Freikirchen/ Methodisten

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Methodistische und Wesleyanische Kirchen[Bearbeiten]

St. George's Church in Philadelphia, PA, USA: ältestes kontinuierlich benutztes Gebäude einer methodistischen Kirche

Methodistische und wesleyanische Kirchen sind christliche Kirchen, die in Theologie und Kirchenverfassung in der von w:John Wesley begründeten methodistischen Tradition stehen.

Die methodistischen und wesleyanischen Kirchen sind weltweit gesehen eine der größten evangelischen Denominationen. Im deutschen Sprachraum sind sie durch die w:Evangelisch-methodistische Kirche, die w:Kirche des Nazareners und die w:Heilsarmee vertreten. Die meisten methodistischen und wesleyanischen Kirchen gehören dem w:Weltrat methodistischer Kirchen an.

Besonderheiten der wesleyanischen Tradition[Bearbeiten]

Die Kirchen der wesleyanischen Tradition sind, im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen, nicht wegen einer Lehrdifferenz zu einer anderen Kirche entstanden: sowohl die Entstehung der ersten bischöflichen Methodistenkirche als auch später die Entstehung von unterschiedlichen methodistischen Kirchen war primär durch politische Verhältnisse, sprachliche oder w:kulturelle Unterschiede bedingt.

Von daher erklärt sich auch, dass die Kirchen der wesleyanischen Tradition sich nicht nur trennen, sondern oft auch wieder vereinigen und dass sie sehr offen sind für eine ökumenische Zusammenarbeit.

Theologie[Bearbeiten]

Datei:John Wesley2.jpg
John Wesley (1703–1791)

John Wesley hat keine w:distinktive Theologie entwickelt. Die methodistischen und wesleyanischen Kirchen gehen theologisch in den meisten Punkten mit dem konservativen evangelischen w:Mainstream zusammen, es gibt aber viele progressive Methodistinnen und Methodisten. Generell suchen Methodisten nicht, sich durch ihre Theologie von anderen Kirchen abzugrenzen.

Einige theologische Sichtweisen von Wesley werden auch heute von den meisten Methodisten geteilt:

  • die w:vorauseilende Gnade. Im Gegensatz zur calvinistischen Theologie der w:Erwählung gehen Methodisten davon aus, dass w:Gottes Gnade allen Menschen gilt. Gott bietet allen Menschen die w:Erlösung an - es hängt vom einzelnen Menschen ab, ob er dazu ja sagt oder nicht.
  • die wesleyanische Sicht der w:Heiligung, die weit über den Begriff der Erlösung hinausgeht und eine Erneuerung des ganzen Menschen nach dem Bild Gottes beinhaltet. Die vollständige Erlösung ist nach Wesley nicht nur das, was Gott durch Christus „für uns getan hat“ sondern auch das, was Gott durch Christus „in uns tut“. Biblisches Christentum findet nach Wesley seinen höchsten Ausdruck in der praktischen und ethischen Erfahrung des einzelnen Christen und der Kirche und erst in zweiter Linie in theologischer w:Doktrin.
  • die wesleyanische „Quadrilateral“ von vier Quellen für theologische Erkenntnis: Bibel, w:Tradition, w:Erfahrung und w:Vernunft. Dabei ist die Bibel die herausragende Grundlage der christlichen Lehre, Tradition die Erfahrung und das Zeugnis des Glaubens in vergangenen Zeiten und vielen Ländern und Kulturen, Erfahrung das Verstehen und die Annahme des Glaubens durch den Einzelnen im Licht seines eigenen Lebens, und die Vernunft beurteilt die Übereinstimmung sowohl von der Tradition als auch vom Verständnis des Einzelnen mit der Bibel.

Kirchenstruktur[Bearbeiten]

Die Kirchen der wesleyanischen Tradition haben eine distinktive Kirchenstruktur, die sowohl Elemente des w:Kongregationalismus, des w:Presbyterianismus als auch des w:Episkopalismus enthält. Ein besonderes Kennzeichen ist ihr Verbundsystem, in dem sich alle Einheiten w:regional und w:international gegenseitig sowohl finanziell als auch w:geistlich unterstützen.

Die oberste Entscheidungsgewalt über Bekenntnis und Kirchenordnung steht gewöhnlich bei einer w:Generalkonferenz, die sich paritätisch aus Geistlichen und gewählten Laien zusammensetzt. Die Beschlüsse der Generalkonferenz sind für alle Bischöfe, w:Pfarrer (in D: w:Pastoren) und Gemeinden verbindlich. Unter der Generalkonferenz gibt es ebenfalls paritätisch zusammengesetzte regionale und lokale Konferenzen.

Es gibt eine geistliche w:Hierarchie von Bischöfen, ordinierten Ältesten, auch als Pfarrer, Pastoren, Prediger bezeichnet, mit theologischem Studium und Laien ohne theologisches Studium mit w:Predigt- und/oder Führungsaufgaben.

In den meisten wesleyanischen Kirchen können Frauen jedes Amt übernehmen. Die Laienmitarbeiter können einen sehr großen Stellenwert haben.

Mitglied einer methodistischen Kirche ist nur, wer sich als Erwachsener bewusst dafür entscheidet, dieser methodistischen Kirche beizutreten und aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen. Bei der Mitgliederaufnahme, die gewöhnlich im Rahmen eines Gottesdienstes stattfindet, wird ein persönliches Bekenntnis zum auf der Bibel basierenden christlichen Glauben erwartet. Die Mitgliedschaft in einer methodistischen Kirche wird nicht als heilsnotwendig angesehen und von daher kein Druck ausgeübt, Mitglied zu werden.

