Stolpersteine der deutschen Sprache: Grapen

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Stolpersteine der deutschen Sprache

Wortkunde

Grapen



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Abb. 1 Ein kleiner Grapen mit verziertem Handgriff

Grapen (Kochgefäß)[Bearbeiten]

  • Der Grapen ist ein mittelalterliches Kochgefäß (Kochtopf, Kessel, Tiegel) aus gebranntem Ton (Keramik) oder aus Metall (Bronze, Kupfer) mit einer runden, bauchigen Form und drei Füßen, mit der das Gefäß in das offene Feuer oder über heiße Glut gestellt werden kann. Es gibt verschieden geformte Ausführungen, mit und ohne Deckel, kleinere Grapen mit Handgriff oder einem seitlichen Henkel zum Anfassen, größere mit zwei seitlichen Henkeln oder mit einem großen Henkel zum Aufhängen über einer offenen Feuerstelle und zum Tragen des Topfes. Als Produkt handwerklicher Schaffens waren dem Gestaltungsspielraum kaum Grenzen gesetzt. Grapen aus Metall waren teurer und wertvoller als Grapen aus Keramik. Gelegentlich wurden Grapen auch für handwerkliche Zwecke genutzt, zum Beispiel handwerklich für das Schmelzen von Metall.
  • Grapen sind seit dem 12. Jahrhundert bekannt, wurden aber im 18. Jahrhundert durch anderes Kochgeschirr aus leichter verwendbaren Materialien, wie Gußeisen, und durch veränderte Kochgewohnheiten verdrängt, insbesondere aufgrund der Benutzung geschlossener Herde mit heißer Herdplatte, auf denen die dreibeinigen Grapen nicht mehr verwendet werden konnten. Seit dem 14. Jahrhundert wurden Grapen auch aus Metallmischungen hergestellt, Grapenspeise oder Grapengut genannt, unter anderem auch aus Glockenbronze, die auch Glockenspeise genannt wurde. Solche Grapen wurden als "Bronzegrapen" oder "Glockenspeistopf" bezeichnet. Die Wörter "Glockenspeise" und "Grapenspeise" erinnern an den "Speiß" des Maurers und an dessen Speißkübel.
  • Grapen waren als Kochgefäß vom 12. bis zum 18. Jahrhundert sehr verbeitet. Grapenbraten, ein Schmorbraten aus dem Grapen, war ein volkstümliches, ländliches Festgericht für den Sonntag oder auch für die Fleischtage in der Woche, Dienstag und Donnerstag.
  • Auf einigen Wappen in- und ausländischer Gemeinden und Städte sind Grapen abgebildet, die auf die Herstellung und den Gebrauch von Grapen hinweisen. In den Zunftwappen der Grapengießer und Topfgießer waren Grapen abgebildet. Auch die Straßennamen "Grapengießerstraße" in den Städten Lübeck, Lüneburg und Rostock oder "Gropengießerstraße" in Ladenburg sind auf das ehemalige Handwerk der Grapengießer zurückzuführen. In einigen Fällen hat sich die historische Berufsbezeichnung "Grapengießer" oder in Abwandlungen, wie Grapengeter, Gröpengeter, Gröpengießer, auch als Familienname erhalten.
  • Grapen als Handelsware hatten seinerzeit die Bezeichnung "Grapengut", wobei dieser Begriff zugleich aber auch für die Grapenspeise benutzt wurde. Heutzutage haben Grapen fast nur noch historische Bedeutung, denn in der heutigen alltäglichen Küche werden solche Kochgefäße nicht mehr verwendet. Sie werden noch bei Vereinen mit Bezug zur mittelalterlichen Kochkunst, auf Mittelaltermärkten, in Museumsküchen bei Kochvorführungen und manchmal bei Biwaks am romantischen Lagerfeuer verwendet. Daher sind bei wenigen spezialisierten Herstellern durchaus noch Grapen aus Keramik erhältlich (Mittelalterkeramik, Töpfereimuseum Langerwehe).
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • männlich (m.)
    • Beugung:
      • Singular: der Grapen, des Grapen, dem Grapen, den Grapen
      • Plural: die Grapen, der Grapen, den Grapen, die Grapen
  • Herkunft des Wortes:
    • aus dem Niederdeutschen
  • Alternative deutsche Bezeichnungen:
    • Grape, Grappe, Grappen, Grope, Gropen, Groppe, Groppen
    • Bronzegrapen, Dreibeintopf, Glockenspeistopf
  • Sprichworter:
    • Der Grapen kann dem Kessel nichts vorwerfen, denn sie sind beide schwarz. [1]
    • Mit Schönheit füllt man keine Grapen. (Estländisches Sprichwort) [2]
  • Übersetzungen
    • Englisch: three-legged pot, tripod skillet
    • Französisch: marmite


