Soziologische Klassiker/ Watson, John B.

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Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Watson John Broadus

  • geboren am 09. Jänner 1878 in Greenville, South Carolina (USA)
  • gestorben am 25. Oktober 1958 in New York City (USA)


Familiendaten[Bearbeiten]

    • Mutter: Emma Kesiah (Roe) Watson; sie war sehr religiös und wollte, dass John ein Priester wird.
    • Vater: Pickens Butler Watson; er wurde als faul bezeichnet und war kriminell. Er verließ die Familie als John noch sehr klein war.
    • Geschwister: John hatte sechs Geschwister


  • Kinder: Mary, John (aus erster Ehe; die Schauspielerin Mariette Hartley ist seine Schwiegertochter)
William Rayner, James Broadus (aus zweiter Ehe)
  • Ehefrauen:
    • Mary Ickes (Heirat 1904, Scheidung 1920)
    • Rosalie Rayner (geboren 1900, Heirat 1920, verstorben 1935)

Lebenslauf[Bearbeiten]

    • 1891: Johns Vater verlässt die Familie, John ist 12 Jahre alt. Er wird durch dieses Erlebnis sehr auffällig und schafft nur knapp seinen Schulabschluss.
    • 1894 - 1900: Studium an der Furman Universität. Er ist ein schlechter Student. Seine schlechteste Noten hat er vor allem in seinen Psychologie Kursen. Kurz nach seiner Graduation stirbt seine Mutter.
    • 1900 - 1903: Studium an der Universität von Chigago. Dort graduierte er mit magna cum laude, und ist somit der Jüngste, der jemals in Chigago als Doktor der Psychologie graduierte.
    • 1903 - 1908: Watson erhält eine Assistentenstelle bei seinem Professor, dem Funktionalisten James Angell, den er sehr respektiert. In dieser Zeit lernt er die junge Psychologie Studentin Mary Ickes kennen und lieben.
    • 1904: John Watson heiratet Mary Ickes. Sie bekommen zwei Kinder.
    • 1908 - 1922: Watson wird Professor und Direktor des psychologischen Labors der John Hopkins Universität.
    • 1913: Er veröffentlicht den Artikels "Psychology as a Behaviorist Views It". In diesem Artikel führt Watson das Thema des Behaviorismus zum ersten Mal in die Psychologie ein.
    • 1914: Veröffentlichung des Buches "Behaviorism: An Introduction to comparative Psychology". In diesem Buch veröffentlicht Watson seine Theorie, dass die Beobachtung von Ratten ein nützliches Modell für das menschliche Verhalten ist.
    • 1915: Watson wird Präsident der Amerikanischen psychologischen Vereinigung.
    • 1917 - 1919: Einzug in die Armee (1. Weltkrieg)
    • 1919: Veröffentlichung des Buches "Psychology from the Standpoint of a Behaviorist". Eine Erweiterung seines ersten Buches.
    • 1920: Durchführung des Experiments "Little Albert". Mithilfe eines 9 Monate alten Jungen, will Watson den Nachweis erbringen, dass emotionale Reaktionen erlernbar sind. Das Experiment ist ein Erfolg und ist seit damals in jedem psychologischen Handbuch zu finden.
    • 1920: Die Affaire mit seiner um 20 Jahre jüngeren Assistentin Rosalie Rayner wird bekannt. Seine Frau lässt sich darauf sofort von Watson scheiden. Durch den Skandal muss er auch seine Professur an der John Hopkins Universität aufgeben. Watson heiratet Rosalie sofort und zieht mit ihr nach New York auf eine Farm in Whippoorwill (Watson liebt das Landleben). In New York versucht er beruflich wieder Fuß zu fassen.
    • 1921 - 1935:Watson arbeitet für die Werbeagentur "J. Walter Thompson". Er arbeitet dort in verschiedenen Position. An den Standards der damaligen Zeit gemessen, zählt er zu den Reichen und Erfolgreichen.
    • 1924: Watson wird Vize-Präsident der Agentur.
    • 1925: Veröffentlichung des Buches "Behaviorism". In diesem Buch verfestigt er nochmals seine Theorien.
    • 1928: Herausgabe seiner eigenen Zeitschrift "Psychological Care of the Infant and Child"
    • 1935 - 1945: Vize-Präsitent bei der Werbeagentur "William Esty Company". In dieser Zeit widmet er sich einzig und allein der Werbung.
    • 1935: Seine Frau Rosalie stirbt nach langer schwerer Krankheit, im Alter von nur 35 Jahren. Sie hinterlässt ihm zwei Söhne.

Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

  • Watson erhielt seine Ausbildung in Chicago von einem Hauptprotagonisten des Strukturalismus James R. Angell (1869 - 1949) von welchem Watson sich jedoch bald abwandte.
  • Watsons Vorbild waren die Naturwissenschaften, wie die Physiologie, einer der einflussreichsten Physiologen des 19.Jhdt. war Hermann von Helmholtz (1858-1871)
  • ebenso wurde der behavioristische Ansatz von Charles Darwin (1809 - 1882) beeinflusst, so wie die Evolution durch natürliche Selektion wirkt, um eine Spezies zu formen, dass sie an ihre Umwelt angepasst ist, so formen die Lernprozesse wie die klassische Konditionierung das Verhaltensrepertoire eines Individuums so, dass es an seine Umwelt angepasst ist.
  • Watson wurde angeregt vom russischen Physiologen Ivan P. Pawlow (1849 - 1936) indem Watson seine Gedankengänge über die klassische Konditionierung aufgriff. Beide waren der Auffassung, dass Bewusstseinsprozesse die Psychologie nicht zu interssieren haben, ausschließlich Reiz und Signalcharakter sind wichtig für von außen beobachtbare, gelernte Reaktionen.