Die Gemeinschaft in der lokalen Gemeinde hat bei den Methodisten einen großen Stellenwert. Methodistische Kirchen schließen sich dabei nicht gegen außen ab, sowohl in den Gottesdiensten als auch im Gemeindeleben ist jeder willkommen. Es gibt in jeder methodistischen Kirche auch mehr oder weniger zahlreiche Freunde, die keine offiziellen Mitglieder sind, aber ebenfalls am Gemeindeleben teilnehmen.

Sakramente[Bearbeiten]

Wesleyanische Kirchen kennen als w:Sakramente die w:Taufe und das w:Abendmahl.

Kindertaufe ist in vielen Kirchen die Regel, führt aber nicht zur automatischen Mitgliedschaft. Wer nicht getauft ist, wird anlässlich seiner Aufnahme in die Kirche getauft. Die Kirchen der wesleyanischen Tradition erkennen alle trinitarischen Taufen anderer Kirchen an.

Das Abendmahl ist in den methodistischen und wesleyanischen Kirchen eine liturgische Feier, bei der ein ordinierter Geistlicher präsidiert. Die Liturgie hat ihre Wurzeln in der anglikanischen Tradition.

Beim Abendmahl gehen die methodistischen Kirchen von der wirklichen, persönlichen, und lebendigen Gegenwart von w:Jesus Christus im Abendmahl aus, ohne diese vollständig erklären zu wollen. Sowohl die reine Erinnerungsfeier als auch die Lehre von der w:Transsubstantiation wird abgelehnt. Das Abendmahl ist Sakrament, Eucharistie (Dank), Gemeinschaft der (umfassenden) Kirche, Erinnerung und w:Gnadenmittel. Es ist auch ein w:Opfer, allerdings nicht als Wiederholung des Opfers Christi sondern als Wieder-Darstellung, wobei sich die Kirche in Einheit mit Christus als Opfer gibt (Römer 12,1).

Das Abendmahl ist für die Methodisten eine Feier der ganzen Kirche - alle Christen sind willkommen, auch nicht getaufte, die im Glauben daran teilnehmen wollen. Niemand darf wegen Alters oder mangelnden Verständnisses abgelehnt werden.

Die methodistischen Kirchen in den w:USA waren im 19. Jahrhundert aktiver Teil der w:Abstinenzbewegung und viele von ihnen verwenden bis heute aus dieser Tradition heraus Traubensaft und keinen Wein. In einem Teil deutscher Gemeinden, die in früheren Jahren Abendmahlswein verwendet haben, ist man inzwischen davon abgegangen. Der Grund liegt darin, dass Abendmahl auch mit Kindern gefeiert wird und "trockenen" Alkoholkranken der Zugang zum Abendmahl nicht verwehrt werden soll.

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Seit John Wesley gehört w:soziales Engagement für Methodisten und methodistische Kirchen unverzichtbar zum Christsein und zur Kirche. Methodistische Kirchen haben oft lokale Sozialwerke für die sie personell und finanziell Verantwortung übernehmen und im methodistischen Verbundsystem werden Sozialwerke oder soziale Projekte lokaler Kirchen wo nötig international unterstützt.

Methodisten waren und sind auch oft in w:konfessionsübergreifenden sozialen Projekten tätig, wie w:Abolitionismus, Abstinenzbewegung, w:Umweltschutz oder w:Friedensbewegung.

Geschichte[Bearbeiten]

w:John Wesley (1703-1791)

Die Wurzeln des Methodismus liegen im w:England des w:18. Jahrhunderts. Eine religiöse Studentengruppe fiel in w:Oxford durch systematische Zeiteinteilung und Lebenseinstellung auf. Die Studenten dieses "Heiligen Clubs" wurden deshalb spöttisch als "Methodisten" bezeichnet.

Die Brüder John und w:Charles Wesley und w:George Whitefield begründeten zwischen w:1729 und w:1735 nach einer persönlichen Bekehrung eine enthusiastische w:Erweckungsbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche, die Einflüsse des w:Puritanismus, w:Pietismus und der w:Herrnhuter Brüdergemeine aufnahm.

Nicht das kirchliche w:Ritual der anglikanischen Kirche machten nach Ansicht der Methodisten den wahren christlichen Glauben aus, sondern bewusste innere Umkehr (Buße) und Wiedergeburt aufgrund der Rechtfertigung durch w:Jesus Christus, durch die eine persönliche w:Heilsgewissheit entsteht. Durch die Beziehung zu Jesus Christus muss der Mensch nicht ein der w:Sünde verhaftetes Wesen bleiben. w:Heiligung ist für die Methodisten kein erreichter Zustand sondern ein Ziel, verstanden als ein fortgesetztes Wachstum in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen (für die Methodisten gibt es das eine nicht ohne das andere). w:Evangelisation ist ebenso wie w:Diakonie eine natürliche Folge dieser wachsenden Liebe, und beides gehörte und gehört für die Methodisten untrennbar zusammen.

