Die Herren von Romrod: Das Geschlecht bis 1455

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Interessante Funde brachten die archäologischen Grabungen im Romroder Schlosshof zutage, die seit 1996 mit der Renovierung und dem Umbau der Gesamtanlage durchgeführt wurden.Das mächtige Fundament eines Rundturmes, Mauerreste und Relikte von Holzhäusern wurden freigelegt. Gefunden wurden Spielzeuge, Lederschuhe, Stoffreste, Armbrustbolzen und weiteres Gerät. Die Datierung der Stücke reicht zum Teil bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts. Das Geschlecht derer v. Romrod tritt jedoch zum erstenmal in 1197, fast hundert Jahre später, mit Ludwig v. Romrod in einer Urkunde des Abtes Heinrich III. von Fulda in Erscheinung. Von Ludwig sind keine direkten Nachkommen bekannt. Aber aufgrund der nun folgenden schriftlichen Unterlagen mit Nennung der Vater-Kinder-Beziehung, der Geschwister und sonstigen verwandtschaftlichen Angaben lässt sich ab der nächsten Generation eine gute genealogische Abfolge der Familien der Hauptlinien aufstellen. Es erscheinen jedoch immer wieder Einzelpersonen in den Akten, die sich noch keinem der Zweige zuordnen lassen. Nur Zufallsfunde und intensive weitere Nachforschungen können hier möglicherweise Lücken schließen.

Ausgrabungen im Schloss Romrod in 1999:
Alte Schwellenbalken eines ehemaligen Holzhauses im Innenhof und Astgeflecht zur Befestigung von Hof- und Gebäudeflächen auf sumpfigem Terrain.
[Copyright 1]

Nach Ludwig begegnen uns in 1228 Conrad und 1231 Hermann v. Romrod. Während von Conrad weiter nichts zu erfahren ist, sorgte Hermann mit seinen nachweisbaren Nachkommen für eine starke Verbreitung des Geschlechts und für drei große Romrod'sche Linien. Möglicherweise hat Conrad den folgenden Hermann als Nachkommen (Tafel „A“ und „E“). Von Hermanns Sohn Ludwig erfährt man, dass er einen Nachkommen namens Ricolf hatte. Beide, Ludwig und Ricolf, waren hauptsächlich bei Güterverkäufen zu finden und traten als Bürgen oder Zeugen auf. Ricolfs Ehefrau war Gisela. In 1278 erscheint Ricolf (Richolf) zum letzten Mal in einer Urkunde aus dem Alsfelder Bereich (Tafel „A“ und „B“). Doch in 1286 steht ein Reicholf als Erb-Truchsess im Dienst des Stiftes Würzburg. Wahrscheinlich sind Ricolf (Richolf) und Reicholf identisch.

Ausgrabungen im Schlosshof Romrod in 1999: Fundamentmauer des abgebrochenen ehemaligen Rundturmes.[Copyright 1]

Richolf begründet einen neuen fränkischen Stamm, der allerdings zu Beginn des 17. Jahrhunderts erlischt. JOHANN Gottfried Biedermann nennt auf drei Stammtafeln mehrere nachfolgende Generationen.[1] Allerdings trauen einige Historiker Biedermann nicht ganz, was die Nachkommenschaft von Reicholf v. Romrod betrifft. Doch gegenteilige genealogische Fakten wurden bisher nicht beigebracht und der Verfasser wird so Biedermanns Angaben weitergeben, wenn auch er selbst Zweifel hegt.

Der zweite Sohn Hermanns, Albert, hatte Adelheid v. Schlitz zur Ehefrau (Tafel „A“ und „C“). Ihre Kinder waren Heinrich, Albert, Elisabeth, Gisela und Adelheid. Albert erscheint als Pfarrer im Geburtsort seiner Mutter in Schlitz und später als Domherr zu Bamberg. Gisela hat Werner v. Westerburg zum Ehemann. Heinrich war Marschall der Landgrafen zu Hessen. Dieses Amt war damals noch nicht erblich und ging später an die v. Eisenbach, die es an ihre Nachfolger, die Freiherren Riedesel, weiter gaben. Und bei diesen blieb es auch über mehrere Jahrhunderte als Erbmarschallsamt. Bis zum heutigen Zeitpunkt befindet sich das Amt noch als Titel bei dieser Familie.[2]

