Tipps und Anleitungen für das kreative Gestalten

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Dieses Buch steht im Regal Kunst.

Einleitung[Bearbeiten]

Dieser Artikel bietet keine vollständige Anleitung, wie man mit wenig Vorkenntnissen kreatives Gestalten und den Umgang mit Material und Werkzeug erlernen kann. Hierzu eignet sich die wiederkehrende Teilnahme an geeigneten Kursen oder einem proaktiven Erfahrungsaustausch mit Menschen im echten Leben, die sich als Gestalter und Künstler verstehen. Dadurch ist es möglich, dass jemand die Fehler, die sie oder er zu Beginn macht, erkennen und korrigieren kann, auch Arbeitsabläufe und Umgang mit Material verbessert und optimiert. Es gibt hier keine Beschreibungen von Arbeitsschritten, die man so einfach in die Tat umsetzen kann, ohne sie zu hinterfragen. Denn es kann sich immer ein Fehler oder Missverständnis einschleichen und vieles lässt sich geeigneter in der Praxis erlernen. Abweichungen in Materialqualität und Werkzeugbeschaffenheit können im vorliegenden Text nicht erschöpfend unterschieden und erklärt werden. Ein Lehrwerk - gedruckt oder elektronisch - kann zwar ein gutes Fundament bilden, jedoch nie den direkten Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden ersetzen. Dieser Artikel hat damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Es gelten die in Wikibooks üblichen Haftungsausschlüsse: Alle hier vorgestellten Tätigkeiten sind potentiell gefährlich. Die hier vorgestellten Webseiten sind kein Ersatz für fachlich korrekt durchgeführte Kurse zum Erlernen des korrekten Umgangs mit Material und Werkzeug. Beachten Sie hierzu auch den Haftungsausschluss und dort insbesondere den wichtigen Hinweis für Beiträge im Bereich Gesundheit. Alle in diesem Text genannten Markennamen unterliegen den Rechten der entsprechenden Herstellerfirmen, auch wenn diese nicht gesondert gekennzeichnet sind. Die genannten Marken und Produkte stellen keine Empfehlung dar.

Basteln mit Papier[Bearbeiten]

Papier hat, wenn es maschinell hergestellt wurde, eine Laufrichtung (von Hand geschöpftes Papier ist teuer und es gibt wenige Möglichkeiten, dieses zu kaufen). Die Laufrichtung ist die Rollrichtung der Walzen, über die das Papier bei der Herstellung gerollt und gezogen wird. Die Papierfasern ordnen sich dabei parallel zur Rollrichtung der Walzen an. Diese Laufrichtung ist besonders dann wichtig, wenn Papier gerissen oder geklebt werden soll.

Reißen lässt sich Papier nur parallel zur Laufrichtung ohne Schwierigkeiten. Wenn Sie quer zur Laufrichtung reißen, wird der Riss garantiert schief. Probieren Sie es ruhig mal mit einer alten Zeitung.

Sollen zwei Papiere mit wasserhaltigem Kleber wie Leim oder Kleister aufeinander geklebt werden, klebt man sie am Besten mit gleicher Laufrichtung zusammen. Nur dann kann man ein wahrscheinlich glattes Ergebnis erwarten. Hinweis: Zusätzliches Pressen des noch feuchten Papiers zwischen zwei Brettern bis zum endgültigen Trocknen hilft. Damit die Bretter nicht am Papier festkleben, sollte ein Stück Plastik dazwischengelegt werden. Ausnahme: Sie wollen sehr stabilen Karton aus einzelnen Papierschichten herstellen. Dann kleben Sie mehrere Lagen jeweils mit querstehender Laufrichtung aufeinander. Auch hier sollte man das Papier zum Trocknen gut pressen. Das Ergebnis ist ziemlich stabil (ähnlich wie Sperrholz, das nach dem gleichen Prinzip hergestellt wird).

Nicht nur bei sehr dickem Papier ist die Laufrichtung auch beim Falten wichtig, da sich das Papier parallel zur Laufrichtung besser falten lässt.

Werken mit Holz[Bearbeiten]

Laubsägearbeit Schwibbogen[Bearbeiten]

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Mein Schwibbogen

Der Begriff des Schwibbogens kommt eigentlich aus dem Bereich der Architektur. Damit werden Schwebebögen bezeichnet, die gestützt von zwei Mauern zu jeder Seite frei "schweben". Beheimatet im Erzgebirge verbreitete sich die Tradition in der Adventszeit einen Schwibbogen, auch manchmal Lichterbogen genannt, ins Fenster zu stellen. Dabei wird natürlich nicht gemauert, das Material ist hier meist Holz. Seltener sind Schwibbögen aus Metall zu finden.

