Einführung in die Imkerei/ Beuten

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Beuten und Waben


Beuten[Bearbeiten]

Die Bienenhaltung im deutschsprachigen Raum ist geprägt von einer ungeheuer großen Beutenvielfalt, die mit einem entsprechend "bunten Rähmchensalat" einhergeht. Darin findet sich die Glaubensvielfalt in der Imkerschaft wieder Es gilt noch immer der Satz: "Zwei Imker, drei Meinungen!"  ;-). Die Bieneninstitute sind an dieser Misere nicht unbeteiligt. Jedes Institut hat sein Beutensystem (Hohenheimer Einfachbeute, Kirchhainer um nur mal zwei zu nennen) entwickelt. Eine gute Beute muss bestimmte Anforderungen erfüllen:

  • Die Bienen in ihrer natürlichen Lebensweise unterstützen (Bienenabstand).
  • Sie soll die Haltung starker Völker ermöglichen.
  • Sie soll mit der Volksstärke wachsen und auch schrumpfen können.
  • Sie soll preisgünstig sein.
  • Sie soll möglichst im Selbstbau herzustellen sein.
  • Sie soll die Arbeit des Imkers unterstützen und minimieren.
  • Sie soll so ökologisch wie möglich hergestellt werden können.

Diese Anforderungen bestehen schon, seitdem man Bienen in Beuten hält. Aber erst Langstroth entdeckte den Bienenabstand (engl. bee space). Der Bienenabstand ist das wichtigste Maß bei der Entwicklung von Beuten. Langstroth erkannte, dass die Bienen bestimmte Abstände einhalten. Sie entscheiden sich bei der Besiedlung einer Bruthöhle am Anfang für eine Baurichtung. Dann werden die Waben im Abstand von ca. 35 mm parallel gebaut. Abstände, die größer als 8 +- 2 mm sind, werden mit Waben zugebaut. Das ist der Bienenabstand. Hohlräume kleiner 2 mm werden zugekittet. Diese Maße finden sich in allen modernen Beuten wieder. Wenn man den Bienenabstand nicht einhält, bauen die Bienen zusätzliche Waben. Das ist schlecht für alle Wabensysteme:

  • Für den Imker geht wertvoller Honig verloren.
  • Die Waben lassen sich nur schlecht entnehmen.

Beutenmaterial[Bearbeiten]

Kunststoffbeuten[Bearbeiten]

Fast alle Kunststoffbeuten bestehen aus Polystyrol, also Hartstyropor. Kunstoffbeuten haben den Vorteil, dass sie wesentlich besser isolieren als einfache Holzbeuten, und dass sie leichter sind. Nachteil ist, dass man sie nicht selbst bauen kann und sie für Tierfraß anfällig sind (Specht, Stare, Marder und Mäuse können sich problemlos durchbeißen).

Holzbeuten[Bearbeiten]

Holzbeuten sind im Gegensatz zu Kunststoffbeuten atmungsaktiver und weniger anfällig für Schimmelbildung auf den Waben. Für Bio-Imker sind Holzbeuten Pflicht.

Zurück zu den Beutetypen:

  • Hinterbehandlungsbeuten (à la Freudenstein)
  • Magazinbeuten (à la Langstroth)

Dazu kommt noch die Richtung der Waben zum Flugloch. Historisch haben sich hier die Bezeichnungen Kaltbau und Warmbau entwickelt.

Bauarten der Beuten[Bearbeiten]

Beim Warmbau/Querbau stehen die Waben quer zur Flugrichtung/zum Flugloch. Im Kaltbau/Längsbau stehen die Waben parallel zur Flugrichtung/zum Flugloch. Jeder Imker hat hier seine eigene Philosophie, welche Ausrichtung der Waben zum Flugloch besser sei.

Querbau.svg Laengsbau.svg

Hinterbehandlungsbeuten[Bearbeiten]

Hinterbehandlungsbeute

Der Name sagt es ja, Hinterbehandlungsbeuten werden vom Imker von hinten bearbeitet. Sie bieten den Vorteil, dass sie stapelbar sind und den Nachteil, dass sie wesentlich schlechter zu ernten sind, da jede Wabe einzeln entnommen werden muss. Diese Beuten haben es in der DDR sogar bis zu einer Norm (Normbeute 52) geschafft. Hinterbehandlungsbeuten sind immer im Warmbau/Querbau gehalten. Hinter eine Klappe ist meist eine durchsichtige Absperrung angebracht. Der Vorteil der Hinterbehandlungsbeuten ist die Möglichkeit, die Beuten zu stapeln. Demgegenüber stehen viele Nachteile:

