Diffgeo: Flächentheorie: erste Fundamentalform

Aus Wikibooks

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wikibooks buchseite.svg Zurück zu Gaußsches Dreibein | One wikibook.svg Hoch zu Inhaltsverzeichnis | Wikibooks buchseite.svg Vor zu Winkel zwischen Flächenkurven


[Bearbeiten] Parametrisierung einer Flächenkurve nach der Bogenlänge / erste Fundamentalform

[Bearbeiten] Herleitung der klassischen Darstellung

Für die Parametrisierung einer Flächenkurve nach der Bogenlänge wird derselbe Ansatz gewählt wie im Kapitel Kurventheorie.


s = \int_{t_0}^t\left\|\dot{\vec{x}}\right\|\,\mathrm{d}t

\dot{\vec{x}} = \frac{d\vec{x}}{dt} unterscheidet sich allerdings, da \vec{x} in Abhängigkeit von u und v gegeben ist und deswegen auch nach u und v abgeleitet wird.

 \frac{d\vec{x}}{dt}= \frac{\partial \vec{x}}{\partial u} \frac{du(t)}{dt} + \frac{\partial \vec{x}}{\partial v} \frac{dv(t)}{dt}

u(t) und v(t) sind die Funktionen (keine Vektoren!) mit denen die Flächenkurve auf der Fläche festgelegt wurde.

Das vollständige Differential in vereinfachter Schreibweise:

 \dot{\vec{x}} = \vec{x}_u \cdot \dot{u} + \vec{x}_v \cdot \dot{v}

Im Integral steht der Betrag des Vektors. Das bedeutet, daß das vollständige Differential im ersten Schritt quadriert werden muß. Dadurch entsteht ein langer Ausdruck:

 (\dot{\vec{x}})^2 = (\vec{x}_u \cdot \dot{u} + \vec{x}_v \cdot \dot{v})^2 =
\vec{x}_u \cdot \vec{x}_u \cdot \dot{u}^2 + 2  \cdot \vec{x}_u \cdot \vec{x}_v \cdot \dot{u} \cdot \dot{v} + \vec{x}_v \cdot \vec{x}_v \cdot \dot{v}^2

Üblicherweise werden Abkürzungen eingeführt, die Gaußsche Fundamentalgrößen genannt werden:


E = \vec{x}_u \cdot \vec{x}_u

F=\vec{x}_u \cdot \vec{x}_v

G=\vec{x}_v \cdot \vec{x}_v

Das Integral sieht jetzt so aus:


s = \int_{t_0}^t\sqrt{E \dot{u}^2+2F \dot{u} \dot{v}+G\dot{v}^2}\,\mathrm{d}t

Durch Ableiten und anschließendes Quadrieren ergibt sich


\left(\frac{ds}{\mathrm{d}t}\right)^2 = E \dot{u}^2+2F \dot{u} \dot{v}+G\dot{v}^2

Multiplizieren mit dt2 (steckt in \dot{u} und \dot{v} drin!) ergibt die metrische oder erste Fundamentalform:


Definition der ersten Fundamentalform
ds2 = Edu2 + 2Fdudv + Gdv2

E = \vec{x}_u \cdot \vec{x}_u

F=\vec{x}_u \cdot \vec{x}_v

G=\vec{x}_v \cdot \vec{x}_v


[Bearbeiten] Neue Darstellung


Definition der ersten Fundamentalform in neuer Schreibweise

I = ds2 = gαβd(uα)d(uβ)

α = 1,2

β = 1,2

Beim Einsetzen der Indizes werden alle möglichen Kombinationen aufaddiert. Dadurch entsteht die klassische Form.


  • Die römische I steht für die 'erste' Fundamentalform
  • Die indizierten gs werden als Gaußsche Fundamentalgrößen bezeichnet.
  • Die Gaußschen Flächenparameter u und v werden durch (uα) und (uβ) ersetzt.

(D.h. für α = 2 oder β = 2 : uα = uβ = (u2)   bedeutet u mit Index 2 und nicht  u \cdot  u )

[Bearbeiten] erster Fundamentaltensor

Die neue Darstellung mit den Indizes kommt vom ersten Fundamentaltensor. Der Tensor ist eine Metrik.


\mathbf{G}
=
\begin{pmatrix}
g_{11} & g_{12}  \\  
g_{21} & g_{22}
\end{pmatrix}

[Bearbeiten] Bogenlängen der Parameterlinien

Die Bogenlängen der Parameterlinien (u=const bzw. v=const) lassen sich einfach mit Hilfe der Fundamentalformen berechnen:

für v=const:


s = \int\sqrt{E}\,\mathrm{d}u

für u=const:


s = \int\sqrt{G}\,\mathrm{d}v

[Bearbeiten] Beispiel für Kugel

Für die zu Beginn des Kapitels Flächentheorie gegebene Parametrisierung der Kugel wird die erste Fundamentalform berechnet:


\vec{x}_u=-R \cdot \sin{u}\cdot \cos{v}  \cdot \vec{e_x}+R \cdot \cos{u} \cdot \cos{v} \cdot  \vec{e_y}

\vec{x}_v=-R \cdot \cos{u}\cdot \sin{v}  \cdot \vec{e_x}-R \cdot \sin{u} \cdot \sin{v} \cdot  \vec{e_y}+R \cdot \cos{v}  \cdot \vec{e_z}

Fundamentalgrößen

E = R2cos2v
F = 0
G = R2

erste Fundamentalform

ds2 = R2(cosv2du2 + dv2)

[Bearbeiten] Erkenntnisse

Radius der Parameterlinien

[Bearbeiten] Parameterlinien senkrecht

Aus der ersten Fundamentalform lässt sich für die Parameterlinien eine Erkenntnis ableiten. Da F, das aus einem Skalarprodukt entsteht, Null ist, stehen alle u-Parameterlinien senkrecht zu den v-Parameterlinien.


[Bearbeiten] Radius der Parameterlinien

Aus den Wurzeln von E und G lassen sich, da F Null ist, weitere Erkenntnisse ableiten.


u-Parameterlinien

Alle u-Parameterlinien sind Kreise mit dem Radius \sqrt{G}=R. Sie entsprechen den Meridianen mit fester Länge (u-Parameter) und variabler Breite (v-Parameter).


v-Parameterlinien

Die v-Parameterlinien haben feste Breite v bzw. φ. Die Länge u ist variabel. Jede Parameterlinie hat ihren eigenen Radius \sqrt{E}=R \cos v.



Wikibooks buchseite.svg Zurück zu Gaußsches Dreibein | One wikibook.svg Hoch zu Inhaltsverzeichnis | Wikibooks buchseite.svg Vor zu Winkel zwischen Flächenkurven
Persönliche Werkzeuge