Fahrradtechnik: Reifen reparieren

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Dieses Buch steht im Regal Technik.

Zusammenfassung des Projekts[Bearbeiten]

  • Zielgruppe: normale Fahrradfahrer mit einem "Platten", die selbst reparieren wollen; im Prinzip geeignet für Menschen von etwa 8-80
  • Lernziele: die erfolgreiche Reparatur eines "normalen" Fahrradreifens (Drahtreifen) sowohl zu Hause wie auch notfalls unterwegs.
  • Buchpatenschaft / Ansprechperson: im Moment Deerwood 07:17, 23. Mai 2008 (CEST)
  • Sind Co-Autoren gegenwärtig erwünscht? im Moment noch nicht, lasst mich doch bitte erst einmal hier Eure Systematik erkennen/erproben/beachten und gebt mir einige Tage Zeit, aus einem rohen Text etwas Ansehnliches zu machen. Allerdings sind Kommentare zu dieser Seite jederzeit sehr willkommen.
  • Richtlinien für Co-Autoren: siehe oben. Jeder Kommentar ist erwünscht und wird gelesen/beantwortet.
  • Projektumfang und Abgrenzung zu anderen Wikibooks: mein Plan rechtfertigt m.E. noch kein eigenes Buch, es ist eher ein Kapitel in dem zu schaffenden Buch 'Fahrradtechnik'. Andererseits ist z.B. Kettenschaltung_einstellen_(Fahrrad) ein eigenes Buch (ausgezeichnet). Der große Plan meinerseits wäre also die Einordnung unter Fahrradtechnik. Aber ganz konkret möchte ich mein eigenes Wissen zur möglichst effizienten und erfolgreichen Reparatur von Fahrradreifen allgemein verfügbar machen.
  • Themenbeschreibung: es wird nur der Drahtreifen behandelt, andere Reifenarten folgen eher nicht, weil sie in der Regel, falls überhaupt, nur durch den Fachmann reparabel sind.
  • Aufbau des Buches: zur Zeit eine deutlich überstrukturierete Liste mit Handlungsanweisungen. Das werde ich in Kürze auf das Wesentliche kürzen. Jedenfalls sollen noch diverse selbst erstellte Abbildungen folgen ... ich arbeite gerade an den Bildern (Inkscape/SVG), das dauert aber. Siehe auch die Diskussion.


Reparatur-Anleitung für einen Drahtreifen[Bearbeiten]

Einen Platten hat wahrscheinlich jeder Radfahrer schon einmal gehabt. Was dann? Einfach selbst reparieren!

Beschrieben wird hier die Reparatur eines demontierten Laufrads. Mit einigem Geschick kann man unterwegs eventuell auch ohne Demontage des Rads auskommen. Ist zum Beispiel das Loch im Schlauch gut zu erkennen, muss der Schlauch nicht vollständig herausgezogen werden. Er kann im eingebauten Zustand geflickt werden. Dies empfiehlt sich vor allen Dingen bei Fahrrädern, deren Laufräder aufwändig auszubauen sind (Hollandrad hinten).



Typisches Flickzeug

Notwendiges Material und Werkzeug[Bearbeiten]

Benötigt wird jedenfalls handelsübliches Flickzeug, das preiswert sowohl im Fachhandel wie auch im Supermarkt erhältlich ist. Es enthält mindestens:

  • ein Stück Sandpapier grober Körnung (bzw. oft leider nur ein grob gelochtes Blech)
  • eine Tube Vulkanisierflüssigkeit (ein spezieller Kleber für Gummi)
  • ein Stück Schlauchgummi für große Löcher
  • einige vorgefertigte Flicken für normale Löcher, rund/oval, die sich randlos aufbringen lassen. Diese sind bereits ab Werk für die Vulkanisierung vorbereitet (auf der Seite mit der silbernen Schutzfolie)


Irreparabler Schaden nahe dem Ventil

Tipp 1: Die Vulkanisierflüssigkeit in angebrochenen Tuben kann relativ schnell austrocknen. Deswegen ist es ratsam, immer auch eine zweite unangebrochene mitzuführen.

Tipp 2: Es können unterwegs auch Schäden am oder nahe des Ventils auftreten, die sich nicht flicken lassen, deshalb sollte man unterwegs auch immer einen passenden Ersatzschlauch dabei haben.

Tipp 3: Nach Abschluss der Reparatur die Mutter am Ventil NICHT zu stark anziehen. Nur so stark, damit das Ventil halt findet.

Der rechts abgebildete Schaden ist extrem (aber bei mir aufgetreten), der ganze glänzende Bereich in der Abbildung um das Ventil herum ist meist nicht vulkanisierfähig.


