Benutzer:Methodios/Das Evangelium nach Matthäus mit orthodoxem Kommentar: Kapitel 2

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Benutzer:Methodios/Das Evangelium nach Matthäus mit orthodoxem Kommentar

Kapitel 1

Die Magier vor Herodes
Huldigung und Anbetung der Magier (Bronzeplakette 4. Jh.)

Die Magier aus einem fernen Land im Osten

1 Nachdem nun Jesus in den Tagen der Herrschaft von König Herodes in Bethlehem in Juda geboren wurde, da kamen Magier aus einem fernen Land im Osten nach Jerusalem.

2 Und sie fragten überall: „Wo finden wir Ihn, den neugeborenen König der Juden? Wir haben nämlich Seinen Stern im Osten aufgehen sehen und sind gekommen, Ihm zu huldigen.“

3 Als der König Herodes davon hörte, geriet er in große Bestürzung und ganz Jerusalem mit ihm.

4 Und er befahl alle Hohen Priester und Schriftgelehrten des jüdischen Volkes zu sich und verlangte zu wissen, wo dieser Christus denn nun geboren werden sollte.

5 Und sie antworteten ihm: „In Bethlehem in Judäa, denn so ist es in der Heiligen Schrift durch den Propheten vorausgesagt“:

6 „O Bethlehem im Lande Juda, du bist keineswegs die unbedeutendste unter all den Fürstenstädten Judas; denn aus dir wird kommen der Hirte, der mein Volk Israel hüten soll.“

7 Daraufhin befahl Herodes die Magier heimlich zu sich und forschte sie aus, wann genau der Stern aufgegangen war.

8 Anschließend wies er sie nach Bethlehem und sprach: „Geht hin und erkundigt euch genau nach dem Kindlein. Und wenn ihr es gefunden habt, kommt wieder her und meldet es mir, damit auch ich hinkommen und ihm meine Huldigung darbringen kann.“

9 Als sie diese Anweisungen des Könige gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, wieder erschien ihnen der Stern, den sie im Osten hatten aufgehen sehen, und zog ihnen voran, bis er ankam und über dem Orte stille stand, wo das Kindlein sich befand.

10 Als sie nun den Stern so stehen sahen, da wurden sie von grenzenloser Freude erfüllt.

11 Sie traten in das Haus ein und sahen das Kindlein mitsamt seiner Mutter Maria. Da warfen sie sich vor ihm nieder, beteten es an und taten ihre Schätze auf, um diese als Gaben darzubringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12 Da sie im Traum die göttliche Weisung empfingen, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie dann auf einem anderen Wege hin in ihr eigenes Land.


Kommentar zu den Magiern aus einem fernen Land im Osten

Vers 1

Herodes (Palaiologisches Mosaik um 1320 in der Kirche Chora)
Das Reich der Hasmonäer in seiner Entwicklung
Das Reich der Hasmonäer unter Königin Salome Alexandra (76 bis 67 v. Chr.

Herodes regierte Judäa als Klientelkönig der Römer von 37 bis 4 v. Chr. Bereits 47 v. Chr. hatte sein Vater Antipatros ihn als Statthalter von Galiläa eingesetzt. Antipatros war als Idumäer 67 v. Chr. Verwalter (strategos) von Idumäa und stieg im Hasmonäischen Bruderkrieg zum Berater des jüdischen Königs Johannes Hyrkanos II. auf. Ab 63 v. Chr. setzten die siegreichen Römer Antipatros als Verwalter ein.

