Zum Inhalt springen

Visual Basic .NET: Einführung

Aus Wikibooks

Geschichte von Visual Basic

[Bearbeiten]

Visual Basic ist eine Sprache mit einer bewegten Vergangenheit, die im Jahre 1964 mit der Entwicklung des direkten Vorgängers BASIC begann. BASIC ist die Abkürzung für „Beginner's All-purpose Symbolic Instruction Code“, das heißt in etwa „symbolische Allzweck-Programmiersprache für Anfänger“. Schon der Name verrät, dass diese Sprache vor allem auf Programmieranfänger ausgelegt war. Sie zeichnete sich durch eine einfache Syntax aus, d.h., der Quelltext, den der Programmierer verfasst, ist sehr leicht verständlich. Außerdem beinhaltete die Sprache im Gegensatz zu anderen damaligen Programmiersprachen wie Fortran sehr wenige und einfache Anweisungen, wodurch BASIC schnell eine große Verbreitung an Schulen oder sonstigen Lehreinrichtungen fand, vor allem als Erstsprache, mit denen Anfängern grundlegende Konzepte der Programmierung vermittelt werden sollten.

Rückblickend war die größte Stärke von BASIC, die Simplizität, gleichzeitig ihre größte Schwäche. Die Sprache war für professionelle Anwendungen schlicht zu einfach, sie enthielt zu wenig Funktionen, um den Anforderungen der Firmen gerecht zu werden. Außerdem verfügte BASIC über so gut wie keine Kontrollstrukturen (bestimmte Befehle, die den Quelltext strukturieren, damit er kürzer und verständlicher wird), sodass der Quelltext einfach viel zu schwer zu lesen war. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff Spaghetti-Code (Code = Quelltext) verwendet, der ausdrückt, dass sich der Code ungefähr so einfach nachvollziehen lässt wie die Lage der einzelnen Nudeln auf einem Teller Spaghetti.

Eines der ersten Produkte von Microsoft war ein Interpreter für BASIC, d.h. ein Programm, das BASIC-Code in ein ausführbares Programm umsetzt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Microsoft den Versuch startete, diese Sprache an die Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen. Ergebnis war 1991 „ Microsoft Visual Basic 1.0“, das neue Maßstäbe in der Entwicklung von Programmen setzte. Es war mit einer sogenannten IDE ausgestattet. IDE ist die Abkürzung für „Integrated Development Environment“, zu deutsch „Integrierte Entwicklungsumgebung“. Diese Umgebung vereinigt einen Texteditor, in dem der Code geschrieben wird, mit der Möglichkeit, aus dem Code ein Programm zu erstellen und dieses auszuführen. Eine völlige Neuheit war der Fensterdesigner, in dem die Fenster erstellt werden konnten, die bei der Ausführung eines Programmes auf dem Bildschirm erscheinen. Bis dahin musste man solche Fenster im Code erstellen, was äußerst mühsam war. Mit Visual Basic war es möglich, in erstaunlich kurzer Zeit erstaunlich professionell wirkende Anwendungen zu erstellen. Leider waren diese Anwendungen sehr langsam, und die Funktionalität von Visual Basic war bei weitem noch nicht so groß wie etwa die von C++, sodass Visual-Basic-Programme in professionellen Kreisen fast ausschließlich als Prototypen für Programme dienten, die später etwa in C++ implementiert wurden.

Der nächste bedeutende Schritt war „Visual Basic 5.0“, das durch neue Funktionen versuchte, zu C++ aufzuschließen. So wurden hier erste „objektorientierte“ Konzepte verwirklicht. Das heißt, dass bestimmte Funktionalitäten des Programms in Objekte „verpackt“ werden, was die Übersichtlichkeit erhöht. Außerdem konnten solche Objekte von anderen Projekten wiederverwendet werden. Ein Beispiel: In einer Firma arbeitet jemand an einem Malprogramm und schreibt dafür ein Objekt, das Funktionalitäten bietet, um auf eine Bildfläche zu zeichnen. Sein Kollege nutzt dieses Objekt in einem anderen Projekt, in dem es z.B. um die Darstellung von mathematischen Kurven und Funktionsgraphen geht. Man sieht, dass objektorientiertes Programmieren die Arbeit erleichtern kann. Leider verfügt Visual Basic 5 nur über rudimentäre Fähigkeiten auf diesem Gebiet, genau wie sein Nachfolger Visual Basic 6.