Drei Montierhebel

Außerdem benötigt man Montierhebel aus einem relativ weichen Material (Kunststoff), möglichst 3 Stück. Diese kann man preiswert im Fachhandel/Supermarkt erhalten. Es gibt auch Flickzeug, das um 2 Montierhebel ergänzt ist, davon würde ich abraten. Und es gibt ganze Reparatursätze, die neben Flickzeug und Montierhebeln auch noch weiteres „Werkzeug“ enthalten, oft in einer handlichen Tasche und vergleichsweise preiswert. Die Tasche, das Flickzeug und die Hebel darin sind brauchbar, aber weiteres „Werkzeug“ ist eher von minderer Qualität, zerbricht leicht oder verletzt sogar manchmal Schrauben und Muttern.


Talkumpuder auf schwarzem Hintergrund

Für eine richtig gute Reparatur sollte man sich auch Talkumpuder besorgen (Fachhandel oder besser aus der Apotheke). Die Sicherheitshinweise zum Umgang sollte man unbedingt beachten: den Puder nicht einatmen und Kontakt mit offenen Wunden vermeiden (Talkum ist für den Körper ein Fremdkörper, der Entzündungen in den Atemwegen hervorrufen kann)!

Talkumpuder fühlt sich 'fettig' an und vermindert die Reibung zwischen Mantel und Schlauch deutlich, ohne dem Gummi zu schaden, im Gegensatz zu wirklichem Fett oder Öl, die Bestandteile enthalten, die das Gummi angreifen.

Die verminderte Reibung zahlt sich aus bei der Montage des reparierten Schlauchs, bei der nächsten Demontage und im Fahrbetrieb.


Schnittbild eines intakten Reifens
1=Felge
2=Felgenband
3=Bremsfläche
4=Draht
5=Schlauch, aufgepumpt
6=Mantel
7=Lauffläche

Querschnitte durch Felge/Reifen/Schlauch[Bearbeiten]

Ein intaktes Laufrad im Schnitt durch Tiefbettfelge, Mantel und Schlauch. Details, wie etwa der genaue Aufbau des Mantels/Profils, werden nicht gezeigt. Für eine erfolgreiche Reparatur eines Drahtreifens ist nur das Gefühl für die Position des Drahtes innerhalb des Mantels wichtig und der grundsätzliche Aufbau der zugehörigen Felge.

Der Begriff Draht ist auch nicht unbedingt wörtlich zu nehmen. In modernen Faltreifen z. B. besteht er aus einem gut biegbaren, aber kaum dehnbaren Material (Kevlar?). Die Funktion ist jedoch immer gleich: der kleinste Durchmesser des Mantels ist praktisch nicht dehnbar und sitzt bei intaktem, korrekt montiertem und voll aufgepumpten Reifen in den dafür vorgesehenen Aussparungen der Felge.


Schnitt durch einen platten Reifen nach dem Schieben

Nach einem Platten und anschließendem Rollen/Schieben des Fahrrads muss man davon ausgehen, dass sich der Schlauch komplett zusammengezogen hat, und nun überwiegend an der tiefsten Stelle / dem innersten Umfang der Felge (dem Tiefbett) anliegt. Der platt gedrückte Mantel beim Schieben verstärkt das zusätzlich. Der Schlauch ist meist auch völlig in sich verdreht. Das Ventil sitzt manchmal schief. Der Mantel, obwohl beim Schieben völlig platt gedrückt, haftet mit seinen Drähten meist immer noch fest in der Felge.

In diesem Zustand lässt sich das Laufrad nicht reparieren, es muss für die Reparatur vorbereitet werden. Das ist aber einfach, wenn man dieser Anleitung folgt.


Reifen nach dem Schieben erneut aufgepumpt

Ventil lockern, Schlauch wieder aufpumpen[Bearbeiten]

Die Ventil-Schutzkappe entfernen und die Ventilschaft-Sicherungsmutter deutlich lösen (etwa bis zur Hälfte des Ventilschafts), so dass der Schaft nur noch lose in der Felge sitzt. Dadurch kann sich der Schlauch auch am Ventil aus dem Tiefbett der Felge lösen.

Dann den Schlauch einmal kräftig aufpumpen, damit er sich aus dem Tiefbett heraushebt und wieder vollständig in den Mantel legt. Das ist vor allem wichtig nach dem Schieben des Fahrrades mit einem Platten. Abschließend durch Öffnen des Ventils den Schlauch weitgehend entlüften, falls nötig (oft sorgt das Loch im Schlauch selbst dafür). Der Schlauch sollte möglichst immer noch am gesamten Umfang des Mantels anliegen, aber keinen spürbaren Druck mehr auf den Mantel ausüben, der Mantel sollte sich zwischen Daumen und Zeigefinger ohne weiteres komplett zusammendrücken lassen.