Wer so etwas mal in groß sehen mag: Schaut euch auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt um! 5 mal 2 Meter misst der Schwibbogen dort und zeigt traditionelle Motive des Erzgebirges.

Ursprünglich, so behauptet man, soll die Idee der Schwibbögen aus Johanngeorgenstadt kommen. Wie schon erwähnt, sind Schwibbögen aus Metall auch zu finden. So verwundert es auch nicht, dass der Bogen von dem man vermutet, dass es der erste seiner Art war, durch Johann Teller im 18. Jahrhundert aus Metall hergestellt wurde.

Angeblich sollten die dort ansässigen Bergleute bei der Rückkehr aus ihrer Mettenschicht ihrer Gruben ihre Lampen halbkreisförmig am Stolleneingang gehängt haben. Und wenn man sich jetzt den traditionellen Schwibbogen nochmal ansieht, ist dieses Thema immer noch zu finden: halbkreisförmige Anordnung der Lichter und zwei Bergleute am Stolleneingang der Grube.

Es gibt auch andere Erklärungsmodelle, aber meiner Meinung nach ist das die schönste und passendste.

Und jetzt ein Sprung in der Zeit: 1937 hatte eine Paula Jordan den Schwarzenberger Schwibbogen entwickelt. Das Motiv setzt sich ungefähr wie folgt zusammen: Der abgebildete Engel mit Kerze bedeutet Schutz der zwei Bergleute. Die Bergleute tragen festliche Kleidung. Um das Handwerk der Region zu ehren, sind des Weiteren eine Klöpplerin und einen Schnitzer dargestellt, der Spielzeuge anfertigt (Pferdchen oder Esel, Nussknacker und Holzfällerfigur). Die Leuchterspinne oberhalb der Klöpplerin ist ebenfalls typisch. Insgesamt zeigt sich die Vorliebe und Wichtigkeit des Lichtes für die Bergleute nicht nur durch die Kerzen auf dem Schwibbogen. Die abgebildeten gekreuzten Kurzschwerter sind dem kursächsischen Wappen entnommen. Die gekreuzten Hämmer entstammen aus dem „Gildenzeichen“ der Bergleute.

Das Originalmotiv von der Designerin Paula Jordan ist ein wenig anders im mittleren Teil entworfen. Anstatt des Nadelbäumlas sind dort die gekreuzten Hämmer in einer größeren wappenähnlichen Abbildung zu sehen. Dieses Schwibbogenmotiv wird dann als Schwarzenberger Schwibbogen bezeichnet. Im erzgebirgischen Schwarzenberg fand 1937 die Feierohmdschau statt. Anlässlich dieser durfte Paula Jordan ihren Schwibbogen entwerfen. Praktisch als Werbemotiv für die Ausstellung! 7 mal 4 Meter groß, so heißt es.

Meineswissens ist der weltgrößte Schwibbogen auf dem Markt in Zschopau zu bewundern: 12 mal 6,5 Meter. Also: „Nein! Chemnitz hat auf dem Weihnachtsmarkt nicht den größten Schwibbogen stehen.“ Höchstens den größten Schwibbogen des Weihnachtsmarktes.

Hier einige Zusatzinformationen zum Schwibbogenmotiv von Paula Jordan: Meines Wissens bedeutet die Blume hinter dem Stuhl der Klöpplerin die Aussicht auf den kommenden Frühling, d.h. das Ende des Winters. Die gekreuzten Hämmer im Originalmotiv (Schlegel und Eisen) symbolisieren die Werkzeuge der Bergleute, der Amboß, in dem sich Schlegel und Eisen befinden, weisen auf die Arbeit der Bergschmiede hin und die "Zapfen" an den Seiten sollen die Herdflammen des Schmiedefeuers verdeutlichen. Diese Erklärungen findet man in verschiedenen Werken über erzgebirgische Volkskunst

Laubsäge in die Hand[Bearbeiten]

Erzgebirgischer Schwibbogen, Laubsägevorlage
Erzgebirgischer Schwibbogen, Laubsägevorlage als SVG; Skalierbare Vektorgrafik für Plotter geeignet

Das Bild zeigt eigentlich schon alles. Elektrisches Licht verringert dabei die Brandgefahr. Lichterketten für Innenbeleuchtungen zum Montieren oben auf dem Lichtbogen findet man günstig, beispielsweise in Baumärkten. Die Abstände der Lichter zueinander sind so zu wählen, dass die Hitzeentwicklung gering gehalten wird. Im Zweifel ohne Lichtmontage basteln.