Die frühen Methodisten zogen als w:Wanderprediger durch ganz Großbritannien und später auch durch die amerikanischen Kolonien mit dem Ziel, durch Erweckungspredigten die Menschen, vor allem Bevölkerungsschichten minderen Bildungsstandes, die von der anglikanischen Kirche vernachlässigt wurden, zum Glauben zu bekehren und zu einem geheiligten christlichen Leben zu führen. Wegen ihres ungewöhnlichen, unw:konventionellen Auftretens und ihres missionarischen Eifers wurden sie vielfach zur Zielscheibe des Spotts und mussten sich harscher Kritik der offiziellen Kirche stellen. 1788 gab es in England ca. 75.000 Methodisten.

Wesentliche Merkmale der frühen Methodisten waren ein persönlicher, engagierter Glaube, das w:Laienpredigertum, die Organisation in kleinen lokalen Gruppen (Klassen) mit w:Bibelstudium und gegenseitiger w:Rechenschaftspflicht, das Ideal eines heiligen christlichen Lebens und die w:Sozialarbeit. John Wesley z. B. war Prediger, der Armenw:apotheken und w:Darlehenskassen gründete, Bücher über w:Volksmedizin schrieb und sich für w:Gefängnisreformen und gegen die w:Sklaverei engagierte.

Im w:19. Jahrhundert waren die Methodisten zur größten Religionsgemeinschaft in den USA geworden. In dieser Zeit entwickelten sich in den USA auch zwei deutschsprachige Zweige der Methodisten, die w:Kirche der Vereinigten Brüder in Christo (United Brethren in Christ), die als erste in den Vereinigten Staaten entstandene Konfession gilt, und die Evangelische Gemeinschaft (Evangelical Association) sowie verschiedene von Afroamerikanern getragene Kirchen wie die w:African Methodist Episcopal Church und die w:African Methodist Episcopal Zion Church.

In Großbritannien hatten die Methodisten nach John Wesleys Tod ein starkes Wachstum zu verzeichnen, so gehörten den in einer Reihe von Spaltungen entstandenen verschiedenen methodistischen Kirchen 1821 rund 215.000 Mitglieder, 1861 ca. 513.000 Mitglieder und 1906 etwa 800.000 Mitglieder an. Auf Grund von organisatorischen und politischen Konflikten kam es ab 1797 zu einer Vielzahl von Abspaltungen von der Original Connexion, aus welchen beispielsweise die w:New Connexion und die w:Primitive Methodists entstanden. 1932 schloss sich das Gros der britischen Methodisten zur w:Methodist Church of Great Britain zusammen.

Bekannte Methodisten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]


Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Steckel: Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche, 2007, Göttingen
  • w:Patrick Streiff: Der Methodismus in Europa im 19. und 20. Jahrhundert, 2004, ISBN 3897250292
  • Ted A. Campbell: Methodist Doctrine: The Essentials, 1999, ISBN 0687034752
  • Kenneth Cracknell, Susan J. White: An Introduction to World Methodism, 2005, Cambridge University Press, ISBN 052152170X
  • Nolan B. Harmon: The Encyclopedia of World Methodism. Abingdon Press, 1974. ISBN 0-687-11784-4.
  • Richard P. Heitzenrater: Wesley and the People Called Methodists 1994 (Deutsch 2006)
  • David Hempton: Methodism: Empire of the Spirit 2005
  • David Hempton: Methodism and Politics in British Society, 1750-1850 1984
  • John Kent: Wesley and the Wesleyans Cambridge University Press, 2002
  • James E. Kirby, Russell E. Richey, Kenneth E. Rowe: The Methodists, 1998, ISBN 0275964396
  • J. Warner Wellman: The Wesleyan Movement in the Industrial Revolution 1930

Evangelisch-methodistische Kirche[Bearbeiten]

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist die deutsche Bezeichnung für die internationale United Methodist Church (UMC), eine christliche w:Freikirche in der wesleyanischen Tradition auf dem Boden der w:Reformation.

Allgemeiner Überblick[Bearbeiten]

Die Evangelisch-methodistische Kirche (The United Methodist Church) ist eines von 74 Mitgliedern im w:Weltrat methodistischer Kirchen (World Methodist Council). Dieser Weltrat umfasst verschiedene und jeweils eigenständige methodistische Kirchen weltweit, welche in der Tradition der Reformation im 18. Jahrhundert aus der Anglikanischen Kirche hervorgegangen sind. Angehörige der Evangelisch-methodistischen Kirche – und der methodistischen Bewegung (Methodismus) insgesamt – werden als Methodisten bezeichnet. Abgrenzung gegenüber anderen Christen ist für Methodisten kein Wesenszug ihres Glaubens und ihrer Lehre.

Verbreitung[Bearbeiten]

Region Evangelisch-methodistische Kirche

(United Methodist Church)

Methodistische Kirchen

(Mitglieder im Weltrat Methodistischer Kirchen)

Afrika 1.700.000 14.600.000
Asien 78.000 18.200.000
Europa 116.000 1.600.000
Mittlerer Osten - 32.000
Nordamerika 8.300.000 29.100.000
Mittelamerika - 1.100.000
Südamerika - 2.700.000
Pazifik - 2.900.000
Total 10.200.000 70.200.000

Quelle der Statistik: Offizielle Statistik der EmK Deutschland

Die United Methodist Church ist die mitgliederstärkste der methodistisch geprägten Kirchen. Am stärksten vertreten ist sie in den USA, wo sie nach der w:Southern Baptist Convention die zweitgrößte protestantische Kirche bildet.

