Soziologische Klassiker/ Weber, Alfred

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Grundstruktur des Kapitels:

Biographie in Daten[Bearbeiten]

Weber Alfred

  • geboren am 30.07.1868 in Erfurt
  • gestorben am 02.05.1958 in Heidelberg


Eltern

  • Vater: Max Weber (1836-1897), Dr. jur., Städtischer Beamter und Redakteur
  • Mutter: Helene Weber, geb. Fallenstein (1844-1919), Hausfrau
  • Geschwister: Max Weber (1864-1920), Soziologe, Volkswirtschaftler und Wirtschaftshistoriker und fünf weitere Geschwister


Lebenslauf

  • Studium des Rechts und der Nationalökonomie in Bonn, Tübingen und Berlin
  • 1897: Promotion
  • 1899: Habilitation (Beides in Berlin bei Gustav Schmoller)
  • ab 1899: Privatdozent der Nationalökonomie
  • 1904-1907: Ordinarius an der Prager Universität
  • ab 1907: Weber lehrt an der Universität in Heidelberg
  • 1919: Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei(DDP)
  • 1923: Leitung des nationalökonomischen Instituts (Er nennt es später um in das Institut für Sozial-und Staatswissenschaften)
  • 1933: Vorzeitige Emeritierung durch die Nationalsozialisten. Weber zieht sich in die innere Emigration zurück.
  • 1945: Mitglied im "Dreizehnerausschuss", der die Neueröffnung und Entnazifizierung der Heidelberger Universität betreibt
  • 1946: Mitherausgeber der Zeitschrift Die Wandlung
  • 1948: Ehrensenator der Universität Heidelberg
  • 1954: Mitglied des Ordens Pour le mérite (Friedensklasse)
  • 1954: Alfred Weber wird ohne dessen Zustimmung von der KPD für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen

Historischer Kontext[Bearbeiten]

Familiäres Umfeld

  • Weber wuchs in einer angesehenen Familie des gehobenen Bürgertums auf. Sein Vater stammte aus einer Industriellen- u. Kaufmannsfamilie. Als Jursit war er als Städtischer Beamter und Redakteur tätig. Später wählte er eine parlamentarische Laufbahn als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei.
  • Seine Mutter Helene Weber (geb. Fallenstein) galt als äußerst gebildete Frau. Sie beschäftigte sich mit religiösen und sozialen Problemen ihrer Zeit.
  • Alfred Weber stand sonst oft im Schatten seines 4 Jahre älteren Bruders Max Weber, der heute noch einer der bedeutensten Soziologen ist.


Politische Ereignisse

Die Politik zu Lebzeiten Webers war durch Kriege, Nationalismus und Nationalsozialismus geprägt.

  • Deutsch-Französische Krieg (1870/1871)
  • Deutsches Reich (1871) Otto von Bismarck war eine der entscheiden Personen, die diese Zeit prägte.
  • Der Imperialismus unter Wilhelm II lenkte die Politik in eine andere Richtung.
  • Erster Weltkrieg (1914-1918)
  • Am Ende des Ersten Weltkrieges zerbrach die ständische Ordnung des Kaiserreichs, die Republik wurde ausgerufen und es entstand eine neue gesellschaftliche Ordnung. Andere Schichten kamen an die Regierung.
  • 1919-1933: Präsidialkabinette / Weimarer Republik
  • 1919 war Weber Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei.
  • 1930-1932: Weltwirtschaftskrise
  • 1933-1945: Nationalozialismus unter Hitler
  • Aufgrund seiner demokratischen Gesinnung zog sich Weber ab 1933 zur inneren Emigration zurück.
  • 1939-1945: Zweiter Weltkrieg
  • 1945 war Weber Mitglied des Dreizehnerausschuss, der die Neueröffnung und Entnazifizierung der Universität Heidelberg durchführte.
  • Besatzungspolitik nach 1945


Theoriegeschichtlicher Kontext[Bearbeiten]

Gustav Schmoller (1838-1917) prägte unter anderen das Erscheinungsbild der historischen deutschen Nationalökonomie mit und war führender Kathedersozialist. Der Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der historischen Analyse und in der Sozialreform.

Max Weber (1864-1920) Mit seinem Bruder Max, einem der für uns heute noch bedeutendsten Soziologen, stand Alfred Weber in ständigem Disput. Die grundlegenden wissenschaftlichen und weltanschaulichen Ansichten beider stimmten nicht überein und der Gegensatz beider scheint unüberbrückbar, sowohl menschlich als auch wissenschaftlich. Max Weber stand für den methodologischen Individualismus einer verstehenden Soziologie, die soziales Handeln und dessen Wirkung verstehen und deuten will. Alfred Weber hingegen stand für die intuitive Erfassung von kulturellen Totalitäten und der kausalen Klärung zu einer Sinndeutung menschlicher Geschichte.