Die Vorlage passend vergrößern oder verkleinern und auf das Holz übertragen. Eine Möglichkeit zur präzisen Übertragung des Motivs auf das Holz ist ein (gekachelter) Ausdruck aus dem Tintenstrahldrucker (Kacheln deshalb, weil die meisten Motive größer sind als A4). Die einzelnen A4-Blätter mit geringer Überlappung ausdrucken und möglichst genau mit einem Klebestift zusammenfügen. Dann mit der Druckseite nach unten auf die Rückseite des Holzbogens legen und mit Reißzwecken befestigen. Jetzt das Papier befeuchten und nach kurzer Einwirkzeit die Linien mit einer kleinen Andruckrolle (Tapezierbedarf, im Baumarkt) nachziehen. Durch die Feuchtigkeit wird die Tinte vom Papier auf das Holz übertragen. Die Ausdrucke sollten mit dünnen Linien (Haarlinie), aber hoher Druckqualität (viel Tinte) angefertigt werden.

Das Innenmotiv aussägen und die Stützen anfertigen und anbringen. Halterungen für Kerzen sind hier nicht dargestellt und müssen ergänzt werden. Noch irgendwas? Ach ja... viel Spaß... :)

Paradeisl[Bearbeiten]

Schematischer Aufbau eines Paradeiser, bzw. Paradeisl

Was ein Paradeiser ist, wissen viele Österreicher noch. Damit bezeichnet ein Österreicher eine Tomate. Aber was kann ein „Paradeiser“ beziehungsweise ein „Paradeisl“ noch sein?

Ein verbreiteter Brauch in der Adventszeit ist das aufstellen eines Adventskranz. Dabei spielt die Zahl 4 eine bedeutende Rolle. Am 1. Advent steht er da und hat vier Kerzen. An jedem der vier Adventssonntage wird eine Kerze angezündet.

Ein Brauch, der mancherorts schon in Vergessenheit geraten ist, ist das Aufstellen eines Paradeisers oder auch Paradeisls. Dies ist hauptsächlich noch in ländlichen Gegenden Süddeutschlands oder in Österreich bekannt. Das Paradeisl erfüllt die gleiche Aufgabe wie ein Adventskranz. Vier Kerzen schmücken es und an jedem Adventssonntag wird eine weitere Kerze erleuchtet.

In Bayern kann man ihn noch mancherorts sehen. In Form einer Dreieckspyramide werden vier Äpfel mit sechs meist verzierten Stöcken aufgespießt. Die Stöcke können wie ein Adventskranz mit kleinen Tannenzweigen gebunden oder schmuckvoll bemalt oder mit eingeschnitzten Mustern versehen sein, indem die oberste Rindenschicht der Stäbe in aufwändigen Mustern eingeschnitzt und stellenweise abgenommen wird. Durch das teilweise Abheben der Rindeschicht oder das Schnitzen von Mustern in das Holz entstehen aufwändige Verzierungen, wobei hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Ich finde, dass Letzteres die schönste Form des Paradeisls darstellt. Gemeinsam mit den Kindern kurz vor Advent Stöcke zu schnitzen, hat schon etwas Weihnachtliches.

Jeden Apfel des Paradeisls ziert obenauf eine Kerze, um das nahende Weihnachtsfest würdevoll zu empfangen. Im oder um das Paradeisl herum werden häufig Nüsse, getrocknetes Obst und Weihnachtsgebäck gelegt. Etwa auf einen Teller auf den das Paradeisl zu oberst gesetzt wird.

Falls noch kein Adventskranz da ist? Wäre das etwas? Oder als Idee fürs nächste Jahr?

Sechs etwa gleich lange Stöcke sind nicht schwer zu bekommen. Vier Äpfel und Kerzen auch nicht. Das Bild rechts zeigt die schematische Anordnung und einen Stock, in den ein Muster eingeschnitzt wurde.