Walken des Mantels und eindeutige Laufrichtung

Mantel walken und untersuchen[Bearbeiten]

Den Mantel auf beiden Seiten und über den vollen Umfang von der Felge lösen (der Mantel haftet/klebt oft recht fest an der Felge). Das Lösen geschieht durch Walken des Mantels und Drücken der Stelle, die an der Felge anliegt (und in der sich der Draht befindet) in die Mitte der Felge, das Tiefbett, dorthin, wo sich das Felgenband befindet. Dabei sollte der Schlauch nicht im Tiefbett sichtbar werden, weil er sich bei korrekter Vorbereitung innerhalb des Mantels befindet.

Gleichzeitig eine äußere Inspektion des Mantels über den vollen Umfang vornehmen. Oft entdeckt man dann bereits Gegenstände (Nägel, Dornen, Glassplitter) oder Schnitte/Löcher im Mantel. Gegenstände sollten selbstverständlich sofort herausgezogen werden, Kandidaten für weitere Schadensstellen kann man auf Mantel und Felge markieren (z. B. weiße Korrekturflüssigkeit, Markierungsstift, Klebeband-Schnipsel). Bei Mänteln mit einer eindeutigen Laufrichtung kann man auch diese auf Mantel und Felge markieren, damit der Mantel später genau so wieder aufgezogen werden kann, falls er komplett entfernt werden muss.


Ventil ganz lösen[Bearbeiten]

Bei Dunlop-Ventilen das Ventil selbst ausbauen. Die Ventilschaft-Sicherungsmutter nun komplett lösen und entfernen. Bei anderen Ventilformen (Auto/Sclaverand) den Schlauch jetzt komplett entlüften. Den Ventilschaft durch das Loch der Felge nach außen drücken, so dass der Schlauch sich dort komplett aus der Felge in den Mantel verlagert. Dort wird gleich der erste Montierhebel angesetzt und der Schlauch soll nicht vom Hebel berührt werden.


Erstes Herausheben des Mantels

Mantel aus der Felge heben[Bearbeiten]

Beginnend am Ventil den Mantel auf einer Seite aus der Felge herausholen. Dies ist oft der schwierigste Teil der Reparatur und erfordert in der Regel die 3 bereits ewähnten weichen Montierhebel, um ein Zurückrutschen des Mantels in die Felge zu verhindern.

Harte Hebel (z.B. Schraubendreher) sind völlig ungeeignet: das harte Material hinterlässt Schäden an der Felge und verletzt oft den Schlauch zusätzlich durch Einklemmen des Schlauchs!

Übermäßiger Kraftaufwand deutet auch darauf hin, dass die Drähte des Mantels noch nicht über den vollen Umfang im Tiefbett der Felge sitzen. Die weichen Montierhebel sollten immer ausreichend sein (die Felge für Drahtreifen ist so konstruiert)!

Notfalls nochmals den Schlauch deutlich aufpumpen und dann wieder weitestgehend entlüften. Das Walken / Drücken der Drähte in das Tiefbett wiederholen. Mit Unterstützung durch den Zug des ersten angesetzten Montierhebels sollte sich der Draht auf einer Seite der Felge nun über den Felgenrand nach außen heben lassen.

Benutzung der Montierhebel

Hat der erste Montierhebel den Drahtteil des Mantels aus der Felge herausgezogen, den Hebel (mit seiner Hakenseite) an eine Speiche klemmen und mit den Hebeln 2 und 3 abwechselnd den Umfang entlang in Speichen-Abstand weiter arbeiten. Der jeweils mittlere Hebel kann herausgezogen und für den Fortschritt verwendet werden. Nach spätestens 1/4 des Umfangs sollte sich diese Seite des Mantels ohne weiteres von Hand aus der Felge ziehen lassen.

Im Bild rechts hatte ich vergessen, das Ventil zu lösen und mir die Demontage damit unnötig schwer gemacht.

Schlauch herausziehen

Schlauch herausziehen[Bearbeiten]

Loch unter Wasser finden

Den Schlauch, beginnend an der dem Ventil gegenüber liegenden Seite, aus dem Mantel herausziehen. Abschließend das Ventil durch das Felgenloch drücken, bis man den Schlauch in der Hand hat. Fühlt sich der Schlauch „sandig“ an, dann sollte unbedingt eine Reinigung von Schlauch und Mantel-Innenseite vor der Neu-Montage durchgeführt werden!