  • Hinterbehandlungsbeuten können nicht erweitert werden.
  • Sie sind für heutige Völker meist zu klein (Zwischen 20 und 26 Waben).
  • Für die Beuten benötigt man ein (teures) Bienenhaus.
  • Fütterung schlecht möglich (Die meisten Hinterbehandlungsbeuten haben zwar einen seitlichen Futtertrog, dieser ist aber zu klein (max. 2l) für eine effektive Fütterung, so dass oft aufgefüllt werden muss).
  • Viele Varroabehandlungsmethoden schlecht anwendbar.
  • Viel Zeit für die Völkerdurchsicht.

Magazinbeuten[Bearbeiten]

Magazinbeuten

Wie bereits erwähnt, wurden die ersten Beuten von Langstroth um 1850 in den USA gebaut. Dieses Magazinsystem ist mit Sicherheit das weitverbreitetste System der Erde. Dass es nach über 150 Jahren immer noch fast unverändert gebaut wird (vergleiche [Langstroth1]), zeigt, wie richtungsweisend Langstroths Entwicklung war. Der variable, vertikale Aufbau der Magazinbeuten folgt immer einem ähnlichen Schema: Auf dem Boden folgen ein oder zwei Brutraumzargen, darauf aufsetzend die Honigzarge und der Deckel als Abschluss.

Üblicherweise haben Brutraum- und Honigzargen die selbe Höhe, was die Materialvorhaltung erleichtert. Jedoch gibt es vielfach den Trend einen großen Brutraum mit 1,5-facher Rahmenhöhe anstelle der zwei einfachen Zargen zu nutzen. Der Honigraum wird oftmals aus Gründen der Arbeitserleichterung mit Zargen halber Höhe betrieben.

Die Einzelkomponenten der Beute sind nicht fest miteinander verbunden, da die Bienen die Zargen innerhalb kürzester Zeit selber mit Propolis verkitten. Der Deckel wird gegen Wind durch einen Stein oder mit einem Spanngurt gesichert. Magazine mit Zargenfalz sind teilweise als Bienenknacker verrufen. Zwischen den Zargen kann ein Absperrgitter genutzt werden, um der Königin die Eiablage im Honigraum zu verwehren oder etwa zum Zwecke der Wabenerneuerung die Brut in einer Zarge auslaufen zu lassen. Auf die oberste Wabenebene wird eine Folie oder ein Gewebe aufgelegt, um den Wildbau in Richtung des Deckels zu unterbinden. Futterzargen erlauben die Zuführung auch größerer Mengen Futters. Bienenfluchten erlauben eine fast bienenfreie Entnahme des Honigraumes. Dem Boden kommen mehrere Funktionen zu. Ein Gitterboden erleichtert dem Bien die Klimaregulierung in der Beute. Gemüll fällt direkt aus der Beute bzw. kann in einer eingeschobenen Schublade, der Windel, aufgefangen und anschließend untersucht werden. Wichtig ist auch die Sicherheitsfunktion für den Bien. Das Flugloch kann eingeengt werden, um die Verteidigung zu erleichtern. Außerdem wird dort im Winter der Schutz gegen Mäuse angebracht.

Langstrothbeuten[Bearbeiten]

Magazinbeutenrahmen

Lorenzo Langstroth (1810-1895) war der Pionier der Magazinbeuten. Praktisch alle modernen Beutesysteme sind nur noch Abwandlungen seiner Magazinbeuten. Die Langstrothbeute wird seitdem fast unverändert weltweit eingesetzt. Langstroth entdeckte den Bienenabstand.

Neben dem Bienenabstand gibt es auch den Wabenabstand, der den Abstand zwischen zwei nebeneinander angeordneten Waben bezeichnet. Dieser beträgt von Wabenmitte zu Wabenmitte 35 mm. Der zwischen den Waben liegende, freie Raum wird als Wabengasse bezeichnet. Diese ist so eng oder weit, dass die Bienen ohne Behinderung beide Waben belaufen und andererseits noch von der einen auf die andere Wabe wechseln können. Er ist etwa gleich groß wie der Bienenabstand. Wenn der Abstand größer ist, z.B. weil zwei Rähmchen zu weit auseinander hängen, fangen die Bienen an, in diesen Zwischenraum auch Wabenwerk, sogenannten Wildbau, zu bauen. Dies passiert z.B. auch dann, wenn der Imker gar keinen Wabenbau in Form von Rähmchen, bestückt mit Mittelwänden, vorgibt (Beispiel Heideimkerei mit Strohkörben) oder wenn ein Bienenvolk aufgrund seiner Volksstärke anfängt, in den hohen Unterboden der Magazin-Beute zu bauen. Die Waben dieses Wildbaus haben dann auch diesen natürlichen Mittenabstand von 35 mm.