In w:Deutschland gibt es etwa 62.000 Methodisten, in der w:Schweiz etwa 13.000 und in w:Österreich knapp 1.300. Stark vertreten ist die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland vor allem im Raum w:Stuttgart sowie im w:Erzgebirge und Sächsischen Vogtland. In der Schweiz ist die EmK mehrheitlich in den Kantonen mit reformierter Tradition vertreten, mit Schwerpunkten im Raum w:Basel, w:Aargau, w:Zürich, w:Bern, w:Berner Oberland, w:Biel und w:Lausanne.

Die deutsche Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistische Kirche wird von Bischöfin w:Rosemarie Wenner geleitet, die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa mit der Schweiz und Österreich von Bischof w:Patrick Streiff.

Organisation[Bearbeiten]

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist lokal und weltweit stark in einem Verbundsystem vernetzt (Konnexionalismus, engl. Connection), im Gegensatz zu anderen w:Freikirchen, die die Leitung durch Älteste (w:Presbyterianismus) oder die Selbständigkeit der Gemeinden (w:Kongregationalismus) betonen.

Die Pastorinnen/w:Pastoren (in der Schweiz Pfarrerinnen/w:Pfarrer) sind nicht von der Gemeinde sondern von der übergeordneten Konferenz angestellt und wechseln in unregelmäßigen Abständen zu einer anderen Gemeinde. Im deutschsprachigen Raum erfolgt ihre Ausbildung in der Regel im Theologischen Seminar Reutlingen.

Als Freikirche verzichtet die Evangelisch-methodistische Kirche auf den Einzug von w:Kirchensteuern; sie finanziert sich allein durch freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder.

Die Konferenzen[Bearbeiten]

Die w:Legislative der internationalen Kirche üben die so genannten Konferenzen aus, die über Glaubens- und Verwaltungsfragen bis hin zur w:Kirchenverfassung und w:Kirchenordnung der Gesamtkirche entscheiden. Das Wort "Konferenz" wird sowohl in seinem engeren Sinn (Zusammenkunft zum Besprechen von Angelegenheiten) als auch in der Bedeutung als ständige Einrichtung und in einer räumlichen Bedeutung verwendet.

  • Die unterste Ebene besteht aus den Bezirkskonferenzen (BK), die je nach Gemeindegröße eine oder mehrere Gemeinden umfassen. Sie sind für die gesamte kirchliche Arbeit und alle kirchlichen Einrichtungen ihres Bezirks verantwortlich. Die Zusammensetzung der Bezirkskonferenzen ist in den Zentralkonferenzen von Deutschland und von Mittel- und Südeuropa unterschiedlich geregelt.
  • Die Jährlichen Konferenzen (JK) umfassen territorial zusammengehörige Distrikte mit jeweils einer größeren Anzahl von Bezirken. Die JK sind die grundlegenden Körperschaften in der Kirche. Den Distrikten stehen w:Superintendenten vor. [1]
  • Die Zentralkonferenzen (ZK), die meist das Gebiet mehrerer Jährlicher Konferenzen umfassen, wurden im 20. Jahrhundert außerhalb der Vereinigten Staaten eingeführt. Zentralkonferenzen haben das Recht, die Kirchenordnung in einem gewissen Rahmen lokalen Gegebenheiten anzupassen. (Die Kirchenverfassung gilt überall in gleicher Weise.) In Europa gibt es drei Zentralkonferenzen, die jeweils unter der Leitung eines w:Bischofs stehen, dem ein w:Kirchenvorstand (auch "Exekutivkomitee") zur Seite steht.
  • Das oberste Gremium bildet die Generalkonferenz (GK), die alle vier Jahre tagt. Sie ist für alle ausgesprochen gesamtkirchlichen Angelegenheiten zuständig.

Die Jährlichen Konferenzen, die Zentralkonferenzen sowie die Generalkonferenz sind paritätisch, das heißt zu gleichen Teilen aus Laiendelegierten und hauptamtlichen Geistlichen, zusammengesetzt, wobei die Laiendelegierten jeweils von der nächst unteren Ebene gewählt werden. Die Bischöfe haben in den jeweiligen Konferenzen immer nur ein einfaches Stimmrecht, leiten diese eher moderierend und können auch offiziell in ihrer Funktion als Repräsentanten der Kirche nur die von den Konferenzen demokratisch erarbeiteten Standpunkte vertreten.

Die europäischen Zentralkonferenzen[Bearbeiten]

  • Zentralkonferenz w:Deutschland[2], amtierende Bischöfin ist w:Rosemarie Wenner
    • Norddeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Berlin, Essen und Hamburg in den Bundesländern Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie teilweise Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (107 Gemeinden)
    • Ostdeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Dresden und Zwickau in den Bundesländern Sachsen sowie teilweise Sachsen-Anhalt und Thüringen (138 Gemeinden)
    • Süddeutsche Jährliche Konferenz mit den Distrikten Nürnberg, Reutlingen, Stuttgart, Frankfurt/Main und Karlsruhe in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie teilweise Hessen und Nordrhein-Westfalen (297 Gemeinden)
Strukturell direkt dem Bischof unterstellt sind:

Geschichte[Bearbeiten]

Die Evangelisch-methodistische Kirche (englisch United Methodist Church) teilt ihre Ursprungsgeschichte mit den übrigen Methodistischen und Wesleyanischen Kirchen.

