Verfassen wissenschaftlicher Texte:Formulierung – Was beachten, was vermeiden?

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Häufig gibt es Missverständnisse, wenn es um Formulierungsweisen und Schreibstile bei wissenschaftlichen Arbeiten geht. Grundlegend falsch ist die Annahme, wissenschaftliche Texte müssten zwangsläufig sehr komplex, schwer verständlich und mit zahlreichen Fremdwörtern angereichert sein. In der Regel sollte das Gegenteil der Fall sein. Sätze sind so kurz wie möglich zu halten, um den Lesern ein leichtes Verstehen zu ermöglichen. Denn nur wenn ein Satz und eine These unmissverständlich formuliert sind, gibt dies dem Leser die Möglichkeit jene zu überprüfen und gegebenenfalls zu widerlegen. Schreibt ein Autor absichtlich in komplizierten Schachtelsätzen, die höchstens ihm selbst verständlich sind, wird er sich schnell den Vorwurf einhandeln, er wolle eine Widerlegung seiner Ausführungen unmöglich machen. Mitunter verlangt die Komplexität eines Gegenstandes einen komplizierteren Satzaufbau, dieser muss der Sache aber angemessen bleiben und sollte nicht zum Selbstzweck werden.

Es sind nur die im Fachgebiet gebräuchlichen Fremdwörter zu verwenden und auch nur wenn es dem Gegenstand der Untersuchung nützlich ist. Der hauptsächliche Sinn von Fachsprache liegt in der Textkompression im Vergleich zu einer jeweiligen langen Erklärung. Fremdwörter, lateinische Phrasen und Fachwörter sind weder dafür da, einem Text den Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu geben, noch die Sprachbegabung und Intelligenz des Autors darzustellen. Während in der Prosa und Lyrik der persönliche Schreibstil einen Autor unverwechselbar kennzeichnet, dient er dem Wissenschaftler in erster Linie der Darstellung und Vermittlung eines Sachproblems. Wissenschaftliche Autoren sollten mit gedanklichen Originalitäten hervortreten und nicht mit sprachlichen. Dies schließt sprachlich gekonnte Sätze und eine reichhaltige Sprache nicht aus und kann dem Verständnis sowie deren Wertschätzung des eigenen Textes durchaus dienlich sein.

Umgangssprachliche Redewendungen sind wie Superlative zu vermeiden. Das gleiche gilt für Füllwörter wie „ja“, „nun“, die Häufung von sinngleichen oder sinnähnlichen Ausdrücken und Wörter, welche die einzelne Argumentation unterstreichen sollen wie “natürlich“ und „selbstverständlich“. Ebenso sollten das anonyme "man" und das verallgemeinernde „wir“ vermieden werden. Nur bei einer Autorengemeinschaft ist Letzteres zulässig. Der Leser geht prinzipiell davon aus, dass alle geschriebenen Meinungen und Theorien, wenn nicht als Zitate gekennzeichnet, von dem Autor stammen. Deshalb ist die „ich“-Form oft überflüssig und sollte vermieden werden. Auch Vergleiche und Metaphern müssen im Gegensatz zur Belletristik allgemein verständlich sein und sparsam verwendet werden.

Prinzipiell sollte jedes Wort und jeder Satz in einer wissenschaftlichen Arbeit seine Berechtigung haben. Dies schließt substanzlose Sätze, dem Verständnis nicht dienende Wiederholungen und reine Füllsätze aus. Es gilt die neuste Fassung der deutschen Rechtschreibung zu verwenden. Schreibfehler sind zu vermeiden, da sie den Leser irritieren, vom Textinhalt ablenkt und außerdem den Eindruck erwecken, der Autor hätte nicht gründlich gearbeitet. Schon aus diesem Grund sollte die Arbeit von mehreren Personen Korrektur gelesen werden.

Um die Gleichberechtigung auch in der Sprache zu gewährleisten, haben sich mittlerweile mehrere Formen herausgebildet. Bekannt sind die Zweigeschlechtlichkeit in einem Wort (StudentInnen, Manager_innen oder Schüler/- innen) und die jeweilige Nennung von beiden Geschlechtern (Schüler und Schülerinnen). Von den meisten Handbüchern zum wissenschaftlichen Arbeiten wird dies deutlich abgelehnt und somit nicht empfohlen.[1] Diese Formen strecken unnötig den Text und lassen die meisten Leser an diesen Stellen stolpern und verhindern damit ein leichtes Textverständnis.

Quellennachweis[Bearbeiten]

  1. Manuel Theissen, Wissenschaftliches Arbeiten, 11. Aufl., München 2002, Verlag Vahlen, S. 139; ebenso Ewald Standop/Matthias Meyer, die Form der wissenschaftlichen Arbeit, 15. Aufl., Wiesbaden 1998, Quelle und Meyer Verlag, S. 192 f.