Unwirksam: Bewegung

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Unwirksame Medikamente am Bewegungsapparat, Muskeln, Knochen, Sehnen und Gelenke

Arthrose[Bearbeiten]

Glucosamine und Chondroitin bei Arthrose[Bearbeiten]

 Arthrose ist weit verbreitet und reduziert die Lebensqualität der betroffenen Patienten in erheblichem Ausmaß. Nur wenige Maßnahmen sind wirklich wirksam gegen die Erkrankung. Glucosamin und Chondroitin gehören nicht dazu. Auch Gelatine und Haifischflossen sind unwirksam.

Arthroskopisches Debridement bei Gonarthrose[Bearbeiten]

In Studien zeigte sich die arthroskopische Therapie der Gonarthrose (Debridement) einer arthroskopischen Placebotherapie (Lavage) [1] bzw. einer konservativen Therapie [2] nicht überlegen. Siehe auch http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/iqwig-zu-arthroskopie-kniegelenksspiegelung-ohne-belegbaren-nutzen-a-968985.html

Nicht ausreichend belegte Behandlungskonzepte bei Arthrose[Bearbeiten]

  • Die beliebten Salben haben wahrscheinlich keine Wirksamkeit, da deren Wirkstoffe nicht bis ins Gelenk vordringen können.
  • Anwenderberichten zufolge kann eine Verbesserung der Beweglichkeit und des Wohlbefindens durch Einnahme eines Hagebuttenpulvers mit hohem Galaktolipid-Anteil erreicht werden. Eine Forschergruppe rund um Prof. Dr. Kharazmi an der Universität Kopenhagen studierte bereits 2004 die nutritiven Effekte des Hagebutten-Pulvers bei Gelenksarthrosen, und isolierte mittels eines komplizierten Fraktionierungsverfahrens den Galaktolipid-Anteil. Das Galaktolipid wurde in Verbindung mit dem speziellen Herstellungsverfahren patentiert. Es konnte in vitro nachgewiesen werden, dass dieses Galaktolipid die Migration polymorphkerniger Leukozyten hemmt und in vivo die Serumkonzentrationen an C-reaktivem Protein senkt. In einer klinischen Studie sank der CRP-Wert bereits nach 10 Tagen um durchschnittlich 39 %. Die placebokontrollierte cross-over Studie wurde mit 112 Arthrose-Patienten durchgeführt, dabei wurde die tägliche Gabe von 5 Gramm Hagebutten-Pulver untersucht. Die Studie zeigte eine signifikante Linderung der Morgensteifigkeit bei 66 % der Studienteilnehmer nach dreimonatiger Einnahme des Hagebuttenpulvers. Außerdem konnte der Konsum an Schmerzmitteln wie Tramadol, Opioiden, Paracetamol oder NSAR bei der Ernährungstherapie mit Hagebuttenpulver um rund die Hälfte vermindert werden.
  • Eine neue Therapieoption bietet die Interleukin-1-Antagonist-Therapie: Aus dem Blut des Patienten wird ein IL-1-Antagonist gewonnen und in das betroffene Gelenk injiziert. Somit wird das am Krankheitsgeschehen beteiligte IL-1 in seiner schädigenden Funktion gehemmt. Die Wirksamkeit dieser Therapie konnte bis jetzt noch nicht nachgewiesen werden. Nach Angaben der Hersteller wurde im Mai 2005 eine deutsche Phase-III-Studie durchgeführt, Ergebnisse liegen in gelisteten Zeitschriften allerdings noch nicht vor. Vom Bundesausschuss nicht genehmigte Kosten einer Therapie werden zur Zeit von der Kasse generell nicht übernommen.
  • Heilpflanzen können angeblich in das Entzündungsgeschehen und die Schmerzentstehung bei Arthrosen eingreifen. So wirkt Teufelskralle durch Hemmung von COX-2, LOX, Zytokinen (Interleukinen), Elastase und zeigt gleichzeitig eine antioxidative Wirkung als Teeauszug oder Extrakt. Ingwer wirkt zudem noch durch Hemmung von COX-1. Eine Hemmwirkung von Ingwer gegen Elastase wurde bisher nicht bestimmt. Weidenrinde wirkt ebenso wie Teufelskralle durch Hemmung von COX-2, LOX, Zyokinen (Interleukinen) und zeigt gleichzeitig eine antioxidative Wirkung.
  • Erfolge für die Schmerzlinderung bei Arthrose sollen auch durch den Einsatz der Blutegeltherapie erzielt werden.
  • Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht mit der Radonthermalstollen-Behandlung, z. B. im Gasteiner Heilstollen. Es handelt sich im Prinzip um eine ungerichtete Stimulierung aller an der Entstehung von Schmerz- und Entzündungsmediatoren beteiligten Zellen. Eine so ungerichtete Therapie sollte, wenn es sich um radioaktive Substanzen handelt – bei mit Radon dauerhaft(!) belasteten Häusern als schädlich nachgewiesen – mit Vorsicht betrachtet werden. Bei jeder Röntgenaufnahme wird auf die Strahlenbelastung geachtet, in Bad Gastein fragt bisher noch niemand nach einer evtl. schon bedenklicheren Ganzkörperdosis.
  • Von Radiologen wird auch eine „Röntgenreizbestrahlung“ durchgeführt, danach sind die Schmerzen im Gelenk meistens für einige Zeit weniger stark, der Verfall des Gelenkes wird aber oft noch beschleunigt. In der Veterinärmedizin hat sich dieses Verfahren bewährt, bei Menschen hat man wegen der relativ hohen Strahlendosen Angst und das Verfahren wird nur in Einzelfällen ( zb bei nicht operabelen alten Menschen mit ausgeprägtenr Arthroseschmerzen) angewendet .
  • Hoch dosiertes Vitamin E (500 bis 1000 I. E. täglich) kann angeblich in seiner Eigenschaft als Antioxidans und antiinflammatorischer Mediator (Regulation des Arachidonsäure-Stoffwechsels) helfen, Entzündungsprozesse im Gelenk positiv zu beeinflussen und den Knorpelverfall durch Einfluss freier Sauerstoffradikale (z. B. wg. überschießender Immunreaktion) zu mildern.
  • Medizinisch nicht gesichert, aber von Betroffenen teilweise berichtet, helfe die tägliche Einnahme von Hirse, speziell der Wildform der Hirse, der sogenannten Braunhirse. Weitere natürliche Heilmittel mit vermuteter therapeutischer Wirkung sind Auszüge aus der südafrikanischen Pflanze Teufelskralle (Harpagophytum) und Kieselerde.
  • Hyaluronsäure: Der Abrieb von Knorpelsubstanz wird durch vom ungeschädigten Gelenk natürlich produzierte „Gelenkschmiere“ namens Hyaluronsäure reduziert. Der Degenerationsprozess soll während einer Dauerindikation damit ebenfalls – zumindest teilweise – reduziert oder sogar gestoppt werden können. „Hyaluronsäure schmiert Gelenke und reduziert Schmerzen“. Zitat: „Daten aus 64 prospektiven kontrollierten Studien bestätigten die praktische Erfahrung, dass die Therapie mit Hyaluronsäure Placebo eindeutig überlegen ist. Hyaluronsäure verbessert ähnlich gut wie eine NSAR-Dauertherapie die Schmerzen und Gelenkfunktionen …“, wobei hochmolekulare Hyaluronsäure eine signifikante Wirkung zeige, niedermolekulare substanzidentische Präparate im Wesentlichen eher wirkungslos seien.[3] Das Präparat muss intraartikulär injiziert werden, wobei das grundsätzliche Risiko einer Gelenkinfektion besteht. Vor dem Dienstantritt der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt war Hyaluronsäure erstattungsfähig.[4]
  • Die Ernährungstherapie der Hl. Hildegard von Bingen (1098–1179) empfahl: „Wer stechenden Schmerz in seinen Gliedern und Gelenken fühlt …, der sollte oft reichlich gekochte Kalbsfüße essen samt dem Fett und der Haut. Das wird den Schmerz bald vertreiben.“ Die heilsame Wirkung von Sud aus kollagenreichem Gewebe ist allerdings umstritten.
  • In der alternativen Medizin wird im Bereich der schmerzenden Gelenke subkutan Eigenblut gespritzt, das zuvor in einer mit Schlangengift präparierten Pipette aufgezogen wurde.
  • Die Substanzen Glucosamin und Chondroitin (evtl. MSM) können bei positiver Disposition die Symptome der Arthrose etwas verbessern oder ihr weiteres Fortschreiten verzögern.[5] Ergebnisse über nur 12 Wochen („effectiveness results of a prototypical 12-week, double-blind, randomized placebo-controlled trial of glucosamine“) zeigten dagegen, dass Glucosamin bei der Arthrose im Knie in so kurzer Zeit offenbar nicht wirksam sein kann.[6] Eine weitere Nahrungsergänzung, die vielversprechend scheint, ist S-Adenosyl Methionin. Kleinere Studien behaupten, dass es bei der Schmerzlinderung ebenso effektiv ist wie nichtsteroidale, antiinflamatorische (entzündungshemmende) Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, usw.), auch wenn es etwa vier Wochen dauert, ehe dieser Effekt einsetzt. In einer großen placebokontrollierten Studie wurden 572 Patienten mit Glucosamin oder Chondroitin oder mit einer Kombination beider Substanzen behandelt; Ziel der Studie war es herauszufinden ob eine der Behandlungen den Verlauf der Krankheit bremsen könnte. Nach einer Behandlungsdauer von 18 Monaten konnte in keiner Behandlungsgruppe ein Vorteil gegenüber Placebo nachgewiesen werden.[7]

Rheuma[Bearbeiten]

Radontherapie bei Rheuma[Bearbeiten]

Bei Morbus Bechterew wird die Radontherapie als milde Zusatztherapie angepriesen. Ein echter Wirksamkeitsnachweis liegt nicht vor, auch wenn die Behandlung von den Krankenkassen bezahlt wird.

Siehe  Radonbalneologie

Links[Bearbeiten]

Roßkastanie, gut wirksam als Schattenspender in Biergärten.

Aescin Reparil[Bearbeiten]

Aescin ist ein Stoffgemisch aus der Roßkastanie und wird bei Krankheiten eingesetzt, die mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Blutgefäße ( beispielsweise Krampfadern) einhergehen. Wahrscheinlich ist der Stoff unwirksam, jedenfalls existiert kein überzeugender klinischer Wirksamkeitsnachweis.

Indikation[Bearbeiten]

Das Aescin soll bei Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz - bei Schweregefühl, Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz in den Beinen sowie bei nächtlichen Wadenkrämpfen helfen. Es soll auch bei Schwellungszutänden nach Operationen helfen, da ihm entzündungshemmende und abschwellende Wirkung zugesprochen wird. Aescin Gel soll bei Verletzungen mit Prellungen, Verstauchungen (Sportverletzungen), Quetschungen, Blutergüssen und Sehnenscheidenentzündungen helfen.

Vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg wurde Aescin zur Arzneipflanze des Jahres 2008 gekürt.

Zitat:

Aescin ist in seiner Wirkung gut untersucht, 
es dichtet die geschädigten Blutgefäßwände ab, 
so dass weniger Flüssigkeit aus den Venen ins Gewebe übertritt

Das ist die Meinung des Würzburger Studienkreises. Aus klinischer Sicht fehlen dafür überzeugende Daten.

Zitat Stiftung Warentest 10/2004

Wenig geeignet bei Arthrose und entzündungsbedingten Gelenkbeschwerden. 
Die therapeutische Wirksamkeit ist nicht ausreichend nachgewiesen. 

Alternativen[Bearbeiten]

Eine wirksame Venentherapie erreicht man durch

  • kaltes Wasser
  • Kompression
  • Bewegung
  • Krampfaderoperationen.

Links[Bearbeiten]

Silicia Gel und Tabletten[Bearbeiten]

Angeblich soll das Präparat gut für die Nägel, die Haare und für sonst noch einiges sein. Wahrscheinlich ist es unwirksam, auch wenn zur Zeit die 50 jährige Markteinführung gefeiert wird.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Moseley JB, O'Malley K, Petersen NJ, et al. “A controlled trial of arthroscopic surgery for osteoarthritis of the knee”. N. Engl. J. Med., 347:81–8, July 2002. DOI:10.1056/NEJMoa013259PMID 12110735.
  2. Kirkley A, Birmingham TB, Litchfield RB, et al. “A Randomized Trial of Arthroscopic Surgery for Osteoarthritis of the Knee”. N. Engl. J. Med., 359:1097–1107, September 2008. DOI:10.1056/NEJMoa0708333PMID 18784099.
  3. Ärzte-Zeitung 12. April 2006
  4. Bundestagsdrucksache: „Bereits nach geltendem Recht sind sogenannte arzneimittelähnliche Medizinprodukte, die im Sinne des Arzneimittelgesetzes mit Stand vom 31. Dezember 1994 apothekenpflichtige Arzneimittel gewesen wären, in die Arzneimittelversorgung einbezogen“ pdf
  5. Poolsup N, Suthisisang C, Channark P, Kittikulsuth W: Glucosamine long-term treatment and the progression of knee osteoarthritis: systematic review of randomized controlled trials. Ann Pharmacother. 2005 Jun;39(6):1080–7. PMID 15855241
  6. McAlindon T, Formica M, LaValley M, Lehmer M, Kabbara K: Effectiveness of glucosamine for symptoms of knee osteoarthritis: results from an internet-based randomized double-blind controlled trial. Am J Med. 2004 Nov 1;117(9):643–9. PMID 15501201
  7. Pressebericht bei New Scientist zur Behandlung mit Glucosamin oder Chondroitin

Muskelschmerzen und Verletzungen[Bearbeiten]

Diclofenac äußerlich[Bearbeiten]

Die häufig genutzten Salben und Gele die Diclofenac enthalten, sind wahrscheinlich - zumindest was den Wirkstoff betrifft - wirkungslos, denn das Dilcofenac dringt wahrscheinlich gar nicht durch die Haut durch. Stichwort: Voltaren Gel, Voltaren Schmerzgel , Voltaren Emulgel, Voltaren Salbe

Links[Bearbeiten]

Salizylsäure äußerlich[Bearbeiten]

Links[Bearbeiten]

Heparinsalben[Bearbeiten]

Heparin soll angeblich Blutergüsse auflösen. Das tut es nicht, denn es dringt gar nicht durch die Haut durch. Auch als Venensalbe sind Heparinsalben wirkungslos. Blutergüsse werden sehr schön durch Finalgonsalbe beseitigt. Die Salbe verstärkt die Hautdurchblutung und die blauen Flecken werden dadurch schneller vom Körper abgeräumt.

Muskelkrämpfe[Bearbeiten]

  • Die Einnahme von Magnesium bei idiopathischen  Muskelkrämpfen des älteren Menschen ist wahrscheinlich unwirksam.
  • Kernseife im Bett: Mehrere Patienten berichten übereinstimmend, dass sie durch ein Stück Kernseife im Bett die Zahl ihrer nächtlichen Muskelkrämpfe senken konnten.
    • Schwer glaubhaft, aber leicht überprüfbar. Wahrscheinlich steckt ein Kernseifeverkäufer dahinter.