Einführung in die Imkerei/ Schleudern

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Schleudern & Abfüllen


Schleudern & Abfüllen[Bearbeiten]

Schleudern

Der wohl schönste Teil des Imkerns ist es, den Honig zu ernten. Wenn der Honig im Sommer erntereif ist, dann sind weniger Bienen im Bau. Sobald der "Verdacht" besteht, dass die Bienen mit dem Honigsammeln fertig sind, sollten die Waben stichprobenartig kontrolliert werden, ob sie gefüllt und gedeckelt sind. Gedeckelt bedeutet, dass die Bienen einen Wachspfropfen auf die mit Honig gefüllten Waben gebaut haben. Gedeckelte Waben sind deutlich von ungedeckelten zu unterscheiden. Bei der ersten Schleuderung im Frühjahr sollten mindesten 50% der Wabenfläche verdeckelt sein, im Sommer noch mindestens 30%.

Dann wird noch ca. fünf Tage mit dem Ausschleudern des Honigs gewartet, damit er noch in den Waben reifen kann. Der Reifegrad des Honigs ist von entscheidender Bedeutung. Reife bedeutet nichts anderes, als dass der Wassergehalt des Honigs im idealen Bereich liegt. Ist der Wassergehalt beim Schleudern zu hoch (über 20%), dann kann der Honig gären. Ist der Wassergehalt zu niedrig (unter 15%), ist der Honig steinhart. Den Wassergehalt kann man mit einem Refraktometer bestimmen. Wenn man sich an die obige Faustformel hält, kann man auf das Refraktometer verzichten. Eine andere Möglichkeit, den Zeitpunkt zu bestimmen, ist ein Waagevolk, also ein Volk, unter das man eine Waage stellt und täglich das Gewicht aufzeichnet. Am Anfang vergrößert sich das Gewicht immer mehr, bis alle Waben gefüllt sind. Dann bleibt das Gewicht praktisch stehen. An diesem Punkt wartet man noch ca. 3 Tage, dann hat man den idealen Schleudertermin.
Schleudern

Es sollte morgens nicht zu früh mit dem Schleudern angefangen werden (ca. 8:30 Uhr), da die Bienen ja alle unterwegs sein sollen. Geschleudert werden sollte nur an einem sonnigen Tag. Auf keinen Fall, wenn Gewitter im Anzug ist, da die Bienen dann sehr stechlustig sind.

Am Abend zuvor werden die Bienenfluchten zwischen Honigraum und Brutraum gelegt (Bitte richtig herum, sonst gibt es eine unangenehme Überraschung) und der Schleuderraum vorbereitet:

  • Raum säubern.
  • Fahrzeuge eventuell auskleiden (wenn man keinen Anhänger benutzt).
  • Imkergeräte überprüfen und bereitlegen:
    • Rauchgerät
    • Feuerzeuge
    • Rauchmaterial (genügend)
    • Stockmeißel
  • Stiefel und Kleidung zurechtlegen
    • Handschuhe
    • Bluse mit Haube
  • Honigräume und Leerwaben herrichten.
  • Benötigte Geräte säubern und herrichten:
    • Wabenschleuder
    • Entdeckelungsgerät
    • Entdeckelungsgabel
    • Entdeckelungsmesser
    • Messer
    • Siebe
    • Kannen
    • Hobocks

Je besser alles vorbereitet ist, desto reibungsloser und ruhiger kann der größte Eingriff in die Völker von statten gehen.

Der Schleuderraum muss sauber und leicht zu reinigen sein. Außerdem sollte er eine ausreichende Größe haben, damit darin vernünftig gearbeitet werden kann. Es hat sich gezeigt, dass es gut ist, wenn in einiger Entfernung vom Bienenhaus geschleudert wird, da dann fast vollständig bienenfrei gearbeitet werden kann. Wichtig ist auch, dass Lampen im Raum so beschaffen sind, das beim Zerbersten keine Glassplitter in den Honig fallen können (Feuchtraumlampen mit Glas oder Plastikabdeckung installieren).


