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Buchbinden/ Binden/ Block: Heften

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Buchblock binden mit der Fadenheftung

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Die Fadenheftung ist die interessanteste Art, einen Buchblock herzustellen. Die Lagen werden «zusammengenäht», mit Faden und Nadel. Die Fadenheftung ist robust und sieht schön aus – eben ein richtiges Buch von guter Qualität. Es fällt auch nicht gleich auseinander, wenn es auf den Kopierer gelegt wird, anders als bei hinterleimten Büchern (Lumbeck-Technik).

Material

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Zur Herstellung werden etwas mehr Materialien benötigt als für eine einfache Klebebindung, aber der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall. Neben Papier sind das:

Zwirn
oder anderer starker Faden. Er sollte wirklich belastbar sein und auch etwas Reibung vertragen. Faden, den man von Hand ohne größere Anstrengung durchreißen kann, eignet sich nicht.
Band
Ein paar Zentimeter reichen. Gut eignet sich etwa Ramie-Band oder Geschenkband, aber auch Leinenheftband und Textilband ist möglich. Aus Resten von Buchbinderleinen kann man sich auch Bänder selbst schneiden. Es sollte nicht allzu dick sein und den Leim nicht abstoßen. Die Farbe spielt eigentlich keine Rolle, solange das Vorsatz dick genug ist, sonst kann sie durchdrücken. Eine Breite von einem bis zwei Zentimeter ist ideal.
Klebeband
Am besten Malerklebeband, das sich leicht wieder entfernen lässt, zur Fixierung der Bänder.
Kapitalband
Ein Stoffband mit einem Saum auf einer Seite (oder, falls es in der Mitte verschnitten wird, auf beiden). Es dient der Verzierung und existiert in fast jeder Farbkombination.
Vorsatzpapier
Das Vorsatzpapier wird oft etwas stärker (120 g/m²) und in einer anderen Farbe, passend zum Einband, gewählt. Benötigt werden zwei Bögen der selben Größe wie ein Bogen im Buchblock.
Das Vorsatz stellt die Verbindung zwischen Buchblock und Einband her. Bei den meisten gebundenen Büchern wird das Vorsatz auf den Buchblock aufgeklebt, bei billigeren Einbänden, oder wenn im ganzen Buch dickes Papier verwendet wird (wie bei Kochbüchern), kann auch direkt der Buchblock auf den Einband geklebt sein.
Bienenwachs
Irgend ein Stück Bienenwachs (Kerzen …). Bei häufigem Gebrauch lohnt es sich, es zu einem Klumpen zusammenzuschmelzen.
Verwendeter Leim
Fürs Vorsatz wird verdünnter Leim verwendet. Für den Rücken unverdünnter Leim oder Knochenleim, fürs Befestigen der Gaze verdünnter Leim und Kleister.

Auch etwas Werkzeug ist nicht schlecht.

Nadel
Sie sollte groß genug sein, eine Dicke von einem oder zwei Millimetern und eine Länge von mindestens fünf Zentimetern ist nicht schlecht. Ob man lieber eine spitze oder eine abgerundete Spitze haben will, muss man ausprobieren.
Ahle
Sie wird zum Vorstechen verwendet. Natürlich geht das auch mit einer Nadel, allerdings nicht ganz so komfortabel. (Bei dickeren Papierstößen ist es auch möglich, mit einer elektrischen Bohrmaschine und einem Bohrer von 0,5 oder 1mm vorzubohren)
Je nach Geschmack kann die Farbe der des Papiers angepasst werden.
Hammer
Zum Abrunden des Buchblockrückens.
Falzbein
(engl. folder) Ein flaches, längliches Stück Knochen, das auf einer Seite geschliffen und abgerundet ist. Auch aus Plastik erhältlich, diese sind jedoch qualitativ schlechter und lassen sich auch nicht zurechtschleifen. Es ist nicht notwendig, vereinfacht aber viele Vorgänge.
Presse
Ideal für die Arbeit wäre natürlich eine richtige Buchbinderpresse mit Schraubstock, man kann sich aus Holz aber auch selber eine bauen. Wenn man nicht gerade am gepressten Stück arbeiten muss (etwa wenn es am trocknen ist), können auch ein paar dicke Bücher oder andere schwere Dinge verwendet werden. Auch können vier  (Einhand-)Schraubzwingen zusammen mit zwei Brettern eine Presse ersetzen.
Cutter
Zum Zuschneiden, noch besser ist eine Schneidmaschine. Als Führung des Messers sollte ein Lineal aus Metall verwendet werden.

