Zufall: Soziologie

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Zufall in der Soziologie[Bearbeiten]

Stichpunkte[Bearbeiten]

Sinn der Soziologie ist es, nicht an den Zufall in der Gesellschaft zu glauben. WOLF LEPENIES, Süddeutsche Zeitung, 25/01/02.

Was ist Soziologie? http://www.soziologie.uni-halle.de/studium/gegenstand.html

Zufall, Pech und die Grenzen des Sozialstaats Vortrag gehalten am Philosophischen Kolloquium Leipzig am 10.05.2000 http://www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/sowi/lsi/vortraeg/sozialstaat.html

Die wissenschaftliche Zweckerfüllung und das Losverfahren http://www.marcelmbaumann.de/Seiten/helgepeukert1.html

Die Rolle des Zufalls bei der Besetzung von Stellen von  Max Weber

Zur Soziologie des Spiels http://www.uni-giessen.de/~g51039/vorlesungV.htm

Welche Bedeutung hat der berühmte  Kommissar Zufall bei der Aufdeckung von Verbrechen ?

Kontingenz in der Soziologie[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Kontingenz (lat. contingere: sich ereignen / spätlat.: Möglichkeit) ist ein in der Philosophie und in der Soziologie, vor allem der Systemtheorie gebräuchlicher Begriff, um die prinzipielle Offenheit und Ungewissheit menschlicher Lebenserfahrungen zu bezeichnen. Somit überlappt sich die Kontingenz teilweise mit dem Begriff des Zufalles.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die soziale Welt wird als eine unter vielen möglichen wahrgenommen, wobei es zufällige und nicht-zufällige soziale Ereignisse gibt. Der Begriff Kontingenz bedeutet insofern das Gegenteil von Notwendigkeit und Unmöglichkeit. - Selbst die Wahrnehmung der Welt ist kontingent, beruht auf Unterscheidungen und Konstruktionen, welche auch anders sein und gemacht werden könnten. Die prinzipielle Offenheit menschlicher Einstellungen und Handlungen wird durch Bildung von sozialen Systemen reduziert.

Erkenntnistheoretisch betrachtet ist Kontingenz das Wissen darüber, dass jedes Wissen relativ ist. Absolutes Wissen ist prinzipiell unmöglich. "Es kann immer auch ganz anders sein". Kontingenz hat sich zu einem zentralen Begriff der Erkenntnistheorie entwickelt. Er zeigt, dass in sich geschlossene und gleichzeitig universelle Theorien nicht möglich sind. Erkenntnis entsteht vielmehr in selbstreferentiellen Prozessen.

Ein Spezialproblem der Kontingenz ist die doppelte Kontingenz. Sie beschreibt die Unwahrscheinlichkeit von gelingender Kommunikation, wenn zwei Individuen ihre Handlungen jeweils von den kontingenten Handlungen des Gegenübers abhängig machen.

Die Systemtheorie nach Niklas Luhmann sieht eine Zunahme der Komplexität des Sozialen im Zuge der Entwicklung moderner Gesellschaften. Handlungsoptionen haben zugenommen und müssen zunehmend individuell begründet werden. Somit sind Kontingenzerfahrungen wahrscheinlicher geworden.

Luhmann nahm diesen Begriff im Sinne von Aristoteles auf, welcher Kontingenz als nicht notwendig und nicht unmöglich sah. Was wie oben schon angedeutet bedeutet: es könnte auch anders sein

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Bubner/Konrad Cramer/Reiner Wiehl (Hrsg.): Kontingenz. Neue Hefte für Philosophie Nr. 24/25, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985.
  • Elena Esposito: Die Verbindlichkeit des Vorübergehenden: Paradoxien der Mode. (Aus dem Italienischen von Alessandra Corti). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004.
  • Markus Holzinger: Der Raum des Politischen. Politische Theorie im Zeichen der Kontingenz, Wilhelm Fink Verlag, München 2006.
  • Markus Holzinger: Kontingenz in der Gegenwartsgesellschaft. Dimensionen eines Leitbegriffs moderner Sozialtheorie, Bielefeld 2007.

Kontingenzbewältigung[Bearbeiten]

Kontingenzbewältigung ist die Einschränkung des Risikos, enttäuscht zu werden. Das Risiko der Enttäuschung entsteht durch Ungewissheiten, für die man keine Erklärung hat. In der Kulturgeschichte des Menschen wurden dazu viele Strategien entwickelt, um die Welt berechenbarer zu gestalten. Zentrale Bedeutung hat hier die Religion.

Religion[Bearbeiten]

Hermann Lübbe setzt Religion und Kontingenzbewältigung gleich: "Religion ist Kontingenzbewältigung!". Ein religiöses Deutungssystem z.B. schränkt Kontingenz ein: Die Organisation Kirche legt sehr genau fest, an was man zu glauben hat, wie man diesen Glauben leben sollte, welche Texte verbindlich sind, welcher Ritus gilt usw., wenn eine Person Mitgliedschaft in dieser Organisation beabsichtigt. Dies ist Einschränkung von Kontingenz und insofern eine "Bewältigung" religiöser Bedürfnisse (bezeichnenderweise glauben Menschen in bestimmten Kulturkreise nicht an beliebige Dinge, sondern an spezifisch vermittelte - also sozialisierte). Von daher wäre der Glaube an Gott bereits Reduzierung von Enttäuschungsrisiko und damit ein praktikabler Weg von Kontingenzbewältigung (zumal Religion für ziemlich viele komplexe Angelegenheiten vermeintlich einfache Lösungen anbietet).

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Lübbe: Kontingenzerfahrung und Kontingenzbewältigung, 1998, in: Gerhart von Graevenitz, Odo Marquard (Hg.): Kontingenz, Poetik und Hermeneutik 17, München. 35-47.

Weblink[Bearbeiten]

  • Universität Erfurt: Interdisziplinäres Forschungsprojekt am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien [1]

Zufall in der Politik[Bearbeiten]

siehe http://www.welt.de/debatte/kommentare/article112843520/Lotterien-sorgen-fuer-eine-gerechtere-Politik.html

Zufall in der Rechtssprechung[Bearbeiten]

In der Rechtssprechung ist der Zufall ein vom Schuldner nicht zu vertretendes unverschuldetes Ereignis.

siehe auch  höhere Gewalt

Höhere Gewalt ist ein von außen kommendes, unvorhersehbares und außergewöhnliches Ereignis, das auch durch äußerste Sorgfalt nicht zu verhüten war.