Geschichte der Menschheit: Chronologische Gesamtdarstellung

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Die Menschheitsgeschichte umfasst die Entwicklung der gesamten Menschheit. In diesem Artikel geht es um die historische Entwicklung in den einzelnen Weltregionen, die zwar schon früh stark von Interdependenzen bestimmt, aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem einheitlichen Geschichtsraum zusammenwuchsen. Oft werden Menschheitsgeschichte und Weltgeschichte im selben Sinne gebraucht. Im engeren Sinne bezieht sich Weltgeschichte aber auf die Geschichtsschreibung zur Menschheitsgeschichte.

Inhaltsverzeichnis

Periodisierung[Bearbeiten]

Für die Gliederung der Menschheitsgeschichte erweist sich die traditionelle eurozentrierte Periodisierung in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit, Jungstenzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Altertum, Mittelalter und Neuzeit als fragwürdig. Der hier unternommene Periodisierungsversuch versucht es einerseits mit einem gröberen Raster (Entwicklung des Menschen, Vorgeschichte - Steinzeit, Hochkulturen, Aufbruch und Kontinuität, Globalisierung), andererseits nimmt er die innerhalb der Neuzeit feststellbaren Umbrüche Revolutionszeit (Industrielle und bürgerliche Revolutionen in Europa) und Weltkriegszeit (1. und 2. Weltkrieg sowie kommunistische und sozialistische Revolutionen) auf. Weshalb diese Umbrüche hervorgehoben zu werden verdienen, wird im weiteren Text angesprochen werden.

Entwicklung des Menschen[Bearbeiten]

Man nimmt heute an, dass die Menschwerdung vor etwa 8-5 Millionen Jahren in Afrika begann. Stammesgeschichtlich haben sich die Vorfahren der Schimpansen zu dieser Zeit von der zum Menschen führenden Entwicklungslinie abgetrennt. Nach dem gegenwärtigen Forschungsstand hat sich der Mensch vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelt und in lang andauernden Wanderungen über die Kontinente ausgebreitet.

Die Hominisation (lat. die Menschwerdung) bezeichnet die biologische und kulturelle Entwicklung der Gattung des Menschen (Homo) im Verlauf der Stammesgeschichte. Dieser Prozess fand nach heutigem Forschungsstand in Ostafrika statt. Durch zufällige Veränderungen (Mutationen) des Erbguts, genetische und Selektionsprozesse entstanden in mehreren Ansätzen und teilweise parallel aus schimpansenähnlichen Vorfahren neue Zweige des Stammbaums, wobei aus einem davon der moderne Mensch (Homo sapiens) hervorging.

Warum von allen engen Verwandten des Menschen nur eine einzige Art übrig blieb, ist noch ungeklärt. Beispiele für Übergänge von einer Art zu einer anderen sind noch nicht gefunden worden. Da die Entstehung neuer Zweige zumeist auf nur wenige Individuen einer Kernfamilie beschränkt bleibt, wäre das aber auch äußerst unwahrscheinlich. In der Mehrzahl der Fälle findet man unvollständige Fossilien (meist nur Schädelteile, Unterkieferknochen, Zähne, Bein- und Armknochen, Teile des [Beckens etc.) von Individuen, die lediglich einem Seitenzweig der Entwicklung entstammen.

Der „Stammbaum“ des Menschen[Bearbeiten]

Evolution des Menschen ab den Australopithecinen; von unten nach oben: Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus, Homo habilis, Homo ergaster, Homo rudolfensis, Homo erectus, Homo heidelbergensis, Homo neanderthalensis, Homo sapiens

Die Frühgeschichte der Hominiden (Menschenaffen und Homininen -alle Menschenarten-) kann etwa 32 Mio. Jahre zurückverfolgt werden. Die ersten Funde stammen aus der Provinz Madinat al-Fayyum in Ägypten. Dort konnten die Überreste von sechs verschiedenen Primatengattungen gefunden werden. Man nimmt heute an, dass die Menschwerdung vor etwa 6,5 - 5,5 Millionen Jahren in Afrika begann. Stammesgeschichtlich haben sich die Vorfahren der Schimpansen zu dieser Zeit von der zum Menschen führenden Entwicklungslinie abgetrennt.

Die frühesten aufrecht gehenden Homininen[Bearbeiten]

Nach dem Fund eines Schädelknochens im Tschad im Jahr 2001 und Funden im Rift Valley (Kenia), einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, im Jahr 2000 gelten der Sahelanthropus tchadensis (Tschad), der auch als Toumaï bezeichnet wird, und der so genannte „Millennium-Mann“ der Art Orrorin tugenensis (Kenia) als mögliche Anwärter auf die Bezeichnung „älteste Vorläufer des Menschen“. Sollten sich die Annahmen der Experten bestätigen, gab es schon vor 6-7 Millionen Jahren aufrecht gehende Homininen.

Gegen Ende des Jahres 1994 hat ein internationales Forscherteam in der Afar-Senke (Äthiopien) etwa 5,2 bis 5,8 Millionen Jahre alte fossilierte Knochen und Zähne entdeckt, die nach Freilegung weiterer Knochenfragmente der Gattung Ardipithecus zuzuordnen sind. Wegen teils primitiverer Merkmale bilden sie jedoch die Unterart Ardipithecus kadabba.

Bereits 1994 wurden Homininen-Fossilien in Äthiopien entdeckt, die etwa 4,4 Millionen Jahre alt sind und zu einer Art gehören, die als Ardipithecus ramidus (von ramid = die Wurzel) bezeichnet wird. Diese Individuen sahen noch menschenaffenähnlich aus, konnten aber wahrscheinlich aufrecht gehen, wie 3D-animierte Computersimulationen zu belegen scheinen.

Jüngere, im Sommer 2006 in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Genanalysen[1] des Broad Institute, eines gemeinsamen Instituts des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Harvard University, legen nahe, dass eine erste Abspaltung noch wesentlich früher erfolgte und der gemeinsame Weg von Menschen- und Menschenaffenvorfahren länger dauerte und ungewöhnlicher verlief, als bisher angenommen wurde. Bei dieser Studie wurden 800fach mehr Gene als in früheren DNA-Analysen verglichen, nämlich 20 Millionen Basenpaare von menschlicher DNA, Schimpansen- und Gorilla-DNA. Die Untersuchungen bezogen sich primär auf die so genannte molekulare Uhr: Dabei wird der Verlauf der Evolution mit Hilfe von Genmutationen berechnet, die sich in besonderen „Schlüsselsequenzen“ des Erbguts abgespielt haben. Dies ermöglichte eine weit präzisere Datierung und Bestimmung der Auseinanderentwicklung von Mensch und Hominiden.

Danach teilte sich eine frühe Affenart vom gemeinsamen Vorfahren bereits vor ca. 10 Millionen Jahren ab. Die unterschiedlichen Populationen vereinigten sich jedoch einige Jahrtausende später wieder und bildeten eine Mischpopulation, die zu Kreuzungen mit den Vorfahren tendierte. Die Analysen machen einen komplizierten und etwa 4 Millionen Jahre währenden Prozess der Kreuzungen sich auseinander entwickelnder Gruppen wahrscheinlich, bis eine letztmalige grundlegende Trennung der Schimpansenvorfahren und der Vorfahren des Homo vor ca. 6,3 bis 5,4 Millionen Jahren erfolgte. Dieser letzte Genaustausch sei durch das durchgängig sehr junge Alter der X-Chromosomen belegt, die sich erst zu diesem späten Zeitpunkt in der für Menschen charakteristischen Form herausbildeten und den X-Chromosomen des Schimpansen erstaunlich ähnelten.

Dieses konkrete Szenario blieb nicht unwidersprochen, wirft aber ein neues Licht differenzierterer Betrachtungen auf den Prozess der Menschwerdung, was allgemein anerkannt wurde.

Australopithecinen[Bearbeiten]

Zu den relativ gut bekannten Vorläufern des Menschen gehören die Australopithecinen, deren Funde bisher auf Ost-, West- (Tschad) und Südafrika beschränkt sind. Nach den bisher vorliegenden Funden unterscheidet man verschiedene Arten, darunter Australopithecus anamensis, Australopithecus africanus und Australopithecus afarensis.[2]

Der erste Fund eines Australopithecus wurde 1924 in Taung im heutigen Südafrika gemacht und von Raymond Dart 1925 in der Zeitschrift Nature wissenschaftlich beschrieben. Der gut erhaltene Schädel eines ungefähr drei Jahre alten Individuums ist heute als das „Kind von Taung“ bekannt. Es gehört zur Art Australopithecus africanus. Ein ebenfalls sehr gut erhaltenes Australopithecinen-Skelett wurde 1974 von Donald Johanson in Hadar (Afar-Region), Äthiopien, entdeckt. Bei diesem Fund handelt es sich um die Knochen eines 3,18 Millionen Jahre alten Individuums, von dem sich erst später herausstellte, dass es sich um ein Männchen handelt und das unter dem Namen „Lucy“ berühmt wurde. Wissenschaftlich gehört der Fund zur Art Australopithecus afarensis. Der Knochenbau zeigt eine Verdickung unter dem Kniegelenk (zum Abfangen des Körpergewichts beim Aufrechtgehen) und weist keine tiefe Grube mehr für die Elle im Ellbogen auf (wie bei Primaten, die sich mit den Fingerknöcheln beim Gehen abstützen). Das Skelett bestätigt somit den aufrechten Gang der Australopithecinen. Lucy befindet sich heute im Nationalmuseum von Äthiopien in Addis Abeba, ein Abguss vom Original ist im Frankfurter Senckenbergmuseum zu sehen.

Die Sonderform des „Flat Faced Man“[Bearbeiten]

Etwa zeitgleich mit „Lucy“ lebte in Afrika im selben Verbreitungsgebiet der 1999 in Kenia entdeckte Kenyanthropus platyops. Wegen seines flachen Gesichtsschädels wird er auch „Flat Faced Man“ genannt. Seine Stellung als eigene Gattung neben der Gattung Australopithecus ist umstritten.

Zeittafel (nach Fossilfunden)[Bearbeiten]

Eine schematische und grobe Einteilung nach dem zeitlichen Auftreten der unterschiedlichen Hominiden-Gattungen bis hin zum Auftreten der Gattung Homo bietet die folgende Übersicht:


  Homo Paranthropus Australopithecus Kenyanthropus Ardipithecus Orrorin Sahelanthropus
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Millionen Jahre Vergangenheit


Die Gattung Homo[Bearbeiten]

Aus den Australopithecinen, womöglich aber auch aus dem „Flat Faced Man“, entwickelten sich vor zwei bis drei Millionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung Homo, deren Fossilien insbesondere aufgrund von Werkzeugfunden zu Homo gestellt wurden.

Hierbei handelt es sich um Homo rudolfensis (benannt nach dem Rudolf-See, heute Turkana-See, in Kenia) und Homo habilis (der „geschickte“ Mensch). Als etwas jüngere Art gilt Homo ergaster. Die Verwandtschaftsbeziehungen dieser Arten sind bislang umstritten.

Vor etwa eineinhalb bis zwei Millionen Jahren entwickelte sich Homo erectus. Diese Menschenform gilt bislang als die erste, die Afrika verließ und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten begann; der erste Nachweis der Gattung Homo außerhalb Afrikas stammt allerdings von den homininen Fossilien von Dmanisi, die auf 1,8 Millionen Jahre datiert wurden und deren Anbindung an den Stammbaum der Gattung Homo ungeklärt ist. Als gesichert gilt, dass Homo erectus als erster das Feuer zu beherrschen lernte. Umstritten ist jedoch, ob die in Kenia gefundenen 1,4 Millionen Jahre alten Spuren verbrannten Lehms bereits als Feuerstellen des Homo erectus gedeutet werden können. Gesichert ist der Feuergebrauch vor 500.000 Jahren in China und vor 400.000 Jahren in der Bretagne.

Vor ca. 800.000 Jahren entwickelte sich aus Homo erectus eine Form mit größerem Gehirn, die als Homo heidelbergensis bezeichnet wird. Es ist umstritten, ob sie als eine Unterart des Homo erectus (europäische Paläoanthropologie) oder als eigene Art (angloamerikanische Paläoanthropologie) zu klassifizieren ist. Aus Homo heidelbergensis bzw. Homo erectus heidelbergensis entwickelten sich in Europa die Neandertaler (Homo neanderthalensis), während zur selben Zeit aus den in Afrika verbliebenen Populationen des Homo erectus der Homo sapiens hervorging, der heutige Mensch (siehe auch: Archaischer Homo sapiens).

Die vier genannten Menschenformen könnten sogar teilweise gleichzeitig gelebt haben, denn noch aus der Zeit von vor ca. 50.000 Jahren wurden in abgelegeneren Gebieten, so auf Java, Fossilien des Homo erectus gefunden.

Homo sapiens - Out of Africa?[Bearbeiten]

Über die Ursprünge des Homo sapiens gingen die Meinungen lange Zeit auseinander: Die sogenannte Out-of-Africa-Theorie basiert auf Fossilfunden, denen zufolge die Ausbreitung vor etwa 60.000 bis 70.000 Jahren durch eine zweite Auswanderungswelle von Homo sapiens aus Afrika in alle anderen Regionen der Erde begann. Vertreter der „multiregionalen Hypothese“ vertraten hingegen die Ansicht, dass sich lokale Populationen des Homo erectus, die viel früher aus Afrika auswanderten, mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt zum modernen Menschen entwickelten, wobei es in Kontaktzonen zu einer genetischen Vermischung lokaler Gruppen der dortigen frühen Menschen gekommen sei. Genetische Analysen des Y-Chromosoms und der Mitochondrien des Menschen stützen inzwischen die Out-of-Africa-Theorie. Erste Analysen von vier Milliarden Basenpaaren, die das Max-Planck-Institut in Leipzig präsentiert hat, weisen allerdings mittlerweile darauf hin, dass Neandertaler im Genom einiger moderner Menschen Spuren hinterlassen haben.[3]

Die ältesten Funde des modernen Menschen in Afrika sind etwa 160.000 Jahre alt. Außerhalb Afrikas reichen Funde des Homo sapiens bis etwa 100.000 Jahre zurück. Es handelt sich bei ihm um die einzige Menschenart, die Amerika (vor etwa 11.500 bis 15.000 Jahren, nach mancher Ansicht wesentlich früher) und Australien (vor etwa 60.000 Jahren) besiedelt hat. Homo sapiens ist zugleich der letzte Überlebende der Gattung Homo innerhalb der Familie der Hominiden.

Der Hofmeyr-Schädel aus Südafrika[Bearbeiten]

Mitte des letzten Jahrhunderts wurde nahe der Stadt Hofmeyr in der südafrikanischen Provinz Ostkap ein menschlicher Schädel gefunden, der auf ein Alter von etwa 36.000 Jahren datiert werden konnte. Diese Datierung bestätigt genetische Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass der moderne Mensch (Homo sapiens) vom subsaharischen Teil Afrikas aus vor rund 40.000 Jahren die "Alte Welt" besiedelte, die "Out of Africa"-Hypothese. Der neu untersuchte Schädel gibt erstmals Einblicke in die Morphologie dieser subsaharischen Population.[4]. Der moderne Mensch scheint also vor etwa 40.000 Jahren aus seinem Ursprungsgebiet Afrika südlich der Sahara aufgebrochen zu sein und die Welt besiedelt zu haben. Damit schließt der Schädel eine wesentliche Lücke bei den im subsaharischen Afrika gefundenen menschlichen Fossilien, die aus der Zeit von vor etwa 70.000 bis 15.000 Jahren stammen (in Afrika das "Later Stone Age", in Europa das Jungpaläolithikum). Der Hofmeyr-Schädel weist überraschende Ähnlichkeit mit etwa gleich alten Schädeln aus Europa auf und unterstützt damit zum ersten Mal die auf genetischen Untersuchungen basierende "Out of Africa"-Hypothese.[5] [6]

Anatomische Besonderheiten und Evolution[Bearbeiten]

Ikonografie des Fortschritts. Diese überaus populäre Darstellung der (menschlichen) Evolution vermittelt die falsche Vorstellung der Evolution als einen gerichteten Verbesserungsprozess.

