Soziologische Klassiker/ Soziale Ordnung/ Mead, George Herbert

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George Herbert Mead[Bearbeiten]

George Herbert Mead befasst sich weniger mit der Ordnung an sich, sondern mit dem Prozess der Kommunikation, in dem sich die handelnden Individuen ständig zu einer Ordnung integrieren. Somit ist soziale Ordnung eine Ordnung im Prozess. [1]

Die Frage, wie Verständigung und Kommunikation überhaupt möglich sind, erklärt Mead mit der Fähigkeit des Menschen, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen.[2] Dies lernt man im Rahmen der Sozialisation und des "Play" und "Game".


Zeichen, Gesten und Symbole[Bearbeiten]

Der Mensch reagiert wie jedes Lebewesen auf seine Umwelt. Der Unterschied zum Tier besteht darin, dass der Mensch sich seine Umwelt einerseits selbst aussuchen kann und andererseits auf verschiedene Reize wie Zeichen und Symbole reagiert, wobei nur der Mensch in der Lage ist, Symbole zu schaffen und auf diese zu reagieren.


Der Mensch reagiert auf Zeichen, Gesten und Symbole. Zeichen meint Sinnesreize, die Reaktionen hervorrufen (Bsp.: Man hört einen Knall und zuckt zusammen). Zeichen sind von jeder sozialen Beziehung unabhängig.

Zeichen, welche eine Reaktion in Form von konkretem Verhalten hervorrufen, nennt Mead Gesten. Bei Gesten überlegt der Mensch erst, was sie in der konkreten Situation bedeuten könnten, was ihr Sinn in dieser Situation ist und entscheidet sich dann für ein bestimmtes Verhalten. Somit ist die Reaktion verzögert. Gesten finden in sozialen Beziehungen statt und ermöglichen Kommunikation.

Symbole sind Gesten oder Zeichen mit allgemeinem Sinn, die über die konkrete Situation hinausweisen.

Lösen ein Zeichen oder eine Geste bei allen Individuen dieselbe Vorstellung über die dahinterliegende Bedeutung und damit die gleiche Reaktion hervor, spricht man von einem signifikanten Symbol[3]

Kommunikation als Voraussetzung für soziale Ordnung[Bearbeiten]

Gesten, Symbole und Signifikante Symbole sind erste Voraussetzungen für Kommunikation zwischen Individuen.

Kommunikation ist eine Form der Verständigung über den Sinn einer konkreten Situation. Sie erfolgt im wesentlichen über Sprache, welche als das wichtigste System signifikanter Symbole verstanden wird.

Sprache ist weiters Voraussetzung für Denken, was ein inneres Gespräch mit und über sich selbst bezeichnet. Denken bedeutet, dass wir mittels Sprachsymbolen jederzeit über Eindrücke, Erfahrungen und Erwartungen verfügen können. Wir können uns so bestimmte Ergebnisse von Handlungen und Reaktionen darauf vorstellen, ohne dass wir die Erfahrung wirklich machen müssen. Wir stellen uns also eine bestimmte Situation vor und stellen unser Handeln darauf ein.

So orientieren wir unser Handeln an einem Bild von der Zukunft. Diese Fähigkeit des Menschen, den Sinn einer Situation zu reflektieren und Handlungen sowohl zu kontrollieren, als auch auszuwählen, nennt Mead Geist (vergleichbar mit Bewusstsein). Geist hat ein Individuum also dann, wenn es sich der möglichen Bedingungen und Konsequenzen seines eigenen und des Verhaltens anderer bewusst wird.

Geist ist dem Menschen nicht vorab gegeben, sondern entsteht aus sozialen Erfahrungen des Menschen mit anderen Individuen. [4]


Somit ist Kommunikation „das Grundprinzip der gesellschaftlichen Organisation des Menschen.“ [5]

„Taking the role of the other“[Bearbeiten]

Durch die signifikanten Symbole ist es den Menschen also möglich, ihr Verhalten an den potentiellen Reaktionen des anderen auszurichten. Handeln wird vorhersagbar und eine gezielte Verbindung von Handlungen wird möglich. Somit entsteht ein gemeinsam verbindliches Muster wechselseitiger Verhaltenserwartungen – eine Rolle.