Die heutige Kirche entstand 1968 aus der Vereinigung der w:Methodist Church (1939 entstanden aus der Vereinigung der Bischöflichen Methodistenkirche mit der w:Protestant Methodist Church und der w:Episcopal Methodist Church, South) mit der Evangelischen Vereinigten Brüderkirche (1945 entstanden aus der Evangelischen Gemeinschaft und den Vereinigten Brüder in Christo). [6]


Methodismus in Mitteleuropa[Bearbeiten]

Auf dem europäischen Kontinent fasste der Methodismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Fuß. Zum einen geschah dies durch zurückkehrende Auswanderer, die in Amerika zum Methodismus fanden, insbesondere von den Vereinigten Brüdern in Christo und der Evangelischen Gemeinschaft, zum anderen parallel dazu durch die Arbeit englischsprachiger methodistischer Missionare der britischen Methodistenkirche und verschiedener amerikanischer Methodistenkirchen. So entwickelte sich der kontinentale Methodismus aus vier methodistischen Zweigen, welche sich schrittweise vereinigten. Die letzte dieser Vereinigungen methodistisch geprägter Kirchen fand 1968 zwischen der Bischöflichen Methodistenkirche und der Evangelischen Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche statt.

Die deutschen Anfänge des Methodismus lagen in Württemberg und entstanden durch Kontakte mit der englischen Methodistenkirche ab etwa 1830. Im Jahr 1859 sandten zudem die britischen Methodisten den ersten ordinierten Pastor nach Württemberg. Parallel dazu entstand ab 1849 in Bremen eine missionarische Arbeit der Bischöflichen Methodistenkirche, die sich nach Sachsen ausdehnte. Ebenfalls in Württemberg begann ab 1850 die Arbeit der Evangelischen Gemeinschaft. Widerstände gegen den Methodismus bildeten sich kaum aus Gründen der Lehre, jedoch war diese demokratische Kirchengemeinschaft mit Wurzeln im Ausland den national und hierarchisch organisierten Kirchen in Deutschland damals ein Dorn im Auge. Ab 1919 konnten die Methodisten von der in der w:Weimarer Verfassung erstmals in Deutschland garantierten Religionsfreiheit profitieren.

Die erste methodistische Gemeinde der Schweiz wurde 1840 in Lausanne in Folge der Missionierung durch die englische Wesleyan Church gegründet. 1956 begann die Methodist Episcopal Church aus den Vereinigten Staaten ihre Arbeit in Zürich und 1866 gründeten die Evangelischen Brüder ihre erste Gemeinde in Bern. So hat auch die heutige Evangelisch-methodistische Kirche in der Schweiz analog zur gesamten United Methodist Church ihre Wurzeln in drei methodistischen Bewegungen.

In Österreich entstand der Methodismus ab 1870 hauptsächlich durch Missionare aus Süddeutschland. Während der ersten 50 Jahre hatten die österreichischen Methodisten nur Prediger aus dem Ausland. Die gesetzliche Anerkennung der Methodistenkirche erfolgte in Österreich erst 1951 durch Unterstützung der Alliierten. Zuvor wurde 1892 und 1920 das Gesuch um gesetzliche Anerkennung abgelehnt.

Ab 1912 gab es einen europäischen Sprengel der Methodistenkirche, dem als Bischof der Deutschamerikaner w:John E. Nuelsen vorstand. 1925 wurden die drei Zentralkonferenzen Nordeuropa, Mitteleuropa und Südeuropa gegründet. Bischof Nuelsen leitete Mitteleuropa, zu dem Deutschland, die Schweiz und Österreich gehörten.

1936 entstand in Deutschland aus politischen Gründen die Zentralkonferenz der Bischöflichen Methodistenkirche in Deutschland unter Bischof w:F.H. Otto Melle, während der nun sogenannte Genfer Sprengel, zu dem neben der Schweiz und Österreich auch Bulgarien, Ungarn, Jugoslawien, Belgien, Polen und die Tschechoslowakei gehörten, weiterhin unter der Leitung von Bischof Nuelsen stand. Dieser Sprengel bekam 1940 den Status einer Zentralkonferenz, deren Gemeinden jedoch auf Grund des Zweiten Weltkrieges zwischen den einzelnen Ländern keine Verbindung hatten. Nach dem zweiten Weltkrieg waren Kontakte mit Belgien und dem neu zum Genfer Sprengel gestoßenen französischen Methodisten möglich. Nur die Verbindungen mit den Methodisten in den Ländern des Ostblocks blieben noch immer sehr erschwert. 1954 wurde der Schweizer w:Ferdinand Sigg zum Bischof des Genfer Sprengels gewählt, der erste Bischof, den diese Zentralkonferenz selbst wählte.

Besonders stark war die Trennung zwischen Ost und West in Deutschland zu spüren. Trotz Erfolge, die Kontakte auf offizieller und auf Gemeindeebene zu erhalten, konnte in Deutschland erst 1992 wieder eine gemeinsame Zentralkonferenz stattfinden. Die w:deutsche Teilung brachte es zuvor mit sich, dass es zwei Zentralkonferenzen mit je einem eigenen Bischof für die beiden deutschen Staaten gab.