Fünf Merkmale unterscheiden dem US-amerikanischen Anatomen Owen Lovejoy zufolge den Menschen von den anderen hominoiden Arten: ein großer Neocortex, der aufrechte Gang, verkleinerte Schneide- und Eckzähne, materielle Kultur sowie ein einzigartiges sexuelles und reproduktives Verhalten.[7]

Aufrechter Gang[Bearbeiten]

Aufgrund der Skelettmerkmale zahlreicher Fossilfunde konnte belegt werden, dass sich der aufrechte, zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns.[8] Richard Leakey zufolge ist diese Veränderung derart einzigartig, „dass wir berechtigt sind, alle Arten von zweibeinigen Menschenaffen als menschlich (human) zu bezeichnen.“[9] Eine so weitgehende Festlegung ist allerdings in Fachkreisen umstritten, da nicht alle Fossilfunde von zumindest zeitweise aufrecht gehenden, menschenaffen-ähnlichen Individuen der unmittelbaren Vorfahrenreihe des Menschen zuzuordnen sind.[10]

Hirnentwicklung[Bearbeiten]

Die Vergrößerung des Gehirns lässt sich nach neueren Erkenntnissen mit Mutationen der Kaumuskulatur oder des Keilbeins in Verbindung bringen.

Fest steht, dass unter allen Primaten der Homo sapiens den kleinsten Kauapparat und den größten Gehirnschädel besitzt. Die Mutation, die dafür sorgte, dass sich die Muskulatur des Kauapparates zurückbildete, wodurch das Gehirn mehr „Platz“ für eine Vergrößerung vorfand, erfolgte vor etwa 2,4 Millionen Jahren. Erst seit jener Zeit lassen sich Funde menschlicher Fossilien mit runderen Schädeln, flacheren Gesichtern, kleineren Zähnen und einem schwächeren Gebiss nachweisen. Schimpansen und andere Primaten verfügen nach wie vor über das intakte, nicht mutierte Gen, was bei ihnen für die Bildung einer kräftigeren Kaumuskulatur und eines größeren Kiefers sorgt, jedoch die Vergrößerung des Gehirnschädels verhindert hatte.[11][12]

Anpassungen bei Australopithecinen[Bearbeiten]

Eine Klimaveränderung, ausgelöst durch die plattentektonische Hebung Ostafrikas, bewirkte eine weitgehende Versteppung des angestammten Lebensraums. Diese Grassteppe bot in erster Linie Nahrung für Grasfresser (Paarhufer, Wiederkäuer), die es vorher schon, meist in kleineren Formen, als Waldbewohner gab. Diese traten nun bald in großen Herden auf, und weil sie zahlreicher wurden, konnten sich auch Raubtiere und Aasfresser vermehren.

So differenzierten sich zwei Typen von Vormenschen. Die eine Strategie war eine biologische Anpassung an das neue zellulosereiche Nahrungsangebot. Australopithecus robustus und andere Arten entwickelten als Anpassung eine gewaltige Kaumuskulatur und entsprechend mächtige Zähne. Die Muskulatur setzte dabei an einem deutlich sichtbaren Knochenkamm auf dem Scheitel des Schädels an. Es gab verschiedene, meist mächtige und große Primaten, die diese ökologische Nische zu nutzen versuchten, die allerdings allesamt wieder ausstarben.

Eine andere Strategie war die des Fleischfressers. In den Anfängen dürfte sich dies aber auf Aas und Beuteraub beschränkt haben, da der Mensch weder die Fähigkeit besaß, als Raubtier größere Beutetiere zu stellen, noch über Klauen oder Zähne verfügte, die geeignet gewesen wären, ein Beutetier zu töten oder aufzubrechen. Sehr wahrscheinlich kam es hier zum ersten Werkzeuggebrauch, indem zufällig gefundene scharfkantige Steine dazu benutzt wurden, Beutetiere aufzubrechen. In dieser Phase der Evolution gab es also primitiven Werkzeuggebrauch und sehr wahrscheinlich auch einfache Formen der Kommunikation.

Die frühe Menschheit stand unter einem starken Selektionsdruck. Die anderen Lebewesen der Steppe waren schon seit Millionen von Jahren an ihre Umgebung angepasst. In körperlicher Leistung konnte man es nicht mit ihnen aufnehmen. Jedoch verfügten die Affen über ein leistungsfähiges Gehirn.

Der größte evolutionäre Schritt war dann aber wohl die Entwicklung der Jagd. Kommunikation und Waffen wurden dabei so weiterentwickelt, dass der frühe Mensch sein biologisches Manko durch kulturelle Leistungen aufhob und nun befähigt war, selbst zu jagen.

Aber damit war die biologische Evolution nicht abgeschlossen. Unter dem Selektionsdruck, Werkzeuge und Kommunikation zu verfeinern, und dem Angebot von reichlich hochwertigem Eiweiß waren höhere intellektuelle Fähigkeiten von Vorteil. Nachdem der Mensch schon Jahrmillionen zuvor den aufrechten Gang erworben hatte, entwickelte er nun auch ein größeres Gehirn. Da sich das weibliche Becken unter Einfluss des aufrechten Ganges aber nicht an den wachsenden Kopfumfang des Neugeborenen anpassen konnte, kamen diese zu einem biologisch immer weiter vorverlegten Termin, also immer weniger weit entwickelt und immer mehr und länger auf Brutpflege angewiesen, zur Welt. Zudem war mehr Zeit nötig, um die Fähigkeiten von den Erwachsenen zu erlernen (vertikale Proliferation im Gegensatz zur horizontalen Proliferation durch Vererbung). Die Evolution half mit der „Erfindung“ der Pubertät. Die Entwicklung der Keimzellen wird für einige Jahre gestoppt, wodurch eine längere Zeit von Kindheit und Jugend entsteht, die es dem Menschen ermöglicht, alle überlebensnotwendigen Fähigkeiten zu erlernen (Neotenie). Das menschliche Gehirn wächst bis zum 23. Lebensjahr; bei den Primaten ist es nach 6 bis 12 Monaten ausgewachsen. Das ermöglicht eine verlängerte Lernphase. Die Geschlechtsreife findet jedoch schon vorher statt, (Menschen)Affen werden im Verhältnis zu ihrer mentalen Reife erst „spät“, mit 6 bis 7 Jahren, geschlechtsreif.

Eine weitere biologische Anpassung war das Schwitzen am gesamten Körper. Die ersten Primaten regulierten ihre Körpertemperatur vermutlich wie andere Säugetiere über die Atmung, was den Umfang der Wärmeabfuhr stark einschränkte. Kein anderer Primat verfügt über eine so hohe Dichte an Schweißdrüsen wie der Mensch. Er nutzte nun zur Wärmeabfuhr den ganzen Körper und wurde damit in puncto Ausdauer und Anpassungsfähigkeit den meisten Tieren überlegen. Außerdem ermöglichte das Schwitzen, auch unter großer Hitze oder Anstrengung die Kommunikationsfähigkeit über die Sprache zu erhalten. Wirklich effektiv war die Fähigkeit zu schwitzen jedoch nur, wenn kein Fell die Luftzirkulation behinderte. In der Folge wurde der Mensch also weitgehend unbehaart. Eigentlich ist es effektiver, ein kurzes Fell wie das eines Löwen zu tragen. Wärmeabsorption und UV-Schädigung sind auf nackter Haut weitaus höher. Jedoch war wohl der Selektionsdruck so stark, dass die Vorteile durch die Kühlung alle Nachteile aufwogen. Später entwickelte der Mensch als Ersatz schützende Kleidung, die ihm das Überleben in kälteren Regionen ermöglichte.

Behaarung[Bearbeiten]

Auffallend ist eine geringe Körperbehaarung; selbst bei Primaten der wärmsten Regionen ist die Körperbehaarung dichter. Daher wird die relative Nacktheit des Menschen in Bezug gebracht mit seiner Fähigkeit, sich am Feuer zu wärmen sowie sich zu kleiden und ein Vorteil wird beim Lausen gesehen.

Das Gesicht des Menschen ist teilweise arm an Behaarung, im Gegensatz zu anderen Primaten. Die Funktion des nackten Gesichtes wird darin gesehen, die beim Menschen sehr ausgeprägte Mimik in ihrer Erkennbarkeit zu unterstützen.

Der Bart des Mannes kann dahingehend gedeutet werden, ihn auf Entfernung als erwachsen und männlich zu identifizieren. Dem wirkt die Kultur mit Rasur entgegen, vielleicht um die Mimik besser zur Geltung kommen zu lassen, insbesondere nachdem geschlechtsspezifische Kleidungen in nördlichen und gemäßigten Breiten entwickelt wurden.

Sexualverhalten[Bearbeiten]

Genetisch determinierte Besonderheiten[Bearbeiten]
  • Versteckter Eisprung: Die Fruchtbarkeit von Tierweibchen wird in der Regel durch körperliche oder Verhaltens-Signale mitgeteilt, damit in dieser Phase eine Befruchtung stattfinden kann; bei Menschen ist dies nicht der Fall, die fruchtbare Phase ist für beide Geschlechter kaum ohne hochentwickelte Diagnostik erkennbar.
  • Anders als bei fast allen Tieren wird Sexualität bei Menschen nicht nur zu bestimmten, genetisch fixierten Zeiten (Brunftzeiten) praktiziert. Menschen können grundsätzlich ganzjährig miteinander sexuell verkehren, und der Geschlechtsakt ist weniger stark als bei den Tieren mit der Fortpflanzung verbunden. Die jederzeit praktizierte Sexualität ist aber auch bei den nächsten Verwandten des Menschen angelegt: Sowohl Bonobos als auch Schimpansen sind für ihr ausgeprägtes Sexualverhalten bekannt.
  • Geschlechtsverkehr ist in vielfältigen Positionen möglich, die eher häufig praktizierte zugewandte Lage kommt bei anderen Primaten - außer beim Orang Utan - nicht vor und ist auch sonst selten im Tierreich. Der Nutzen des vis-a-vis könnte in der Kommunikation liegen.
  • Der direkten Ansicht verborgene primäre Geschlechtsorgane bei der erwachsenen Frau.
  • Eine Hervorhebung der adulten primären Geschlechtsorgane durch deutlich abgesetzte Schambehaarung bei sonst geringer Behaarung ist im Tierreich einzigartig. Die Funktion könnte darin liegen, Menschen im unbekleideten Zustand auf größere Entfernung hinweg als adult zu erkennen.
  • Beginn der Fruchtbarkeit im Vergleich zu anderen (auch langlebigen) Primaten erheblich verzögert.
  • Beendigung der Fruchtbarkeit von Frauen: Ab einem Alter von ca. 50 Jahren erleben Frauen durch die Wechseljahre ein Ende ihrer Fruchtbarkeit.
Kulturell etablierte Besonderheiten[Bearbeiten]
  • Kopplung von Schamgefühl und Sexualität: Menschen sind die einzige Spezies, die kulturell Scham für Sexualität entwickeln kann; Geschlechtsverkehr findet üblicherweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, während Tiere in der Regel vor den Augen der Artgenossen kopulieren.
  • „Offizielle“ Monogamie: Dieses umstrittene Merkmal bezieht sich darauf, dass viele (nach einer anderen Position: die meisten) menschlichen Kulturen mehr oder weniger langfristige Paarbeziehungen zwischen einer Frau und einem Mann zum Zweck der Kinderaufzucht kennen. Relativ selten kommen offizielle Polygynie oder Polyandrie vor. Die offizielle Monogamie ist allerdings nachweisbar gekoppelt mit einer Neigung beider Geschlechter zu „Seitensprüngen“ („Kombinierte Fortpflanzungsstrategie“).
  • Vorschriften und Verbote von Sexualpraktiken in vielen (oder den meisten) Kultur- und Religionsvorschriften.

Eine Reihe von Autoren vertritt die Position, dass der versteckte Eisprung, die Sexualität zum Vergnügen und die Privatheit des Sexualaktes Merkmale sind, die die Bindung des Mannes an eine Frau, d.h. die zur Kinderaufzucht notwendige langfristige wirtschaftliche Kooperation von Paaren begünstigt haben. Die Beendigung der Fruchtbarkeit der Frau ab einem Alter, in dem die Lebensgefährdung durch eine Geburt eine bestimmte Schwelle überschreitet, komme ebenfalls der Kinderaufzucht zugute und habe sich deshalb in der Evolution bewährt und durchgesetzt.

Weitere anatomische und kulturelle Besonderheiten[Bearbeiten]

Zu den anatomischen Besonderheiten zählen vor allem die leistungsfähige Greifhand, das größere Gehirn, der aufrechte Gang und sehr modulationsfähige Stimmbänder als Voraussetzung für die Fähigkeit des Sprechens.

Zu den kulturellen Merkmalen zählen die extrem gesteigerte Fähigkeit zu kollektivem Lernen durch Sprache (d.h. symbolische Kommunikation), Kooperation und Technikeinsatz (Feuer, Werkzeuge, Landwirtschaft etc.). Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der menschlichen Technik wächst die Abhängigkeit von ihr und gleichzeitig der Aufwand, der bei der Kinderaufzucht zur Weitergabe des technischen Wissens betrieben werden muss, bis die Nachkommen sich relativ selbständig ernähren und wiederum fortpflanzen können. Dieser wachsende Aufzuchtaufwand wirkte über hunderte von Generationen als Selektionsdruck auf Anatomie und Sexualphysiologie zurück.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Nick Patterson, Daniel J. Richter, Sante Gnerre, Eric S. Lander, David Reich (2006): Genetic evidence for complex speciation of humans and chimpanzees. In: Nature, Bd. 441 (29. Juni 2006), S. 1103-1108.
  2. Ferner wird eine Sonderlinie von Australopithecinen mit einem robusteren Gebiss neuerdings zur Gattung Paranthropus gezählt.
  3. Siehe Pressemitteilung und Pressemappe des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie vom 6. Mai 2010 „Der Neandertaler in uns“.
  4. "Aus dieser Population stammen die Vorfahren aller heute lebender Menschen ab", so Teamleiter Grine (Science vom 12. Januar 2007)
  5. F. E. Grine, R. M. Bailey, K. Harvati, R. P. Nathan, A. G. Morris, G. M. Henderson, I. Ribot und A. W. G. Pike: Late Pleistocene Human Skull from Hofmeyr, South Africa and Modern Human Origins. In: Science vom 12. Januar 2007.
  6. Max-Planck-Gesellschaft: „Hofmeyr-Schädel unterstützt "Out of Africa"-Theorie“ Pressemitteilung vom 12. Januar 2007
  7. Owen Lovejoy: The Origin of Man. Science, Band 211, 1981, S. 341–350, – „Five characters separate man from other hominoids – a large neocortex, bipedality, reduced anterior dentition with molar dominance, material culture, and unique sexual and reproductive behavior.“
  8. Owen Lovejoy, ein Anatom an der Kent State University, bezeichnete 1988 den Übergang zum aufrechten Gang als die augenfälligste Veränderung der Anatomie, die man in der gesamten Evolutionsbiologie bisher nachgewiesen habe. (C. Owen Lovejoy: Evolution of Human Walking. Scientific American, November 1988, S. 118–125)
  9. Richard Leakey: The origin of humankind. Phoenix, a division of Orion Books Ltd., 1995, S. 13
  10. www.pbs.org: The Transforming Leap, from Four Legs to Two. Eine Übersicht zum Stand der Forschung
  11. Nach Ansicht der US-Anthropologin Andrea Taylor, die die Gebiss-Anatomie sowie die Nahrungsgewohnheiten der Menschenaffen näher studierte, ist jedoch die Annahme, dass sich das menschliche Gehirn allein wegen der Rückbildung der Kiefer- und Kaumuskulatur entfalten konnte, nicht schlüssig. Sie untersuchte das Verhältnis des Kauapparates zum Rest des Schädels bei Berg- und Flachland-Gorillas, Schimpansen und Bonobos und fand keine signifikanten Unterschiede im Gebiss von Blatt- und Obstfressern. „Unsere Ergebnisse zeigen zwar, dass einige Körpermerkmale vielleicht mit den Nahrungsunterschieden der afrikanischen Menschenaffen zusammenhängen. Als einziger Grund für diese Abweichungen in der Körpergestalt scheidet die Ernährung jedoch aus.“ Für die Vergrößerung des menschlichen Gehirnschädels müssten laut Taylor andere Einflüsse wie eine veränderte Umwelt in Betracht gezogen werden.
  12. Während seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts die Entwicklung des aufrechten Ganges vor allem als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen zurück geführt wurde, kommen französische Forscher wie die Paläontologin Anne Dambricourt-Malassé und die Kieferorthopädin Marie Josèphe Deshayes durch langjährige vergleichende anatomische Untersuchungen zu einem ganz anderen Schluss: Für sie spielt die Evolution des Keilbeins, eines geflügelten Knochens, den der menschliche Embryo als ersten Knochen im mittleren Schädelbereich ausbildet und welcher einen Teil der Schädelbasis sowie den hinteren Bereich der Augenhöhle formt, die entscheidende Rolle bei der Entwicklung des aufrechten Ganges und des Schädels im Laufe der Hominisation. Ihrer Ansicht nach hat die Lage und die Form des Keilbeins, welches sich durch ständige Mutationen immer wieder verändert, einen entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung des Gebisses, die Verflachung des Gesichtsschädels und auf die Vergrößerung des Hirnschädels gehabt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte bezeichnet die schriftlose Phase der Menschheitsgeschichte vom Auftreten der ersten Steinwerkzeuge vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zum Auftauchen der ersten Schriftzeugnisse, die den Beginn der Frühgeschichte markieren. Dementsprechend unterschiedlich datiert das Ende der Vorgeschichte in den Regionen der Welt. Da schriftliche Aufzeichnungen fehlen, liegt die Erforschung dieser Epoche vor allem bei der Archäologie und ihren Hilfs- bzw. Bezugswissenschaften.