Friedrich Nietzsche (1844-1900), Hans Driesch (1867-1941), Lucien Lévy-Bruhl(1857-1939) Mit Hilfe ihrer Denkansätze und Systemgedanken entwickelte Weber die kausale Klärung zu der Sinndeutung menschlicher Geschichte. Nietzsche war deutscher Philosoph und klassischer Philologe. Driesch war deutscher Biologie und Naturphilosoph. Lévy-Bruhl war französischer Philosoph, Psychologe und Ethnograph. Er stellte die Theorie von einem ursprünglichen prälogischem Denken, also einem Denken das nicht nach den Gesetzen der formalen Logik geschieht, auf.


Werke[Bearbeiten]

  • Über den Standort der Industrie: Reine Theorie des Standorts (1909)
  • Industrielle Standortlehre (1914)
  • Religion und Kultur (1924)
  • Die Krise des modernen Staatsgedankens in Europa (1925)
  • Das konservative Denken (1926)
  • Ideen zur Staats- und Kultursoziologie (1927)
  • Kulturgeschichte als Kultursoziologie (1935)
  • Das Tragische und die Geschichte (1943)
  • Abschied von der Geschichte; Ueberwindung des Nihilismus? (Bern 1946)
  • Farewell to European history...(1947)
  • Der dritte oder vierte Mensch. Vom Sinn des geschichtlichen Daseins (1953)
  • Einführung in die Soziologie (1955)


Das Werk in Themen und Thesen[Bearbeiten]

Volkswirtschaftliche Standorttheorie

In seiner Standorttheorie reduziert Weber sein Modell auf drei Faktoren: die Transportkosten, die Arbeitskosten und die Agglomerationswirkung. Unterschieden werden diese Faktoren hinsichtlich ihres Geltungsbereiches (generell - speziell), ihrer räumlichen Wirkung (Aglomerativfaktoren, Deglomerativfaktoren und Regionalfaktoren) und der Art ihrer Beschaffenheit (natürlich-technische Faktoren - gesellschaftlich-strukturelle Faktoren).


Kulturgeschichte als Kultursoziologie

Die Geschichte besteht für Weber aus drei Prozessen. Dem gesellschaftlichen Prozess (strukturiert den Sozialaufbau), dem zivilisatorischen Prozess (stellt materielle, physische und technische Mittel für den Sozialaufbau zur Verfügung) und dem kulturellen Prozess (bildet Philosophie, Religion, Mythen und Kunst). Außerdem beinhaltet Webers Werk die Geschichte der Menschheit. Er unterscheidet vier verschiedene Menschentypen.

  • den 'Primitiven, der erste Mensch (bei dem v.a. der Neandertaler gemeint ist): besitzt die Vorstellung, dass eine ihm gegenüberstehende Welt existiert
  • der zweite Mensch (Aurignac-Menschen, ca. 100.000 v. Chr.): meistert Lebenszufälligkeiten und nutzt seine Umwelt zu seinen Gunsten
  • der dritte Mensch (ab 4000 v.Chr.): Herrenmenschdasein, zähmt Tiere (besondere Rolle des Pferdes), glaubt an magische Naturverstricktheit
  • der vierte Mensch: geprägt von der europäischen Industrialisierung und der Ausbreitung 'totalitärer Systeme' (Weber befürchtet, dass dieser vierte Mensch den dritten Mensch vollständig verdrängen würde)


Rezeption und Wirkung[Bearbeiten]

Alfred Weber war vorallem als Hochschulprofessor bekannt und geschätzt. In Prag promovierte Franz Kafka bei ihm. Außerdem unterrichtete er eine ganze Generation von Heidelberger Studenten, unter ihnen auch einige, die noch wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung der Soziologie lieferten, z.B. Werner Sombart, Norbert Elias und Talcott Parsons. Karl Mannheim habilitierte bei ihm. Aber auch Berühmtheiten wie Erich Fromm und der Schriftsteller Carl Zuckmayer. Sein Werk Einführung in die Soziologie dient heutzutage noch als Einführungslektüre für Studenten der Soziologie.

Des Weiteren wurde sein klassisch ökonomisches Werk: Über den Standort der Industrien: Reine Theorie des Standortes von Tor Palander (1928), W. Isard (1956), Leon Moses (1958) und David M. Smith (1966) weiterentwickelt. Dieses Werk gehört auch heute noch zur Standardlektüre der Regionalwissenschaften.

Literatur[Bearbeiten]

Qsicon Quelle.svg

Dieses Kapitel oder Buch ist derzeit nicht ausreichend mit Quellen belegt. Du kannst mithelfen, es zu verbessern, indem du Zitate, Referenzen und/oder Quellen einarbeitest.


Internetquellen[Bearbeiten]