Arbeitsablauf: Grundsätzlich ist zu beachten:

  • So wenig Rauch wie möglich (wenn man Bienenfluchten verwendet, braucht man fast gar keinen Rauch).
  • Auf gar keinen Fall Rauch in den Honigraum blasen. Die Rauchpartikel verunreinigen den Honig.
  • Waben dürfen nicht mit Boden in Berührung kommen, da Bodenmikroben den Honig zur Gärung bringen können. Nehmen Sie am besten einen Schubkarren, auf den Sie die Magazine laden.
  • Arbeiten Sie so sauber wie möglich.
    • Am Volk:
    1. Öffnen Sie den Bienenstock.
    2. Nehmen Sie die Honigräume ab (Bei Hinterbehandlung: Entnehmen Sie die Waben einzeln).
    3. Entfernen Sie die Bienenflucht.
    4. Optional: Schauen Sie kurz das Volk durch (Weiselrichtig? Volksstärke? Königin?)
    5. Setzen Sie möglichst gleich wieder neue Honigräume mit Waben auf, außer bei der letzten Schleuderung.
    6. Bringen Sie die vollen Waben zum Schleuderraum.
    • Im Schleuderraum:
    1. Entfernen Sie die Verdeckelung.
    2. Schleudern Sie von beiden Seiten die Waben aus.

Rühren & Abschäumen[Bearbeiten]

Wenn der Honig ausgeschleudert ist, fängt er an auszukristallisieren. Dabei bilden sich Zuckerkristalle. Damit die Zuckerkristalle möglichst klein sind und somit der Honig später streichfähig bleibt, muss der Honig gerührt werden. Abschäumen muss man den Honig, um Schwebteile wie große Pollen und kleine Wachsstückchen zu entfernen. Für das Rühren gibt es die unterschiedlichsten Geräte. Diese reichen von einfachen Holzlöffeln über metallene Stampfer bis zu elektrischen Rührwerken. Für den Anfänger reichen einfache Rührer aus. Zum Abschäumen benötigt man nur einen einfachen Teigschaber (nicht die mit Griff, sondern diese dünnen, halbrunden, relativ starren Schaber aus Plastik). Zusätzlich empfiehlt sich ein Imbus (jetzt der Küchenschaber mit Stiel) und ein Teller. Ersteren zum Säubern des Telles auf dem die honignassen Utensilien ablegt wurden.

Man geht dabei wie folgt vor:

  • Nach dem Schleudern lässt man den Honig über Nacht stehen.
  • Am anderen Morgen schäumt man den Honig mit einem einfachen Küchenspachtel ab, das heißt, man entfernt die obere "unsaubere" Schicht auf dem Honig.
  • Dann rührt man ihn durch:
    • Man lässt den Rührer langsam in den Honig hinab, so dass sich keine Luftblasen bilden.
    • Man stampft den Rührer einmal vollständig am Rand entlang (hoch- runter), so dass sich die am Rand des Fasses befindlichen Zuckerkristalle im Honig verteilen.

Diesen Vorgang wiederholt man im Abstand von ca. 12 h drei bis fünf Mal. Sobald der Honig zu kandieren beginnt, muss er abgefüllt werden. Wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm, vorausgesetzt, der Honig hat keinen zu hohen Wassergehalt. Dann kann es passieren, dass der Honig im Glas anfängt zu gären. Hat man einen solchen Honig geschleudert (um es klar zu sagen, solch ein Honig ist unreif) hat man zwei Möglichkeiten:

  • man erhitzt den Honig und bringt ihn anschließend nur noch als Backhonig in Verkehr.
  • man "impft" diesen Honig mit einem trockeneren Honig - vermischt also zwei Chargen.


Abfüllen[Bearbeiten]

Abfüllen

Nachdem der Honig ausreichend gerührt wurde, kann er abgefüllt werden. Man benötigt:

  • passende Gefäße, meist Honiggläser des DIB (Deutscher Imker Bund)
  • einen geeigneten Abfüllbehälter
  • eine Waage welche geeicht sein und über eine ausreichend hohe Teilung der Skala verfügen muss, so dass die entsprechenden Vorschriften eingehalten werden können.
  • einen Spachtel, mit dem beim Nachtropfen der Honig abgewischt werden kann.
  • ein Teller, auf dem der Spachtel abgelegt werden kann, sollte ebenfalls vorhanden sein.