Heinrichs Gemahlin war Mechthild. Er hatte acht Nachkommen. Hermann schritt den geistlichen Weg ein, er war Komtur der Johanniterkommende in Grebenau. Ebenso Heinrich, der 1310 als Propst auf dem Petersberg bei Hersfeld und dann als Abt von Hersfeld (1320–1323) genannt wird. Gertrud ist 1324 Novizin. Simon wird Hauskomtur, Ludwig nennt sich von Altenburg. Adelheid ist anscheinend Nonne. Friedrich und Ricolf v. Romrod werden als Gemagen bezeichnet Friedrich v. Romrod, der sich auch >vom Herzberg< nannte, führte das Geschlecht weiter. Von ihm sind zwei Ehefrauen bekannt. Die erste war Metze v. Altenburg, die zweite eine Sophie. Er hatte als wesentlichen Besitz die Burg Herzberg und die Hälfte von Romrod, der später an seine einzige Tochter, Metze v. Romrod verheiratete Lißberg, ging.

Schloss Romrod 1999 während der Umbauphase. Ältester Mauerteil der Umfassungsmauer in der heutigen Schlossanlage.[Copyright 1]

Von Ricolf ist nicht viel bekannt. Er wird nur in den Urkunden vom 1. April 1315 gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich erwähnt, in der beide sich >vom Herzberg< nennen und zu der Zeit Burgmänner auf der Mainzischen Amöneburg waren, bzw. am 23. September 1315 als Zeuge bei ihrem Vater Heinrich in Karlstadt.

Hier tut sich trotz intensiver Nachforschungen noch immer eine schmerzhafte Lücke auf. Denn über die Herkunft von den vier nachgenannten Brüdern ist ebenfalls nichts zu ergründen. Man ist geneigt, diese als Nachkommen des Ricolf v. Romrod anzusehen. Sie könnten aber auch Kinder des oben genannten Albert sein (Tafel „C“). Friedrich trat dem Johanniterorden bei. Heinrich wurde von dem Grafen Gottfried v. Nidda umgebracht.[3] Die beiden anderen waren Ludwig und Albert. Letzterer führte diesen Zweig mit seiner Ehefrau Sophia weiter. Ihre Kinder waren wieder ein Ludwig, der mit Metze v. Eisenbach verheiratet war und deren Ehe kinderlos blieb, Gisela, und Agnes, die sich mit Werner v. Westerburg vermählte. Agnes erbte den Besitz von ihrem Bruder Ludwig, soweit einige Teile nicht vorher an die v. Eisenach veräußert wurden. Diese große Romroder Linie war nun im Mannesstamm zum erlöschen gekommen. So kamen Ort und Burg Romrod zwischen 1358, 1366 und 1372 über die Tochter des Friedrich v. Romrod, Metze (verheiratete v. Lißberg) und die Tochter des Albert v. Romrod, Agnes (verheiratete v. Westerburg), die je die Hälfte besaßen, an die Landgrafen von Hessen, beziehungsweise über die v. Erfe, an die Landgrafschaft.

Die Burg Herzberg besaß der Vorfahre, der hessische Marschall Heinrich v. Romrod, der sie in 1298 dem Landgrafen Heinrich I. auftrug und sie als Lehen wieder empfing. Sie ging dann von Sohn Friedrich v. Romrod gen. vom Herzberg über Metze v. Lißberg (geb. v. Romrod) über deren Sohn Friedrich v. Lißberg (der eine bekannte Persönlichkeit im Sternerkrieg war) sowie dessen Ehefrau Metze (auch sie starben kinderlos) an den Ehemann seiner Schwester Sophie v. Lißberg, den Ritter Kuno v. Falkenberg über. Kuno v. Falkenberg hatte mit seinem Bruder Werner zusammen im Jahre 1370 die Hälfte der Burg Herzberg von Friedrich v. Lißberg gekauft. Die andere Hälfte kaufte dann Kunos Sohn Kunzmann v. Falkenberg in 1392. Als dieses Geschlecht 1441 ausstarb, fiel das Lehen wieder an die Landgrafen zurück und in 1477 gelangten die Barone v. Dörnberg in den Besitz der Burg Herzberg.[4]

Ausgrabungen im Schloss Romrod. Seitliche Mauern des eingetieften Wohnturms an der östlichen Außenwand.[Copyright 1]

