen, daß ihre unterschiedlichen Standpunkte aufeinander bezogen sind und nur in Relation zueinander ein ideologiefreies Bild der Wirklichkeit abgeben können – angesichts der hereinbrechenden Barbarei der Nationalsozialisten eine vage Hoffnung. Ähnlich hoffnungsvoll zeigte sich auch Karl Mannheim, dessen 1929 vorgelegte Konzeption von Wissenssoziologie sich bald als die praktikablere durchsetzte.


Für die Soziologie einschlägig sind Schelers Beiträge zur Sozialphänomenologie (‚Wesen und Formen der Sympathie, Über Scham und Schamgefühl), zur Wissenssoziologie (‚Die Wissensformen und die Gesellschaft), zur philosophischen Anthropologie (‚Die Stellung des Menschen im Kosmos) und zur Ethik (‚Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik).


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Martin Heidegger spricht davon, dass Scheler: "die stärkste philosophische Kraft im heutigen Deutschland, nein, im heutigen Europa und sogar der gegenwärtigen Philosophie überhaupt" ist. Max Scheler repräsentiert in seinem Denken den alten deutschen Führer auf abstrakte Weise die philosophischen Bemühungen und kulturellen Aufbrüche nahebringt.

Für die Erforschung des Alltagswissens ist Scheler durch die Werke Peter Bergers und Thomas Luckmanns weiterhin präsent. Darüber hinaus findet seine Wissenssoziologie wegen ihres interdisziplinären Ansatzes wieder eine vermehrte Beachtung. Am nachhaltigsten wirkte aber Schelers letztes und bekanntestes Büchlein zur philosophischen Anthropologie unter dem Titel "Die Stellung des Menschen im Kosmos" (1928).

Als Phänomenologe beschäftigte er sich mit der philosophischen Psychologie, der Erkenntnistheorie, Metaphysik, Religionsphilosophie, Wissenssoziologie und Ethik. Im besonderen sind es die Grundlegung der Ethik im Stile einer Wertlehre und die Begründung der Philosophischen Anthropologie, die Scheler zu einem herausragenden Philosophen des 20. Jahrhunderts werden ließen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Scheler, Max (2000):
    "Grammatik der Gefühle. Das Emotionale als Grundlage der Ethik"
    München
  • Scheler, Max (1973):
    "Wesen und Form der Sympathie. Sechste, durchgesehene Auflage"
    Bern


Internetquellen[Bearbeiten]

Max-Scheler-Gesellschaft (aufgerufen am 20.4.06)

Goethe-Institut (aufgerufen am 29.5.06)