Loch finden[Bearbeiten]

Den Schlauch leicht aufpumpen und zunächst auf dem vollen Umfang an den Lippen vorbeiführen bzw. am Ohr (die Lippen bemerken selbst leichte Luftzüge, das Ohr ist in der Lage, leiseste Zisch-Geräusche wahrzunehmen). Wird ein Schaden so nicht gefunden, dann den Schlauch in einem Behälter mit Wasser (plus evtl. etwas Seife/Spülmittel) prüfen, die Blasen zeigen jeden Luftaustritt zuverlässig an. Auch das Ventil kann so gut geprüft werden; außerdem wird der Schlauch dabei gereinigt (z. B. wenn er „sandig“ war). Den Schlauch trocknen, falls die Wasser-Methode verwendet wurde.

Loch vorbereiten[Bearbeiten]

Das gefunden Loch merken (evtl. markieren) und einen geeigneten Flicken auswählen. Heutzutage enthalten Reparatursätze fertige Flicken in verschiedenen Größen, die sich praktisch randlos aufbringen lassen und bereits einseitig für die Verbindung/Vulkanisierung mit dem Schlauch vorbereitet sind. Im guten Fachhandel sind aber auch größere Stücke solchen Materials erhältlich, aus denen man Flicken der benötigten Form und Größe individuell herausschneiden kann.

Den Schlauch um den Schaden herum aufrauen. Dazu eignet sich am besten Sandpapier der Körnung 60, kreuzweise/kreisförmig geführt (notfalls das grob gelochte Blech, das meist Reparatursätzen beiliegt). Der aufgeraute Bereich sollte deutlich größer sein als der Flicken, den man aufsetzen will. Die aufgeraute Stelle muss abschließend trocken, fettfrei und sauber sein.

Die Vulkanisierflüssigkeit auf die aufgeraute Stelle aufbringen (sehr dünn und möglichst gleichmäßig) und 5 Minuten warten (bei niedriger Temperatur besser 10 Minuten).

Loch reparieren[Bearbeiten]

Den (vorgefertigten) Flicken von seiner silbernen Schutz-Folie auf der Vulkanisier-Seite befreien (das durchsichtige Papier noch dran lassen) und möglichst genau mittig auf die vorbereitete Schadenstelle aufsetzen, von der Schadenstelle aus (den Schlauch z. B. um den Finger wickeln) und dann nach allen Seiten faltenlos an den Schlauch kleben/vulkanisieren. Den Flicken dann mit möglichst hohem Druck überall an den Schlauch pressen.

Mantel auch innen untersuchen[Bearbeiten]

Den bereits halb aus der Felge gelösten Mantel sorgfältig auch von der Innenseite kontrollieren: Es hat wenig Sinn, sich den Schlauch nach einer Reparatur gleich wieder neu verletzen zu lassen, weil noch spitze Gegenstände durch den Mantel gedrungen und nicht entfernt worden sind. Da Spitzen, die den Schlauch verletzt haben, Finger genauso leicht verletzen können, sollte man zunächst eine Sicht-Inspektion der zuvor (außen) markierten Stellen vornehmen, um z.B. Glassplitter zu entdecken. Danach sollte ein (vorsichtiges) Abtasten der kompletten Mantel-Innenseite alle weiteren Problemstellen aufdecken. Nach der vorsichtigen Abtastung der Innenseite ohne Erfolg, sollte der Mantel innen nochmals mit heftigem Druck abgetastet werden. Auch ein Aufbiegen des Mantels hilft manchmal, das Problem zu entdecken.

Talkum verwenden[Bearbeiten]

Sowohl Schlauch als auch Mantelinnenseite mit ein wenig Talkumpuder (Fachhandel) oder Babypuder (auf Talkumbasis) einreiben. Das vermindert die Reibung zwischen Schlauch und Mantel, ohne dem Gummi zu schaden.

Schlauch einbauen[Bearbeiten]

Dazu zuvor den Rand des Mantels mit einer Seite in die Felge legen. Dann den Schlauch mit dem Ventil zuerst wieder in das Ventil-Loch der Felge einsetzen, den Schlauch ganz leicht aufpumpen und ihn vom Ventil aus gleichmäßig links/rechts in den Mantel drücken. Das Ventil sollte die ganze Zeit 'gerade' sein. Danach die Luft wieder ablassen.

Mantel einbauen[Bearbeiten]

Beginnend mit der dem Ventil gegenüber liegenden Seite den Draht des Mantels in die Felge drücken. Dabei darauf achten, dass der Draht bis zur Mitte der Felge (dem Tiefbett) gedrückt wird. Wenn nur noch etwa 1/4 des Mantels außerhalb der Felge ist, den Schlauch erneut komplett entlüften ... dann sollte sich der Mantel komplett wieder von Hand in die Felge schieben lassen

Einbau prüfen[Bearbeiten]

(muss noch ergänzt/fortgesetzt und korrigiert werden)