Eine weitere große Romroder Linie wurde von Heinrich v. Romrod gegründet (Tafel „A“ und „D“). Sie hatte aber weder einen Anteil an dem Dorf Romrod noch an der Burg Herzberg. Dieser Zweig war zwar weniger bedeutend, blühte aber am längsten, nämlich bis 1844. Dieser Heinrich wird 1270 zum erstenmal als Vater Alberts erwähnt als seine Verwandten den Zehnten zu Salmshausen verkauften. Albert hatte Jutta als Ehefrau. Ihre Kinder waren Johann, später >Burgmann zu Lauterbach<, sowie Hermann und Friedrich, die als Knappen und Wäppner genannt werden. Weitere Söhne, Godebert und Albert, werden als Geistliche bezeichnet. Als Töchter erscheinen Jutte 1369, Ehefrau des Johann von Vishborn und Adelheid, wahrscheinlich verwitwete Kuchenmeister und 1382 als Gemahlin des Heinrich Finke von der Altenburg. Friedrich v. Romrod, Garant für den weiteren Bestand der Herren v. Romrod (Tafel „D“ und „F“), der als Wäppner und Ritter auftrat, stellte mit seinen Söhnen Eberwein und Heinrich in 1341 einen Teilungsvertrag über das Gericht Schwarz aus.[5] Friedrich lebte 1310 schon in Mansbach, Eberwein und Heinrich v. Romrod waren 1345 Burgleute zu Rotenburg.

Das Schloss Romrod nach dem Umbau 1996-2002.[Copyright 2]

Nutznießer des vorgenannten Vertrags waren Widekint und Curt Finke, der Vater und Oheim Heinrich Finkes. Dieser Vertrag ist vielleicht im Zusammenhang mit dem Heiratsgut der Adelheid v. Romrod zu betrachten, die Heinrich Finke zum Manne hatte. Hermann, der Bruder Friedrichs, hatte Jutta zur Ehefrau. Er ist überwiegend im Alsfeld-Homberger Bereich anzutreffen. Johann v. Romrod, wie schon erwähnt Burgmann zu Lauterbach, erschien1305 noch als minderjährig als seine Eltern Albert v. Romrod und Jutta auf einen Hof bei Lauterbach zugunsten des Johanniterhauses in Grebenau verzichteten. 1320 trat Johann v. Romrod als Knappe in Erscheinung und 1324 als Wäppner. 1322 erhielt er das Dorf Wernges als Burglehen und in 1351 wurde Johann zum letzten Mal genannt. In diesem Jahr erfährt man auch, dass seine Söhne Johann und Albrecht hießen. Johann war 1356 Burgmann zu Alsfeld und Albert (Albrecht) in Lauterbach als Burgmann Nachfolger seines Vaters. Die Schwester Ida war mit Friedrich v. Linden verheiratet. Diese Linie v. Romrod ist anscheinend kinderlos abgestorben.

Eberwein und Heinrich v. Romrod, sind Begründer zweier Fulda-Hersfelder Linien (Tafel „F“). Eberwein hatte Fritze, Apel und Heinrich als Söhne. Fritze folgte Wilhelm und diesem Katharina und Hermann. Hermann starb kinderlos, Katharina hatte zwei Ehemänner, Werner von Liederbach und Henne Schaufuß. Apel folgten Kurt, der ein Vetter zu Wilhelm war, und zwei Töchter. Metze war mit Lotze v. Urff und eine weitere mit Lotze v. Erfa verehelicht. Kurt, wohl ein Stiefsohn Simons v. d. Tann, erscheint zu Dotzelrod, später heißt es: früher wohnhaft zu Dotzelrod und letztlich: wohnhaft zu Völkershausen. Sein Sohn, Kurt v. Romrod der Jüngere hatte als Zunamen: genannt v. Völkershausen. In Thüringen hatten sie schon Besitz als sie 1455 ihren Teil am Gericht Schwarz, zu Dotzelrod und die Dick bei Elbenrod verkauften. Kurt v. Romrod war 1426 noch Schultheiß und Schöffe des Hauggerichts in Alsfeld. Ihre Besitzungen gingen erstorben und erworben an Gebrüder v. d. Tann, ihre Verwandten. Hier scheint diese Familie im Mannesstamm zu enden.

Burg Herzberg, der Stammsitz der Freiherren v. Dörnberg.[Copyright 3]

Eberweins Bruder, Heinrich v. Romrod, ist als derjenige anzusehen, dessen Nachkommen das Geschlecht bis zum endgültigen Erlöschen führten (Tafeln „F“ - „G“ - „I“ und „M“).

Es erscheinen immer wieder Familien v. Romrod, deren Herkunft und Verwandtschaftsbezug zurzeit nicht nachgewiesen werden kann. Andere versinken im Dunkel der Zeit, obwohl noch Nachkommen bekannt sind (Tafel „E“ und „L“). Schon Landau und Dr. Steiner konnten vor 160 Jahren wegen fehlender Quellen die Lücken nicht alle schließen. Nach dem Abgang der Romroder aus Oberhessen blieben als sichtbare Zeichen des ehemals starken Adelsgeschlechtes augenscheinlich zunächst Schloss und Ort Romrod, sowie die Burg Herzberg, wenn auch alle durch bauliche Maßnahmen stark verändert, zurück. Später kamen Gebäude in Holzheim, Müs, Dipperts und Niederbeisheim hinzu. Ihren letzten Sitz in Schrecksbach sieht man auf einer alten Grundstückskarte.