Die Idumäer (die alttestamentlichen Edomiter) lebten ursprünglich südöstlich von Judäa, wurden aber nach einem Bericht des Flavius Josephus in der Regierungszeit des Hasmonäerkönigs Johannes Hyrkanos I. (134 bis 104 v. Chr.) von den Judäern unterworfen. Hierbei wurden die Idumäer einerseits gewaltsam zur Annahme des Judentums gezwungen, andererseits waren sie in den Augen der Nachfahren der jüdischen Zwölf Stämme keine echten Juden. Obwohl Herodes zeit seines Lebens die jüdischen Regeln und Riten einhielt, war er als König nicht anerkannt und noch weniger beliebt. Er galt den Juden als edomitischer Eindringling. Zur Begründung diente die Tora, welche anweist: Nur aus den Zwölf Stämmen (der Mitte deiner Brüder) darf es einen jüdischen König geben (Dtn 17,15). Die Abneigung gegen Herodes speiste sich bei den Juden natürlich auch aus dessen Kollaboration mit den Römern, die ihn militärisch zur Herrschaft verholfen hatten.

Herodes war ein großer Baumeister, aber auch ein grausamer Führer. Er ließ den zweiten Israelitischen Tempel zum so genannten Herodianischen Tempel und die benachbarte Burg Antonia (nach seinem damaligen Gönner Antonius) zu einer prächtigen Palastfestung ausbauen, in der er bis 23 v. Chr. residierte. Danach zog er in den neuen Königspalast auf dem Westhügel um. Er baute weitere Festungen auf wie die Residenz Herodeion, die Festung Masada oder die Festung Machaerus, in der er Johannes den Täufer einkerkern und auch hinrichten ließ (Jüdische Altertümer des Flavius Josephus, Kapitel 18, 119). Auch ganze Städte ließ er ausbauen, so die am Meer gelegenen Stadt Caesarea Maritima und die Stadt Samaria, die er in „Sebaste“ (vom griechischen σεβαστός „Erhabener“, entspricht dem lateinischen „Augustus“) zu Ehren von Augustus umbenannte. Von diesem ersten der römischen Kaiser bekam er für seine Verrat an seinen ehemaligen Gönner Antnius weitere Gebiete wie Samaria, Trachonitis, Batanäa und Auranitis zu seinem Herrschaftsgebiet hinzu. Herodes hat sich zeitlebens auf die Seite der Mächtigeren geschlagen und seiner Karriere zuliebe sogar seine erste Frau Doris verstoßen, um 37 v.Chr. bei den Hasmonäern einheiraten zu können.

Aber bereits 35 v. Chr. ließ Herodes seinen sechzehnjährigen Schwager Aristobulos, den er als Gefahr für den Thron empfand, umbringen, obwohl er den Hasmonäer erst im Jahr zuvor zum Hohepriester gemacht hatte. Nur wenig später ließ er auch noch dessen Großvater Hyrkan hinrichten. 29 v. Chr. ließ Herodes seine Frau Mariamne, auch auf Anstiftung seiner Schwester Salome, wegen angeblicher Untreue hinrichten. Auch seine Schwiegermutter Alexandra wurde kurze Zeit später zu Tode gebracht. Nur drei Jahre vor seinem Tod ließ Herodes 7 v. Chr., also im wahrscheinlichen Jahr der Geburt Jesu, auch seine Söhne Alexandros und Aristobulos IV. aus der Ehe mit Mariamne hinrichten, wiederum auf Anstiftung seiner Schwester Salome, welche befürchtete, dass diese ihre Mutter rächen könnten. Herodes führte also einen regelrechten Hinrichtungsfeldzug gegen die Hasmonäer, die ehemalige Königsfamilie, obwohl er sich mit ihr verschwägert hatte. Nur fünf Tage vor seinem Tod ließ Herodes dann sogar noch seinen Sohn aus erster Ehe, Antipatros, hinrichten. Ließ Herodes bei der Beseitigung königlichen Blutes der Hasmonäer wie Herodianer noch gewisse Rücksichten walten, so ging er gegen jedweden Widerstand und gegen jede (auch nur vermeintliche) Bedrohung mit unglaublicher Brutalität vor. Das bekannteste Beispiel hierzu ist der Kindermord von Bethlehem.

