Studienführer Hans Albert: Kurze Einleitung

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Zu Hans Albert gibt es einen Wikipedia-Artikel. Daher hier nur Ergänzendes und das Nötigste in Kürze.

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Hans Albert ist Jahrgang 1921, in Köln geboren, und feierte am 8. Februar 2006 seinen 85. Geburtstag in Heidelberg, wo er seit langem wohnt. Seit 1989 ist er emeritiert. Sein früherer Lehrstuhl an der Wirtschaftshochschule Mannheim, die später die Universität Mannheim wird, war der für ›Soziologie und Wissenschaftslehre‹.

Albert gilt heute als einer der beiden großen kritischen Rationalisten. Der andere ist Karl Popper. Aber wie man aus der Bezeichnung seines Lehrstuhls ersieht, sind seine Hauptbetätigungsfelder die Sozialwissenschaften und die Methodenlehre, allerdings sehr deutlich unter kritischen-rationalen Gesichtspunkten. Popper dagegen kam mehr aus der naturwissenschaftlich-mathematischen Richtung.

Hans Albert hat sich dementsprechend intensiv um die Verbesserung der wissenschaftlichen Methoden in den Sozial- und der Geisteswissenschaften bemüht und dort viel Bleibendes geleistet.

In den Sozialwissenschaften galt es, den Positivismus zu überwinden, der forderte, auf eine feste Basis zu bauen, und erst davon überzeugt werden musste, dass es besser sei, nicht von ›Verbrauchern‹ und ›Wählern‹ auszugehen, sondern Institutionen zu verbessern, mit denen das gesellschaftliche Leben der ›Verbraucher‹ und ›Wähler‹ gesteuert wird. Außerdem mussten Methoden entwickelt werden, wie man in diesen Wissenschaften, in denen es um menschliche Werte und Bewertungen geht, dennoch das wissenschaftliche Ideal der Wertfreiheit aufrecht erhalten kann, um zu unparteiischen Lösungen zu kommen.

In den Geisteswissenschaften und der Theologie ging es ihm hauptsächlich darum, die Hermeneutik mit ihrer Aufgabe, Texte zu deuten, auf den Boden der Vernunft zurückzuholen, den sie in seinen Augen verlassen hatte.

Alberts Wirkung reicht weit über sein Lehrgebiet hinaus, und er spielt auch in der Philosophie eine große Rolle. Dort hat er das Verdienst, den Kritischen Rationalismus noch systematischer durchdacht und dargestellt zu haben als der Begründer dieser Richtung, Karl Popper. Er hat ihn auch wesentlich erweitert. Albert zeigt, wie dieser von ihm mitgeprägte kritische Rationalismus auf allen Gebieten menschlicher Praxis anwendbar ist, also auch in Ökonomie, Politik, Recht und Religion, und dass schließlich der Kritische Rationalismus als Lebensform für jedermann interessant sein könnte.

Eine ›kritisch-rationale Lebenseinstellung‹ zu haben, hört sich sehr theoretisch an, aber sie meint etwas recht Einfaches, nämlich eine ›offene Einstellung‹ zu pflegen im Sinne von Poppers ›Offener Gesellschaft‹: offen gegenüber Kritik, offen gegenüber der Entdeckung von Fehlern. Also nicht Fehler vertuschen zu wollen, sondern aus ihnen etwas zu lernen. Diese Einstellung gegenüber Kritik und Fehlern hat nicht die Spur von etwas Zersetzendem oder Negativem, wie kritischen Menschen oft nachgesagt wird, sondern ist einfach nur die Bereitschaft, die Dinge besser machen zu wollen oder wie man heute ›neudeutsch‹ sagt: to make the world a better place.

Das ist eigentlich der Kern dieser Philosophie. Alles andere ergibt sich daraus: Wer kein Realist ist, verschlimmert im allgemeinen die Probleme; wer glaubt die Wahrheit zu besitzen, kann für andere eine Gefahr werden, mitunter eine tödliche, wie man an den wahrheitsbesitzenden Terroristen sieht. Deshalb soll man, in der Fachsprache ausgedrückt, ein ›Fallibilist‹ sein, jemand, der von der Fehlbarkeit des menschlichen Wissens ausgeht.

Mit ihrer kritischen Einstellung knüpfen Albert und Popper an alte Traditionen an: an die Tradition der Aufklärung im 18. Jahrhundert und an die Anfänge der Wissenschaft bei den sogenannten Vorsokratikern im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Es handelt sich also um eine der ältesten europäischen Traditionen, die aus Alberts Sicht mehr Beachtung neben anderen, weniger rationalen Traditionen verdient hätte.

›Offen sein‹ in diesem Sinne ist dasselbe wie eine ›kritisch-rationale Lebenseinstellung‹ zu haben, für die Hans Albert ein Leben lang eingetreten ist. Auf politischer Ebene bedeutet ›Offenheit‹ (alias ›kritisch-rational‹ sein) ebenfalls die Bereitschaft, Fehler zu erkennen. Aber nicht um sie dem politischen Gegner vorwerfen zu können, sondern als eine ständige Bereitschaft zu Reformen. Da wir immer Fehler machen, müssen wir auch immer zu Reformen bereit sein. ›Methodologischer Revisionismus‹ heißt das dann in Alberts Terminologie. Die heute oft gehörte Klage über das ›ewige Nachbessern‹ ist das Gegenteil dieser Offenheit, sie entspringt lediglich dem Wunsch, endlich am Ziel angekommen zu sein.

Dieser Wunsch ist unrealistisch, denn es gibt kein endgültiges Ziel der Gesellschaft. Und das ist ein weiterer Punkt, auf den Hans Alberts kritischer Rationalismus Wert legt: Man soll Realist sein. Allerdings auch da wieder ein kritischer Realist; denn die Dinge, die wir mit den eigenen Augen gesehen haben, die uns als Tatsachen präsentiert wurden, sind oft nicht so real, wie wir denken.

Bekannt wurde Hans Albert - noch vor Erscheinen seiner Hauptwerke - durch brillante Diskussionsbeiträge während der Auseinandersetzungen mit der Frankfurter Schule im sogenannten Positivismusstreit in den 60er und frühen 70er Jahren. Da ging es um den Sonderstatus, mit dem bestimmte Richtungen der Sozialwissenschaften sich gegen eine mehr naturwissenschaftliche geprägte Vernunft abzuschirmen suchten. Bekannt ist auch sein Münchhausen-Trilemma. Aber diese Dinge sollen nicht schon hier, sondern im Kapitel Hauptideen erklärt werden, und dort wird dann auch auf das Für und Wider der Wissenschaftler eingegangen.

In seinen achtziger Jahren hält Hans Albert immer noch viele Vorträge, veröffentlicht weitere kritische Artikel, zuletzt Auseinandersetzungen mit Hans Küng, und neue Bücher: 2005 seinen Briefwechsel mit Karl Popper. Mit diesem war er seit 1958 befreundet und er gehörte zu den wenigen, von denen sich Popper nicht enttäuscht fühlte. Popper hat seine Freundschaft immer geschätzt, und in wichtigen Dingen oft seinen Rat gesucht. (Ein solcher Hinweis auf persönliche Beziehungen von Autoren entbindet keinesfalls davon, die jeweils vertretenen Positionen unabhängig voneinander zu prüfen; die Kenntnis dieser Beziehungen und deren Geschichte kann, sprachpragmatisch gesehen, das Verständnis der verfassten Texte sowohl erleichtern wie manchmal auch erschweren.)

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