Gliederung der Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Vorgeschichte wird nach dem von dem dänischen Archäologen Christian Jürgensen Thomsen in den 1820ern und 1830ern entwickelten Dreiperiodensystem in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit untergliedert.

Der Zeitraum von der Entstehung der Menschheit bis zur Einführung der Bronzezeit wird als Steinzeit (Paläolithikum) bezeichnet. Sie wird für Europa und Asien unterteilt in die Altsteinzeit und die mit der Entstehung der Landwirtschaft beginnende Jungsteinzeit (Neolithikum). Für manche Regionen wird dazwischen die durch einige besondere Merkmale gekennzeichnete Epoche der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) "eingeschoben". Die Altsteinzeit wird wiederum in mehrere Perioden unterteilt. Erdgeschichtlich fällt die Altsteinzeit etwa mit dem Pleistozän zusammen, die folgenden Epochen mit dem Holozän.

Nach Steinbearbeitung, Feuernutzung und Landwirtschaft ist der nächste tiefe Einschnitt in der Vorgeschichte die Entdeckung der Metallurgie. In den meisten Regionen kam es zunächst zur Bearbeitung von Bronze (Bronzezeit), danach von Eisen (Eisenzeit). In einigen Gegenden wird vor der Bronzezeit eine Kupferzeit (Chalkolithikum) eingeschoben.

Mit der Entwicklung der städtischen Hoch- und Schriftkulturen, erstmals in Vorderasien (Sumer), geht die Vorgeschichte über in die Frühgeschichte.

Wie jede historische Periodisierung ist auch diese je nach Weltregion unterschiedlich datiert, teils auch definiert und benannt. Das Dreiperiodensystem ist nach wie vor ein in den Grundzügen gültiges Konzept, wird aber inzwischen kritisch betrachtet. Die Unterteilung gilt als zu grob und unspezifisch, denn gerade am Übergang von der Stein- zur Metallverwendung sind die Übergänge fließend, und die unterschiedenen Zeiträume sind alles andere als verhältnismäßig oder wohlproportioniert. So fehlt in vielen Regionen das in Europa existierende aber kurze Mesolithikum. In manchen Regionen ist der Gebrauch von Kupfer bereits im Neolithikum belegt.

Altsteinzeit[Bearbeiten]

Geröllgeräte: Homo rudolfensis und Homo habilis[Bearbeiten]

Als Kriterium, Homo rudolfensis und Homo habilis der Gattung Homo zuzurechnen, gilt neben anatomischen Unterschieden zu den Australopithecinen vor allem, dass sie vermutlich schon vor 2,5 Mio. Jahren einfache Steinwerkzeuge (Pebble Tools) benutzten.

Faustkeile: Homo erectus[Bearbeiten]

Vor etwa einer Million Jahren traten zwei wesentliche Neuerungen auf: Die Menschen lernten, das Feuer zu nutzen, und begannen vermutlich mit der aktiven Jagd auf Tiere, nachdem sie sich vorher primär von Pflanzen und Aas ernährt haben dürften. Auch wurden Homo habilis und Homo rudolfensis von einer anderen Homo-Art, dem Homo erectus abgelöst, der sich vor ca. 1,5 Millionen Jahren zu entwickeln begonnen hatte ("Olduvai-Hominid 9", ca. 1,2 - 1,5 Mio Jahre). Diese Art war so anpassungsfähig, dass sie sich massiv ausbreiten konnte: Von Afrika über Vorderasien einerseits nach Indien, ins heutige China und nach Südostasien (Java-Mensch, möglicherweise bereits vor 1,8 Mio. Jahren), andererseits nach Süd- und Mitteleuropa (Out-of-Africa-Theorie), wobei die Ausbreitungsrichtung nach Norden möglicherweise auch von gesteigerten kulturellen Fähigkeiten abhing, die es ermöglichten, mit den klimatisch schwierigeren Bedingungen zurechtzukommen.

Homo erectus verbesserte zunächst die Steingeräte: Zunehmend wurden nun auch die kleineren Abschläge von den Kernsteinen verwendet, an den Kanten retuschiert (nachbearbeitet) und damit für andere Aufgaben nutzbar. Einen regelrechten Technologiesprung gab es vor ca. 1.5 Mio Jahren: Nun wurden auch die Kernsteine weitaus feinfühliger bearbeitet, und vor allem an zwei Seiten so behauen, dass sie eine Spitze ausbilden: Die Faustkeile blieben neben den bearbeiteten Abschlägen wichtigstes Werkzeug des Altpaläolithikums bis etwa 130.000 vor heute.

Neben der bereits erwähnten Feuernutzung war die Jagd eine wichtige Entwicklung, um das reduzierte pflanzliche Nahrungsangebot außerhalb Ostafrikas auszugleichen. Systematische Jagd auf Groß- und Kleinwild entwickelte sich ab ca. 1 Mio. Jahre vor unserer Zeit, als "Abfallprodukte" der Nahrungsbeschaffung erhielt der Mensch nun auch weitere Rohmaterialien: Felle, die vor Kälte schützten, Knochen, die als Werkzeuge Verwendung fanden. Werkzeuge aus Holz und anderem vergänglichen organischen Material sind für diese zweite Hälfte des Altpaläolithikums zu erwarten, naturgemäß archäologisch aber kaum nachweisbar: Ausnahmen bestätigen die Regel, etwa hölzerne Speere aus Schöningen mit einem Alter von 370.000 Jahren[1].

Abschlaggeräte: Neandertaler[Bearbeiten]

In Europa entwickelte sich aus Homo erectus über die Homo heidelbergensis und Homo steinheimensis genannten Zwischenstufen der Neandertaler, eine an die spezifischen Umweltbedingen der letzten Eiszeit hervorragend angepasste Art der Gattung Homo.

Die Neandertaler stellen sich heute (entgegen früheren Annahmen) als kulturell entwickelt dar: Bei ihnen sind in Mitteleuropa zum ersten Mal kultische Praktiken nachweisbar, so sind z.B. Bestattungen mit Grabbeigaben belegt. In der Gudenushöhle (Niederösterreich) wurde sogar eine Knochenpfeife gefunden. Die Neandertaler entwickelten eine Technik der Steinbearbeitung, bei der nicht mehr (nur) die Kerne der Steine das Werkzeug ergaben, sondern bei der die vom Stein abgetrennten Abschläge selbst Werkzeug waren bzw. weiterbearbeitet wurden (Levalloistechnik).

Höhlenmalerei: Homo sapiens[Bearbeiten]

Die Zeichnungen aus der Chauvethöhle gehören zu den ältesten Zeugnissen der Höhlenmalerei (um 30 000 v.Chr.)
Eine Bisonzeichnung aus der Altamirahöhle in Spanien (um 15 000 v.Chr.)
Pferdezeichnung aus der Höhle von Lascaux in Frankreich (um 15000 v.Chr.)

Nicht aus den nach Europa und Asien ausgewanderten, sondern aus den in Afrika verblieben Populationen von Homo erectus entwickelte sich in Afrika – zur gleichen Zeit, in der sich in Europa die Entwicklung von Homo erectus zum Neandertaler vollzog – eine neue Menschenform, genannt Homo sapiens. Sie breitete sich, beginnend vor ca. 100.000 Jahren, in einer zweiten Auswanderungswelle der Gattung Homo ebenfalls nach Asien und Europa aus und entwickelte sich zum Menschen der Gegenwart fort. Worauf das Verschwinden der Neandertaler zurückzuführen ist, ist ungeklärt; Anhaltspunkte für eine aggressive Verdrängung durch Homo sapiens sind nicht nachweisbar. In Europa könnten sich die beiden Arten vor 40.000 – 30.000 Jahren begegnet sein.

Homo sapiens verfeinerte die Methoden der Steinbearbeitung. Bemerkenswert sind die ersten Zeugnisse abstrakten (symbolischen) Denkens, das sich am prägnantesten in Höhlenmalereien ausdrückt, deren älteste auf etwa 35.000 Jahre datiert wurden. Als künstlerische Erzeugnisse gelten mit Gravuren verzierte Knochenobjekte aus Südafrika (Blombos-Höhle), deren älteste auf etwa 77.000 Jahre datiert wurden.

Jungsteinzeit[Bearbeiten]

Durch das Ende der letzten Eiszeit verschoben sich die Klimagürtel der Erde nach Norden; im Gebiet des Fruchtbaren Halbmonds in Vorderasien entstand vor ca. 12.000 Jahren erstmals die Landwirtschaft (nach neueren Schätzungen gab es erste Anfänge evtl. sogar vor 15.000 Jahren). Die Domestikation von Tieren und Pflanzen brachte tiefgreifende sozio-ökonomische Veränderungen mit sich, weshalb auch seit dem Archäologen Vere Gordon Childe von der „Neolithischen Revolution“ gesprochen wird. Es gab einige weitere unabhängige Entstehungszentren der Landwirtschaft (z.B. Südchina, Südamerika). Von diesen Zentren breiteten sich die Neuerungen mehr oder weniger schnell aus (nach Mitteleuropa gelangten sie vor ca. 7000 Jahren). Weitere Merkmale der Jungsteinzeit sind die Sesshaftigkeit und die Herstellung von Keramik. Auch in der Steintechnologie gab es Neuerungen; man entdeckte den Schliff von Stein. Die wichtigsten sozialen Auswirkungen der Landwirtschaft sind darin zu sehen, dass durch die höhere Produktivität nicht nur die in der Landwirtschaft tätigen Menschen ernährt werden konnten. Es kam zur Spezialisierung der verschiedensten Berufsgruppen (horizontale Differenzierung) und zur Entstehung von Herrschaft, zunächst in Häuptlingsreichen, dann in Staaten (vertikale Differenzierung).

Technische Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Erfindungen vor Homo sapiens[Bearbeiten]

Werkzeuggebrauch wurde bei vielen Primaten beobachtet. Am Anfang der Technikentstehung bei den Vorfahren des Menschen stand also die - zunächst wenig ausgefeilte - Werkzeugbearbeitung; von besonderem Interesse ist die Bearbeitung in zeitlichem Abstand von der Werkzeugbenutzung (eine Vorfertigung), was bei Primaten nicht beobachtet werden konnte (außer ein Zurücklegen bereits positiv eingesetzter Materialien).

Während Steine als Werkzeuge sogar namensgebend für die technologische Epoche wurden und seit 2,5 Millionen Jahren nachweisbar sind, so gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass damalige Menschen keine anderen Materialien aus ihrer Umgebung verwendet hätten, auch wenn es archäologisch aus der Frühzeit nicht nachweisbar ist (Holz, Knochen, Häute, Pflanzenschalen usw.). Anfänglich erstreckte sich die Benutzung eher auf Wurfsteine, Steine als Amboss oder als Hammer, sowie Schlag- und Stützstöcke. Der Neandertaler und Homo sapiens fertigten aus ausgesuchten Steinen u.a. hochspezialisierte Speere und Keilmesser an.

Ein weiterer Impuls ging von der "Beherrschung" des Feuers aus. Darunter ist zunächst das erfolgreiche Entzünden an einer natürlichen Flamme und Forttragen eines brennenden festen Brennstoffs (Holz) zu verstehen, in weiterer Folge ein nutzvoller Umgang mit dem Feuer, das Löschen, seine Aufbewahrung über längere Zeit (= Nachlegen von Brennmaterial in einer Feuerstelle) und - erst sehr viel später - das erfolgreiche Entzünden des Feuers als Krönung der Beherrschung des Feuers. Der zielgerichtete Gebrauch des Feuers durch den Menschen gilt für etwa 300.000 Jahre als nachgewiesen (also bereits für Homo erectus), begründete Vermutungen erstrecken sich auf 790.000 Jahre.[2] Die Erwärmung am Feuer half, in der Eiszeit auch kältere Bereiche Europas und Asiens zu besiedeln. Weitreichende Folgen auch auf der Ebene der Evolution könnte das Garen von Speisen mit sich gebracht haben: die Nahrungsdichte pro Mahlzeit stieg, aber der erforderliche Kaudruck nahm ab, daher brauchten Zähne und Kaumuskulatur nur vermindert ausgebildet zu werden. Demgegenüber konnten weitere (auch festere) Nahrungsstoffe erschlossen werden, für deren Bewältigung andere Spezies erhebliche Zeit und Energie (Wiederkäuer) investieren müssen. Eines der Resultate ist, dass der Mensch eine der wenigen Spezies (neben Wespen) ist, welche den Geruch verbrannten Fleisches (Grillen) appetitanregend finden. Der Mensch ist zudem die einzige Spezies, die den Geruch gerösteter Samen (Backduft, Popcorn, Sesamöl) besonders attraktiv findet. In diesem Zusammenhang wurden sogar Vermutungen formuliert, dass das Volumenwachstum des sehr energiehungrigen Hirns mit der Garung der Nahrung begründet werden könne [3], allerdings setzte die Hirnentwicklung bereits in einem Zeitraum ein, in dem die Feuerbenutzung noch kaum anzunehmen ist. Die Annahme intensiven Kochens vor Homo erectus entbehrt jeglicher Anhaltspunkte. Neandertaler produzierten aus Birkensaft bei einigermaßen kontrollierter Temperatur von etwa 350 °C Birkenpech als Klebstoff z.B. um Werkstücke (Speerspitze an Speerschaft) zuverlässig zu verbinden.

Angehörige der Gattung Homo konnte bereits Hütten bauen. [4]

Materialverwendung, Vorfertigung von Werkzeugen und Feuerbeherrschung wurden bereits durch die Vorfahren des Homo sapiens entwickelt.

Die gemeinsame Jagd begünstigte Techniken der Verständigung und der Strategiefindung.

Wegbereitend zur Sprachwicklung (nur Homo sapiens ?) wird von Musikwissenschaftlern eine Gesangsentwicklung gefordert. Dies ist keine technische Leistung, aber begleitend wird Musikinstrumenten eine Rolle eingeräumt, etwa Schlagstöcken, für welche allerdings ebenfalls archäologische Belege fehlen und auch nicht zu erwarten sind.

Die Domestikation des Hundes konnte archäologisch noch nicht befriedigend zeitlich eingeordnet werden. Sie erfolgte jedoch sehr früh, vor anderen Domestikationen, möglicherweise bereits vor über 135.000 Jahren. [5] Diese Domestikation gelang aus dem Wolf, zu dem Homo sapiens "erst" seit mindestens 40.000 Jahren Kontakt hatte. Es gibt daher Vermutungen, welche durch keine Funde belegt sind, dass diese Domestikation bereits durch den Neandertaler gelang und an Homo sapiens weitergegeben wurde.

Der Neandertaler fertigte bereits Kleidung, vermutlich als erster Mensch, eine Lebensnotwendigkeit im eiszeitlichen Europa. Möglicherweise parallel dazu oder bei Erstkontakt mit dem Neandertaler erlernte Homo sapiens vor mindestens 75.000 Jahren ebenfalls, Kleider herzustellen. Seither gilt auch die Kleiderlaus als nachgewiesen.[6]

Erfindungen vor der Expansion[Bearbeiten]

Homo sapiens erlernte bereits vor der Ausbreitung des Menschen aus Afrika mindestens fünf Fertigkeiten, welche der Neandertaler sich selbst nach Kontakten nicht aneignete: Verwendung von Ocker als Pigment, die Fähigkeit, Boote herzustellen (der moderne Mensch überwand Rotes Meer und die Meere Indochinas bis Australien, der Neandertaler vermutlich nie die Meerenge von Gibraltar nach Afrika und besiedelte offenbar keine der Mittelmeerinsel), die Fähigkeit, Fische in geflochtenen Reusen, Netzen oder ähnlichem zu fangen, die Fähigkeit, Grassamen (Getreide) zwischen zwei Reibsteinen zu quetschen (mahlen; war für Großwildjäger uninteressant) und die Befähigung zum Tauschhandel [7] (zur Erläuterung des Handels: Steinwerkzeuge von Neandertaler und modernem Menschen mögen sich äußerlich sehr ähneln, aber das Material des Neandertalers ist immer regionaler Herkunft, während Homo sapiens in der gleichen Epoche Feuerstein (auch entfernten Ursprungs) standardmäßig nutzte und sich auch fernab der Küsten mit Muschelketten schmückte).