Wenn der Honig anschließend verkauft werden soll, muss sichergestellt werden, dass gesetzliche Anforderungen des Lebensmittelrechts, speziell der Honigverordnung, eingehalten werden. Das heißt:

  • Es muss sichergestellt werden, dass die in das Glas eingefüllte Honigmenge dem Gewicht auf dem Etikett entspricht.
  • Die Gläser müssen etikettiert sein. Auf dem Etikett müssen folgende Angaben gemacht werden:


Angaben auf einem Honiggebinde
Angabe Beschreibung
Hersteller-Adresse Die Adresse besteht mindestens aus der postalischen Anschrift, also:
Name
Straße, Hausnummer
Postleitzahl Ort, Land.
Andere Teile wie Telefonnummer, Faxnummer, Mailadresse, etc. dürfen auch darauf.
Nettogewicht Das Nettogewicht darf maximal bei 5% ihrer Gläser um 2% (das sind bei 500g-Gläsern 10g) unterschritten sein. Ich empfehle daher, dass Sie sich eine relativ genaue Waage und für jede Gebindegröße ein geeichtes Gewicht besorgen. Dann stellen Sie auf die Waage einmal das Gewicht und ein leeres Glas. Dieses ist dann das Gewicht, das Sie beim Abfüllen nicht unterschreiten dürfen.
Mindesthaltsbarkeitsdatum Das Mindesthaltbarkeitsdatum können Sie frei wählen. Es gibt kein bekanntes Datum, nach dem ein ordentlich behandelter Honig schlecht würde. Allerdings ist der Honig, wie jedes andere Lebensmittel auch, Alterungsprozessen ausgesetzt. Da der Kunde gewisse Erwartungen an das Produkt Honig hat, und der Imker dem Kunden klar machen möchte, dass der Honig nur eine gewisse Zeit einen Genuss darstellt, sollte man das Haltbarkeitsdatum nicht zu weit in die Zukunft legen. Auch ist das der Zeitpunkt, an dem Sie aus der Produkthaftung raus sind. Ich selbst wähle das Datum immer so: 31.12. des Jahres nach dem Schleuderjahr. Also wenn ich am 30. Mai 2007 schleudere, schreibe ich 31. 12. 2008 drauf.
Chargennummer Sie müssen nach dem Lebensmittelgesetz eine Buchführung haben, wann Sie welche Chargen abgefüllt haben. Diese Nummer muss dann auf dem Etikett aufgedruckt sein. Wenn Sie die Etiketten des Deutschen Imkerbundes verwenden, dann hat jedes Etikett seine eigene Nummer. In Ihrer Buchführung tragen Sie dann ein, dass Sie Nummer x bis Nummer y bei dieser Charge abgefüllt haben.
Sortenbezeichnung Die Sortenbezeichnung ist eines der schwierigsten Kapitel beim Honig und der Hauptgrund für schlechtes Abschneiden von Imkerhonigen bei Tests (z. B. Ökotest). Sie müssen sicherstellen, dass die Bezeichnung auf dem Etikett auch dem Inhalt entspricht. Das heißt, wenn Sie Rapshonig draufschreiben, muss der Honig auch zu 50% von Rapsblüten stammen. Es ist also für alle Beteiligten besser, weniger draufzuschreiben (Blütenhonig geht immer) als zuviel. Mindestens muss auf dem Etikett jedoch Honig draufstehen. Blütenhonig ist meist auch unverfänglich, es sei denn, Sie haben Waldhonig, der ja nicht von Blüten stammt.
Waage kalibrieren
Waage kalibrieren

Der von Kunden und Lebensmittelkontrolleuren am einfachsten nachzuprüfende Parameter ist das Gewicht! Allein schon damit man keine rechtlichen Scherereien bekommt muss das Gewicht,was draufsteht auch drin sein! Deshalb sollten Sie eine Waage benutzen, die entsprechend genau ist. Sollten Sie wie ich ein altes Schätzchen benutzen empfielt es sich die Waage direkt vor dem Gebrauch zu kalibrieren. Dazu stellt man auf die Waage ein Honigglas und dann das einzufüllende Gewicht. Wichtig ist, das das Vergleichsgewicht wirklich bekannt ist. Es mag zwar ein bisschen merkwürdig ausschauen, aber die kleine Eisenstab plus das nicht geeichte Gewicht sind sehr genau 500g. Wie man sehen kann ist das was hinterher auf der Waage eingestellt ist nicht das, was man erwartet hätte. Denn ein DIB-Honigglas ist genau 227g schwer plus die 500g sollte man ja bei 727g rauskommen. Laut Anzeige wäre man aber bereits bei 745g. Da man laut Gesetzt maximal 15g abweichen darf, wäre man schon unter Umständen mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Warnen möchte ich noch kurz vor billigen digitalen Waagen. Diese scheinen ja super genau zu sein, was in der Praxis leider nicht stimmt. Auch diese sollten Sie vor dem Abfüllen kallibrieren.