Soziologische Klassiker/ Ward, Lester Frank

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Ward L. Frank

Lester Frank Ward

  • geboren am 18. Juni 1841in Joliet, Illinios
  • gestorben am 18. April 1913


  • Lester Frank Ward war ein Gründervater der Amerikanischen Soziologie und der erste Präsident der American Sociological Association (ASA) der 1905 gegründet wurde. Ward war ein Autodidakt, er wuchs in armen Verhältnissen auf und hatte in seiner Jugend aus finanziellen Gründen nicht die Möglichkeit eine Universität zu besuchen. Er lernte selber- neben Mathematik und Geologie, Latein, Griechisch und Deutsch, konnte Russisch, Japanisch und Hebräisch lesen. Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, musste er an die Front. Ward studierte Medizin und Jura und arbeitete nach dem Bürgerkrieg 1893 -1903 als Geologe und Paläobotaniker für die Regierung.


Eltern:

  • Vater: Justus Ward
  • Mutter: Silence Rolph
  • Geschwister: Cyrenus Osborne Ward
  • Ehe: 1862 Elisabeth „Lizzie“ Caroline Bought (manche Quellen zufolge auch „Vought“)


Ausbildung

  • 1860 Unterricht an der Susquehana Collegiate Institute in Towada
  • 1869 Bachelor of Arts (A.B.) von der George Washington University
  • 1871 Bachelor of Laws (LL.B.)
  • 1872 Master of Arts


Beruflicher Werdegang

  • 1865 – 1881 U.S. Treasury Department
  • 1881 – 1883 Assistent Geologe bei der U.S. Geological Survey (UGGS)
  • 1882 – 1905 Ehrenamtlicher Direktor der Department of Fossil Plants beim US National Museum
  • 1888 Assistent und Chef- Paläontologe
  • 1889 Beförderung zum Geologen
  • 1892 Beförderung zum Paläontologen
  • 1906 Professor der Soziologie an der Brown Universität
  • 1906 – 1907 Präsident der American Sociological Society


Wichtige Ereignisse in seinem Leben:

  • 1960 – 1965 Soldat der Pennsylvaina Regiment beim amerikanischen Zivilkrieg (er wurde bei Chancellorville schwer verletzt)


Historischer Kontext[Bearbeiten]

Die Linke wie auch die Rechte Ideologie haben in den 1880ern die neue Disziplin der Soziologie dominiert. Beide haben behauptet, dass „die Wissenschaft der Soziologie“ ihnen gehören würde. Herbert Spencer- konservativer rechter Soziologe, stand ideologisch Karl Max gegenüber.


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Während die Marxistische Ideologie in den USA keinen richtigen Einklang gefunden hat, war Spencer mit seinen Theorien über den Sozialdarwinismus sehr beliebt. Ward nahm zu Spencers Theorie über „Survival of the Fittest“ die Opposition ein. Er war ein Verteidiger des „Laissez faire“.


Werke[Bearbeiten]

Paläobotanik

Guide to he Flora of Washington 1881 Sketch of Paleo-Botany 1885 Synopsis of the Flora of the Laramie Group 1886 Glimpses of the Cosmos (A Mental Autobiography) (Volume I – VII) 1858 - 1918


Soziologische Werke

Dynamic Sociology Volume I 1883 Dynamic Sociology Volume II 1897 The Psychic Factors of Civilization 1893 Contribitions to Social Philosophy 1895 -97 Outlines of Sociology 1898 Contemporary Sociology 1902 Pure Sociology (A treatise on the Origin and Spontaneous Development of Society) 1903 A Text-book of Sociology (mit James Q. Dealey) 1905 Applied Sociology (A Treatise on the Conscious Improvement of Society by Society) 1906


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Ward ist der erste Amerikaner, der für die Soziologie eine wichtige Abhandlung geschrieben hat. Er hatte jedoch keine formelle Ausbildung in Sozialwissenschaften und eignete sich sein Wissen zum Großteil selbst an. Ward wird heute kaum gelesen, während sein Zeitgenosse Sumner immer noch eine nennenswerte Leserschaft hat. Ward war jedoch wesentlich „moderner“ als Sumner.


Telesis[Bearbeiten]

Ward war der Ansicht, dass man die Armut in der Gesellschaft eliminieren könne. Diesen Zustand könne man mit Hilfe einer systematischen Intervention durch die Gesellschaft selber erreichen. Die Menschliche Evolution sei von den Menschen selber kontrollierbar. Um sie zu beschleunigen sollte die Kraft der Erziehung und Wissenschaft verwendet werden. In dieser Gesellschaft spielt auch die Soziologie eine sehr große Rolle. Sie solle den Fortschritt der Sozialsysteme fördern, die Konkurrenz regulieren und begünstigen, sodass jedes Individuum die Möglichkeit hat, ein freies und glückliches Leben zu führen.


Dynamic Sociolgy[Bearbeiten]

In der Dynamic Sociology beschreibt Ward, die Notwendigkeit einer Sozialplanung und die Entstehung einer soziokratischen Gesellschaft. Er glaubt, dass man, um ein Staat effektiv regieren zu können, ein sehr gut gebildetes Volk braucht. Ward legt die Grundlage für eine dualistische Interpretation der Evolution. Die natürliche Evolution folgt einer planlosen Linie und die menschliche richtet sich auf ein zielgerichtetes Handeln hin. Die Natur läuft gemäß der Gesetze des „Genesis“, die menschliche Evolution gemäß der Gesetze des „Telesis“. Mit der Einführung dieser Begriffe untergrub Ward Spensers System, welches großteils auf biologischen Analogien basierte. Dadurch hatte Ward der Sozialwissenschaft dazu verholfen, sich von der Abhängigkeit von biologischen Prozessen zu emanzipieren. Für Ward war der Weg der Natur nicht gleich der Weg des Menschen.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Ward trat für die Emanzipation der Frauen und Gleichstellung aller Rassen und Klassen in der Gesellschaft ein. Er glaubte, dass eine universale Ausbildung diese Gleichberechtigung fördern würde. Bei vielen seiner Ideen war er bei seinen männlichen Zeitgenossen unpopulär. Für andere wiederum galt er als der "Vater der Soziologie" in Amerika.


Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard J. Stern [Hrsg.] (1935)
    "Young Ward's Diary"
    New York
  • Cape, Emily P. (1922)
    "Lester Frank Ward: A Personal Sketch (Die offizielle Biographie)"
    New York
  • Chugerman, Samuel
    "Lester Frank Ward The American Aristotle. A Summary and Interpretation of His Sociology"
    Durham, NC
  • Burnham, John C. (1956)
    "Lester Frank Ward in American thought"
    Washington, D.C.


Internetquellen[Bearbeiten]