Besonderheiten der Evangelisch-methodistischen Kirche[Bearbeiten]

Siehe: Besonderheiten der Wesleyanischen Tradition

Diakonie und Soziales[Bearbeiten]

Die w:Diakonie gehört zur Wesens- und Lebensäußerung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sie engagiert sich traditionell in verschiedenen Diakoniewerken. Zudem hat die Kirche ein soziales Bekenntnis verabschiedet, in dem sie sich auf soziales Engagement verpflichtet und welches heute Bestandteil ihrer Lehrgrundlagen ist.

Soziales Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche[Bearbeiten]

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt, und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen, und an den Heiligen Geist, durch den wir Gottes Gaben erkennen.
Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben und bereuen unsere Schuld.
Wir bezeugen, dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist. Wir wollen sie schützen, und verantwortungsvoll nutzen.
Wir nehmen dankbar die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an. Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.
Wir stehen ein für das Recht und die Pflicht aller Menschen, zum Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft beizutragen.
Wir stehen ein für die Überwindung von Ungerechtigkeit und Not.
Wir verpflichten uns zur Mitarbeit am weltweiten Frieden und treten ein für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen.
Wir sind bereit, mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen. Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.
Wir anerkennen Gottes Wort als Maßstab in allen menschlichen Belangen jetzt und in der Zukunft.
Wir glauben an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes. Wir nehmen seinen Auftrag an, das Evangelium in unserer Welt zu leben.

Diakonische Werke in Deutschland[Bearbeiten]

Unter dem Dach der Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es in Deutschland eine Reihe von diakonischen Einrichtungen, welche im Verband der Evangelisch-methodistischen Diakoniewerke (EmD) organisiert sind.

Zu diesen Diakoniewerken gehören:

  • 13 Krankenhäuser
  • Altenwohnungen
  • 11 Seniorenzentren mit Pflegeheimen
  • 3 Krankenpflegeschulen
  • 2 Kindertagesstätten
  • 2 Ferienheime
  • 3 Diakonie-Sozialstationen

Zudem gibt es weitere Schwerpunkte, wie die Suchtkrankenhilfe und die Arbeit mehrerer Sozialwerke. Unterschiedlichste Einrichtungen sind so auch auf diese Weise in der Evangelisch-methodistischen Kirche Deutschlands beheimatet: Altenheime und Seniorenzentren, Einrichtungen für die Rehabilitation und Suchtkrankenhilfe, Kurbetriebe sowie Erholungs- und Freizeitstätten.

Diakonische Werke in der Schweiz[Bearbeiten]

Die in der Schweiz aus der Arbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche entstandenen Diakoniewerke sind heute für gewöhnlich juristisch selbständig, werden aber von den Gemeinden finanziell und personell stark unterstützt. Darunter befinden sich zwei Spitäler, acht Alters- und Pflegeheime, zwei Wohngemeinschaften, ein Kindertagesheim, drei Hotels und ein Backpacker-Hotel.

Ökumene[Bearbeiten]

Die Evangelisch-methodistische Kirche gehört dem w:Weltrat methodistischer Kirchen an und nimmt an allen seinen ökumenischen Dialogen teil. Ebenso ist sie Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Daneben ist die Evangelisch-methodistische Kirche auch selbst sowohl weltweit als auch lokal stark in der w:Ökumene engagiert. Im Gegensatz zu fast allen andern Kirchen gilt dieses Engagement sowohl der Ökumene aller Kirchen wie auch der Ökumene unter den evangelischen Freikirchen. Die EmK ist Mitglied bei der w:Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, hat die europäische Charta Oecumenica mitunterzeichnet, ist als evangelische Kirche Mitglied der w:Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (früher "Leuenberger Konkordie") und in der Schweiz im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, aber sie ist ebenso in der w:Vereinigung Evangelischer Freikirchen resp. im Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz. Des Weiteren unterzeichnete der Methodistische Weltrat 2006 die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre der Römisch-Katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes. Manche Geistliche und Laien der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland arbeiten mit der Evangelischen Allianz zusammen, in der Schweiz sind die Gemeinden in der Regel Mitglied der lokalen Evangelischen Allianz. Das macht die große theologische Bandbreite deutlich, die die Evangelisch-methodistische Kirche hat.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Steckel, Ernst Sommer: Geschichte der Evangelisch-methodistischen Kirche. Edition Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 3-7675-7496-9
  • Walter Klaiber, Manfred Marquardt: Gelebte Gnade. Grundriss einer Theologie der Evangelisch-methodistischen Kirche. 'Edition Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-7675-9497-8
  • Rupert E. Davies: Methodism. 4. Auflage, Epworth, London 1999, ISBN 0-7162-0280-8 (englisch)
  • Martin Schmidt: John Wesley. 2 Bände, Zürich und Frankfurt/M. 1953-1966, w:ASIN: B0000BUJE4 / ASIN: B0000BUJE5

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Steckel/Sommer 1982, S. 280+285
  2. Konferenzen
  3. The United Methodist Church in Northern Europe (englisch)
  4. Evangelisch-methodistische Kirche in Zentral- und Südeuropa
  5. The United Methodist Church in Northern Europe (englisch)
  6. Movement towards Union

Kirche des Nazareners[Bearbeiten]

Die Kirche des Nazareners ist eine w:Freikirche in methodistischer Tradition.

Synonyme und andere Sprachen[Bearbeiten]

Englisch Church of the Nazarene.

Die Nazarene World Mission Society ist weltweit in der Mission aktiv, die Nazarene Compassionate Ministries sind der soziale Bereich, der sowohl in der Katastrophenhilfe als auch im langfristigen Aufbau tätig ist.