Erfindungen während der Eiszeit[Bearbeiten]

Die Erfindung der Nadel kam nach dem vermuteten Aufbruch aus Afrika während der Eiszeit bald hinzu, [8] vor etwa 35.000 Jahren wurde die (Höhlen)malerei im Süden Frankreichs entwickelt (Cro-Magnon-Mensch).

In diese Zeit oder danach fallen früheste Funde von Elfenbeinschnitzereien von Figürchen. Der älteste Nachweis einer Knochenflöte wird mit etwa 35-40.000 Jahren datiert. Sie stammt aus dem Hohle Fels der Schwäbischen Alb (Achtal) und wurde vom anatomisch modernen Menschen aus der Speiche eines Gänsegeiers gebaut.

Vermutlich vor 16-18.000 Jahren wurde der Speerwerfer (Atlatl, durch Armbewegung geschleudert) entwickelt (den Speer gab es bereits viel früher), daraus oder parallel wurden Bogen und Pfeil entwickelt.

Während der Eiszeit wurde (Keramik aus gebranntem Ton oder Lehm) erfunden und entwickelt, nach gängiger Vorstellung als Zufallsprodukt nach Lagerfeuer auf Lehm- oder Tonboden. Die ersten Keramikfiguren (Dolní Věstonice) können auf mindestens 24.000 Jahre datiert werden. [9]

Erfindungen nach der Eiszeit[Bearbeiten]

Nach Ende der Eiszeit, etwa vor 10.000 Jahren, gelang vermutlich an verschiedenen Orten unabhängig voneinander (z B. im Irak und in China) der Anbau von Grassamen. Parallelentwicklungen in Nordafrika, im Niltal und viel später in Mexiko folgten. Auf die Domestikation der Pflanzen (oder parallel dazu) erfolgte eine Domestikation von Nutztieren, primär als Fleischlieferanten, zunächst als Lebendvorrat (zur Chronologie der Haustierentstehung siehe Domestizierung). Infolge der Sesshaftigkeit entstanden erste größere Siedlungen (z.B. Jericho und Çatalhöyük).

An verschiedenen Orten der Welt, besonders nach Rückzug der Gletscher, wurde in den Kreide- und Juraablagerungen Feuerstein gewonnen, ein damals besonders wichtiger Rohstoff.[10] Dazu wurden auch metertiefe Schächte (erste Bergwerksminen) angelegt (Angaben zu steinzeitlichen Minen siehe Feuerstein). Das wertvolle Material wurde über große Entfernungen gehandelt (siehe Feuersteinstraße in Europa, etwa 7.000 Jahre alt). Parallel wurde Obsidian wegen seiner besonders scharfen Bruchkanten geschätzt, über das Meer transportiert und in Europa gehandelt. Fundorte für Obsidian gibt es nicht sehr viele, vor etwa 7.000 Jahren begann die Gewinnung auf den Liparischen Inseln, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt.[11]

Die ältesten bekannten Keramikgefäße, in Spiralwulsttechnik ausgeführt, sind etwa 10.000 Jahre alt (siehe Töpferei. Die Erfindung der Töpferdrehscheibe führte vermutlich zur Erfindung des Rades (mindestens vor 6.000 Jahren). Beide Erfindungen gelangen möglicherweise an verschiedenen Orten (aber nicht auf dem amerikanischen und australischen Kontinent). Zur weiteren Entwicklung der Rad-Verwendung siehe auch: Geschichte des Transportwesens im Altertum, später kam die Drehmühle hinzu, sehr viel später mechanische Maschinen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartmut Thieme (Hrsg.), Die Schöninger Speere : Mensch und Jagd vor 400 000 Jahren (Stuttgart: Theiss 2007)
  2. Gesher Benot Ya'aqov in Israel [1]
  3. SZ Aus dem Topf in den Kopf 16.6.2007 http://www.sueddeutsche.de/wissen/artikel/908/118769/
  4. Das Architekturmuseum Frankfurt zeigt ein Modell einer prähistorischen Hütte am Strand von Nizza, Terra Amato
  5. Christian Natanaelsson, Mattias CR Oskarsson, Helen. Angleby, Joakim Lundeberg, Ewen Kirkness,2 und Peter Savolainen: Dog Y chromosomal DNA sequence: identification, sequencing and SNP discovery, BMC Genet. 2006; 7: 45 http://www.pubmedcentral.nih.gov/articlerender.fcgi?artid=1630699
  6. Dr. Alexander Pashos (Anthropologe), Thema "Kleidung", Galileo (Sendung), ProSieben TV, 1. August 2006
  7. http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/252008.html
  8. Ian Gilligan, http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/286920.html
  9. http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak12/AC/huttner/heinze/katja/seminar/keramik.pdf
  10. http://www.feuer-steinzeit.de/ressourcen/feuerstein.php
  11. http://www.utzipedia.de/obsidian.htm

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Kuckenburg: Vom Steinzeitlager zur Keltenstadt - Siedlungen der Vorgeschichte in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-1446-8
  • Christiane Althoff: »Die Ergebnisse der vorgeschichtlichen Forschung sind das alte Testament des deutschen Volkes«. Ur- und Frühgeschichte in den Schulen des Dritten Reiches. In: Christiane Althoff / Jochen Löher / Rüdiger Wulf (Hrsg.): Auch du gehörst dem Führer. „Nationalpolitische Erziehung“ in den Schulen der NS-Diktatur. Ein Buch zur Ausstellung im Westfälischen Schulmuseum Dortmund, Dortmund 2003, ISBN 3-00-005838-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Hochkulturen[Bearbeiten]

Der Beginn der Hochkulturen und der Schriftkultur ist im fruchtbaren Halbmond, der Region von Mesopotamien, Syrien und Palästina, zu finden. Die Hochkulturen in Ägypten, Kleinasien und Indien wurden von dort beeinflusst.

Um 2 500 vor Christi Geburt lebten im unteren Mesopotamien die Sumerer in Stadtstaaten mit Zehntausenden von Einwohnern. Sie schrieben Keilschrift auf Tontafeln, zunächst in Bilderschrift, dann in einer daraus entwickelten Silbenschrift. Eine ähnliche Entwicklung nahm die Hieroglyphenschrift der Ägypter, die ihrerseits aufgrund ihrer Konzentration auf das Niltal eine recht einheitliche Kultur entwickelten, die durch einen umfangreichen Totenkult mit Pyramiden, Mumien, Kleinplastiken und mehr gekennzeichnet war.

Der Raum von Syrien und Palästina bot keine vergleichbaren Flusslandschaften, kannte aber ähnlich große Siedlungen und wurde schon früh von Zweistromland und Ägypten zugleich beeinflusst. Einen charakteristischen Beitrag lieferte dieser Raum später durch die Entwicklung der Buchstabenschrift und die weit ausgreifenden Entdeckungsfahrten der Phönizier.

Zu den ältesten Kulturen gehört ebenfalls die Induskultur, deren Städte mehrstöckige Häuser und Kanalisation kannten, sowie in Südamerika die Kultur von Caral, die zwar schriftlos war, aber große architektonische Leistungen hervorbrachte, die erhebliche Kenntnisse in Geometrie voraussetzen.

Die erste europäische Hochkultur war die minoische, die durch Palastbauten wie den von Knossos um 2000 v. Chr. gekennzeichnet war.

Das afrikanische Reich von Kerma (im Raum von Nubien) das um 2000 v. Chr. entstand, entwickelte sich im Austausch mit Ägypten.

Nach 1750 v. Chr. drangen Truppen von Kerma auf ägyptisches Gebiet vor, doch gelang es Ägypten nach der Bildung des Neuen Reiches um 1500 das Reich von Kerma zu unterwerfen.

Weitgehend unabhängig von den westasiatischen und nordafrikanischen Hochkulturen entwickelte sich die chinesische, die um 1500 v. Chr. die Bronzeherstellung kannte. Ob die Kenntnisse von Streitwagen und Schrift vielleicht doch auf äußere Einflüsse schließen lassen, ist noch unklar. Die Schrift entwickelte sich jedenfalls nicht zur Silbenschrift weiter.

Naher Osten und Afrika[Bearbeiten]

Sumerer[Bearbeiten]

Das Reich Sumer und Akkad und sein Umfeld

Das Land Sumer lag südlich von Akkad in Mesopotamien. Die Sumerer beeinflussten im Laufe des 4. Jahrtausends v. Chr. den Übergang zur mesopotamischen Hochkultur entscheidend. Ihr Land nannten sie „ken-gir“, ihre Sprache „eme-gi(r)“; der Begriff „Šumeru“ ist die akkadische Bezeichnung für das Land und Volk der Sumerer. Diese Bezeichnung wird seit dem 19. Jahrhundert nach der Wiederentdeckung der sumerischen Schrift und Sprache auch für ihre Kultur verwendet.

Die sumerische Sprache ist nach heutiger Kenntnis wahrscheinlich mit keiner bekannten Sprache verwandt, deswegen bezeichnet man sie als isoliert. Das Sumerische wurde in Südmesopotamien bis etwa 1700 v. Chr. gesprochen. Daneben wurde es in ganz Mesopotamien über das Aussterben als Alltagssprache hinaus bis ins 1. Jhdt. v. Chr. als Religions-, Literatur- und Wissenschaftssprache verwendet. Das Sumerische ist eine der ersten Sprachen – wenn nicht die erste – für die eine Schrift entwickelt wurde (etwa 3200 v. Chr.), somit umfasst die Periode der schriftlichen Überlieferung einen Zeitraum von rund 3000 Jahren.

Die Thesen über die angebliche Verwandtschaft des Sumerischen mit anderen Sprachen sind zahlreich, aber alle bisher nicht stichhaltig.

Die Herkunft der Sumerer ist unbekannt, sicherlich sind sie – nach Ausweis ihrer Sprache – keine Semiten und auch nicht mit den nordöstlich angrenzenden Elamitern verwandt. Es wurden Thesen über eine mögliche Zuwanderung der Sumerer aus Zentralasien (siehe Oxus-Kultur) nach Mesopotamien aufgestellt, die aber nicht belegbar sind und deswegen von der Mehrheit der Fachleute nicht akzeptiert wurden. Ebenfalls nicht nachweisbar ist die These, dass es sich bei den Sumerern um eine autochthone mesopotamische Kultur handelt, allerdings gibt es auch keine archäologisch greifbaren Beweise für eine Zuwanderung nach Südmesopotamien im Verlauf des 4. Jahrtausends. Die früher auf sprachlichen Argumenten beruhende These der Einwanderung – basierend auf einem angeblichen präsumerischen Substrat der sumerischen Sprache – hat zunehmend ihre Unterstützung verloren.

Die Geschichte Sumers beginnt mit der so genannten Uruk-Zeit, ab etwa 4000 bis 3000 v.Chr. Die Sumerer siedeln am Euphrat. Aus Dörfern entstehen Städte. Uruk war damals die bedeutendste unter ihnen mit dem weit ausstrahlenden Inanna-Tempel.

Um 3100 v. Chr. wächst die Bevölkerung. Der Bewässerungsbau wird intensiviert, die Zentren der Städte werden zu heiligen Bezirken. Die Periode endet um 2900 v. Chr.

Altsumerisches Reich[Bearbeiten]

Am Anfang der Frühdynastischen Periode standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsa, Nippur, Ur und Uruk, welche etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten:

Erster bekannter Herrscher von Sumer ist Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war. Sein Nachfolger Mes-ki-agga-scher, König von Uruk (dem biblischen Erech), gründete weit südlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft über die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Er wurde von seinem Sohn En-mer-kar (um 2750 v. Chr.) abgelöst. Diesem folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Am Ende der Regierungszeit von Lugalbanda wurde En-me-bar-agesi (um 2700 v. Chr.), ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum führenden Herrscher von Sumer.

Die Akkader aus dem Norden unter Sargon vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Akkadisch wird Verwaltungssprache. Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die Gutäer.

Neusumerisches Reich[Bearbeiten]

Das Neusumerische Reich (2112 bis 2004 v. Chr.) unter der Herrschaft der 3. Dynastie von Ur, – Sumerisch als Verwaltungssprache, erste Zikkurate entstehen – endete unter dem Druck Elams aus dem Osten.

Kultur und Bedeutung der Sumerer[Bearbeiten]
Die Lage wichtiger Städte

Die Anfänge der sumerischen Kultur in der sogenannten Uruk-Periode reichen bis zum Anfang des 4. Jahrtausends zurück. Sie ist durch die Gründung der ältesten Städte und einer charakteristischen Keramik charakterisiert. Der Uruk-Periode ging die Ubaid-Kultur voraus, die sich durch ihre Tonware in Stil und Färbung auszeichnet, sowie durch frühe Siedlungen an den Wasserläufen; sie reicht bis in das 6. Jahrtausend v. Chr. zurück.

Obwohl die Schrift mehrmals in der Geschichte der Menschheit erfunden wurde (Ägypten, China, Maya), ist für Europa die sumerische Keilschrift von zentraler Bedeutung und vermutlich auch älter als die anderen hochentwickelten Schriften. Die Keilschrift wurde erfolgreich an das Akkadische und Hethitische (auch Hittitisch) angepasst und gilt als Vorläufer vieler Schriften.

Die Entwicklung des Rades – ebenfalls erstmals im Reich der Sumerer benutzt – steht in engem Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass domestizierte Tiere nicht nur eine Nahrungs- und Rohstoffquelle (z. B. Leder) sind, sondern auch als Zugtiere und Arbeitstiere dienen können (Pflug, Karren). Eine weitere Vorbedingung für die Nutzung des Rades sind ebene, breite Wege, die erst bei einer kritischen Bevölkerungsdichte und geeignetem Landschaftsrelief entstehen.

Landwirtschaft und Bewässerung[Bearbeiten]

Im Bereich der Landwirtschaft haben die Sumerer wahrscheinlich keine neuen Nutzpflanzen oder Nutztiere domestiziert; der Beitrag liegt hier in der Verfeinerung der Bewässerung sowie der Einführung der Milchwirtschaft. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstriche nur bedingt nutzbar. Nach den bisherigen Erkenntnissen bestand die Nahrung vor allem aus Graupen, Mehlbrei, Datteln, Honig, Sesamöl. Eiweiß lieferten Eier und Käse, Gänse, Enten, Hühner sowie Heuschrecken. Seltener gab es Schlachtfleisch der verwendeten Nutztierassen Rinder, Esel, Schweine, Schafe, Ziegen. Gejagt wurden Hasen, Wildschweine, Wildziegen, Wildschafe, Antilopen, Gazellen und Wildhirsche. Löwenjagd war Privileg der Könige. Intensiv wurde Fischfang betrieben, wobei teilweise auch abgerichtete Pelikane verwendet wurden. Karpfen wurden exportiert.

Handwerke und Bildung[Bearbeiten]

Durch Texte und Ausgrabungen wurden folgende Handwerke und Berufe identifiziert: Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Köche, Korbmacher, Töpfer, Steinschneider, Bildhauer, Tischler, Wagenmacher, Schiffbauer, Schneider, Friseure, Ärzte, Lehrer, Schreiber, Baumeister, Priester, Verwalter, Aufseher. Darüber hinaus gab es Führungsberufe wie Offiziere, Bürgermeister, Botschafter, Tempelverwalter, Leiter von Bibliotheken und Tafelhäusern.

Schulen wurden als Tafelhäuser bezeichnet. Zwei dieser Tafelhäuser wurden von französischen Archäologen in Mari ausgegraben. Die Schulbänke bestanden aus Lehmziegeln. Wortlisten lassen vermuten, dass es Schulen schon im 4. Jahrtausend vor Christus gegeben hat. Schultexte als direkte Belege wurden in Schuruppak[1] aus der Zeit Mitte des 3. Jahrtausends gefunden. Auf den Übungstafeln setzten die Schüler, die Söhne genannt wurden, immer ans Ende den eigenen Namen und dahinter den Namen des eigenen Vaters. Die Väter stammten alle aus den obengenannten Führungsberufen. In der Anfangszeit waren 2000 Schriftzeichen zu erlernen. Die Vater genannten Lehrer zeigten zum Teil Humor, wie eine Lehrgeschichte zur Addition von 9 und 1, die Fabel vom klugen und den neun dummen Wölfen zeigt. Als Fächer lassen sich Rechnen, Zeichnen und Sumerisch, d. h. Schreiben, Lesen identifizieren. Geschrieben wurden Aufsätze, Fabeln, Weisheitslehren, Hymnen und Epen.

Mathematik und Astronomie[Bearbeiten]

Die Sumerer haben die erste bekannte Kultur mit hoch entwickelter Mathematik hervorgebracht. Sie gelten als die Erfinder des Gewölbes und gründeten mit Ur, Uruk und Lagasch die ältesten bekannten Städte mit Monumentalbauten, insbesondere der für Mesopotamien typischen Zikkurat. Auch die Anfänge der Astronomie sind in Sumer zu finden.Sie kannten bereits Planeten wie Merkur.