Werken mit diversen Materialien[Bearbeiten]

Das Werken mit diversen Materialien kann insofern als anspruchsvoller gesehen werden, da die Materialeigenschaften sich deutlich unterscheiden und gegebenenfalls Werkzeuge durch das Material anders gewählt werden müssen, beziehungsweise anders beansprucht werden. Bei Verbindungstechniken der unterschiedlichen Materialien ist so zum Beispiel darauf zu achten, dass die Masstoleranzen und dauerhafte Materialeigenschaften auch dauerhaft nicht zum Lösen der Verbindung führen dürfen. Dies kann bei gemischten Materialien deutlicher und damit problematischer auftreten, als es etwa bei Marqueterie und Intarsienarbeiten mit reinen Holzwerkstücken und Holzbau mit verschiedenen Holzarten der Fall ist, ist aber hierbei durchaus vergleichbar.

Nachfolgend soll exemplarisch gezeigt werden, wie man selbst eine Reihe verschiedener Geduldsspiele anfertigen kann. In aller Regel sind diese aus Holz und/oder Metall hergestellt und werden als mechanische Geduldspiele, Vexiere oder Entwirrspiele bezeichnet. Als Oberbegriffe im Englischen werden meist „Tanglement Puzzle“, „Entanglement Puzzle“ oder „Disentanglement Puzzle“ genutzt.

Geduldsspiel Plattform-Seilpuzzle[Bearbeiten]

Neben dem Materialmix Holz und Metall wird das anzufertigende Geduldsspiel auch eine Schlinge enthalten, die es während des Spiels zu befreien und wieder in die Ausgangsposition zu bringen gilt, ohne den Knoten der Schlinge zu lösen.

Entwirrspiele dieser Art werden im Handel unter den Bezeichnungen „Seilpuzzle“, insbesondere ¢Seilpuzzle verflixter Rahmen“, „Seilpuzzle verflixtes Mausspiel“, „Ferris Wheel“ oder „Seilpuzzle Mausefalle“ angeboten. Im Englischen sind diese Art Puzzle oder Schnur-Entwirrspiele auch als „Jacob's Ladder String Brain Teaser“, „Moon Walker Brain Teaser“ oder „Devil's Staircase“ zu finden.

In Ausfertigungen, bei denen es gilt eine starre Schlinge oder Metallschlaufe zu entfernen, wird insbesondere dann eine lineare Anordnung ineinandergreifender Ringe gewählt, die ihren Ursprung in einem sogenannten chinesischen Ringpuzzle finden. Sowohl die chinesischen Ringe als auch eine Reihe von Abwandlungen bis hin zu dem Schlingenpuzzle, das hier hauptsächlich beschrieben wird, sind viele Puzzles in folgender Literatur beschrieben:

  • Pieter van Delft und Jack Botermans: Denkspiele der Welt, Hugendubel Verlag, ISBN 3-88034-087-0

Die zuvor erwähnte lineare Anordnung ineinandergreifender hintereinanderliegender Hindernisse, durch die die Schlinge zu führen ist, ergibt eine Anordung von sich wiederholenden Lösungsschritten, die zum Entfernen der Schlinge führt. Meist spricht man davon, dass durch Hinzufügen eines weiteren Hindernisses sich die Anzahl der Einzelschritte in der Gesamtlösung verdoppelt. Die Erhöhung der Schwierigkeit besteht dabei also in der nötigen Konzentration, die rekursiv wiederkehrenden Einzelschritte in korrekter Folge anzuwenden.

Hlavolam retizek

James Dalgety beschreibt auf einer Webseite seines Puzzle-Museums, dass er um etwa 1970 eine Idee veröffentlichte, diese linearen Lösungsabläufe zu modifizieren, indem die ineinandergreifenden Hindernisse keinen einzelnen Pfad der Abarbeitung der Lösungsschritte zuließe, sondern eine Verzweigung und eine Zusammenführung von Lösungspfaden einführte. Hierdurch entscheidet nicht mehr nur die Pfadlänge, sondern auch die Anzahl der Verzweigungen und Zusammenführungen über die Gesamtschwierigkeit des Entwirrspiels.

Von den oben bereits erwähnten Entwirrspielen zeigt nur das „Crazy Golf rope disentanglement puzzle“ eine solche Verzweigung und Zusammenführung wie es etwa auch in James Dalgetys Entwirrspiel „Devil's Halo“ der Fall ist. Dieses Entwirrspiel bekam 1974 den London Design Centre Award.

