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Computerhardware: Vorwort

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Vor etwa dreißig Jahren wurden die Grundlagen gelegt, nach denen die heutigen PC und fast alle anderen Computer sowie deren Software funktionieren. Die Reklame und die Fachzeitschriften vermitteln uns den Eindruck, es würden ständig revolutionäre Innovationen eingeführt. Mitunter wird sogar technologischer Rückschritt als Fortschritt deklariert. Natürlich wissen Sie, dass Reklame nicht den Zweck hat, Sie zu informieren, sondern Sie zum Kauf zu animieren („Das ist neu! Das müssen Sie unbedingt kaufen!“), und Fachzeitschriften müssen sich mit reißerischen Artikeln von der Konkurrenz abheben und über jede „Neuheit“ und jedes Gerücht als Erste schreiben.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass beim PC „Neu“ oftmals bedeutet

  • „Voreilig auf den Markt geworfen und noch nicht in der Praxis bewährt“
  • „Die Nachbesserungen werden im Internet veröffentlicht, der Kunde wird sie dort schon finden.“
  • „Wenn 80% der Käufer zufrieden sind, reicht es aus.“

Aber wo sind denn die wirklichen Innovationen zu finden?

  1. 1948 wurde der Transistor erfunden und Norbert Wiener begründete die Kybernetik. Die Schaltungen und Verfahren, nach denen Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png CPU, Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png RAM, Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png ROM, Disketten und Festplatten arbeiten, galten in den 60er Jahren bereits als „bewährte Technologien“. 1960 wurde der Tintenstrahldrucker erfunden, 1963 die Maus und 1971 der Laserdrucker. Seitdem ist alles kleiner, schneller und höher integriert, aber nicht prinzipiell anders.
  2. 1974 entwickelte Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png Intel den Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png 8-Bit-Prozessor i8080. Der 1978 entwickelte Nachfolger 16-Bit-Prozessor i8086 wurde Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png „kompatibel“ konstruiert, so dass die Programme des Vorgängers nach einer automatischen Umkodierung auf dem i8086 lauffähig waren. Intel hat sich 1978 gegenüber Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png IBM verpflichtet, jeden neuen Prozessor „abwärtskompatibel“ zu entwickeln – und hält sich auch daran, ebenso wie Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png AMD und andere Prozessorhersteller. „Abwärtskompatibel“ bedeutet, dass alte Programme auf nachfolgenden Prozessoren laufen, selbst 30 Jahre alte Programme!
  3. E-Mail ist auch nicht so neu, wie man denkt. Die ersten Versuche wurden bereits 1971 durchgeführt. Im Jahr 1979 stellte Eric Allman das Programm „Delivermail“ fertig, das 1981 in „Sendmail“ umbenannt wurde. Die übergroße Mehrzahl der E-Mail-Server benutzt dieses Programm auch heute noch in einer weiterentwickelten Version als „elektronisches Postamt“.

Auch auf dem Gebiet der Software wurden die Grundlagen schon vor langer Zeit gelegt:

  1. 1974 wurde das Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png Betriebssystem CP/M entwickelt und 1981 erschien das daran angelehnte Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png MS-DOS 1.0 als erstes Betriebssystem von Microsoft. Alle paar Jahre gab es eine weiterentwickelte Version von MS-DOS, die letzte hatte die Versionsnummer 6.22. Für diejenigen, die DOS nicht kennen: Dieses Betriebssystem benutzt keine Maus und läuft in reinem Textmodus. Alle Befehle muss man an der Tastatur eintippen. Beispiel für einen DOS-Befehl: xcopy c:\texte\*.doc a:\*.doc /d /s /e /y. Solche Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png Kommandozeilenbefehle werden von hardgesottenen Profis benutzt, weil einige dieser Befehle viel effektiver sind als das Klicken mit der Maus, und manche der „klassischen“ Befehle können die letzte Rettung sein, wenn Windows nicht mehr funktioniert.
  2. Um das Betriebssystem bedienerfreundlich zu gestalten, entwickelte Microsoft einen grafischen Zusatz für DOS. Diese GUI (Grafisches User Interface, deutsch: Grafische Bedienoberfläche) heißt Windows. Nun konnte jeder wählen, ob er kryptische Befehle eintippen oder lieber mit der Maus klicken will.
  3. Bei jeder neuen Version eines Betriebssystems achten die Entwickler darauf, dass neben allen Verbesserungen auch sämtliche alten Befehle weiterhin funktionieren. Dadurch können Sie nach dem Umstieg auf ein moderneres Betriebssystem Ihre älteren, lieb gewonnenen Programme weiter verwenden und natürlich auch Ihre Daten weiter benutzen. Dieses freundliche Prinzip nennt man (Abwärts-)Kompatibilität. Dadurch kann ich auch heute noch die meisten Befehle verwenden, die ich in den 80er-Jahren gelernt habe.
  4. Windows 2000, XP und 2003 und Vista laufen nun zwar ganz ohne DOS. Die Forderung nach Kompatibilität betrifft auch die klassischen DOS-Befehle. Deshalb besitzen die neuen Windows-Versionen ein Fenster für DOS-Befehle, die sogenannte Gimp-icon-vergrössern-verkleinern.png Eingabeaufforderung. Die DOS-Befehle wurden teilweise weiterentwickelt und es kamen viele neue Befehle hinzu. Darum spricht man nicht mehr von DOS-Befehlen, sondern von Kommandozeilenbefehlen. Das Befehlssortiment ist so umfangreich, dass sich moderne Windows-Betriebssysteme für Server vollständig mit Kommandozeilenbefehlen installieren, konfigurieren und bedienen lassen, ohne auch nur einen einzigen Mausklick zu vollziehen.
  5. Es gibt nicht nur das fast immer verwendete Windows als Betriebssystem für PCs, sondern auch eine Vielfalt an alternativen Betriebssystemen, von denen Linux das bekannteste ist. Die Wurzeln dieser Betriebssysteme reichen meist noch weiter zurück, als die von Windows.