Mythos und Religion[Bearbeiten]

Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten (auf welche dann später die heutigen 3 monotheistischen Religionen zum Teil aufgebaut sind, zum Beispiel: das Gilgamesch-Epos wird von einigen Wissenschaftlern als Vorbild der biblischen Sintfluterzählung gesehen ("Noahs Arche"), Neben den Haupt- und Urgöttern verehrten die Sumerer jeweils ihre Stadtgötter, die miteinander konkurrierten und in ihrer Hegemonie einander ablösten. Zusammen bildeten sie bereits ein gemeinsames Götterreich. Besondere Bedeutung haben die ältesten Tontafelfunde mit Fragmenten des Gilgamesch-Epos, die bereits in sumerische Zeit zurück weisen.

Land- und Stadtbezeichnung[Bearbeiten]

In der sumerischen, wie auch später in der akkadischen Sprache, wurde der Begriff KUR zuerst für Berg und Bergland verwendet; KUR-KUR stand für Gebirge, der sich in der Folgezeit zum Allgemeinbegriff für Fremdland/Land entwickelte. Städte oder Stadtstaaten hießen URU. In der sumerischen bzw. akkadischen Schreibung wurden die Begriffe hochgestellt vor dem jeweiligen Landes- oder Stadtnamen geschrieben, beispielsweise KURMizr oder URUUr.

Literatur[Bearbeiten]
  • Gebhard J. Selz: Sumerer und Akkader: Geschichte, Gesellschaft, Kultur, Beck, München 2005, ISBN 3-406-50874-X
  • Dietz-Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. C. H. Beck, München 2004. ISBN 3-406-51664-5.
  • Helmut Uhlig: Die Sumerer. Lübbe, Bergisch-Gladbach 1992. ISBN 3-404-64117-5.
Weblinks[Bearbeiten]
Anmerkungen[Bearbeiten]
  1. Dieser sumerische Ort südöstlich vom späteren Babylon wurde ab etwa 3400 v. Chr. besiedelt. Im Gilgamesch-Epos ist es die Stadt der Götter, in der Ziusudra die Sintflut verkündet wurde.

Ägypten[Bearbeiten]

Die Pyramiden von Gizeh von Süden gesehen; im Vordergrund die drei kleinen Königinnenpyramiden, dahinter die Pyramide des Mykerinos, in der Mitte die des Chephren und rechts die des Cheops („Große Pyramide“)

Die ägyptische Hochkultur begann mit der Prädynastischen Zeit. In dieser Zeit wuchsen Oberägypten und das heutige Unterägypten zusammen und entwickelten die Ägyptische Hieroglyphen. In der frühdynastischen Epoche stieß der Thinitenkönig Aha von Ober- nach Unterägypten vor und leitete die Reichseinigung ein. Er ließ eine zentrale Verwaltung in der neuen Hauptstadt Memphis errichten. Am Ende der ersten Dynastie 2780 v. Chr. hatten sich Abydos, Hierakonpolis, Buto und Sais als geistige Zentren Ägyptens entwickelt.

Der Pyramidenkomplex von Gizeh

Im Alten Reich ab 2707 v. Chr. begann der Bau der Pyramiden. Die erste, eine Stufenpyramide, ließ der Pharao Djoser erbauen. Er ließ sich unter der Pyramide beisetzen. Pharao Snofru, der um 2650 v.Chr. regierte, erweiterte das Reich nach Westen und Süden und ließ drei monumentale Pyramiden errichten, darunter wohl auch die Rote Pyramide in Daschur bei Sakkara.

Querschnitt durch die Cheops-Pyramide:
1. ursprünglicher Eingang
2. heutiger Eingang – Durchbruch von Al-Ma'mun
3. Verbindungsgang zwischen ab- und aufsteigendem Gang
4. absteigender Gang
5. unvollendete unterirdische Kammer
6. aufsteigender Gang
7. Königinnenkammer mit „Luftschächten“
8. horizontaler Gang
9. Große Galerie
10. Königskammer mit „Luftschächten“
11. Kammer mit Fallgittern
12. Brunnen- oder Serviceschacht mit „Grotte“

Die Regenten Cheops, Chefren und Mykerinos errichteten die Pyramiden von Gizeh. Sie entstanden etwa zwischen 2620 bis 2500 v. Chr. in der 4. Dynastie. Sie wurden auf einem rund 1000 mal 2000 m großen Kalksteinplateau errichtet, wobei neben dem Bau der Pyramiden auch Nebenpyramiden, Tempelanlagen, Gräberfelder und Arbeiterdörfer entstanden. Dabei kamen noch keine Fuhrwerke mit Rädern zum Einsatz, da die Ägypter zu dieser Zeit das Rad noch nicht kannten.

Die größte und vermutlich bekannteste Pyramide ist die des Cheops. Er regierte etwa um 2620 bis 2580 (2604 bis 2581) v. Chr. Die Cheops-Pyramide[1] war ursprünglich 146,6 m hoch. Damit war sie fast 4000 Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt[2] Sie wurde aus rund 3 Millionen Steinblöcken errichtet, deren durchschnittliches Gewicht je bei 2,5 t liegt, und war komplett mit Kalksteinblöcken verkleidet. Im Inneren befindet sich die Große Galerie, 8,5 m hoch und 47 m lang. Am Ende der Galerie befindet sich die Königsgrabkammer. In ihr stehen die Reste eines Granitsarkophages.

Des Weiteren existiert die sogenannte Königinnenkammer und die unterirdische erste Grabkammer. An der Ostseite der Pyramide befinden sich die Überreste des Totentempels und des Aufweges. Der Taltempel ist unter der modernen Stadt begraben. Südöstlich des Totentempels befinden sich die Pyramidenanlagen für die Königinnen.

In der 4. Dynastie wurde auch die älteste heute noch erhaltene Talsperre (Sadd-el-Kafara) gebaut. Der Sonnengott Re (auch: Ra) wurde in dieser Zeit zur wichtigsten Gottheit Ägyptens. Das Alte Reich zerfiel möglicherweise ausgelöst durch einen asiatischen Einfall im Delta oder eine Hungersnot.

Im Mittleren Reich förderte Amenemhet I. den Kult um Amun, stieß bis nach Nubien vor und entwickelte Handelsbeziehungen zu Phönizien. Mit dem Eindringen der Hyksos 1648 v. Chr. zerfiel das Mittlere Reich.

Im Neuen Reich (1550 v. Chr. bis 1070 v. Chr.) erreichte Ägypten seine größte Machtstellung. Es dehnte seinen Einflussbereich auf die Inseln Kreta, Zypern und die Kykladen aus und erreichte die politische Kontrolle von Napata in Nubien bis zum Euphrat.

Amenophis IV. (Echnaton) (etwa 1397-1380 v. Chr.) wählte die von ihm neu erbaute Stadt Achet-Aton als Regierungssitz und führte die Verehrung Atons als einzigen Gottes ein.

Unter Tutanchamun wurde der Atonkult wieder durch dir Verehrung der traditionellen Götter ersetzt. Sein Grab enthielt die spektakulärsten Grabfunde Ägyptens. Ramses II. bekämfte erfolgreich die Hethiter. Doch unter der 19. Dynastie zerfiel um 1186 v. Chr. auch das neue Reich.

Assyrer und Perser sowie makedonische Griechen besetzten das Land. In der 25. Dynastie herrschen sogar die verachteten Nubier oder Kuschiter über den Nilstaat. Alexander der Große begründete dann die griechische Herrschaft. Nach seinem Tode machte Ptolemaios I. Alexandria zur neuen Hauptstadt. Nach der Schlacht bei Actium, 31 v. Chr., wurde Ägypten römische Provinz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]
  1. Oft wird sie mit der Chephren-Pyramide, der zweitgrößten ägyptischen Pyramide, verwechselt. Die Chephren-Pyramide ist die mittlere der drei Pyramiden von Gizeh und wirkt größer als die des Cheops, da sie auf einem höheren Felsen errichtet wurde und deshalb ca. 10 m höher steht, aber knapp 3 m niedriger in ihrer Ursprungsgröße ist.
  2. Sie wurde erst im 14. Jahrhundert von der Kathedrale von Lincoln übertroffen. Heute ist sie, weil Steine abgetragen wurden, nur noch 138,75 m hoch.

Asien[Bearbeiten]

China[Bearbeiten]

Ausdehnung der Shang-Dynastie

Während für die Xia-Dynastie (夏朝) (um 2000 v. Chr.) nur archäologische Funde existieren, liegen für die Shang-Dynastie (商朝) (ca. 1570 - 1066 v. Chr.) bereits Schriftzeugnisse (Handschriften auf Muschelschalen) vor. Bronze wurde verarbeitet, Münzen geprägt, Wälle gebaut und es gab Pferde-Streitwagen.

Ausdehnung der Zhou-Dynastie

Für die Zhou-Dynastie (周朝) (1045 - 221 v. Chr.) liegen bereits viele zeitgenössische Dokumente vor. Anfangs gab es etwa 170 kleine Königreiche, die sich allerdings schon als ein Volk betrachteten. Durch Kriege, Heirat und Diplomatie schlossen sich die Königreiche immer weiter zusammen, so dass es zur Zeit der Streitenden Reiche nur noch sieben Königreiche gab. Es wurden schon Waffen aus Eisen benutzt und zur Zhou-Zeit war die Blütezeit der großen Philosophen Chinas.

Ausdehnung Chinas während der Qin-Dynastie

Das Reich der Qin war eines der sieben Königreiche am Ende der Zhou-Dynastie. Es verfügte über eine effektive Verwaltung und eine äußerst restriktive Gesetzgebung. König Zhao Zheng unterwarf die anderen Reiche und führte dadurch 221 v. Chr. die Reichseinigung herbei. Er ließ sich zum Kaiser krönen und nannte sich von da ab Qin Shihuangdi („Erster Gottkaiser von Qin“). Ganz China erhielt das effektive Verwaltungssystem des Reiches Qin. Außerdem wurden Maße, Gewichte und Schrift standardisiert. Unter Qin Shihuangdi wurde zur Verteidigung gegen die Nomadenstämme durch die Verbindung bereits bestehender Mauern der sieben Reiche die Chinesische Mauer geschaffen. Qin Shihuangdi wurde 210 v. Chr. mit der bekannten Terrakottaarmee als Grabbeigabe beigesetzt. Kurz nach seinem Tod kam es unter seinem Sohn zu Bauernaufständen, die in einem Bürgerkrieg zur Gründung der Han-Dynastie führten.

Gebiet der Han-Dynastie
Pferdeskulptur der Han-Zeit

Sie vergrößerte das Reich und war auch wirtschaftlich so erfolgreich, dass man das chinesische Volk von da an auch als Han-Chinesen bezeichnete. Mit der Unterwerfung der Kleinstaaten entlang der Seidenstraße entstand eine indirekte Handelsbeziehung mit dem Römischen Reich. Gleichzeitig erreichte der Buddhismus auf diesem Weg China. Zur Staatsphilosophie erhoben die Han-Kaiser jedoch den Konfuzianismus.

Die Drei Reiche

Als 220 der letzte Han-Kaiser abgesetzt wurde, hatten sich drei Reiche gebildet, die durch den sehr populären Roman Die Geschichte der Drei Reiche so bekannt geblieben sind wie Adam und Eva in der westlichen Welt. Sima Yan, ein Minister der Wei setzte den letzten Wei-Kaiser Cao Huan ab und begründete 265 die Jin-Dynastie. Dieser gelang es, das Reich wieder zu einen, doch konnten die Hsiung-nu, Nomaden aus dem Norden, den westlichen Teil des Reiches zerstören. Im Osten wurde Nanjing neue Hauptstadt.

Indien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Indiens

3000–1500 v. Chr.: Entfaltung der Indus-Kultur(heute Pakistan).

Die vedische Kultur hatte ihre Anfänge etwa ab 1500 v. Chr. und wurde von den (vom Norden her) einwandernden Ariern wesentlich geprägt, als sie sich mit den einheimischen Stämmen vermischten. Diese Wanderungsbewegungen gingen sehr langsam vonstatten. Die vedische Religion ist von Opferritualen und Hymnen an die Götter geprägt. Es entstanden die Riksamhitas, das sind Loblieder an die Götter. Die Götterwelt ähnelte der indogermanischen Götterwelt. Man bittet die Götter um Reichtum, Gold und Rinder. Die Lebensweise, die am Anfang noch halbnomadisch war, ging fließend in die Sesshaftigkeit über. Das Wort für Wagenzug (grama) zum Beispiel machte einen Bedeutungswandel durch und bedeutet später Dorf.

In der spätvedischen Zeit (ca. 900–600 v. Chr.) begann eine Phase der Urbanisierung und Reichsbildung. Im 5. Jahrhundert legte König Bimbisara den Grundstein für die zukünftige dominierende Stellung des Reiches von Magadha.

In der spätvedischen Zeit entstand die mythologische Legitimation für das Kastenwesen. An der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie standen die Brahmanen (Schriftgelehrte, Priester), gefolgt von den Kriegern Kshatriyas und den Händlern, Handwerkern und Bauern Vaishyas. Am unteren Ende der Gesellschaft befanden sich die Angehörigen der ursprünglichen Bevölkerung, die als Diener Shudras lebten. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Stratifizierung der Gesellschaft in der vedischen Zeit noch nicht so ausgeprägt war.

Das Ende der vedischen Zeit (6. und 5. Jahrhundert v. Chr.) war politisch wie auch religiös eine Zeit des Umbruchs. In Magadha traten zwei Religionsstifter hervor, deren Lehren zwar Gemeinsamkeiten mit dem vedischen Glaubenssystem aufwiesen, wie der Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) und das Gesetz der Tat (Karma), jedoch aber eine Weiterentwicklung bieten. Mahavira begründete der Überlieferung gemäß als letzter von 24 so genannten „Furtbereitern“, den auf asketische Traditionen zurückgehenden Jainismus. Der, ebenfalls als Prinz eines kleinen Fürstentums geborene, Siddhartha Gautama schließlich lehrte als Buddha 40 Jahre lang den „Weg der Mitte“, den Buddhismus.

Alexander der Große
Silbermünzen des Maurya-Reiches

Kurz nach dem Eindringen von Alexander dem Großen (326 v.Chr.) legte Chandragupta Maurya um 321 v. Chr. die Grundlagen für das erste indische Großreich, das Maurya-Reich. Unter König Ashoka (268–233 v.Chr.) reichte der Einfluss bis nach Südindien. Die zentrale Verwaltung mit ihrem Beamtenapparat umfasste jedoch nur das Kerngebiet des Reiches in der Gangesebene. Ashoka, der sich zum Buddhismus bekannte, begründete u.a. mit der Eroberung Kalingas das erste Großreich auf indischem Boden und zugleich den ersten, auf friedfertiger Toleranz beruhenden sozialen Wohlfahrtsstaat der Antike. Ashoka hinterließ zahlreiche Felsenedikte, weshalb diese geschichtliche Periode relativ gut dokumentiert ist. Das Reich zerfiel um 185 v.Chr. in zahlreiche Einzelstaaten. Der letzte Vertreter der Maurya-Dynastie wurde von seinem General Pushyamitra Shunga ermordet, der dann die Shunga-Dynastie begründete.

Die Shunga regierten zwischen 185 und 73 v. Chr. . Sie zogen den Brahmanismus erneut dem Buddhismus vor und pflegten das Sanskrit. Die Finanzierung buddhistischer Klöster war ihnen wohl zu teuer. Im Dekkan hatten sich die Shatavahana festgesetzt und anscheinend auch schon Ashokas Herrschaft entzogen. Sie regierten vier Jahrhunderte, ca. 230 v. Chr. bis 199 n. Chr., ihr Kernland war der Oberlauf des Godavari um Nasik und Paithan. Um 180 v. Chr. schlug ihr König Satakarni auch die Shunga zurück. Die vierte indische Macht neben Shunga, Shaka und Shatavahana war damals das wiederaufgestiegene Kalinga.

Um 50 v. Chr.: Die iranischen Parther verdrängen die Shakas, werden ihrerseits aber von den Kushana (ursp. Yüe-tschi) geschlagen, die in Baktrien und Gandhara ein blühendes Reich errichten. Unter König Kanishka (1./2. Jahrhundert n. Chr.) erreicht es seine größte Macht. Förderung und Entfaltung des Buddhismus (Kunstschulen von Mathura und Gandhara) gehören zu den kulturellen Leistungen.