Lukas erwähnt Herodes, um das historische Datum der Geburt von Jesus Christus festzulegen. Die alte Prophezeiung von Jakob für seine Söhne zeigt an, dass der Messias kommen wird, sobald über Judäa ein König regiert, der nicht vom Stamm Juda ist (Gen 49, 10). Als Herodes der Nichtjude sich selbst König von Judäa nannte, stand das Kommen Christi sicher bevor, auch wenn es erst in den letzten Regierungsjahren dieses langjährigen Herrschers geschah. Da der Messias ein Neues Gesetz für alle Völker des Erdenkreises mitbrachte, musste erst noch ein weiterer globalerer Einschnitt kommen - die göttliche Verehrung des Genius Augusti (des noch lebenden Kaisers) im Römischen Imperium seit dem Jahre 7 v. Chr., dem vermutlichen Geburtsjahr des Erlösers.

Das Partherreich

Die Magier (weise Männer), die aus dem Osten kamen (höchstwahrscheinlich aus Persien), waren Gelehrte ihrer Zeit. Östlich von Judäa und Peräa dehnte sich die große arabische Wüste aus, welche bis zum Partherreich reichte. Nur in Nordsyrien stießen besiedelte Gebiete des Partherreiches mit dem Römischen Imperium aneinander. Dort bildete der Oberlauf des Euphrat seit 20 v. Chr. die Grenze. Da das Partherreich seinerzeit im Osten bis an den Oxus (den heutigen Amudarja) reichte, ist eine Herkunft der Magier von noch weiter östlich weniger wahrscheinlich. Seit 141 v. Chr. gehörte auch Mesopotamien zum Partherreich. Die Parther erhoben das dem griechischgeprägten Seleukaia am Tigris gegenüberliegende Ktesiphon (nahe dem heutigen Bagdad) zur Winter- und Hauptresidenz.

Partherkönig Phraates IV.

Da die Magier als königliche Sendboten vorstellbar sind, welche dem neuen (benachbarten) König die Huldigung erweisen wollten, könnte als Auftraggeber und Geber der reichen Geschenke auch der damalige Partherkönig Phraates IV. (38 v. Chr. bis 2 v. Chr.) in Frage kommen. Einen Beweis dafür gibt es nicht. Auf gar keinen Fall waren es die Könige verschiedener Reiche im Osten. Der Text spricht eindeutig von Magiern, also Gelehrten ihrer Zeit. Selbst die Zahl drei ist nicht belegt - sie brachten drei Geschenke mit, aber wie viele es waren, bleibt offen.

Egal, wie weit die Magier aus dem Osten jedoch kamen - sie mussten auf jeden Fall den Weg benutzen, welcher Abraham einst von Mesopotamien in das Gelobte Land führte.

Balaam
Balaams Esel

Im Alten Testament war Balaam (Num 23 und 24) einer der Vorgänger der Magier, ein Heide, der den Messias vorausgesagt hatte. In Numeri 24,17 sieht er, dass aus Jakob, dem Stamm der Jakobssöhne Israel, ein Stern aufgehen und ein königliches Zepter hervorgehen wird. Im der Zeit des Alten Bundes bezog man diese Weissagung noch auf David, aber durch die Geburt Christi wurde der Bezug auf den Messias deutlich. Es ist der von Balaam prophezeite Stern, welchen die Magier aufgehen sehen. Balaam (hebräisch בִּלְעָם, auch als Bileam transkribiert), der Sohn des Beor, war ein am Euphrat, also weit im Osten wohnender Prophet. Balak, der König der israelfeindlichen Moabiter, wollte Balaam gegen das Volk der Juden benutzen, scheiterte aber an Jahwes Eingreifen.

Diese Fremden aus dem Osten - die Magier wie auch Balaam - wiesen voraus auf die Kirche, in welcher die Zugehörigkeit allein durch den Glauben und nicht durch ethnische Abstammung bestimmt wird.

Bethlehem (auch Betlehem Efrata; hebräisch בית לחם, Beth Lechem - beth = „Haus“, lechem = „Brot“) wurde bereits in der Genesis (35,19) erwähnt, da Jakobs Frau Rahel „an der Straße nach Efrata, das jetzt Betlehem heißt“, begraben wurde. Bethlehem kam nach der Eroberung Kanaans an den Stamm Juda und war nach 1 Sam 16,1 der Herkunftsort Davids. Deswegen sollte hier auch der erwartete Messias als Nachkomme („Sohn“) Davids zur Welt kommen (Mi 5,1). Der Prophet Micha präzisierte dabei den Ortsnamen zu „Betlehem-Efrata“, damit er nicht mit dem anderen Betlehem im Stammesgebiet von Sebulon (ca. 11 km westnordwestlich von Nazareth) verwechselt werden konnte.

Vers 2

Der Stern verkündet die außergewöhnliche Geburt Christi - für die antiken Heiden bezeichnet ein Stern einen Gott oder Gottkönig (Num 24,17). Christus, Der unter diesem Stern geboren wurde, erfüllt die Prophezeiung von Psalm 109,3 und zeigt, dass die gesamte Schöpfung an Seiner Inkarnation teil hat (siehe auch Psalm 18,2 und 148,3).

Vers 4

Herodes hatte die jüdischen Führer versammelt, weil er wenig über den jüdischen Messias wusste und er befürchtete, seinen Thron an den neugeborenen König zu verlieren. Die Hohepriester waren die politischen und religiösen Führer der Juden, und die Schriftgelehrten waren hohe Staatsbeamte (Kabinettsmitglieder). Sie wussten, wo der Messias geboren werden sollte, aber trotz all dieser Zeichen,die gegeben worden, hatten sie keine Idee, dass Er gekommen war (siehe auch 16,3).

Vers 11

„Ins Haus“: Während die jüdischen Schafhirten den Erlöser in der Höhle bereits am Tag, als Er geboren wurde, angebetet hatten (Lukas 2, 8 bis 20), kamen die heidnischen Magier einige Tage später zu ihrer Huldigung. Zu diesem Zeitpunkt hatten Joseph und Maria ein Haus gefunden, in dem sie wohnen konnten. Das zeigt an, dass Christus zuerst zu den Juden kam, und erst danach von den Heiden angebetet wurde. Die Bedeutung der Geschenke der Magier wird enthüllt in einem Hymnus, der zur Weihnachts-Komplet gesungen wird:

„Gold ist für den König der Zeiten, Weihrauch ist für den Gott von allem, Myrrhe ist geopfert dem Einen Unsterblichen, der drei Tage tot sein soll.“

Die Flucht nach Ägypten

13 Als die Magier nun hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traume und gebot ihm: „Steh schnell auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und fliehe nach Ägypten und bleibe so lange dort, bis ich dir einen anderen Befehl bringe! Denn Herodes läßt nach dem Kindlein suchen, um es umzubringen.“

14 Da stand Josef auf, nahm das Kindlein und seine Mutter und floh noch in derselben Nacht mit ihnen nach Ägypten

15 und sie lebten dort bis zum Tode des Herodes; auf diese Weise sollte in Erfüllung gehen, was der Herr durch den Propheten vorausgesagt hatte: „Aus Ägypten heraus habe ich meinen Sohn gerufen.“

Kommentar zur Flucht nach Ägypten

Vers 14

In Ägypten nahm Israel einst Zuflucht, als Josef im Alten Testament (einmal) Gottes Volk rettete, indem er es nach Ägypten brachte (Genesis 39 bis 47). Jetzt findet Josef, der Stiefvater des Christus, Sicherheit für den Erlöser in Ägypten. Es ist wahrscheinlich, dass die Geschenke der Magier für die Reise bezahlten.

Vers 15

„Aus Ägypten heraus habe ich meinen Sohn gerufen“: bezieht sich als erstes auf Israel, das aus der Gefangenschaft herausgebracht wurde (Hosea 11,1). Im Alten Testament kann sich das Wort „Sohn“ auf die ganze Nation Israel beziehen. Hier erfüllt Jesus diesen Ruf als der Wahre Sohn Gottes, der aus Ägypten kommt.


Kapitel 1