Herstellung des Buchblockes

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Der erste Schritt ist das Falzen des Papiers. Die Laufrichtung sollte so gewählt werden, dass die Fasern nach dem Falzen parallel zum Rücken liegen. Je vier ineinander gelegte gefalzte Bogen ergeben eine Lage (bei dünnem Papier können auch mehr Bögen verwendet werden). Der Falz sollte so flach wie möglich sein, also mit dem Falzbein glatt reiben oder kurz stark pressen.

Buchblock heften

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Die Lagen werden nun vorgestochen. Insgesamt sind für jedes Band zwei Löcher notwendig (etwas breiter als das Band selber), dazu noch zwei weitere für die Ein- und Ausführung des Fadens. Zwischen zwei Bändern eignet sich ein Abstand von etwa 10 cm gut, je nach Geschmack kann man den natürlich auch variieren. Am Rand sollte mindestens 1 cm frei bleiben. Die Löcher sticht man am besten auf eine Kartonschablone, bei der man zur Kennzeichnung auf der oberen Seite die Ecken abschneidet. Nun wird jede einzelne Lage vorgestochen. Die Ahle sollte man dabei so halten, dass sie den Winkel, die die beiden Seiten der Lage aufspannen, gerade halbiert, da man sonst neben der Kante durchsticht und die Blätter nicht schön «angenäht» werden. Dies gilt für alle Lagen außer den Vorsatzlagen. Bei diesen sollte die Ahle möglichst parallel zum Voratz geführt werden, damit dieses nicht beschädigt wird. Wenn die Ahle nicht gut gleitet, kann man sie etwas einfetten; am einfachsten geht das, indem man sich kurz durch die Haare fährt, da die Kopfhaut Fett abgibt. Die Lagen nach dem Stechen nicht mehr drehen, so bleiben die Löcher schön untereinander. Zum Schluss alle Lagen miteinander nochmals kurz pressen. Die Kanten sollten dabei übereinander liegen, so dass sie schön flach werden.

Lagen vorstechen

Jetzt geht es ans Heften. Die Bänder werden zugeschnitten (Länge: Blockdicke plus 3 cm) und so an die Tischkante geklebt, dass sie den Abständen der Schablone entsprechen. Alternativ kann man auch eine  Heftlade verwenden. Der Zwirn sollte bei zum Beispiel acht Lagen die achtfache Kantenlänge haben. Damit der Faden weniger ausfranst (etwa beim Einfädeln in die Nadel günstig) und länger hält, wird er ein paar Mal durch das Bienenwachs gezogen: Faden auf das Wachsstück legen, mit dem Daumen draufdrücken und am Ende ziehen. An den Enden etwas stärker wachsen.

Ramie-Band ankleben

Es gibt einen einfachen Trick, um zu verhindern, dass der Faden wieder von der Nadel rutscht, sie aber doch noch durch die Löcher passt. Nadel einfädeln und das kurze Ende ein Mal vorne um den Daumen wickeln. Mit der Nadel kann nun der Faden durchstochen werden – mit dem Daumennagel als Unterlage – und durch das Loch hindurchgezogen werden. Anziehen, bis das «Loch» am Nadelöhr liegt. Hält problemlos und hat, im Gegensatz zu einem Knoten, keine dicken Stellen.