320510 n. Chr.: In Nordindien herrschte die Dynastie der Gupta, während im Dekkan das Vakatakareich eine herausragende Position einnahm. Im 5. Jahrhundert kam es zur Errichtung der buddhistischen Universität von Nalanda, die mit über 10.000 Studenten und angeblich 9 Mio. Büchern die größte Lehrstätte der antiken Welt war. Die Guptas förderten Buddhismus und Hinduismus. Im 5./6. Jahrhundert erfolgte der Niedergang des Gupta-Reiches bedingt durch Reichsteilung und Hunneneinbrüche. Letztere verwüsteten Nordindien und beendeten die Zeit der blühenden Stadtkultur.

Amerika[Bearbeiten]

Bildrelief aus Palenque

Maya[Bearbeiten]

Am Ende der Archaischen Periode entstehen erste dauerhafte Siedlungen und Landwirtschaft im Mayagebiet. Erste den Maya zugerechnete archäologische Funde aus Cuello (Belize) werden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Von diesem Ursprungsort aus wird eine Aufspaltung und Bewegung nach Norden (Golf von Mexiko) angenommen. Ca. 1100 v. Chr. siedelten Jäger im Bereich von Copán (Honduras) und Lamanai, das mit einer permanenten Besiedlungszeit von etwa 3000 Jahren zu den am längsten genutzten Mayastädten gehört, wurde gegründet. Ca. 1000 v. Chr. wurde Cahal Pech besiedelt und blieb es bis ca. 700 n. Chr.

Tempelruinen von Tikal

In der Mittleren Vorklassik (ca. 900–400 v. Chr.) kommt es zur durchgehenden Besiedlung im gesamten Mayagebiet und zur Entwicklung von Handel zwischen den Städten. Etwa im 7. Jh. v. Chr. finden sich die ersten Siedlungsspuren im Gebiet von Tikal in Guatemala. Am Golf von Mexiko lassen sich etwa 500 v. Chr. erstmals Siedlungsbauten und steinerne Tempel nachweisen. Zu den ersten großen Städten der Maya gehören El Mirador mit der höchsten bekannten Maya-Pyramide (72 m) und Nakbe im heutigen Guatemala, von denen letztere seine Glanzzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. hatte.

Die klassische Maya-Zivilisation (ca. 300-900 n. Chr.) umfasste eine Reihe von Stadtstaaten, die jeweils einen eigenen Herrscher und ihm untergebene Verwalter hatte. In Tikal findet sich die erste datierte Maya-Stele von 292 n. Chr. Im Jahr 562 kommt es zu einem großen Krieg zwischen Calakmul und Tikal. Chichén Itzá wurde um das Jahr 650 gegründet. Mit der Ausbreitung über die ganze Yucatán-Halbinsel erreichte die Hochkultur der Maya ihre Blütezeit, während deren auch Uxmal und Cobá gegründet wurden. Weitere wichtige Städte waren Tikal, Calakmul, Bonampak und Quiriguá. Viele Städte waren durch Dammstraßen (Sakbe) miteinander verbunden. Die Städte hatten teilweise mehr als 10.000 Einwohner und waren damit größer als die größten Städte des damaligen Mitteleuropa.

Zu den Maya-Zentren der Klassik gehören unter anderen Bonampak, Calakmul, Caracol, Xunantunich, Lubaantun, Copán, Dos Pilas, Naranjo, Palenque, Piedras Negras, Tikal, Yaxchilán oder Yaxha.

Bereits im 9. Jahrhundert kam es dann zur Aufgabe einzelner Maya-Zentren im südlichen Tiefland und in der Folgezeit zu einem rapiden Bevölkerungsverlust in der gesamten Zentralregion Yukatans. Zahlreiche Städte wurden verlassen, die Bewässerungssysteme verfielen. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts wurden im gesamten Tiefland keine monumentalen Steinstelen mehr errichtet.[1]

Australien und Ozeanien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Australiens, Geschichte Ozeaniens

Wann die Besiedlung Australiens durch die Menschen begann, ist bis heute umstritten. Gewöhnlich wird sie zwischen 60.000 und 32.000 v. Chr. angesetzt.[2]

Da seit der späten Kreidezeit (ca. 70 Millionen Jahre) keine Landbrücke zu Asien bestand, muss die Besiedlung über die See erfolgt sein. Bis auf Neuguinea und einige benachbarte melanesische Inseln blieb Ozeanien zunächst unbesiedelt. Hier erfolgte ein Einwanderungsschub um 1500 v. Chr.. Eine Hochkultur mit Staatenbildung entwickelte sich in diesem Raum erst spät.

Europa[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Europas

Die älteste europäische Hochkultur ist die minoische, deren Blütezeit etwa von 1700 v. Chr. bis 1400 v. Chr. dauerte. Es folgte die Mykenische Kultur, die bis etwa 1000 v. Chr. von hohem Einfluss war und zum Teil mit der minoischen verschmolz. In Mitteleuropa begann die Eisenzeit etwa um 800 v. Chr., sie wurde von der Hallstatt- und der La-Tène-Kultur bestimmt. Diese Kulturen werden Illyrern und Kelten zugeschrieben.

Hallstattzeit[Bearbeiten]

Die Hallstattzeit bezeichnet einen Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit. Sie wird nach den Funden in einem ausgedehnten Gräberfeld oberhalb des Ortes Hallstatt im Salzkammergut (Österreich) benannt.

Chronologie[Bearbeiten]

Nach dem Schema von Paul Reinecke werden die ausgehende Bronzezeit und die frühe Eisenzeit in vier Perioden eingeteilt, Hallstatt A-D. Davon gehören HaA (1200–1000 v. Chr) und HaB (1000–800) zur bronzezeitlichen Urnenfelderkultur, HaC (800–650) und HaD (650–475 v. Chr) zu der eisenzeitlichen Hallstattkultur. An die Hallstattzeit schloss sich die La-Tène-Zeit an, die in die Perioden A-D unterteilt wird.

Leittypen:
  • HaC: Schwert Typ Mindelheim, Brillenfibeln, Harfenfibeln und Bogenfibeln, Lanze, Schild mit Schildbuckeln, Wagen
  • HaD: Dolch, verschiedene Fibeln

Da die Fibelmode sich rasch änderte, wurde HaD in 3 Stufen unterteilt (D1-D3). In HaD1 sind Kahnfibeln und Schlangenfibeln vorherrschend, in HaD2 die Paukenfibel sowie die Doppelpaukenfibel, die Fußzierfibel in HaD3. Der Übergang zu Latene-Zeit macht sich am Ende von HaD3 mit dem Auftreten von Tierfibeln, Certosafibeln, Mazzabottofibeln und Omegafibeln bemerkbar.

Der namensgebende Fundort[Bearbeiten]
Gräberfeld der Hallstattzeit

Die Hallstattkultur steht üblicherweise für die Periode der älteren Eisenzeit. Am Salzberg bei Hallstatt wurde 1846 von Johann Georg Ramsauer ein ausgedehntes Gräberfeld entdeckt und teilweise ausgegraben. Dabei ließ er die Ausstattung jedes einzelnen Grabes durch vorzügliche Zeichnungen dokumentieren, eine Seltenheit in der Frühzeit der Archäologie. Das Gräberfeld liegt in einem Hochtal über dem Hallstätter See. In dem Gebiet findet man Siedlungsspuren, die bis ins Neolithikum zurück reichen. Die Hauptphase der Besiedlung reicht aber von HaC bis LtA. Danach scheint Hallein die führende Position im Salzbergbau eingenommen zu haben. Das Gräberfeld umfasst über 1000 Gräber. 55% davon sind Körpergräber, 46% Brandgräber. Bei 26% der Gräber handelt es sich um Waffengräber, die meistens am äußeren Rand des Gräberfeldes angelegt wurden, während sich die waffenlosen Gräber in der Mitte befinden. In Frauengräbern fand man Fibeln, Gürtel und Schmuck, in Männergräbern Nadeln und Waffen.

Verbreitung und kulturelle Zuordnung[Bearbeiten]
Ausdehnung der Hallstattkultur

Fundstätten existieren von Nordostfrankreich bis zum Nordwesten der Balkanhalbinsel. G. Kossak teilte diesen Bereich 1959 in einen westlichen- und östlichen Kreis. Der Westhallstattkreis umfasst NO-Frankreich, Süddeutschland, das Mittelrheingebiet, Böhmen und Oberösterreich; zum Osthallstattkreis zählen Mähren, Niederösterreich, das westliche Ungarn, Slowenien und das nördliche Kroatien. Diese Zuordnung erfolgte nicht auf Grund verschiedener Sprachen oder Dialekte, da diese nicht überliefert sind, sondern basiert auf den Ausformungen der materiellen Kultur und den Bestattungsbräuchen.[3] Wurden im Westen wichtige Persönlichkeiten mit Schwert (HaC) oder Dolch (HaD) bestattet, gab man ihnen im Osten eine Streitaxt mit ins Grab. Im Westen gibt es reiche Wagengräber, während der Krieger im Osten mit seiner kompletten Bewaffnung, inklusive Helm, Brustpanzer, etc, beerdigt wurde. Da keine Schriftzeugnisse überliefert sind, ist unbekannt, welche Sprache die Hersteller der charakteristischen materiellen Kultur sprachen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kulturen in der Region des Caput Adriae mit den Illyrern gleichgestellt, inzwischen ordnet man die Westhallstattkultur gerne den Kelten zu. Ob eine Gleichsetzung von materieller Kultur, Sprache oder gar biologischer Abstammung möglich ist, gilt inzwischen jedoch als fraglich.

Sozialstruktur[Bearbeiten]

In dieser Zeit lässt sich eine deutliche Hierarchisierung der Gesellschaft feststellen, die sich besonders in reich ausgestatteten Bestattungen unter Grabhügeln, wie etwa dem Grab von Hochdorf an der Enz (Baden-Württemberg) teilweise mit der Beigabe von Wagen und Pferdegeschirr (Wagengrab) niederschlug. Das größte mitteleuropäische Hügelgrab dieser Zeit ist der Magdalenenberg in Villingen. Im 8. Jahrhundert v. Chr. begann sich das Eisen auch in Mitteleuropa zu etablieren. Dies hatte zur Folge, dass das alte Fernhandelssystem, welches den Handel mit Kupfer und Zinn kontrollierte, zusammenbrach. Es bildeten sich neue Verkehrswege mit neuen Handelsstationen. Durch den Handel mit dem begehrten Eisen entstand eine neue Oberschicht, die ihren erwirtschafteten Reichtum in mediterrane Importe und „Fürstensitze“ (v.a. in Baden-Württemberg, der Schweiz und Ostfrankreich) investierte. Statt der in der Bronzezeit üblichen Großsiedlungen entstanden vor allem in Bayern nun Einzelhöfe. Diese Herrenhöfe signalisierten einen neuen Anspruch auf Eigentum und das Bedürfnis nach Abgrenzung und Repräsentation. Diese neue Form von Selbstdarstellung führte auch zu einer Veränderung des Verhältnisses der Menschen zu Leben und Tod. Der Bestattungsritus änderte sich von den einheitlichen Urnenbestattungen der späten Bronzezeit zu teils pompösen Gräbern. Auch hier machte sich mit prunkvoll ausgestatteten Großgrabhügeln ein Repräsentationsbedürfnis bemerkbar. Diese Hügel dienten dann einer, selten mehreren Generationen als Grabstätte.

Über die Einordnung der Siedlungsorte der Oberschicht als „Fürstensitz“, gegliedert in Burg und Unterstadt, besteht eine wissenschaftliche Debatte. Wolfgang Kimmig (1910–2001), Prähistoriker der Universität Tübingen prägte den Begriff insbesondere für die Heuneburg am Oberlauf der Donau, sein Kollege Manfred Eggert (* 1941) ebenfalls an der Uni Tübingen lehnt den Begriff nach neueren Forschungen an der Außensiedlung der Heuneburg, am Ipf und in Hochdorf an der Enz ab und entwickelt ein differenzierteres Bild der keltischen Zentralorte. Seit 2004 wird die Siedlungsstruktur der Hallstattzeit im Forschungsprogramm „Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft untersucht.

Die ursprüngliche Definition Kimmigs hatte drei Kriterien um einen Ort als „Fürstensitz“ zu klassifizieren:

  • Die innere Struktur der Siedlung: Es müssen eine Burg und eine Unterstadt vorhanden sein
  • Die Funde: Es muss Importware (z.B. Weinamphoren aus Massilia, attische schwarzfigurige Keramik...) vor Ort gefunden worden sein
  • Grabhügel: In der nächsten Umgebung muss sich mindestens ein 'fürstlicher' Grabhügel befinden

Da dieses System ziemlich flexibel ist, stand man bald vor einer Vielzahl von Interpretationsmöglichkeiten. Manchmal reichten schon Funde einiger Scherben von Importkeramik, um einen Fundort als „Fürstensitz“ zu bezeichnen.

Beispiel: In Bragny sur Saône fand man attische Keramik, es handelt sich aber um eine Flachlandsiedlung und keine befestigte Höhensiedlung. Der Ausgräber Guillot interpretierte daraufhin die Siedlung als Handelsplatz, während Spindler darin einen „Fürstensitz“ sah.

Eggert sieht das Problem darin, dass man dem Fürstensitzkonzept einen bestimmten Siedlungstypus unterstellt. Waren die „Fürsten“ der Hallstattzeit aber auf einen bestimmten Typus festgelegt?

Handelsbeziehungen[Bearbeiten]

Funde von griechischer Keramik, etruskischen Bronzegefäßen in reichen Gräbern und in befestigten Siedlungen auch massaliotische Weinamphoren beweisen Kontakte mit dem Mittelmeerraum, vermutlich über Massillia und den Rhônelauf. Eisen wurde in der Hallstattzeit noch spärlich verwendet und setzte sich erst in der La-Tène-Zeit durch. Funde spezieller Pferdetrensen und von Dolchen mit durchbrochenem Griff belegen für Hallstatt C1 Kontakte mit der Steppenzone (Thrako-Kimmerischer Horizont).

Literatur[Bearbeiten]
  1. Die ökologischen Erklärungsmodelle nehmen an, dass der stark gewachsenen Bevölkerung eine zu geringe Ackerbaufläche zur Verfügung stand, zumal sie offenbar hauptsächlich im traditionellen und flächenintensiven Milpa-System bearbeitet wurde. (O. F. Cook: Milpa agriculture, a primitive tropical system. In: Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institution = Annual report, 1919. Washington, D.C., 1921: pp. 307-326.) Andere Erklärungsansätze sind Invasionen, Katastrophen, Epidemien und Klimaveränderungen.
  2. Einige wenige Forscher möchten auch das Aussterben der Megafauna um 130.000 v.Chr. auf menschliche Einwirkung zurückführen.
  3. N. Müller-Scheeßel: Die Hallstattkultur und ihre räumliche Differenzierung. Der West- und Osthallstattkreis aus forschungsgeschichtlicher Sicht. 2000

Allgemeine Übersichten:

  • S. Rieckhoff: Die Kelten in Deutschland. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2001
  • K. Spindler: Die frühen Kelten. 1996
  • B. Cunliffe: The ancient Celts. 1997

Forschung:

  • K. Kromer: Das Gräberfeld von Hallstatt. 1959
  • N. Müller-Scheeßel: Die Hallstattkultur und ihre räumliche Differenzierung. Der West- und Osthallstattkreis aus forschungsgeschichtlicher Sicht. 2000
  • L. Pauli: Die westliche Späthallstattkultur - Aufstieg und Niedergang einer Randkultur der antiken Welt. Bayer. Vorgeschichtsblätter, 60, 1995

Sozialstruktur:

  • Stefan Burmeister Geschlecht: Alter und Herrschaft in der Späthallstattzeit Württembergs. Waxmann, Munster 2000, Tübinger Schriften zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie Bd. 4

Chronologie

  • H. Parzinger: Chronologie der Späthallstatt- und Frühlatènezeit. Studien zu Fundgruppen zwischen Mosel und Save, 1988
Weblinks[Bearbeiten]
 Commons: Hallstattzeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Hallstattzeit Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Abgerufen am 14. Okt. 2008)
  • Landschaftsmuseum.de Archäologisches Lexikon (Abgerufen am 14. Okt 2008)
  • Fuerstensitze.de Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse (Abgerufen am 14 Okt. 2008)

Griechenland[Bearbeiten]

Hauptartikel: Antikes Griechenland

In der archaischen Zeit (ca. 700–500 v. Chr.) kam es zur großen Kolonisation des Mittelmeerraums. Gründe waren neben Überbevölkerung und Sicherung von Handelswegen auch innere Kämpfe in Griechenland. Im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. erlebte die Regierungsform der Tyrannis eine Blüte, so z. B. in Korinth, wo die Krypseliden um 660 v. Chr. an die Macht kamen. Um 550 v. Chr. gründete Sparta den Peloponnesischen Bund und zementierte damit seinen Herrschaftsanspruch. Um 500 v. Chr. führte der Ionische Aufstand zum Konflikt Griechenlands mit dem persischen Großkönig Dareios I.. Zunächst siegte Athen bei Marathon 490 v. Chr.

