Soziologische Klassiker/ Soziale Ordnung/ Schelsky, Helmut

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Helmut Schelsky[Bearbeiten]

Helmut Schelsky war ein Schüler Arnold Gehlens und wurde in hohem Maße von diesem geprägt. Wesentlich beschäftigte er sich mit dem Wandel von Institutionen als Indikator sozialen Wandels. In der Institutionentheorie sah er den geeignetsten formellen theoretischen Rahmen für empirische Forschung.

Soziologie im Hinblick auf soziale Ordnung[Bearbeiten]

Helmut Schelsky gilt als einer der bedeutendsten Soziologen, welche den Fokus auf Institutionen und ihre Funktionsweise für die Gesellschaft in ihrem Werk gelegt haben.


Wie sein Lehrer Arnold Gehlen betrachtet er die Institutionentheorie als geeignete Basis, sozialen Wandel zu erfassen. Basis von Schelskys Konzeption ist ein funktonalistisches Modell der jeweils neue Ansprüche erzeugenden institutionellen Bedürfnisbefriedigung, welches vom Ethnologen Bronislaw Malinowski entwickelt wurde. Institutionen erfüllen demnach in erster Linie biologisch determinierte Grundbedürfnisse des Menschen. Aus der Befriedigung dieser Bedürfnisse heraus werden dann neue künstliche, abgeleitete Bedürfnisse erzeugt. Es entsteht eine Dynamik möglicher Bedürfnisentwicklungen und -befriedigungen, welche im Prinzip nicht abzuschließen ist, da der Prozess auf jeweils höherer Ebene sich stets von neuem vollzieht. Schelsky spricht in diesem Zusammenhang von einem stabilen Institutionenwandel. Anders als Gehlen beobachtete er keinen institutionellen Geltungsverlust, sondern eine stetige Entwicklung von Institutionen im Rahmen eines relativ stabilen Grundgerüstes. Paradigmatisch hierfür ist das Recht, welches er als angewandte Institutionenkunde erachtete.

[1]

Stabilitätsanalyse von Institutionen[Bearbeiten]

Schelsky proklamiert 3 Kriterien zur Bestimmung der Stabiltität einer Institution. Institutionen sind stabil, wenn

1. die durch sie befriedigten Bedürfnisse quantitativ relativ konstant sind

2. sie sich dauerhaft in wechselseitiger Leistungsabhängigkeit zu anderen Institutionen befindet

3. sich aus ihr Folgebedürfnisse ergeben die durch eine neuartige Institution befriedigt werden

[2]

Die Familie[Bearbeiten]

Die wichtigste Institution der Gesellschaft erkannte Schelksy in der Familie, welche gerade in Zeiten sozialer Umbrüche den wesentlichen Stabilitätsfaktor einer Gesellschaft schlechthin darstellt. Gewonnen hatte er diese Erkenntnis vor allen Dingen aus seiner Untersuchung der deutschen Familien der Nachkriegszeit.[3]

Entschichtung[Bearbeiten]

Zeitdiagnostisch für die modernen Gesellschaften proklamierte Schelsky die These der Entschichtung - die Gesellschaft als politisch integriertes Sozialgefüge in der Nachfolge der Klassengesellschaften. In der Folge lassen sich die modernen Gesellschaften demnach als nivellierte Mittelstandsgesellschaften begreifen, in denen Klassen- und Schichtbegriffe keine Rolle mehr spielen, und in denen dem Individuum im Rahmen seiner Fähigkeiten der Aufstieg aus eigener Kraft möglich ist, womit die soziale Ungleichheit vergangener Zeiten folglich weitestgehend überwunden ist. Ursächlich hierfür ist in hohem Maße die industrielle Massenproduktion, welche zu relativem allgemeinem Wohlstand führte.

[4]

Leitidee[Bearbeiten]

Institutionen entstehen aufgrund einer Leitidee. Sie werden vom Menschen bewusst in Kraft gesetzt um bestimmte Funktionen zu erfüllen. Beispiel hierfür bietet das Rote Kreuz. Zu Beginn konnte rein eine Idee vorgefunden werden, welche die Entwicklung einer Einrichtung vorsah, die dazu dient, anderen Menschen zu helfen.[5]

Weiterführende Links[Bearbeiten]

Hauptartikel zu Helmut Schelsky in diesem Wikibook

Helmut Schelsky in der deutschsprachigen Wikipedia

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriel, Manfred (2007/08):
    "Vorlesung Hauptgebiete der Soziologie. Wintersemester 2007/08"
    Paris-Lodron-Universität Salzburg
  • Rehberg, Karl-Siegbert (1999):
    "Helmut Schelsky. in: Kaesseler, Dirk (Hrsg.) (2002): Klassiker der Soziologie 2. Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu. 3. Auflage"
    München
  • Schelsky, Helmut (1973):
    "Zur Theorie der Institution. 2. Auflage"
    Düsseldorf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references>

  1. Vgl.Rehberg , S.89
  2. Vgl.Schelsky , S.20
  3. Vgl.Rehberg , S.87-88
  4. Vgl.Rehberg, S.88-89
  5. Vgl. Gabriel 2007