Von der Zeit des Auftretens der v. Romrod in 1197 bis zu ihrem Abgang nach Osthessen und Thüringen, Mitte des 15. Jahrhunderts, hat der Verfasser bisher über 520 Hinweise oder Urkundenregesten zusammengetragen. Diese Dokumentation des Geschlechtes wäre unvollständig, wenn man die für unser Gebiet bedeutende Familie nicht weiter verfolgen würde. Den Berichterstatter begleitete immer wieder die Frage: Wie hat sich das Geschlecht v. Romrod weiterentwickelt und wo ist es letztlich abgeblieben? Die Urkunden wiesen zunächst nach Wenigentaft und nach Buttlar.

Unmittelbar nach der Grenzöffnung in 1990 begab sich der Chronist nach Thüringen, in der vagen Hoffnung einen Hinweis auf die v. Romrod zu finden. Bereits in Wenigentaft fanden sich alte Gemäuer eines Vorwerkes oder Hofes, deren ehemalige Besitzer allerdings nicht bekannt waren. In einer Festschrift, der Ort beging die 1175-Jahr-Feier, war das alte Schloss skizziert, das aber schon um 1880 abgebrochen worden war. In der Chronik wies nur ein Vermerk auf >Kurt v. Ramrod< hin. Darin wird erwähnt, dass er in 1443 das Schloss und Gut Wenigentaft von Fürstabt Hermann von Fulda erhalten habe. Das nächste Ziel, Buttlar, brachte die Überraschung. An der Kirche, die inmitten des Friedhofes steht, war ein Epitaph befestigt. Von den Wappen war oben rechts schon von weitem das Romroder zu erkennen, eine frei schwebende zweitürmige Burg mit der entsprechenden Helmzier. Darunter der Schriftzug "von Romrod".

Epitaph an der Kirche zu Buttlar, im Jahr 1990. Auszug: Wappen von Kötschau (links), von Romrod (rechts): Johann Rudolph v. Kötschau, † 1668; ∞ Ursula Maria v. Romrod.[Copyright 3]

War es Zufall oder Glück, dass gerade dieser Stein noch vorhanden war? Denn als in 1954 der Friedhof erweitert wurde, hat man alle anderen, damals vorhandenen Steinmale zertrümmert und in der Umfassungsmauer vermauert. Die Wappenrelikte schauen einem nun traurig aus der Wand entgegen. Und gerade das derer v. Buttlar ist mehrmals zu sehen, allerdings sehr verstümmelt. Von den Wappen des Epitaphs wurden vom Betrachter zugeordnet: Wappen der Eheleute Johann Rudolph v. Kötschau und Ursula Maria v. Romrod. Oben links das Wappen "von Kötschau", darunter: "von Beveren" (?), "von Carben" (?), "von Heldridt", und oben rechts, wie bereits erwähnt das derer "von Romrod", darunter "von Reckerodt", "von Boineburg", und "von Craluck". Die Inschrift im Mittel- und am Fußteil muss noch entziffert werden. Der Stein wurde inzwischen gesichert und renoviert.

Doch damit ist die Geschichte der Herren v. Romrod noch nicht abgeschlossen. In der Universitätsbibliothek Gießen fand sich eine genealogische Arbeit von Wolfgang Sturt.[6] Dieser, gegen Ende des letzten Krieges in Darmstadt ausgebombt, war nach Niederbeisheim bei Homberg an der Efze verschlagen worden und hatte dort die Spuren der Besitzer eines alten Rittergutes verfolgt. Er war so auf einige adelige Herrschaften gestoßen und hat, fasziniert von dem Geschlecht Romrod, dessen Linien von Buttlar und Wenigentaft aus weiterverfolgt, ohne jedoch auf deren Herkunft näher einzugehen. Er erwähnte lediglich, dass die v. Romrod wahrscheinlich aus dem gleichnamigen Ort bei Alsfeld stammten und auch die Erbauer der Burg Herzberg gewesen seien. Und er schließt an einen Kurt v. Romrod an, der aus dem Alsfelder Gebiet in das jetzige Thüringen übersiedelte. Von nun an lässt sich der Werdegang des Adelsgeschlechts dank der Forschungen von Herrn Sturt, Dr. Helmut Lohmann und anderer Personen, zum Beispiel des Pfarrers Metz zu Schrecksbach, auf die sich Sturt unter anderem bezieht, exakt weiterverfolgen. Doch darüber wird Sturt in einem anderen Teil dieser Abhandlung besser selbst berichten.