Das weltweite Magazin der Kirche heißt Holiness Today.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Kirche hat weltweit etwa 1,3 Millionen Mitglieder, mit einem Schwerpunkt in den Vereinigten Staaten.

In Deutschland gibt es 20 Gemeinden mit 1300 Mitgliedern, in der Schweiz zwei Gemeinden mit fünfzig Mitgliedern.

In der deutschen Enklave Büsingen befindet sich das European Nazarene College.

Lehre[Bearbeiten]

Die w:Theologie der Kirche des Nazareners entspricht in etwa der konservativen methodistischen Theologie.

Stärker betont wird dabei die persönliche w:Heiligung, w:Diakonie und w:Mission.

Organisation[Bearbeiten]

Die Leitung der Gesamtkirche liegt bei sechs General-Superintendenten, die im Vierjahresrhythmus vom Weltkirchenrat gewählt oder bestätigt werden.

Der Weltkirchenrat besteht aus Delegierten der Bezirkskirchentage.

Die Pfarrer und Prediger in den Gemeinden werden vom Bezirkskirchentag eingesetzt. Die w:Frauenordination ist erlaubt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Kirche des Nazareners trennte sich w:1895 von der Bischöflichen Methodistenkirche in Los Angeles aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach vernachlässigte Heiligungslehre.

Die erste Gemeinde in Deutschland wurde 1958 in w:Frankfurt am Main gegründet, 1962 wurde dort auch das erste Gemeindezentrum eingeweiht. In der Schweiz begann die Arbeit in den Siebzigerjahren, und 1987 wurde die Schweiz ein eigener Bezirk.

Ökumene[Bearbeiten]

Die Kirche des Nazareners ist Mitglied der w:Vereinigung Evangelischer Freikirchen in Deutschland. Mitglieder der Kirche wirken in der Evangelischen Allianz mit.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

w:Larry Wall, US-amerikanischer Linguist und Erfinder der Programmiersprache Perl

w:Heinz Weber, deutscher Mechanikermeister und Gründer von Hw-Coating

Weblinks[Bearbeiten]

Heilsarmee[Bearbeiten]

Straßeneinsatz

Die Heilsarmee ist eine christliche Freikirche mit ausgeprägter sozialer Tätigkeit.

Auftrag und Tätigkeit[Bearbeiten]

Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung mit den Arbeitsbereichen Sozialarbeit und christliche Verkündigung (Evangelisation), die eng miteinander verbunden sind. Sie ist eine christliche Kirche mit protestantisch-freikirchlicher Prägung und Theologie. Ihre Wurzeln liegen im Methodismus.

Die praktische soziale Tätigkeit umfasst unter anderem Obdachlosenfürsorge, Heime für Kinder, Alte und Behinderte, Prävention von Aids-, Schulen, Krankenhäuser, Katastrophenhilfe und den Internationalen Suchdienst der Heilsarmee für vermisste Familienangehörige.

Glauben[Bearbeiten]

Die Heilsarmee versteht ihre Aufgabe in der Verbreitung des Evangeliums unter allen Menschen. Ihr Ziel ist die ganze Welt unter die Herrschaft Jesu zu stellen. Es ist die Folge ihres Verständnisses des Alten und Neuen Testaments. Der Gründer William Booth glaubte, dass viele Christen ihr Heil suchten in Ritualen und nicht in einer Beziehung zu Gott. Deshalb entschloss er sich die Sakramente (besonders die Taufe und das Abendmahl) wegzulassen.

Kirchliches Leben[Bearbeiten]

Neben der bekannteren sozialen und evangelistischen Tätigkeit gibt es in der Heilsarmee auch ein kirchliches Leben mit Sonntagsgottesdienst, Seelsorgedienst, kirchlichen Handlungen, kirchlichem Unterricht (etwa vergleichbar dem Konfirmandenunterricht), Bibelstudium und Gebetszusammenkünften. Die Heilsarmee bietet eine vielseitige Palette an Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an.

Die Heilsarmee hat ein Glaubensbekenntnis auf evangelikaler Grundlage. Ihre uniformierten Mitglieder, die Heilssoldaten und Offiziere, verpflichten sich unter anderem dazu, nach christlichen Maßstäben zu leben, auf Alkohol, Tabak, Drogen und Pornographie zu verzichten und sich aktiv in der sozialen und evangelistischen Tätigkeit zu engagieren.

Die Heilsarmee tauft nicht und feiert auch kein Abendmahl. Säuglinge werden – auf Wunsch der Erziehungsberechtigten – „geweiht“ (wobei die Erziehungsberechtigten öffentlich versprechen, das Kind nach christlichen Werten zu erziehen), Jugendliche werden – auf eigenen Wunsch – eingesegnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Der methodistische Pfarrer William Booth lebte im Londoner Eastend und war erschüttert über das Elend in den dortigen Slums der Frühindustrialisierung. Am 5. Juli 1865 gründete er mit Freiwilligen aus verschiedenen Kirchen die Christliche Erweckungsgesellschaft (engl. Christian Revival Association), welche in den darauffolgenden Jahren den Namen mehrmals wechselte. So wurde dann die Ostlondoner Christliche Mission (engl. Eastlondon Christian Mission) daraus und ab 1870 die Christliche Mission, die sich mit dem bis heute gültigen Motto „Suppe, Seife, Seelenheil“ daran machte, zu helfen. Im Jahr 1878 wurde der bisherige Name fallen gelassen, und die Bewegung nannte sich offiziell Die Heilsarmee (engl. The Salvation Army). William Booth wurde ihr erster General. Der Kampf der Heilsarmee gegen das Elend und ihre Organisationsform wurden straff militärisch strukturiert - dazu gehörte die Einführung von Rängen, Uniformen und Symbolen.