Die Lagen werden nun der Reihe nach angeheftet (Daran denken, sie nicht zu drehen! Die Schablone muss nicht zu 100 Prozent symmetrisch sein, und wenn die Lagen bedruckt sind, ist die Ausrichtung noch wichtiger.). Der Faden wird jeweils im äussersten Loch zur Innenseite geführt und dann bei den nächsten zwei um das Band herum. Beim letzten Loch kommt der Faden wieder nach aussen. Nach der zweiten Lage wird mit dem Ende des Zwirns, das ein paar cm aus dem ersten Loch der ersten Lage schauen sollte, zwei Mal verknotet. Ab der dritten Lage wird nur noch ein Mal verknotet, und zwar mit dem Stück Zwirn, das die unteren beiden Lagen verbindet. Diese Verbindung der Lagen wird  Fitzbund genannt.

Bei der letzten Lage kommen wieder zwei Knoten hin. Achtung: Zwirn immer straff anziehen (in Nährichtung, um ein Einreissen des Papieres zu verhindern), damit der Rücken auch stabil wird! Das Wachs verhindert das Zurückrutschen ein wenig. Falls der Faden mal nicht mehr reicht, kann ein neues Stück angeknotet werden.

Knoten nach der zweiten Lage mit dem Fadenende: Der Faden wird um Daumen und Zeigefinger gewickelt. Mit diesen zieht man am Fadenende, die andere Hand zieht die Schlaufe von den Fingern auf das Fadenende.
Ab der dritten Lage vereinfacht sich der Knoten zu einer Schlaufe um die Verbindung zwischen den letzten zwei Lagen.
Der fertig gebundene Buchblock.

Vorsatz aufkleben

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Als nächstes wird das Vorsatz aufgeklebt. Die beiden Vorsatzblätter werden falls nötig zugeschnitten und dann gefalzt. Die Laufrichtung muss wieder parallel zur Kante liegen. Auf der Vorderseite können die beiden Vorsatzbogen zum Beispiel mit «v» und «h» (für «vorne» und «hinten» am Block) mit Bleistift markiert werden, da diese nachher auf die Buchdecke geklebt werden.

Mit Ausschusspapier deckt man die Rückseite (die Seite, die auf den Buchblock zu liegen kommt) der gefalzten Vorsatzpapiere ab, so dass von der Kante her nur noch ein 5 mm breiter Streifen sichtbar ist, und streicht diesen mit Leim ein. Dann werden sie auf Vorder- und Rückseite des Buchblocks geklebt. Die Kanten sollten möglichst bündig sein! Der Zwirn kann nun abgeschnitten und das Malerklebeband entfernt werden (möglichst ohne das Band mit wegzureissen ;) ). Alternativ kann man das Vorsatzpapier auch vor dem Heften auf den ersten und letzten Bogen anbringen. Dies hat den Vorteil, dass man   Shirtinggewebe als "Scharnier" verwenden kann. Dieses wird eingeleimt und so um den Falz des Bogens geklebt, dass ca 2-3mm auf der Seite ohne Vorsatzpapier überstehen. Der Rest der Breite wird über das Vorsatz geklebt. Nach dem Trocknen kann der so behandelte Bogen wie oben beschrieben geheftet werden.

Vorsatzpapier, auf Vorder- und Rückseite des Buchblockes mit einem 5 mm breiten Streifen festgeklebt.
Das Vorsatz wird später auf der Vorderseite mit dem Buchdeckel verleimt und stellt so die Verbindung zwischen Buchdeckel und Buchblock her.

Nun wird das Band angeklebt. Dazu zeichnet man auf Vorder- und Rückseite eine Linie parallel zum Rücken mit 1.5 cm Abstand und leimt die Bänder mit unverdünntem Leim auf die Linie. Wenn man sie mit etwas Druck nach innen «streicht», hält das den Rücken zusätzlich zusammen. Dann fährt man mit der Kante des Falzbeins ein paar Mal über die Löcher, um sie zu schliessen – so kommt weniger Leim zwischen die Seiten. Dann Leim auftragen und mit der Kante eines Hammers über den ganzen Buchrücken fahren, so dass die Kanten aneinander gepresst werden. Nochmals mit Leim bestreichen, so dass der Rücken mindestens glänzt. In der Presse zwischen Zeitungspapier und zwei Holzstücken trocknen lassen. Der Rücken darf dabei nicht mitgepresst werden, da sich sonst die Lagen verschieben!