Bauanleitung Entwirrspiel - Seilpuzzle[Bearbeiten]

Ausgangsmaterialien[Bearbeiten]

  • starrer Draht, 2mm Durchmesser
    • etwa 300mm bis 400mm Länge pro Hindernisstange des Geduldsspiels
    • Je kürzer die Stangen gewählt werden, desto schwieriger kann eine Hebelwirkung während des Biegens der Stangen in ihre Zielform geschehen
  • Holzplatte, 18mm Stärke
    • vorzugsweise etwa einheimisches Weichholz (Fichten-, Tannen- oder Kiefernholz), massiv
    • gegebenenfalls einfache Holzreste geeigneter Größe
  • Reepschnur, Meterware, ca. 3mm bis 4mm Durchmesser

Die Reepschnur muss in der Länge an das jeweils gebaute Geduldsspiel angepasst sein. Diese wird durch die einzelnen durch den Draht gebogenen Ringe gefädelt, wodurch eine Mindestlänge für die geknotete Schlinge zur Lösbarkeit des Puzzles besteht. Abhängig von der Komplexität der Anordnung der Stangen, bzw. Ringe kann die notwendige Schlingenlänge damit variieren.

Hilfsmittel und Werkzeuge[Bearbeiten]

  • Kombizange
  • Rundholz, 22mm Durchmesser
  • Holzbohrer, 2mm Durchmesser
  • Säge
  • Schwingschleifer / Schleifpapier
  • Feuerzeug, Schere, Bleistift

Grundplatte / Montageplatte[Bearbeiten]

Skizzen für Positionen der Bohrlöcher bei möglichen Umsetzungen des Seilpuzzles.

Die Grundplatte kann beliebige Form bekommen, solange die Anordnung der Stangen darauf Platz findet. Hier werden als einfachste Varianten rechteckige Holzplatten verwendet, da diese einfacher zu sägen und auch weiter zu bearbeiten sind. Das schon erwähnte „Crazy Golf rope disentanglement puzzle“ benutzt so zum Beispiel eine organischere geschwungenere Form, da das Geduldsspiel dann eher an einen natürlichen Golfparcour erinnert. Bewährt hat sich die folgende Vorgehensreihenfolge:

  1. Markieren der gewünschten Stangenpositionen auf dem Holzrohling
    • Eine Skizze zum Bohren der Löcher für die Positionen der Stangen unterschiedlich schwieriger Seilpuzzle / Entwirrspiele / Geduldsspiele ist im Bild zu sehen. Das rechts dargestellte Bohrlochschema kann für ein lineares Seilpuzzle ähnlich der chinesischen Ringe verwendet werden. Links ist ein Schema für ein komplexeres Seilpuzzle ähnlich Devil's Halo, Crazy Golf rope disentanglement puzzle abgebildet. Raum zum Experientieren und dadurch auch Anpassung der Komplexität des geplanten Seilpuzzles gibt es genug. Toleranzen im Bereich von bis zu 2mm sind problemlos akzeptabel, so dass die Anfertigung der Montageplatte als einfach bis mittelschwierig anzusehen ist.
    • Die Markierungen können mit einem Bleistift übertragen werden.
  2. Sägen der Grundplatte auf die gewünschten äußeren Abmessungen
    • Wie auch das Anreißen der Markierungen zuvor, kann es hilfreich sein, auch (Hilfs-)Linien anzureißen, entlang derer die Grundplatte gesägt wird.
    • Für die Funktion des Seilpuzzles sind keine genauen Abmessungen einzuhalten. Der Einfachheit halber sind hier in den Beispielen einfache rechteckige Grundformen gewählt, die durch gerade Sägeschnitte einfach anzufertigen sind.
    • Die Ausmaße der Grundplatte sollten dabei so groß gewählt werden, dass später mindestens ein stabiler Stand möglich ist, während die Schlinge durch die Ringe der Stangen gefädelt wird, um das Seilentwirrpuzzle zu lösen. Wählt man eher minimalere Ausmaße, so wird die Spielfreude darunter leiden, da dass Puzzle zunehmend wackliger zu bedienen ist. Bewährt haben sich Ausmaße, die von den gezeigten Abbildungen abgeschätzt werden können.
  3. Bohren der Löcher an den zuvor angezeichneten Markierungspositionen
    • Die Bohrtiefe muss kleiner der Stärke der Montageplatte gewählt werden. Bei einer Plattenstärke von 18mm empfiehlt es sich maximal 15mm tief zu bohren. Während des Bohrens eine entsprechende Unterlage verwenden, falls unbeabsichtigt doch die Montageplatte durchstoßen wird. Je tiefer die Bohrung an die 15mm heranreicht, desto sicherer wird die jeweilige Stange fixiert werden können.
    • Die Bohrungen sind rechtwinklig zur Oberfläche der Montageplatte durchzuführen. Leichte minimale Fehler können eventuell noch ausgeglichen werden, indem man die später montierten Stangen durch ein wenig Druck aufrecht biegt, sollten diese erkennbar leicht schief stehen.
  4. Schleifen der Oberflächen auf gewünschte Oberflächenqualität
  5. Brechen oder Ab-/Anfasen der Kanten
  6. Oberflächenbehandlung der Grundplatte (Wachsen, Ölen oder Beizen)