Dadant-Beuten[Bearbeiten]

Charles Dadant hat ca. 1863 ein Beutensystem entwickelt, das Langstroths Erkenntnisse übernimmt. Charles Dadant war aber ein besserer Kaufmann als Langstroth. Die Firma besteht heute noch. Dadantbeuten kommen heute in Verbindung mit Buckfastbienen zum Einsatz. Beim Dadantsystem ist die Brutwabe doppelt so groß, wie die Honigwabe. Das bedeutet einerseits große Brutflächen, andererseits nicht so schwere Honigräume. Ein Tausch zwischen Honig- und Brutraum ist damit schlecht möglich. Dies ist aber auch weder erforderlich noch erlaubt, da Brutwaben nichts in Honigräumen zu suchen haben. Während bei anderen Systemen Wabenhygiene erzielt wird, indem jährlich einmal der Brutraum komplett durch den vorjährigen Honigraum ersetzt wird, wird bei Dadant-Systemen im Frühjahr das Brutnest eingeengt und sukzessive durch neue Mittelwände ersetzt.

Zanderbeuten[Bearbeiten]

In Deutschland entwickelte Dr. Enoch Zander (1873-1957) ca. 50 Jahre nach Langstroth ein eigenes Beutensystem. Es ist nicht bekannt, ob Zander die Arbeit Langstrohts kannte. Das Zander-Magazin ist in Süddeutschland sehr populär. Heute werden oft Kombinationsbeuten angeboten, indem entweder im Kaltbau Zanderwaben oder im Warmbau Deutsche Normalmaßrähmchen benutzt werden, da sich die Waben kaum in der Höhe unterscheiden. Bei den Zanderrähmchen gibt es zwei Ausführungen: Die gewöhnliche Ausführung und das sogenannte modifizierte Zanderrähmchen. Das modifizierte Rähmchen hat einen breiteren Hauptsteg und ist dadurch stabiler.

Die Erlanger Magazinbeute[Bearbeiten]

Die Erlanger Magazinbeute ist ein Entwicklung der Bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen (heute: Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau – Fachzentrum Bienen). Hier kann auch eine Bauanleitung angefordert werden. Sie ist eine der modernsten Beuten auf dem Markt.

Die hier vorgestellte Beute vereinigt in sich alle Teile, die zum Imkern notwendig sind: Boden, 3 Zargen, Futtereinrichtung und Deckel. Im Bereich der Entwicklung der Böden hat sich seit dem Aufkommen der Varroamilbe vieles getan. Der heutige Boden muss es dem Imker ermöglichen, die Kontrolle der Varrose und die entsprechende Behandlung möglichst einfach durchzuführen. Darum wurde ein Boden mit Gitter und Schieber zum Herausziehen entwickelt.

Die Kastenwände sind aus 27 mm Fichten-Massivholz (oder Weymuthskiefer). Der Deckel ist mit 30 mm Styropor wärmegedämmt. Das Bodengitter besteht wegen der Behandlung der Bienen mit verschiedenen Säuren aus Edelstahl. Da die Beute in der Regel im Freien steht, braucht sie einen Außenanstrich, aber kein Bienenhaus.

In den beiden unteren Zargen befindet sich der Brutraum der Bienen. In jeder Zarge finden 9 Rähmchen (Zander) Platz. Der oben aufgesetzte Honigraum ist durch ein Absperrgitter vom Brutraum getrennt, so dass die Königin und die Drohnen nicht in den Honigraum gelangen können. Für bestimmte imkerliche Maßnahmen (Füttern, Ablagerbildung, Vereinigung von Völkern) gibt es noch ein Trenngitter, das bienenundurchlässig ist.

Das Flugloch lässt sich durch einen Flugkeil verkleinern (Schutz gegen Räuberei oder Mäuse) oder verschließen (Wandern).