Bevor wir Handeln, setzten wir uns in die Rolle des anderen hinein und stellen uns vor, wie er auf unser Handeln reagieren wird. Dies ist möglich, weil beide in derselben Gesellschaft sozialisiert worden sind und somit dieselben kollektiven Erfahrungen (vermittelt durch Sprache) und dasselbe Rollenwissen besitzen. [6]


Play and Game[Bearbeiten]

Als Play begreift Mead das nachahmende Rollenspiel des Kindes, bei dem Kinder nicht mit anderen, sondern vielmehr für sich selbst spielen. Dabei übernimmt es mit Hilfe von Gesten nacheinander die Rollen von wichtigen Bezugspersonen (z.B. Vater, Mutter) – Mead nennt diese signifikanter Anderer. Das Kind übernimmt die Rolle einer Bezugsperson und handelt im Spiel sich selbst gegenüber so, wie die Person zuvor ihm gegenüber gehandelt hat (der Signifikante Andere ist es ja auch, der das Kind in der Sozialisation zum ersten Mal mit Reaktionen auf sein Verhalten konfrontiert).

Im Play versetzt sich das Kind abwechselnd in die eigene Rolle und in der des Signifikanten Anderen. Somit bekommt es sowohl ein Gefühl für die Rolle, als auch für sich selbst.


Im darauf aufbauenden organisierten Spiel – dem Game -, wie etwa Sportspielen oder Wettkämpfen, muss das Kind in sämtliche Rollen gleichzeitig schlüpfen können. Im Falle eines Sportspieles muss es beispielsweise sowohl das eigene Team koordinieren, als auch das Handeln des gegnerischen Teams erahnen und berücksichtigen.

Somit lernt das Kind die Bedeutung organisierter Rollen, da es sich nicht mehr nur an einer Rolle orientiert, sondern alle Rollen in sich zum einem Ganzen organisieren muss und sich mit der gesamten Gruppe identifiziert. Dieses Prinzip des Handelns, an dem sich alle in der gemeinsamen sozialen Situation orientieren, ist der generalisierte Andere.

Indem sich das Kind am generalisierten Anderen, also der Summe der generellen Erwartungen aller an eine Rolle oder Situation, orientiert, internalisiert es die Werte, Normen und Regeln, die in dieser Situation relevant sind.

Diese Organisationsstufe des Spiels kann man mit dem allgemeinen Handlungsprinzip in der Gesellschaft vergleichen (nach dem gleichen Prinzip wie beim organisierten Spiel funktioniert auch handeln in der Gemeinschaft, in Institutionen, etc.).[7]


Weiterführende Links[Bearbeiten]

Hauptartikel zu George Herbert Mead in diesem Wikibook

George Herbert Mead in der deutschsprachigen Wikipedia


Literatur[Bearbeiten]

  • Abels, Heinz (2007a):
    "Einführung in die Soziologie. Bd.1: Der Blick auf die Gesellschaft. 3.Auflage"
    Wiesbaden
  • Abels, Heinz (2007b):
    "Interaktion, Identität, Präsentation: Kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie. 4.Auflage"
    Wiesbaden
  • Reuter, Julia (2002):
    "Ordnungen des Anderen: zum Problem des Eigenen in der Soziologie des Fremden"
    Bielefeld

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abels 2007a, S. 117
  2. Vgl. Abels 2007a, S. 118
  3. Vgl. Abels 2007a, S. 119; Abels 2007b, S. 17ff.
  4. Vgl. Abels 2007a, S 119; Reuter 2002, S. 116
  5. Mead zit.n. Abels 2007a, S.120
  6. Vgl. Abels 2007a, S. 121; Wikibooks: Mead, George
  7. Vgl. Reuter 2002, S.117f; Wikibooks: Mead, George