Seitdem wurden Hard- und Software Jahr für Jahr in kleinen Schritten verbessert: höhere Taktfrequenzen, höhere Packungsdichten auf dem Chip und auf der Festplattenoberfläche, höhere Drehzahlen, mehr Farben usw. Durch Weiterentwicklung und Massenfertigung sind die Preise gesunken. Aber wo sehen Sie etwas grundsätzlich Neues?

  • Das bedeutet, dass ein solides Grundlagenwissen kaum veraltet. Es ist interessant, hilfreich und gewiss keine Zeitvergeudung, sich mit den Grundlagen zu beschäftigen.
  • Grundlagenwissen ist unumgänglich, um in „neuen“ Entwicklungen hinter den Werbeversprechen und Testberichten das Wesentliche zu erkennen und zu bewerten.
  • Grundlagenwissen ist notwendig, um den Verkäufer das Richtige fragen zu können, statt auf ihn hereinzufallen.
  • Grundlagenwissen hilft oft gerade dann weiter, wenn die Hard- oder Software „spinnt“ und einem allmählich die Ideen ausgehen, was man noch versuchen könnte.

Sicherlich hätten sich die Hälfte der Computerprobleme und der überwiegende Teil der Datenverluste vermeiden lassen, wenn der Benutzer im entscheidenden Moment geahnt hätte, was er tut – oder wenigstens geahnt hätte, ab wann es kritisch wird.

Den meisten Leuten, die sich für Computer interessieren, fehlen diese Grundlagen vollkommen. In der Schule wird solches Wissen bisher nicht vermittelt. In Fachzeitschriften wird Grundlagenwissen leider nur selten und unsystematisch geboten. Die Redakteure und Autoren sind Computerfreaks und schreiben für andere Computerfreaks in deren Sprache.

Wer mehr über seinen Computer weiß, wird weniger Probleme haben und weniger (teure und nervenaufreibende) Fehler begehen. Vielen Computerbenutzern, die sich eigentlich überhaupt nicht für Technik interessieren, ist das bereits mehr oder weniger klar. Dieses Buch soll Ihnen Grundlagenwissen vermitteln, das Ihnen bei realen praktischen Problemen hilft oder diese Probleme vermeidet. Regeln und Empfehlungen sollen begründet werden. Am Wichtigsten aber ist:

  • Jeder kann dieses Buch verstehen, auch wenn er/sie sich eigentlich für Technik überhaupt nicht interessiert. Natürlich werden Fachwörter verwendet, aber sie werden erklärt.
  • Auch wer an seinem PC basteln will, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Fehler vermeiden ist cool! Außerdem kann gerade Unwissen im Umgang mit den Bauteilen eines PCs kostspielige Folgen haben.
  • Selbst erfahrenere Computerbenutzer werden einige interessante Gedanken finden können.

Damit Sie das Buch auch auszugsweise lesen können, sind einige Wiederholungen unvermeidlich. Schauen Sie bitte im Glossar nach, wenn Sie auf unbekannte Begriffe treffen, die vielleicht erst in späteren Kapiteln erläutert werden.

Und nun viel Spaß beim Lesen!

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