Von dem Gut in Wenigentaft trennte sich später ein Zweig v. Romrod und erschien dann in Holzheim, wo er 1440 und 1458 Schloss und Gesamtlehen erhielt. Wenigentaft war danach noch länger im Besitz der Familie. Bis zum ausgehenden Mittelalter findet man die männlichen Mitglieder der Familien als Eigentümer und Lehnnehmer von weltlichem Besitz sowie als Klerikale, Komture und Pfarrer, also als geistliche Personen. Die unverheirateten Töchter gingen, wie früher üblich, in die umliegenden Klöster. Die Bindung zur Abtei Fulda wurde bis in das 16. Jahrhundert nicht aufgegeben. Außer einem Lorenz v. Romrod, der meist in kirchlichen und landgräflichen Diensten stand, waren die v. Romrod danach meist Offiziere und Gutsbesitzer. Sie nahmen mit Landgraf Hermann zu Hessen in 1475 an der Neußer Fehde teil, waren im Dreißigjährigen Krieg zu finden und kämpften während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1776-1783 in den Staaten von Nordamerika. Nach den Forschungen von STURT erwarben sie, teils durch Heirat teils durch besondere Verdienste bei der Landesherrschaft zu Hessen-Kassel, Güter in dem schon erwähnten Niederbeisheim (durch Heirat mit der Erbtochter Judith v. Holzheim, aus der Gegend von Fritzlar) und in Schrecksbach. Das Gut zu Niederbeisheim umfasste cirka 400 und das Gut zu Schrecksbach ungefähr 550 Morgen. Die Schrecksbacher Linie starb mit einem Otto Reinhard Wilhelm v. Romrod schon 1746 kinderlos ab, wie ebenso 1802 ein Zweig Holzheim-Heisenstein. An dem Gutshaus in Niederbeisheim, welches die v. Romrod von 1647-1652 neu erbauten, befindet sich heute noch ihr Wappen.

Niederbeisheim wird 1716 an die v. Huyne verkauft und die v. Romrod besitzen nur noch jenes Gut in Schrecksbach und ein Restgut in Holzheim. Carl Friedrich Wilhelm Christian v. Romrod war der letzte Besitzer auf dem Gut in Schrecksbach. Er wurde letztmals am 4. Februar 1822 von der Landgrafschaft Hessen-Kassel damit belehnt. Wie viele seiner Ahnen und Verwandten war auch er außer Gutsbesitzer noch Offizier und starb am 28.2.1844 in Ziegenhain. Er war zweimal verheiratet: 1. Johanna Maria Stoeber († 1823), 2. v. Bardeleben († 1852) Seine beiden Kinder erlebten nicht das Schulalter. Eine Adoptivtochter verstarb 1837. Sein Bruder Carl Wilhelm, zuletzt Kommandant von Fritzlar, schon in 1828. Während die männlichen Mitglieder der Familie fast immer standesgemäß (d. h. adlige Ehepartner, bis auf wenige Ausnahmen) heirateten, vermählten sich die Töchter auch schon einmal bürgerlich mit Bauern, Schullehrern oder Amtspersonen. Das Blut dieser großen und alten Familie fließt auch heute noch in den Adern vieler blühender adliger und auch bäuerlicher Geschlechter weiter. Vielleicht sind einige Romroder sogar, wie andere Adlige aus unserer Gegend, zu Ausgang des Mittelalters mit den geistlichen Orden in das Baltikum ausgezogen und haben dort Spuren hinterlassen? Doch darüber ist nichts bekannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biedermann, Johann Gottfried: Geschlechtsregister „Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra“ von, erschienen 1749 in Bayreuth
  2. Demandt, K.: Die Geschichte des Landes Hessen (Kassel 1980)
  3. Steiner, Hofrat Dr. : AHG. Zur Geschichte der Herren von Romrod. Auch in: Geschichte der Stadt Nidda.
  4. Broschüre: Stiftung Burg Herzberg
  5. StAD: E 12, v. Liederbach
  6. Sturt, W. , in: Hessische Familienkunde

Bilder und Zeichnungen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Foto: Gerhard Habermehl, 9. Mai 1999
  2. Foto: OZ-Extra 19. Juni 2002
  3. 3,0 3,1 Luftbild: Hugo Schneider, Lauterbach, 1972