Neben der objektorientierten Programmierung bot Visual Basic 5 eine weitere, viel wichtigere Neuerung: Die Programme wurden nun in echte Maschinencode-Programme übersetzt. (Maschinencode ist die kodierte Information, die vom Prozessor direkt verstanden wird.) Bis Version 4 konnte Visual Basic nur Programme in einem Zwischencode erstellen, der umständlich in Maschinencode übersetzt werden musste, sobald das Programm startete. Die Verwendung von Maschinencode bedeutete einen enormen Geschwindigkeitszuwachs, jedoch blieb Visual Basic weiter hinter C++ und anderen Programmiersprachen.

2002 erfolgte der Umbruch in der Visual-Basic-Historie. In diesem Jahr veröffentlichte Microsoft die  .NET-Architektur. Visual Basic wurde als „Visual Basic .NET“ in diese Architektur eingegliedert. Im Prinzip bedeutet .NET einen Rückschritt, denn anstatt Maschinencode wird nun wieder ein Zwischencode erstellt, der erst in Maschinencode übersetzt wird, wenn das Programm startet. Doch mit .NET sollte alles anders werden, denn das .NET-Framework, das für diese Übersetzung zuständig ist, arbeitet viel effizienter als die frühen Visual-Basic-Programme. Zum Beispiel wird das Programm erst komplett übersetzt und dann ausgeführt, während Visual Basic 1 bis 4 die Programme nach Bedarf häppchenweise übersetzten und die Häppchen sofort ausführten. Außerdem kann das .NET-Framework den Maschinencode während der Übersetzung an die vorhandene Hardware anpassen, z.B. bestimmte Zusatzfunktionen des Prozessors nutzen oder, wenn eine schnelle Grafikkarte vorhanden ist, die Berechnung von Bildern darauf auslagern.

Da nicht nur Visual Basic, sondern auch C++, die Microsoft-Variante von Java namens J# und das von Microsoft für .NET neu entwickelte C# in die .NET-Architektur eingebunden wurden, werden VB.NET-Programme genauso schnell ausgeführt wie C++.NET-Programme. Für den Programmierer bietet .NET den Vorteil, dass nun endlich die objektorientierte Programmierung konsequent unterstützt wird. Außerdem stellt Microsoft mit dem .NET-Framework Tausende von Objekten zur Verfügung, die alltägliche Aufgaben vereinfachen, etwa das Rechnen mit komplexen mathematischen Funktionen oder das Lesen und Schreiben von Dateien.

Warum Visual Basic .NET?

[Bearbeiten]

Mit der Umstellung auf .NET hat die Visual-Basic-Sprache tiefgreifende Veränderungen erfahren. Es heißt, dass die Sprache dadurch schwieriger geworden ist. Auf jeden Fall ist sie komplexer geworden, doch erstens ist Visual Basic dadurch um einiges mächtiger geworden, und zweitens ist Visual Basic immer noch eine der am einfachsten erlernbaren Programmiersprachen, abgesehen von einigen Exoten, mit denen sich aber meist nicht einmal ein Fenster erstellen oder eine Datei schreiben lässt. Visual Basic .NET bietet einen guten Kompromiss zwischen Leistungsfähigkeit und Beherrschbarkeit. Außerdem gibt es für Visual Basic kostenlose und sehr leistungsstarke Entwicklungsumgebungen (siehe nächstes Kapitel).