Zehn Jahre später kam es zu einem erneuten Feldzug unter Führung von Dareios Sohn Xerxes I.. Nach der Schlacht an den Thermopylen kam es bei Salamis zur Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichteten die zahlenmäßig überlegene persische Flotte (480 v. Chr.), ein Jahr später auch das persische Landheer in der Schlacht von Plataiai. Athen gründete 478/477 v. Chr. den Attischen Seebund. Auf den Grundlagen der Reformen Solons und des Kleisthenes von Athen sowie der Seeherrschaft Athens in der Ägäis entstand Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die entwickelte Attische Demokratie mit Perikles als leitendem Staatsmann.

Es war außerdem eine Blütezeit von Kunst, Literatur und Philosophie. So entstanden der Parthenon-Tempel und die Athena Parthenos von Phidias, die großen Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides sowie die klassische griechische Philosophie von Sokrates, Platon und Aristoteles.

Der Peloponnesische Krieg zwischen Sparta und Athen um die Vorherrschaft in Griechenland endete nach wechselvollem Verlauf mit der Niederlage Athens 404 v. Chr. Sparta konnte aber seine Hegemonie in Griechenland nicht aufrechterhalten und unterlag 371 v. Chr. in der Schlacht von Leuktra vernichtend; es folgte die kurze Zeit der Hegemonie Thebens 371–362 v. Chr. Philipp II. von Makedonien machte sein Land zur führenden Militärmacht in Griechenland. Er wurde 336 ermordet.

Philipps Sohn, Alexander der Große, besiegte die persischen Armeen und stieß bis nach Indien vor. Es begann das Zeitalter des Hellenismus. Die griechische Kultur verbreitete sich bis nach Indien (siehe auch Diadochen). Das Ende des Hellenismus ergab sich 146 v. Chr. durch die Eingliederung Griechenlands in das Römische Reich.

Römisches Reich[Bearbeiten]

Hauptartikel: Römisches Reich

Rom, ursprünglich ein Stadtstaat unter etruskischer Königsherrschaft, begann am Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere Rückschläge verkraften. Hier gab es zunächst den Galliersturm von 387 v. Chr. und mehrere Niederlagen gegen italische Volksstämme. Es folgten die Samnitenkriege (1. 343–341 v. Chr.; 2. 326–304 v. Chr.; 3. 298–290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340–338 v. Chr.). Rom legte an strategisch wichtigen Orten Kolonien an und schloss Bündnisse mit mehreren italischen Stämmen, die jedoch nicht das römische Bürgerrecht erhielten. Konkurrenten waren die Etrusker nördlich von Rom, die Kelten in der Poebene und die griechischen Kolonien in Süditalien.

Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (außer Oberitalien, welches erst später annektiert wurde). Um 275 v. Chr. wurden die griechischen Stadtstaaten in Süditalien erobert, nachdem es gelungen war, den Pyrrhus von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesinnten Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen führte.

Punische Kriege und Eroberung des östlichen Mittelmeerraums[Bearbeiten]

Im Ersten Punischen Krieg (264–241 v. Chr.) eroberte Rom Sizilien, später auch Sardinien und Korsika). Daraufhin errichtete die karthagische Familie der Barkiden in Hispanien eine Art Kolonialreich.

Im Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) marschierte der karthagische Feldherr Hannibal nach der römischen Kriegserklärung überraschend über die Alpen und vernichtete mehrere römische Armeen. Die Cannae (216 v. Chr.) war die schwerste Niederlage der römischen Geschichte, doch trotz seiner Siege konnte Hannibal Rom nicht erobern. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika über und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle außerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte.

Die hellenistischen Großreiche um 200 v. Chr.

Ab 200 v. Chr. mischte sich Rom in die Politik der hellenistischen Großreiche ein. Rom kämpfte 200–197 v. Chr. in Griechenland gegen Philipp V. und im Römisch-Syrischen Krieg (192–188 v. Chr.) gegen das hellenistische Seleukidenreich unter Antiochos III.. So wurde es auch zur Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. 146 v. Chr. wurden Griechenland und nach dem Dritten Punischen Krieg (150–146 v. Chr.) Karthago römische Provinz. Schließlich war 63 v. Chr. nur noch Ägypten der Ptolemäer unabhängig, wurde aber zu einem römischen Protektorat. An der Grenze des Partherreiches fand die römische Expansion aber ihr Ende.

Revolutionszeit und Bürgerkrieg[Bearbeiten]
Gaius Iulius Caesar

Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die in die Epoche der Bürgerkriege mündete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform endete. Die Brüder Tiberius Sempronius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus hatten mit der Grachischen Reform die Benachteiligung der Bauern aufheben wollen, scheiterten aber dabei.

Statt dessen unternahm Marius eine Heeresreform, die den Feldherren mehr Macht gab. Dabei setzte sich Gaius Iulius Caesar, der im Gallischen Krieg ein ihm ergebenes Heer aufgebaut hatte, gegen Gnaeus Pompeius Magnus durch (Pharsalos). Im Februar 45 v. Chr. wurde er zum Diktator auf Lebenszeit erhoben, doch 44 v. Chr. durch eine Verschwörergruppe unter Brutus und Cassius ermordet.

Augustus, der erste römische Kaiser

In dem Bürgerkrieg, der nun ausbrach, setzte sich Augustus gegen die Verschwörer und danach gegen seinen Rivalen Marcus Antonius durch.

Prinzipat[Bearbeiten]
Trajanssäule mit Darstellungen aus den Dakerkriegen

Anders als Cäsar respektierte Augustus nach außen hin die Macht des senatorischen Adels und konnte so eine indirekte Art der Herrschaft begründeden, das Prinzipat. Schon bald aber hatte er so viel Macht, dass er seine Position an den von ihm ausgewählten Nachfolger Tiberius vererben konnte. Trotz großer Schwächen seiner Nachfolger (Cäsarenwahn, Nero) blieb diese Herrschaftsform erhalten und führte unter den Kaisern Trajan und Hadrian zu einer Glanzzeit des Reiches.

Beginnenden Krisenerscheinungen begegnete Caracalla, indem er das römische Bürgerrecht an alle freien Untertanen verlieh (Constitutio Antoniniana). Doch kam es unter seinen Nachfolgern zur Reichskrise, in der nur noch militärisch legitimierte Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der neupersischen Sassaniden standhielten (Römisch-Persische Kriege). Dabei kam es zeitweise zur Abspaltung einzelner Provinzen (Gallisches Sonderreich), die aber unter Aurelian wieder rückgängig gemacht werden konnten.

Spätantike[Bearbeiten]
Hauptartikel: Römisches Reich in der Spätantike
Kopf der Kolossalstatue Konstantins in den Kapitolinischen Museen in Rom

Mit Diokletian vollzog sich 284 der Übergang in die Spätantike, die von einer – im Gegensatz zur vorherigen Zeit – stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung sowie dem späteren Sieg des Christentums geprägt war. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die Tetrarchie, wo es zwei Senior-Kaiser (Augusti) mit jeweils einem Junior-Kaiser (Caesar) gab. Denn ein Kaiser allein konnte das Imperium wegen des Drucks auf die Grenzen nicht regieren, wenn er zu stark in Feldzügen engagiert war.

Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. Rom blieb der ideelle Mittelpunkt des Reiches, auch wenn die Kaiser ihre Residenzen nun in die Nähe der Grenzen, so etwa nach Trier, verlegten.

Konstantin der Große verlegte die Hauptstadt dann nach Konstantinopel und bevorzugte das Christentum (konstantinische Wende). 361 kam es unter seinem Neffen Julian Apostata zu einer kurzen Wiederbelebung des Heidentums. Doch war sie nicht von Dauer, weil Julian schon 363 bei einem Perserfeldzug ums Leben kam.

Unter Valentinian I. wurde das Reich aus Verwaltungsgründen vorläufig und nach dem Tod Kaiser Theodosius’ I. endgültig geteilt. Doch galten die Gesetze des einen Kaisers normalerweise auch im Machtbereich des jeweils anderen. In seine Zeit fällt auch die Einführung des Christentums als Staatsreligion.

Aufbruch und Kontinuität[Bearbeiten]

Naher Osten - Aufstieg des Islam und Niedergang des Byzantinischen Reiches[Bearbeiten]

Mohammed und die Entstehung des Islam[Bearbeiten]

Um das Jahr 571 wurde der spätere Prophet Mohammed in Mekka geboren. Wir wissen von einer Handelsreise nach Syrien, die der 25-jährige Mohammed im Auftrag von Chadidscha unternahm, einer reichen Kaufmannswitwe, die er 595 heiratete.

Im Alter von vierzig Jahren (611) hatte Mohammed schließlich Visionen, die er als Wort Gottes (Allahs) zunächst nur seinem unmittelbaren Umfeld verkündete; später bildeten diese Eingebungen, in Suren gestaltet, den Koran. Als die Anhänger der neuen Religion die alten Götter zu bekämpfen begannen, kam es zum Bruch zwischen Mohammed und den Koreischiten. Mohammed unterstellte sich 620 mit seinen Anhängern dem Schutz der beiden medinensischen Stämme der Aus und Hasradsch (Chazradsch), die einen Schlichter (arab. hakam) für ihre Zwistigkeiten suchten. Ibn Ishaq, einer der wichtigsten Biographen Mohammeds, berichtet von mehreren Treffen auf dem 'Aqaba, einem Hügel in der Nähe Mekkas, auf denen Mohammed mit den Medinensern (die daraufhin Ansar „Helfer“ genannt wurden) ein Bündnis schließt. Im September 622 zieht Mohammed mit seinen Anhängern von Mekka nach Yathrib (Medina), ein Ereignis, das als Hedschra den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert.

Die Übersiedlung nach Medina markiert zugleich auch den Beginn der politischen Tätigkeit Mohammeds. Der islamische Staat entsteht. Mohammed hatte in der medinensischen Gesellschaft die angesehene Stellung eines Schlichters und wurde zugleich als Oberhaupt der islamischen Gemeinde, der Umma angesehen.

Der Islam erfuhr in Medina seine gesellschaftliche Ausformung. Die medinensischen Suren des Korans nehmen immer stärker Bezug auf konkrete Regelungen des Lebens und der Organisation der islamischen Gemeinschaft; die Unterschiede zu den Juden und Christen werden betont und von den Un- und Nichtgläubigen geschieht eine stärkere Abgrenzung.

Gleichzeitig kommt es zur militärischen Konfrontation mit Mekka, in der Mohammed als militärischer Führer der Muslime auftritt. Mohammed führt seit 623 mehrere Feldzüge (majazi) gegen Mekka (Sieg der Moslems in der Schlacht von Badr (624), die Schlacht am Berge Uhud (625) und die Grabenschlacht (627)) bis im März 628 ein Waffenstillstand geschlossen wurde.

629 traten die Muslime zum ersten Mal die Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) an, und übergaben die Führer von Mekka die Stadt an Mohammed, nachdem ihnen versichert worden war, dass die Stadt ihren Charakter als Wallfahrtsstätte behalten werde. Mohammed ließ die heidnischen Symbole entfernen.

In den Jahren vor dem Tode Mohammeds 632 weitete sich der Einfluss des Islams auf die ganze arabische Halbinsel aus. Mit den Stammesführern wurden Verträge geschlossen, die teils eine Tributpflicht, teils die Anerkennung Mohammeds als Propheten enthielten. Eine der Hauptursachen für die rasend schnelle Ausbreitung des Islams lag in der inneren Struktur der Gesellschaftsordnung. Die von Ibn Hisham überlieferte Verfassung von Medina legte eine Beistandspflicht der Moslems untereinander sowie das Verbot, andere Moslems anzugreifen fest. Die in der vorislamischen Zeit so beliebten Beutezüge der Stämme richten sich nun ausschließlich gegen Nichtmuslime, da nur gegen diese Krieg geführt werden durfte, während der Islam das „Haus des Friedens“ (Dar ul-Islam) war.

Als Mohammed am 8. Juni 632 in Medina starb, hinterließ er keinen männlichen Erben. Seine einzige Tochter war Fatima. Neben dem Koran wurden auch die Überlieferungen (Hadith, z. B. von Al-Buchari) seines normativen Redens und Handelns (Sunna) für die Nachwelt bedeutend.

Die Ära der rechtgeleiteten Kalifen[Bearbeiten]

Der Begriff „Rechtgeleitete Kalifen“ - الخلفاء الراشدون - bezieht sich ausschließlich auf die ersten vier Kalifen, namentlich

  • 632–634 Abdallah Abu Bakr
  • 634–644 Umar ibn al-Chattab
  • 644–656 Uthman ibn Affan
  • 656–661 Ali ibn Abi Talib

und bezeichnet jene Kalifen, welche die Umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, noch ungespalten führten. Kalif hieß zwar, der Nachfolger des Propheten zu sein, aber die frühen Kalifen waren keine Alleinherrscher. Ihre Herrschaft war noch stark geprägt von der vorislamischen Stammesgesellschaft. Sie genossen vor allem religiöse Autorität, amtierten als Leiter des Gebets und als Schiedsrichter.

Erster Kalif: Abu Bakr[Bearbeiten]

Als Mohammed 632 starb, stellte sich für die Moslems die Frage seines Nachfolgers. Schon damals trat der Gegensatz zwischen den einzelnen Gruppen, den frühesten Gefährten Mohammeds, den zum Islam konvertierten Medinensern und den erst vor kurzem konvertierten einflussreichen Mekkanern zu Tage. Man einigte sich schließlich auf Abdallah Abu Bakr (ca. 573–634), einen Mann der ersten Stunde, dessen Tochter Aischa Mohammeds Frau gewesen war und der auch schon zu Lebzeiten Mohammed als Leiter des öffentlichen Gebets vertreten hatte. Seine kurze Herrschaft zeichnete sich im wesentlichen durch eine Konsolidierung des jungen Islam aus. Viele der Stämme der arabischen Halbinsel wollten eine Nachfolge für den Propheten nicht akzeptieren und erhoben sich, Abu Bakr unterwarf sie jedoch und band sie so dauerhaft. Bereits 634 starb er.

Zweiter Kalif: Umar[Bearbeiten]

Zu Details und Literatur siehe den Artikel Islamische Expansion.

Auf Abu Bakr folgte Umar ibn al-Chattab. Es sollte an ihm sein, den islamischen Herrschaftsbereich mit militärischen Mitteln auszuweiten und somit das Islamische Weltreich zu begründen.

634 fielen fast zeitgleich arabische Armeen sowohl in das byzantinische (oströmische) Palästina und Syrien als auch in das sassanidische (persische) Mesopotamien (heute Irak) ein, die beide noch von den langen, gegeneinander geführten Kriegen erschöpft waren.

Nach einigen kleineren Gefechten entschied sich 636 das Schicksal des christlichen Vorderen Orients in der Schlacht am Jarmuk im heutigen Jordanien. Jerusalem fiel 638 an die Muslime. Die Truppen des Kaisers Herakleios wurden geschlagen und die Byzantiner räumten Syrien. Statt dessen konzentrierten sie ihre Kräfte auf die Verteidigung Ägyptens, welches jedoch 639/40 ebenfalls überrannt wurde. 642 fiel Alexandria, in den 70er Jahren wurde die nordafrikanische Küste erobert, wobei sich Karthago allerdings bis 697/98 halten konnte. Damit war Byzanz auf Kleinasien, die Stadt Konstantinopel und einige Inseln und Küstenbereiche in Griechenland beschränkt. Im Zusammenhang mit der Eroberung Ägyptens und Syriens wurde in der älteren Forschung öfters unterstellt, dass die Araber von den Monophysiten und der Assyrischen Kirche des Ostens begeistert empfangen worden seien. Die neuere Forschung stellt dies allgemein eher in Frage, da die Quellen belegen, dass auch hier (wenigstens zeitweise) starker Widerstand geleistet wurde, wenngleich in diesen Regionen wohl doch eine gewisse Entfremdung zur Reichskirche spürbar war.

Das Sassanidenreich ging sogar vollständig im Islamischen Reich auf. Im Südirak kam es (wahrscheinlich 636) bei Kadesia zur Schlacht. Nach der dortigen Niederlage zogen sich die sassanidischen Truppen ins persische Herzland zurück. Sogar die Hauptstadt Ktesiphon musste aufgegeben werden. Doch ist der persische Widerstand damit noch nicht gebrochen. 642 kam es bei Nehawend zum „Sieg aller Siege“: das persische Heer wurde vernichtet. Der letzte sassanidische Großkönig Yazdegerd III. wurde im Zuge interner Machtkämpfe unter den Sassaniden im Jahre 651 in Merw ermordet, sodass die Araber fast unbehindert den Iran besetzen konnten, auch wenn sich die Bevölkerung dem mit unterschiedlicher Heftigkeit und Stärke widersetzte. Tatsächlich wurde hier teilweise spürbarer Widerstand geleistet; erst nach und nach erlischt der Widerstand im Iran, und damit ist das Ende der letzten altorientalischen Staatsgründung besiegelt.