  • Abgeleitete Begriffe:

Bronzegrapen[Bearbeiten]

  • ein Grapen aus Glockenbronze (Glockenspeise)
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • männlich (m.)
    • Beugung:
      • wie Grapen

Grapenbraten[Bearbeiten]

  • ein Schmorbraten, zubereitet in einem Grapen
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • männlich (m.)
    • Beugung:
      • Singular: der Grapenbraten, des Grapenbratens, dem Grapenbraten, den Grapenbraten
      • Plural: die Grapenbraten, der Grapenbraten, den Grapenbraten, die Grapenbraten

Grapengießer[Bearbeiten]

  • eine Berufsbezeichnung für Kupferschmiede, Rotgießer (Verarbeitung von Kupfer und Bronze) und Gelbgießer (Verarbeitung von Messing), die insbesondere Küchengeschirr herstellten. Der Grapengießer arbeitete mit ehernem Material (Metall), der Gröper (Töpfer) dagegen mit irdenem Material (Keramik).
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • männlich (m.)
    • Beugung:
      • Singular: der Grapengießer, des Grapengießers, dem Grapengießer, den Grapengießer
      • Plural: die Grapengießer, der Grapengießer, den Grapengießer, die Grapengießer

Grapengut[Bearbeiten]

  • Zwei Bedeutungen:
  1. ein Metallgemisch aus Kupfer, Zinn und Eisen, verwendet für den Guss von Grapen, auch Grapenspeise genannt
  2. Grapen als Handelsware
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • sächlich (s.)
    • Beugung:
      • Singular: das Grapengut, des Grapenguts, dem Grapengut, das Grapengut
      • Plural: -

Grapenspeise[Bearbeiten]

  • Synonym zu Grapengut (1)
  • Grammatische Angaben:
    • Geschlecht:
      • weiblich (w.)
    • Beugung:
      • Singular: die Grapenspeise, der Grapenspeise, der Grapenspeise, die Grapenspeise
      • Plural: die Grapenspeisen, der Grapenspeisen, den Grapenspeisen, die Grapenspeisen



Quellenangaben:

  1. Karl Friedrich Wilhelm Wander - Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1867, Seite 122
  2. Karl Friedrich Wilhelm Wander - Deutsches Sprichwörter-Lexikon, 1867, Seite 1620

Literaturhinweise

  1. Johann Georg Krünitz - Oeconomische Encyclopädie, Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, erschienen von 1773 bis 1858 in 242 Bänden, Stichwort:Grapen
  2. Johann Christoph Adelung - Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (1774–1786, 2. Aufl. 1793–1801), Stichwort:Grapen
  3. Jakob und Wilhelm Grimm - Deutsches Wörterbuch von 1854, Stichwort:Grapen
  4. Wikipedia, Stichwort:Grapen
  5. Bernhard Peter - Besondere Motive: Grapen
  6. Burgverein Puchberg - Metallene Dreibeintöpfe - Grapen -



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Stand: 28. April 2011