Werke[Bearbeiten]

  • WATSON John B.: Behavior: an introduction to comparative psychology. New York: Holt 1914.
  • WATSON John B.: Psychology from the standpoint of a behaviorist. Philadelphia: Lippincott 1919.
  • WATSON John B.: Behaviorism. New York: Norton 1924.
  • WATSON John B.: Behaviorism. Chicago 1930.


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Gründung des Behaviorismus[Bearbeiten]

Watson leistete Widerstand gegen den Strukturalismus. Dieser war eine wissenschaftliche Betrachtungsweise, nach der sich wesentliche Erscheinungen der untersuchten Einzelphänomene erst aus ihrer Einbettung in einen Zusammenhang erkennen lassen. Watson war der Ansicht, dass Reaktionen oder Verhaltensweisen direkt durch klar definierbare Reize in der Umgebung beeinflusst werden. Er nannte diese nur in der Außenwelt ablaufenden und von anderen beobachtbaren und messbaren Handlungen, Reaktionen oder Leistungen "Verhaltensweisen". Verbale Berichte von Versuchsteilnehmern über Empfindungen, Vorstellungsbilder und Gefühle waren für Watson keine akzeptable Methode zur Untersuchung des Verhaltens, weil diese zu subjektiven Einflüssen ausgesetzt waren. Diese Gefühle könnten nie objektiv bestätigt werden. Das Hauptziel der Psychologie sei laut Watson "die Vorhersage und Kontrolle des Verhaltens".Seine Lehrmeinung wurde später Behaviorismus (aus dem Englischen behavior = Verhalten) genannt. Watson war der Ansicht, dass alles Verhalten gelernt sei, jedes gesunde Baby kann man zu einem Erwachsenen jeder Art erziehen, zu einem Anwalt, Arzt, Dieb,etc., da fast jegliches Verhalten aus Konditionierungsprozessen resultiert. Die Umwelt formt das Verhalten durch Verstärkung bestimmter Verhaltensgewohnheiten. Der beste Beweis dafür, dass sich Menschen konditionieren lassen ist die Phobie.


Phobien[Bearbeiten]

Watson war starker Kritiker von Freuds Phobienanalyse, er war der Meinung, dass sich diese nicht aus unbewussten Ängsten entwickelt, sondern durch klassisches und operantes Konditionieren. Auf Basis des Behaviorismus wurden äußerst erfolgreiche Methoden zur Behandlung von Phobien entwickelt.


Erster Vertreter der Reiz - Reaktions - Psychologie[Bearbeiten]

Das Hauptziel war es Reiz - Reaktionsbeziehungen zu erkennen die gesetzmäßig und vorhersagbar sind. Watson lehnte das Konzept "Geist" ab und ersetzte dieses durch eine sogenannte "black box", wenn auf diese ein Reiz einwirkt, erfolgt eine gelernte Reaktion.


keine Entwicklungsphasen[Bearbeiten]

Watson vertrat die Meinung, dass es keine Enwicklungsphasen gibt. Er war der Ansicht, dass das verhätscheln von Kindern zu Abhängigkeitsverhalten und schwachem Charakter führe.


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

  • Watsons Behaviorismus war zum größten Teil für den Niedergang der Instinkttheorien verantwortlich. Lerntheorien fanden jedoch bald heraus, dass man ein Motivationsprinzip braucht, sie nahmen statt dem Instinkt den Trieb als treibende Kraft an.
  • Durch den Behaviorismus entstanden durch präzise Begriffsbildung und exakte experimentelle Methoden, gewaltige, einflussreiche Forschungsprogramme wie von keiner anderen psychologischen Richtung. Somit hat der Behaviorismus wesentlich zum Fortschritt der Psychologie als Wissenschaft beigetragen.
  • Im Bereich des Reiz - Reaktions - Lernens baute Wolpe auf den grundlegenden Arbeiten Watsons auf.
  • Jedoch gab erst die Arbeit von B. F. Skinner dem Behaviorismus seine maßgebliche Bedeutung in der modernen Psychologie.
  • Zu Beginn der 30er wurde Watsons Behaviorismus vom Neo - Behaviorismus abgelöst, dieser zog in seine Ansichten motivationale und kognitive Bedingungen (Triebe, Bedürfnisse, Gewohnheiten, Erwartungen,...) mit ein.


  • Kritikpunkt heute: die Vernachlässigung der Erbanlagen

Literatur[Bearbeiten]

  • Edelmann, Walter [Hrsg.] (2000):
    "Lernpsychologie, 6. Auflage"
    Weinheim
  • Bourne Lyle E. / Ekstrand Bruce R. (2005):
    "Einführung in die Psychologie,4. Auflage"
    Frankfurt am Main
  • Herkner Werner Prof. Dr. (1986):
    "Psychologie"
    Wien
  • Ulich Dieter [Hrsg.]
  • "Einführung in die Psychologie, Band 2, 2.Auflage"
    Stuttgart
  • Zimbardo Philip G. / Gerrig Richard J.(1996):
    "Psychologie, 7. Auflage"
    Berlin
  • Atkinson R. L. et. al (2001):
    "Hilgards Einführung in die Psychologie, herausgegeben von: Grabowski, Klaus / Van der Meer, Elke"
    Berlin