Die Entwicklung der Bewegung wurde wesentlich von Booth' Ehefrau Catherine Booth unterstützt. Sie war die intellektuelle Führung der Bewegung. Sie vertrat ihren erkrankten Mann monatelang in der Leitung, organisierte Armenspeisungen, war als ausgezeichnete Predigerin bekannt und setzte sich für verbesserte Arbeitsbedingungen, besonders der Frauen, ein. Aufgrund ihrer Tätigkeit bestand die Heilsarmee schon im 19. Jahrhundert darauf, dass Frauen in allen intellektuellen und gesellschaftlichen Beziehungen Männern gleichgestellt sein sollten. Bis heute haben Frauen in der Heilsarmee den gleichen Status wie Männer.

Binnen zweier Jahren nach ihrer Umbenennung breitete sich die Heilsarmee auch im Ausland aus. Seit 1882 ist sie in der Schweiz, seit 1886 in Deutschland tätig.

Organisation[Bearbeiten]

Die uniformierten Mitglieder (Salutisten) sind entweder ehrenamtliche „Heilssoldaten“ oder in der Heilsarmee berufstätige „Offiziere“.

Außerdem gibt es eine wachsende Zahl von hauptberuflichen Angestellten der Heilsarmee, die aber nicht zu ihren Mitgliedern zählen.

Die oberste Leitung hat ein General, dem ein Beirat zur Seite steht. Das Internationale Hauptquartier (IHQ) befindet sich in London. Die internationale Heilsarmee-Arbeit ist in Territorien aufgeteilt, die jeweils ein nationales Hauptquartier haben. Das Hauptquartier für Deutschland und Litauen befindet sich in Köln, das für die Schweiz, Österreich und Ungarn in Bern.

Ausbreitung der Heilsarmee in der Welt

Heute arbeitet die Heilsarmee in 111 Ländern. Weltweit hat sie etwa zwei Millionen Mitglieder (2004) in über 15.000 Gemeinden. Sie betreibt weltweit etwa 1.900 Schulen, 3.600 Sozialinstitutionen und rund 460 Krankenhäuser.

In Deutschland ist die kirchliche Verkündigungsarbeit der Heilsarmee in vier Divisionen aufgeteilt (Nord, Süd, West und Ost), die jeweils von einem „Divisions-Offizier“ (mit eigenem „Divisions-Hauptquartier“) geleitet werden. Jeder Divisions-Offizier betreut die Leiter der Ortsgemeinden innerhalb seiner Division. Die Ortsgemeinden der Heilsarmee werden als „Korps“ bezeichnet, deren Leiter als „Korps-Offiziere“. Die Sozial-Arbeit der Heilsarmee in Deutschland (das sogenannte „Sozialwerk“) wird zentral von der „Sozialabteilung“ in Köln geleitet.

Die offizielle Zeitung der Heilsarmee in Deutschland heisst "Der Kriegsruf".

Seit 1985 wurden Heilsarmee-Offiziere aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Ungarn und der Schweiz in Basel in einem gemeinsamen Ausbildungszentrum ausgebildet. Seit Sommer 2005 steht die Schule neu unter der Leitung des Schweizer Territoriums. Sie strebt eine Validierung nach ECTS-Normen an. Der Ausbildungsgang ist weiterhin für ausländische Studenten offen.

Generäle der Heilsarmee[Bearbeiten]

Hier eine Auflistung aller Generäle der Heilsarmee, in Klammern hinter dem Namen jeweils die entsprechende Amtszeit.

Ökumene[Bearbeiten]

Die Heilsarmee ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Sie beteiligt sich auch an den Aktionen und Zusammenkünften der Evangelischen Allianz. Sie war Mitglied des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK); die Mitgliedschaft ruht aber seit 1978, da die Heilsarmee die Unterstützung der militanten Befreiungsbewegungen in Südafrika ablehnte. In vielen Gremien und Projekten des ÖRK arbeitet die Heilsarmee aber mit.

Ähnliche Bewegungen[Bearbeiten]

Der Erfolg der Heilsarmee führte zur Gründung ähnlicher Bewegungen innerhalb anderer Konfessionen, die sich in der Regel durch die militärische Terminologie und Organisation, sowie durch „Graswurzel“-Sozialarbeit auszeichnen:

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Collier: Der General Gottes William Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. 4. Auflage. Johannis, Lahr 1997, ISBN 3-501-00110-X (Originaltitel "The General next to God")
  • Uwe Heimowski: Die Heilsarmee. Practical Religion - gelebter Glaube, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2006, ISBN 3-937896-29-5
  • Uwe Heimowski: Brunos Dankeschön - Geschichten von der Reeperbahn, Neufeld Verlag, Schwarzenfeld 2005, ISBN 3-937896-12-0 (Liebevoll gezeichnete Porträts gesellschaftlicher Randsiedler aus der Sicht eines Heilsarmee-Mitarbeiters)
  • Glenn K. Horridge: The Salvation Army (Origins and Early Days: 1865 - 1900) ISBN 1-869866-07-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Category:Salvation Army – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien