Tarot/ Erklärungsversuche

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Methoden und soziale Funktion[Bearbeiten]

Die Wahrsagerin, Deutschland, 18. Jahrhundert

Laut Georges Minois, der 1996 die erste große Monographie der Geschichte der Wahrsagung und anderer Formen der Vorhersage vorlegte, sind (in Europa) 25 verschiedene Methoden gang und gäbe, „von der  Kristallkugel bis zum  Kaffeesatz, von der  Geomantie bis zur  Numerologie, von der  Chiromantie bis zur  Kartomantie. Kein Fehlschlag, kein Beweis für die Inkohärenz und Absurdität dieser Methoden erschüttert das Vertrauen eines überraschend großen Teils der Bevölkerung.“[1]

Nach Minois basiert dieser Erfolg u. a. auf der sozialen Funktion der Wahrsagung:

 Georges Minois: Die Astrologie, die Kartomantie, die  Parapsychologie [...] sind für das in den Massenphänomenen versinkende Individuum eine Zuflucht, eine Gelegenheit, die eigene Persönlichkeit zu erforschen und sich dabei von jeder Schuld freizusprechen. In diesem Sinne treten sie ein wenig die Nachfolge der einstigen Gewissensprüfung und  Beichte an. Wie der Priester ist der Astrologe ein Vertrauter, dem man seine Geheimnisse entdeckt und der einem im Gegenzug die persönliche Zukunft enthüllt. Es besteht eine große Ähnlichkeit zwischen dem  Psychoanalytiker und dem Astrologen, und schon die Hellseherinnen des [19.] Jahrhunderts hatten erkannt, dass sie die Rolle von Psychologinnen und Trösterinnen spielten. Die Kunden der Astrologen und Hellseher sind Kranke, Verängstigte, aus dem Gleichgewicht geratene Menschen, die Trost und Sicherheit suchen und auf ihre Person aufmerksam machen wollen. Das wissen die Astrologen sehr genau, man braucht nur ihre stereotypen Vorhersagen zu lesen: dem Ego zu schmeicheln ist viel wichtiger, als die Zukunft vorauszusagen
Quelle: Minois, S.716.

Dieser Absatz wurde aus dem Artikel  Wahrsagen (aus der Wikipedia) übernommen


Cold Reading[Bearbeiten]

Cold Reading („kalte Deutung“, auch sensory leakage) ist ursprünglich der von professionellen Zauberkünstlern verwendete Fachausdruck für verschiedene Techniken, in Interview-artigen Situationen ohne wirkliches Wissen über den Gesprächspartner bei diesem den Eindruck eines vorhandenen Wissens zu erwecken. In neuerer Zeit wird der Begriff auch für entsprechende Praktiken bei Wahrsagern und anderen „Lebensberatern“ sowie in Vernehmungen oder bei Verkaufsgesprächen gebraucht.

Es sei dahingestellt, inwiefern die Ausübenden diese Techniken bewusst einsetzen oder an den Besitz besonderer Fähigkeiten glauben.

Ansätze[Bearbeiten]

Zum Cold Reading zählen verschiedene praktische Ansätze, darunter:

Erscheinungsbild des Gesprächspartners[Bearbeiten]

Durch offene Merkmale wie Kleidung, Frisur, Nonverbale Kommunikation und Sprechweise gibt der Gesprächspartner bereits viele Informationen über sich preis, welche die nachfolgenden Interpretation der Tarotkarten erleichtern.

Verwendung von Allgemeinplätzen[Bearbeiten]

Durch die Verwendung von allgemeinen Floskeln, die viele für sich als wahr empfinden, steigt das Vertrauen und der Eindruck.

Angebot einer großen Zahl an Optionen[Bearbeiten]

Werden ausreichend allgemeine Optionen angeboten und der betroffene Kreis nicht eingeschränkt, ist statistisch das Zutreffen sehr wahrscheinlich.

Durch Beobachtung des Gesprächspartners sowie seiner Antworten und entsprechende Anpassung des weiteren Gesprächsverlaufs lassen sich auf diese Weise viele Informationen erhalten, auf deren Grundlage scheinbar überraschend zutreffende Aussagen möglich sind. Eine wichtige Voraussetzung ist dabei die positive Erwartungshaltung des Interviewpartners.

„ … based upon events which occur in the vast majority of human lives yet, adroitly stated, the reading will become personalized and the person receiving the reading will be willing to believe that the seer has correctly told the past and probably foreseen the future.“ William W. Larsen, zitiert nach Dutton (1988)
(„ … obwohl aus Ereignissen zusammengestellt, die in den allermeisten menschlichen Biographien vorkommen, wird die Deutung, geschickt vorgetragen, auf die eigene Person bezogen werden, und der Adressat wird bereit sein zu glauben, dass der Seher die Vergangenheit korrekt wiedergegeben und die Zukunft möglicherweise vorhergesehen hat.“)

Der verwandte Begriff des  Hot Readings beschreibt die Technik, sich Informationen über einen Gesprächspartner bereits vor dem Gespräch zu beschaffen, um dadurch den Eindruck zu erwecken, auf übernatürlichem Wege Wissen erlangen zu können.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ray Hyman (2007): Cold Reading. In:  Skeptiker – Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, Seite 4 - 12
  • Günter Molz (2007): Die psychologische Analyse des „Cold Reading“ durch Ray Hyman – 30 Jahre danach, In: Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, Seite 13 - 15.
englische
  • Denis L. Dutton (1988): The cold reading technique. Experientia 44, S. 326-332 (Internet)
  • Wiseman R, Morris RL (1995). Guidelines for testing psychic claimants. Prometheus Books
  • Paul Ekman: Emotions Revealed: Recognizing Faces and Feelings to Improve Communication and Emotional Life. ISBN 978-0297607571.
  • Ian Rowland: The Full Facts Book of Cold Reading: A Comprehensive Guide to the Most Persuasive Psychological Manipulation Technique in the World. ISBN 978-0955847608.
  • Rosemary Faith McCall: Speech, Reading and Listening Tactics. ISBN 978-0709010784.
  • Linda N. Edelstein: The Writer's Guide to Character Traits. ISBN 978-0898799019.

Weblinks[Bearbeiten]

Dieser Absatz wurde weitestgehend aus dem Artikel Cold Reading (aus der Wikipedia) übernommen

Barnum-Effekt[Bearbeiten]

Der Barnum-Effekt, auch Forer-Effekt oder Täuschung durch persönliche Validierung (engl. personal validation fallacy[2]) genannt, stammt aus der Psychologie und bezeichnet die Neigung von Menschen, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu akzeptieren.

Der Begriff wurde von Paul Meehl eingeführt und ist nach dem Zirkusgründer Phineas Taylor Barnum benannt. P. T. Barnum unterhielt ein riesiges Kuriositätenkabinett (American Museum), welches jedem Geschmack etwas bieten konnte („a little something for everybody“).

Barnum-Aussagen sind beispielsweise in Zeitungshoroskopen zu finden – die Testreihen des amerikanischen Psychologen Bertram R. Forer beziehen sich auf solche Zeitungshoroskope.

Barnum-Aussage[Bearbeiten]

Allen Barnum-Aussagen ist gemeinsam, dass es immer an Objektivität und an Falsifizierbarkeit mangelt.

Typische Inhalte[Bearbeiten]

  • Jeder Mensch sehnt sich nach einer sicheren Umwelt. Deshalb darf die Erwähnung von Ängsten nicht fehlen.
  • Wünsche wie eine sichere Arbeitsstelle oder ein gutes Beziehungsleben.
  • Sowohl-als-auch-Aussagen wie etwa „Sie sind meistens entschlossen, doch Sie ringen immer wieder um angepasstes Verhalten“.
  • Unklare Formulierungen wie „Sie neigen zur Faulheit“ (anstelle „Sie sind heute faul“, was entweder stimmt oder nicht stimmt).
  • Suggerierte Dinge: „Heute könnten Sie jemanden verletzen“, was eine Verletzung suggeriert; der Leser sucht – und findet manchmal – eine entsprechende Handlung. Dem Leser wird aber nicht gesagt, er solle nach Hinweisen suchen, die das Gegenteil demonstrieren würden.

Beispiele[Bearbeiten]

  • „Sie sind ein bodenständiger Mensch.“
  • „Mit Leidenschaft, Zähigkeit und Ehrgeiz nehmen Sie jeden Kampf auf.“
  • „Oft sind Sie gut gelaunt und fröhlich, manchmal aber auch geladen und zornig.“

Dieser Absatz wurde zu großen Teilen aus dem Artikel Barnum-Effekt (aus der Wikipedia) übernommen






  1. Minois, S.712–714.
  2. Forer BR.:The fallacy of personal validation; a classroom demonstration of gullibility. J Abnorm Psychol. 1949 Jan;44(1):118-23. PMID 18110193