Stangen[Bearbeiten]

  1. Bei der Biegearbeit hilft ein Rundholzstab. Durch die hohen Biegekräfte werden aber kleinere Beschädigungen des Holzes praktisch unvermeidbar sein.
  2. Beim Biegen des Drahtes um die gezeigte Achse soll die Symmetrie des Winkels gleichmässig beibehalten werden.
    • Je enger der Winkel, desto länger werden einzelne Umwicklungen entlang des Drahtes.
    • Je weiter der Winkel, desto kürzer werden einzelne Umwicklungen entlang des Drahtes.
    • Je ungleichmässiger der Winkel um die Rotationsachse, desto ungleichmässiger wird der Abschnitt der Umwicklungen insgesamt.
    • Innerhalb eines Stangensets kann zusätzlich auch darauf geachtet werden, dass alle Stangen in gleicher Drehrichtung entstanden sind. Dies kann die Ästhetik des Puzzles noch zusätzlich erhöhen.
  3. Abschneiden eines der Drahtenden.
  4. Das verbleibende Drahtende in Form biegen.
  5. Halte die Stange nahe der Schlinge mit der Kombizange.
  6. Biege die Stange in die gezeigte Endform.
  7. Je nach benötigter Anzahl der Stangen sind diese Schritte zu wiederholen.

Varianten und Überlegungen zur Lösung[Bearbeiten]

Beim Zusammenbau des Seilpuzzles wird man mit dem kleinsten Ring beginnen. Während des Steckens der Teile kann man sich fragen, wann eigentlich ein Geduldsspiel hat, beziehungsweise ab wann man die Lösung dieses Seilentwirrspiels nicht mehr als einfach ansieht.

Eine Stange[Bearbeiten]

Die einfachste Variante besteht darin, die Schlinge um eine einzelne Stange zu legen und die immer gleichlautende Aufgabe zu formulieren: Entferne die Schlinge aus dem Stangenpuzzle. Bei einer Stange nimmt man die Schlinge einfach nach oben ab und siehe da: geschafft!

Zwei Stangen[Bearbeiten]

Nachdem man zwei Stangen nutzt, muss man zumindest schon mal die Schlinge durch den ersten Ring fädeln und über die zweite Stange heben, um diese freizulegen. Erst dadurch kann die Schlinge frei abgehoben werden. Mit etwas Fantasie lässt sich langsam erahnen, dass ein ernsthaftes Geduldsspiel daraus entstehen könnte.

Drei und mehr Stangen[Bearbeiten]
Eine angebohrte Figur oder ein Objekt kann zwecks Individualisierung auf die höchste freistehende Stange gesteckt werden.

Nutzt man drei oder mehr Stangen, so nimmt die Fädelarbeit zu und das Geduldsspiel ist durch einfaches einmaliges Fädeln und Abheben nicht mehr zu lösen. Definiert man einzelne Lösungsschritte, etwa das Fädeln der Schlinge durch einen Ring innerhalb der Lösung, so wird mit steigender Zahl der Stangen im Spiel die Anzahl der Lösungsschritte jeweils pro Stange verdoppelt. Die Komplexität der Lösung ist exponentiell.

Streng genommen kann man sich fragen, ob die Teufelsleiter für eine beliebige Anzahl von Stangen lösbar bleibt. Gesetzt den Fall, man könne die Stangen beliebig hoch bauen, ohne Stabilität einbüßen zu müssen, das Holzbrett gäbe genug Platz und die Länge der Schlinge erlaube ein beliebiges Fädeln.