Das Besondere an der Erlanger Magazinbeute sind die Kippbeschläge, die es erlauben, zur Varroakontrolle die beiden Bruträume voneinander zu trennen, ohne einzelne Magazinteile abzuheben. Zur Wanderung (Transport der Bienen) braucht man keinen zusätzlichen Wandergurt, um die Beute zusammen zu halten. Auch der Bodenbrettwechsel und die Reinigung der Beute durch Abflammen ist sehr einfach.

Die Betriebsweise ist in dem Buch von Karl Weiß „Der Wochenendimker“, Kosmosverlag, ausführlich beschrieben.

Segeberger Beute[Bearbeiten]

Die Segeberger Beute ist die in Norddeutschland überwiegende Beutenform. Sie ist üblicherweise eine Hartschaumbeute, wird aber auch als Holzbeute angeboten, und enthält pro Zarge 11 Rähmchen im Deutsch Normalmaß (DNM). Die quadratische Zarge hat einen Falz.

Waben[Bearbeiten]

Wabe mit Bienen

Waben und Magazine bilden eine Einheit, da die Größen natürlich aufeinander abgestimmt sind. Historisch haben sich mehrere Typen entwickelt, die heute nebeneinander exsistieren. Wenn es keine speziellen Gründe für eine Mischbenutzung verschiedener Systeme gibt, sollte ein Imker immer nur ein System benutzen, um den Aufwand zu minimieren sowie die Flexibilität beim Einsatz seines Materials zu erhöhen.

Rahmen[Bearbeiten]

In der Magazinimkerei werden die Waben in Rahmen gebaut, deren Aufbau sehr unterschiedlich sein kann. Der Oberträger wird an seinen Ohren in die Magazinzarge eingehängt. Wenn Seitenteile im oberen Bereich verdickt sind, nennt man diese Hoffmannseiten. Damit ist der bee space in der Wabengasse sichergestellt. Andernfalls muss der notwendige Abstand durch Polsternägel, Röllchen, Abstandsbügel oder aufgesteckte Kreuzklemmen eingehalten werden. Um dem Wabenbruch bei der Honigschleuderung vorzubeugen werden die Rahmen gedrahtet, also von einigen Drähten, die in die Mittelwand eingeschmlzen werden, gestützt. Diese Drähte können horizontal oder vertikal angebracht werden. Entscheidet man sich für die vertikale Drahtung, sollte der Oberträger massiver sein, damit er nicht durchbiegt. Diese sogenannten "modifizierten" Rähmchen sollte man auch bei Verwendung der 1,5-fachen Rähmchengrößen verwenden. Die Durchführung des Drahtes durch die gelochten Rähmchen kann durch Ösen stabilisiert werden, um ein Einschneiden des Drahts in das Rähmchen zu verhindern. Als Alternative zum verzinkten Draht, den Messingösen oder der Polsternägel gibt es Edelstahlvarianten. Edelstahl widersteht den Säuren in der Varroabehandlung besser. In der Magazinimkerei wird dem Bien typischerweise eine Mittelwand durch den Imker bereitgestellt. Der Rähmchendraht wird elektrisch erhitzt und die Wachsmittelwand wird auf den Rähmchendraht gelötet.

Wabengrößen[Bearbeiten]

Es gibt sehr viele unterschiedliche Wabengrößen. Viele Größen sind regional entstanden. Weltweite Verbreitung haben vor allem Langstroth und Dadant erreicht. Für Deutschland wird heute meist im Norden das Deutsch-Normal-Maß-Rähmchen und im Süden Deutschlands das Zandermaß-Rähmchen verwendet wobei die Übergänge fließend sind. Zanderrähmchen sind wesentlich stabiler als Normalmaßrähmchen. Von historischer Bedeutung sind vor allem Freudenstein und Kuntsch. Die folgende Liste gibt eine Übersicht über die Maße:

Name Breite Höhe (1:1) Höhe (1:2) Höhe (1:2) Höhe (2:3) Höhe (3:4) Höhe (3:2) Höhe (Dickwabe) Fläche Vollwabe (cm²)
Zander 420 220 --- --- 159 --- --- --- 924
Deutsch Normal (DNM) 394 223 110 125 159 338 --- --- 879
Langstroth 448 232 --- 137 159 185 --- --- 1118
Dadant 448 285 159 --- --- --- --- Brut 300 1373
Kuntzsch 280 335 --- --- --- --- --- --- 938
Freudenstein 338 200 --- --- --- --- --- --- 676


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