In der Zwischenzeit kann man ein paar weitere Buchblöcke herstellen, denn der Rücken muss für die Weiterverarbeitung wirklich trocken sein. Mit einem Cutter wird der Buchblock nun zuerst vorne, dann auf den Seiten abgeschnitten (hier ist ein Lineal aus Metall praktisch). Nur sehr wenig Druck auf die Klinge geben, sonst beugt sie sich und der Schnitt wird schräg! Man sollte mindestens zwei Millimeter abschneiden (ausgehend vom am weitesten innen liegenden Blatt), darunter wird der Schnitt unsauber, wenn man zu wenig Material auf der Schnittseite hat.

Rücken abrunden und befestigen

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Ab einer Dicke des Buchblockes von 15 mm sollte der Rücken abgerundet werden. Der Grund: Zum einen wird der Rücken mit steigender Anzahl Lagen durchs Falzen und die Bindung verglichen mit dem Buchblock selber immer dicker, und diese Dicke wird von der Rundung teilweise ausgeglichen. Zum andern wird der Rücken beim Aufschlagen weniger geknickt, wenn er abgerundet wurde.

Das Abrunden geschieht mit Hilfe des Hammers. Mit der einen Hand drückt man den Buchblock auf den Tisch, mit leichtem Zug vom Rücken weg, um bei der Rundung zu helfen. Mit der anderen Hand schlägt man mit dem Hammer leicht schräg auf den Rücken, bis dieser abgeschrägt ist. Den Block drehen und wiederholen; Der Rücken beginnt sich zu runden. Je nach Bedarf wiederholen, bis die Rundung stimmt. Nun Kann man den Block abpressen. Dazu wird er zwischen zwei Bretter gelegt, wobei der Rücken übersteht. Die Bretter werden nun gepresst (in einer Blockpresse oder mittels   Schraubzwingen). Nun kann man mit einem Hammer vorsichtig den überstehenden Rücken um die Brettkanten schlagen, wobei man einen flachen Falz (45°) oder einen tiefen Falz (90°) unterscheidet. Der tiefe Falz wird benötigt, wenn man die Decke direkt am Block fertigen möchte. Fertigt man eine separate Decke, so presst man auf einen flachen Falz ab.

Abgerundeter Rücken

Mit unverdünntem Leim wird nun das Kapitalband am Rücken angeleimt, so dass nur der Saum vorsteht. Dann misst man mit einem Stück Papier die benötigte Breite für die Gaze ab, indem man es um den Rücken legt und sie so übertragt. Sie kommt um den Buchrücken und soll die beiden eingezeichneten Linien berühren. Nachdem die Gaze zurechtgeschnitten wurde (sie sollte etwa 4 mm weniger hoch sein als der Buchblock), wird der Buchrücken bis zu den beiden eingezeichneten Linien mit verdünntem Leim eingestrichen. Nun streicht man auf eine Metallplatte (auch möglich: ins getrocknete Lavabo) Kleister, legt die Gaze darauf, bestreicht sie auch mit Kleister und legt sie sofort an eine der eingezeichneten Bleistiftlinien. Dann um den Rücken schlagen und fest anziehen, eventuell überstehendes Material vorher abschneiden. Zuletzt wird der Rücken nochmals mit Leim bestrichen, bis die Löcher in der Gaze ausgefüllt sind. In der Presse trocknen lassen. Alternativ zur Gaze kann man auch Reste von Buchbinderleinen benutzen. Hier entfällt dann das nochmalige Ableimen. Nachteil dabei ist, dass das Leinen dicker ist als die Gaze, und dass hierdurch das Einhängen des Blocks erschwert ist, da sich leichter Blasen und Falten im Vorsatzpapier bilden können.

Umfang messen

Ausruhen oder die Rücken der nächsten Buchblöcke bearbeiten :) Fertig!