Beschäftigt man sich eine Weile mit dem Geduldsspiel, so erkennt man leicht, dass der Ring der höchsten Stange keine Relevanz für die Lösung besitzt. Man kann aus ästhetischen Gründen der Stange auch einen Ring geben, aber es gibt keinen sinnvollen Grund die Schlinge durch diesen Ring zu fädeln, um der Lösung ein Stück näher zu kommen. In einigen Varianten des Spiels wird sogar bewusst ein anderes Objekt auf die höchste Stange gesetzt. So verwendet das Crazy Golf rope disentanglement puzzle auf der höchsten Stange einen Golfball, während die grüne Montageplatte an einen Golfrasen erinnert.

Ein Mathematiklehrer der Helmholtzschule, einem Gymnasium in Frankfurt, ich meine es war damals Herr Zimmermann, entwickelte dazu die Idee, dass man diesen höchsten Ring theoretisch hochbiegen könne, so man dürfe. Und eben dies verändere die Lösung noch nicht. Drücke man diesen Ring zusammen, wenn es denn erlaubt sei, so dass nur die Stange übrigbliebe, so sei im Prinzip die Lösung, mathematisch gesehen, weiterhin unverändert. Die Länge der Stange spiele dabei, weil man eine flexible Schnur zum Fädeln verwände, eine untergeordnete Rolle. Das Ganze funktioniert somit auch mit gekürzter Stange, da die Stange außer der Fädelei ja kein Hindernis darstellt. Gleiche Überlegungen lassen sich mit den weiteren Stangen in gleicher Weise betreiben. Fazit daraus ist: Wenn die Schlinge lang genug ist, dann lässt diese sich aus dieser Art Stangenanordnung herausfädeln, so es freistehende Stangen gibt, die man sich aus der Konstellation in dieser Weise hinwegdenken kann. Und das ist so sicher wie die Tatsache, dass zwei plus zwei vier ist, immer und überall. Denn einem wahrhaft intelligenten Menschen ist nichts, wohlgemerkt nichts, unmöglich. (Zitat für Fans des Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, der sich als die „Denkmaschine“ auch aus unangenehmen Situationen herausdenkt...)

Man kann feststellen, dass auch bei komplexeren Verläufen wie bei der Devil's Halo die gleichen Überlegungen zutreffend sind. Ein Aufteilen und Zusammenführen der ineinandergreifenden Stangen und Ringe ändert daran nichts.

Perlen-Seilpuzzle[Bearbeiten]

Anfangs- und Zielsituation des Geduldsspiels

Bei diesem Seilpuzzle wird kein Teil befreit, sondern eine Perle von einer Seite des Puzzles auf die andere gefädelt. Das erscheint auf den ersten Blick nahezu unmöglich, gilt es doch die Perle entlang einer Schnur zu führen, die durch ein Loch kleiner der Perle verläuft und je nach Ausführung des Puzzles auch noch eine gleich große Perle im Weg zu sein scheint.

Die Schnur ist an ihren Enden fest mit einem Stock idealerweise unlösbar verknotet. In der Mitte des Stocks befindet sich zusätzlich eine Bohrung, durch die unsere Schnur mehrfach durchgeführt ist. Dadurch bildet sich eine linke und eine rechte Schlinge. Die Aufgabe besteht nach unserer durchgeführten Bastelarbeit darin, dann eine Perle von der einen in die andere Schlinge oder auch wieder zurück wandern zu lassen.

Bauanleitung[Bearbeiten]

Maße und Positionen der Bohrungen im Stock

Dieses Werkstück ist eine Bohrarbeit. Zusätzlich muss eine Schnur entsprechend der Anleitung gefädelt werden. Bei Bohrarbeiten mit einer Bohrmaschine muss eine Schutzbrille getragen werden. Um Verletzungen zu vermeiden, muss zusätzlich auch das Werkstück - hier der Stock - während des Bohrvorgangs in einer Halterung fest und unlösbar eingespannt sein. Folgende Materialien werden benötigt:

  • Rundholz oder Stock, ca. 20mm bis 25mm Durchmesser
  • Reepschnur, Meterware, ca. 2mm bis 3mm Durchmesser
  • Perlen, ca. 20mm Durchmesser mit Bohrloch ca. 8mm
    • Das Bohrloch der Perlen soll so groß gewählt werden, dass die Reepschnur ca. 4-fach gelegt einigermaßen leicht durchzuführen ist. Dies gewährleistet, dass die Perlen angenehm entlang der Schnur geführt werden können.