Entwicklungsumgebungen

[Bearbeiten]

Wollen Sie mit Visual Basic .NET Programme schreiben, brauchen Sie zuerst eine Entwicklungsumgebung. Sicherlich könnten Sie den Code auch in einem Texteditor (Editor oder WordPad) schreiben, doch das wäre äußerst mühsam. Eine Entwicklungsumgebung steht Ihnen mit vielen Hilfsmitteln zur Seite, vor allem einer grafischen Oberfläche und einer Referenz zu den Funktionen von Visual Basic .NET (enthält Tausende von Objekten mit jeweils Dutzenden von Funktionen)Siehe Downloads (Microsoft Visual Basic).

Microsoft hat Visual Basic ursprünglich entwickelt. So ist es nicht verwunderlich, dass die am weitesten verbreitete Entwicklungsumgebung für Visual Basic von Microsoft selber kommt. Microsoft Visual Basic ist sowohl einzeln als auch als Teil des Microsoft Visual Studio erhältlich, das verschiedene Programmiersprachen, z.B. auch C++ und C#, beherrscht, und sich in seinem Funktionsumfang vor allem an professionelle Anwender richtet. Die aktuelle Version von Visual Basic ist Visual Basic 2008. Mit der Einführung von .NET hat Microsoft die bis Version 6 übliche Nummerierung (Visual Basic 1.0 bis Visual Basic 6.0) aufgegeben, die Produktnamen beziehen sich auf das Veröffentlichungsjahr (obwohl z.B. Visual Basic 2005 erst im Februar 2006 erschienen ist).

Für Einsteiger und Heimanwender zugeschnitten ist die sogenannte Visual Basic 2008 Express Edition, ein hochtrabender Name für eine eingeschränkte, aber dafür kostenlos nutzbare Version von Visual Basic 2008, die viele wichtige Funktionen der normalen Version beinhaltet, vor allem die weitentwickelte und mächtige Entwicklungsumgebung. Für Umsteiger von Visual Basic 5 und 6 bietet Visual Basic 2008 eine Funktion zum Konvertieren ihrer Projekte in .NET-Projekte (wobei die alten Projekte in einer Koexistenz erhalten bleiben).

Die Visual Basic 2008 Express Edition steht gegenwärtig (August 2008) bei Microsoft zum Download bereit. Das Programm kann ohne zeitliche Einschränkung weiterbenutzt werden. Sollten Sie keine Gelegenheit zum Download gefunden haben oder sollte der Download für Sie nicht möglich sein (vor allem wenn Sie versuchen, die über 400 Megabyte große Installationsdatei über eine Modemverbindung herunterzuladen), gibt es eine freie Alternative:  SharpDevelop (kurz: #develop). Frei bedeutet in diesem Kontext nicht nur kostenlos, sondern quelloffen, das heißt, der Quelltext kann frei heruntergeladen und verändert werden. Somit gibt es die Garantie, dass SharpDevelop immer frei verfügbar ist.

Mittlerweile ist SharpDevelop 2.2 (Version 3.0 befindet sich zur Zeit (August 2008) noch in Entwicklung) verfügbar, das die gleichen Funktionen unterstützt wie Visual Basic 2005. Es ist anzunehmen, dass die in Vorbereitung befindliche Version 3.0 sich an Visual Basic 2008 orientiert. Obwohl das SharpDevelop-Projekt erst ein paar Jahre läuft (zum Vergleich: Microsoft Visual Basic 1.0 wurde 1991 veröffentlicht), gleichen sich SharpDevelop und Microsoft Visual Basic in Sachen Funktionalität und Bequemlichkeit fast vollkommen.

SharpDevelop gibt es nur für Windows. Für Unix-artige Betriebssysteme, zum Beispiel Linux oder BSD, kann man MonoDevelop für die freie .NET-Umgebung Mono benutzen. MonoDevelop ist aus SharpDevelop entstanden, jedoch mittlerweile eigenständig. Eine aktuelle Mono-Version kommt mittlerweile mit den großen Linux-Distributionen mit, ansonsten kann man die Pakete von der untengenannten Seite herunterladen.

Downloads

[Bearbeiten]