Umar setzte auch Amr ibn al-As als seinen Statthalter für Palästina und Ägypten ein, der die Herrschaft in der Region langfristig zuverlässig aufrecht erhielt und noch mehrfach wertvolle Unterstützung für die späteren Schlachten der Kalifen und speziell für Ali leisten sollte. Im Jahre 644 wurde Umar von einem christlichen persischen Sklaven ermordet.

Die Bevölkerung in den eroberten Gebieten arrangierte sich schließlich (und auch eher notgedrungen) mit den Eroberern, wenngleich in den Quellen die Eroberung der christlichen Gebiete teilweise mit der nahen Apokalypse in Verbindung gebracht wurde[1] und wenngleich weite Teile der eroberten Gebiete noch längere Zeit christlich bzw. zoroastrisch blieben. In diesem Kontext ist auch die weitgehende Toleranz der Eroberer gegenüber religiösen Minderheiten zu erwähnen. Ein Zeitzeugnis dafür stellt der Brief eines nestorianischen Bischofs dar (wobei jedoch zu berücksichtigen ist, dass die Nestorianer im Byzantinischen Reich von der Reichskirche als Häretiker angesehen wurden): „Diese Araber, denen Gott in unseren Tagen die Herrschaft gegeben hat, sind auch unsere Herren geworden; sie bekämpfen jedoch nicht die christliche Religion. Vielmehr schützen sie unseren Glauben, achten unsere Priester und Heiligen und machen Zuwendungen an unsere Kirchen und unsere Klöster.“[2] In der Folgezeit kam es jedoch durchaus zu Ausschreitungen gegenüber Andersgläubigen, über die etwa die Chronik des Pseudo-Dionysius von Tell Mahre berichtet. Ebenso nahm schließlich der Steuerdruck auf Nicht-Moslems zu.

Ausschlaggebend für die schnelle Eroberung der ehemals byzantinischen und persischen Gebiete war letztendlich wohl vor allem die hohe Motivation und Beweglichkeit der arabischen Truppen sowie die Tatsache, dass Byzanz und Persien von dem erst 628/29 beendeten blutigen Krieg gegeneinander erschöpft waren (siehe Römisch-Persische Kriege) – was die arabische Expansion erheblich erleichterte und wohl sogar erst ermöglichte.[3]

Dritter Kalif: Uthman[Bearbeiten]

Mit der Herrschaft von Uthman ibn Affan begann eine Zeit innerer Auseinandersetzungen im Islam, die letzten Endes zur Spaltung der Gemeinde führen sollte. Er war wie Mohammed ein Angehöriger des Stammes der Quraisch, aber gehörte zur reichen Sippe der Umayyaden und setzte deren Interessen durch.

Seine bedeutendste Tat war die abschließende und bis heute maßgebliche Redaktion des Koran, etwa zwanzig Jahre nach dem Tod des Propheten Mohammed. Um 651 kam die erste islamische Expansion gen Westen in der Cyrenaica (Libyen) und gen Osten am Oxus (Nordpersien, Turkmenistan, Afghanistan) zum Erliegen. Kleinasien (die heutige Türkei) blieb (bis ins 11./13. Jahrhundert) byzantinisch.

Nepotismus und Misstrauen gegenüber den weitgehend unabhängig agierenden Statthaltern in den Provinzen des neuen Großreichs führten zu deren Ersetzung durch enge Verwandte, der Wichtigste unter ihnen war Mu'awiya in Syrien (später Muawiya I.). 656 wird Uthman im Gebet in Medina von Aufständischen ermordet. Ob der gedemütigte 'Amr ibn al-'As hinter dem Anschlag stand, Uthmans Nachfolger auf dem Kalifenthron Ali ibn Abi Talib oder gar Aischa, die Witwe des Propheten, bleibt im Dunkeln.

Vierter Kalif: Ali[Bearbeiten]

Aufgrund der Unruhen in Medina kamen einige Sahabas zusammen und baten Ali, als neuer Kalif auf Uthman zu folgen. Ali nahm dieses Angebot jedoch nicht an, sondern bestand auf eine rechtmäßige Wahl, die ihn zum Kalifen machen sollte, so wie sie auch bei den vorigen Kalifen üblich war. Am 17. Juni 656 wurde Ali von den Sahabas in der Moschee von Medina zum vierten Kalifen gewählt. Die Einsetzung Alis als Kalif, Vetter und Schwiegersohn des Propheten, empfanden nicht alle Seiten als akzeptabel. 'A'ischa, Mohammeds Witwe und Mu'awiya suchten zunächst nach der Bestrafung der Mörder Uthmans. 656 kam es so zur Kamelschlacht zwischen Ali und Mu'awiya, bei der auch Aischa mitzog. Diese Schlacht kam jedoch nur deshalb zustande, weil einige Aufrührer die Friedensgespräche zwischen den beiden Parteien mit einer List störten. Technisch gesehen gewann zwar Ali den Kampf, aber eine Entscheidung war diese Schlacht noch nicht. 657 kommt es dann zu einer zweiten Schlacht, der Schlacht von Siffin am mittleren Euphrat, ein Schiedsgericht im Anschluss daran sollte die Frage, wem das Kalifat nun zustehe, endgültig beantworten. Nachdem Ali sich dazu bereit erklärte, kündigte ihm ein Teil seiner Anhänger, die so genannten Charidschiten, die Gefolgschaft. Sie warfen Ali Schwäche vor. Das Urteil klärte die Situation nicht eindeutig, was Alis Position weiter schwächte. Ali und Mu'awiya wurden formal abgesetzt. Alis Herrschaftsbereich beschränkte sich nun auf den Südirak. Er wurde 661 von einem Charidschiten ermordet.

Aufspaltung in Sunniten und Schiiten[Bearbeiten]

Bereits 660 errichtete Mu'awiya in Damaskus ein Gegen-Kalifat. Die als Besudelung des Islams empfundene Auseinandersetzung zwischen den beiden führte zu einer Verschwörung von Charidschiten, die sich in Mekka gesammelt hatten, 661 fanden gleichzeitig Anschläge auf Ali und Mu'awiya statt, nur Mu'awiya überlebte. Damit wurde dieser Kalif.

Aber die Parteigänger Alis akzeptierten ihn nicht als Kalifen. So kam es zum Schisma zwischen den Sunniten und der Schi'at 'Ali. Die Partei Alis zog sich in den Süden des Iraks zurück, und es begann mit Mu'awiya die Dynastie der Umayyaden.

Siehe auch: Kalifat, Islamische Expansion, Schia, Ali

Das Kalifenreich[Bearbeiten]

Die Umayyaden[Bearbeiten]
Die umayyadischen Kalifen von Damaskus
661–750
Name von bis
Mu'awiya I. 661 - 680
Yazid I. 680 683
Mu'awiya II. 683 684
Marwan I. 684 685
Abd al-Malik 685 705
al-Walid I. 705 715
Sulayman 715 717
Umar Ibn Abd al-Aziz 717 720
Yazid II. 720 724
Hischam 724 743
al-Walid II. 743 744
Yazid III. 744
Ibrahim 744
Marwan II. 744 750

Das Umayyaden-Kalifat dauerte von 661 bis 750. Die Umayyaden waren eine Sippe aus dem arabischen Stamm der Koreischiten, dem auch die Sippe der Haschemiten des Propheten Mohammed angehörten. Sie regierten von Damaskus aus, dem neuen Machtzentrum des Reichs.

Der erste Umayyaden-Kalif war Mu'awiya I. (reg. 661–680), der die Nachfolge des letzten rechtgeleiteten Kalifen Ali antrat. Mu'awiya regierte autoritär, war aber kein Alleinherrscher, sondern hatte Stammesälteste (Scheiche) und andere Persönlichkeiten zur Seite. Das Großreich erlebte eine Phase der Konsolidierung und des inneren Friedens.

674 bis 678 wurden fast jährlich Vorstöße nach Kleinasien unternommen und Konstantinopel belagert. 679 kam es dann zum Friedensschluss mit dem oströmischen Reich (Byzanz), das tributpflichtig wurde.

Die Schlacht von Kerbela am 10. Oktober 680 manifestierte die Spaltung der Muslime, als der Enkel Muhammads und Sohn von Ali, Hussein, getötet wurde. Hussein beanspruchte die Herrschaft über die Muslime, verlor aber die Schlacht. In der Folge (bis 692) kam es zu Bürgerkriegen.

Danach folgte wieder eine Periode des inneren Friedens. Der Irak gewann an Bedeutung, und die Städte Basra und Kufa entwickelten sich zu kulturellen Zentren. Ab 696 setzte eine Arabisierung in den ehemals oströmischen und persischen Provinzen ein. Die arabische Sprache löste Griechisch und Persisch als Verwaltungssprache ab.

Bereits 693 fiel Armenien an das Islamische Reich (bis 885). Karthago wurde schließlich 697 erobert.

Unter al-Walid I. (reg. 705–715) kam es zur Zweiten Expansionswelle des Islamischen Reichs. Die Muslime stießen bis nach Spanien vor und schlugen dort das Reich der Westgoten. Die neue Provinz hieß Al-Andalus (Andalusien). Im Osten wurde im gleichen Jahr der Indus (Pakistan) erreicht. Weiter ging es in der Folge nach Usbekistan (damals Transoxanien mit den Städten Buchara und Samarkand und die Landschaft Choresmien südlich des Aralsees).

Der Belagerungsversuch Konstantinopels scheiterte 717/718. Einzelne Expeditionen stießen 726 bis 740 nach Kleinasien vor.

Die Schlacht von Tours und Poitiers 732 beendete eine arabische Razzien gegen Eudo von Aquitanien nach Frankreich. Die Festungen Narbonne, Carcassonne und Nîmes und Teile der Provence blieben aber vorerst muslimisch. (siehe auch: Islam in Frankreich).

Der persische Rebell Abu Muslim konnte schließlich den religiösen Widerstand aus Mekka und Medina einerseits und der Schiiten andererseits bündeln und trug dazu bei, dass 750 die Herrschaft der Umayyaden endete.

Die Umayyaden wurden verfolgt, aber konnten 756 unter Abd ar-Rahman I. das Emirat von Córdoba (Spanien) vom Großreich abspalten und die Dynastie dort weiter führen (bis 1031 zum letzten Kalifen von Córdoba).

Siehe auch: Umayyaden
Die Abbasiden[Bearbeiten]

Die Dynastie der Abbasiden regierte von 749 bis 1258. Sie stammt von Abbas ibn Abdulmuttalib, einem Onkel von Mohammed, ab und gehört also zur Sippe der Haschemiten.

Abu l-Abbas as-Saffah war der erste abbasidische Herrscher. Er war ein Ururenkel des o.g. Abbas. Damit war wieder ein Verwandter des Propheten an der Macht. Er starb schon 754.

Sein Nachfolger Al-Mansur (reg. 754–775) gründet die Stadt Bagdad und macht sie zum neuen Zentrum des Islamischen Reichs. Die Blütezeit des Islams beginnt. Durch die geografische Nähe der neuen Hauptstadt zu Persien, waren viele Perser Träger dieser Hochkultur der islamischen Philosophie, Kunst, Literatur, Forschung und Technik.

Mansurs Enkel Harun ar-Raschid (reg. 786–809) ist der wohl bekannteste islamische Herrscher, verewigt in den Märchen von Tausendundeine Nacht. Das Kalifenreich war nun auf dem Höhepunkt seiner kulturellen Blüte. Namen von Intellektuellen wie Al-Kindi (800–873), Ar-Razi (864–930), Al-Farabi (870–950), Avicenna (980–1037) künden von diesem Zeitalter islamischen Geisteslebens.

Zwar kam es im 9. und 10. Jahrhundert zu weiteren Ausgliederung von Provinzen mit eigenen Dynastien

aber sie alle erkannten die Oberhoheit des Kalifen in Bagdad an.

Die Grenzen des Reiches blieben dabei stabil, es kam jedoch immer wieder zu Konflikten mit Byzanz, so 910 um Zypern, 911 um Samos und 932 um Lemnos.

Die Zeit der Seldschuken[Bearbeiten]

Die Seldschuken waren Türken aus deren ursprünglichen Siedlungsgebieten nördlich des Oxus in Transoxanien (v. a. Turkmenistan, Usbekistan). Im Gegensatz zu den Persern im Süden waren sie Sunniten.

Um 1025 bis 1030 stießen sie in das Kalifenreich vor. 1055 eroberten sie die Hauptstadt Bagdad, 1071 Jerusalem und 1076 Damaskus.

In Kleinasien (heutige Türkei) etablierte sich 1097/98 das Sultanat der Rum-Seldschuken.

1067 gründeten die Seldschuken die Nizamiyya in Bagdad als Gegenpol zur damals ismailitischen Azhar in Kairo. Der bedeutendste Lehrer sollte bald der Theologe Al-Ghazali (1058–1111) werden, der den Sufismus mit dem sunnitischen orthodoxen Islam zu vereinen suchte. Mit der Wiederbelebung der Theologie leitete er aber auch den Niedergang der lebendigen Philosophie im Osten des Islamischen Reichs ein.

1194 wurde der letzte Seldschuken-Sultan in Persien von den sunnitischen Choresm-Schahs abgesetzt.

Die Fatimiden in Ägypten[Bearbeiten]

Die schiitischen Fatimiden gehörten zum konfessionellen Zweig der Ismailiten (Schia) und nannten sich nach Mohammeds Tochter Fatima bint Muhammad. Sie herrschten von 909/969 bis 1171 im Maghreb, Ägypten und Syrien. Die Fatimiden standen in Konkurrenz zum Kalifenreich der Abbasiden und nannten sich selber Kalifen mit Sitz in Kairo.

Sie setzten sich 909 gegen die Aghlabiden in Tunesien und Algerien durch. 969 eroberten sie Ägypten von den Ichschididen. 973 wurde Kairo die neue Hauptstadt des Fatimidenreichs. Sie gründeten die al-Azhar-Universität.

Der erste Fatimiden-Herrscher Ägyptens war Al-Muizz (reg. 953–975) unter ihm und seinem Sohn Al-Aziz (reg. 975–996) erlebte das Land eine gewisse Blüte, die aber nicht an die des Abbasiden-Kalifats heran reichte.

Al-Hakim (reg. 996–1021) versuchte eine Islamisierung der christlichen Kopten (die Träger der ägyptischen Verwaltung), was zu inneren Unruhen führte. Die neu entstandene Glaubensrichtung der Drusen in Syrien verehrte ihn als Inkarnation Gottes.

Unter Al-Mustansir (reg. 1036–1094) ging der Niedergang des Fatimidenreiches unvermindert weiter. Die Seldschuken rangen ihnen 1076 Syrien und Palästina ab (was zu den Kreuzzügen führte). Nach Al-Mustalis (reg. 1095–1101) Tod spalteten sich die Ismailiten aufgrund der Nachfolgefrage. Es entstanden die verfeindeten Assassinen.

Schon Anfang des 11. Jahrhunderts spalteten sich in Ifriqiya (Algerien, Tunesien, Tripolitanien) die Ziriden ab, die zum sunnitischen Islam zurück kehrten und den abbasidischen Kalifen in Bagdad anerkannten. Die Fatimiden setzten gegen sie die Beduinen der Banu Hilal und Sulaim ein, die den Maghreb verwüsteten. Die Ziriden könnten sich nur noch an der Küste halten (bis 1152).

1171 schließlich stürzte der große kurdische Feldherr Saladin die Fatimidenherrschaft.

Die Dynastien der Almoraviden und Almohaden in Nordafrika und Spanien[Bearbeiten]

Die Almoraviden vertraten einen puristischen orthodoxen Islam und lösten die Ziriden endgültig in Nordafrika ab. 1086 greifen sie in Spanien ein und helfen mit, die islamische Herrschaft dort zu sichern. Doch bald wurden sie bedeutungslos und 1147 von den noch orthodoxeren Almohaden abgelöst, die sich in Spanien bis 1235 und im Maghreb bis 1269 halten konnten.

Die Zeit der Mongolen[Bearbeiten]

1220 starb der Choresm-Schah Ala ad-Din Mohammed auf der Flucht vor den nichtmuslimischen Mongolen, gegen die er zuvor zu Felde zog. Choresmien wurde dadurch mongolisch. Das Kalifat blieb vorläufig noch verschont. 1255–1258 eroberte Dschingis Khans Enkel Chülegü endgültig Persien. Dabei vernichtete er die Assassinen, während lokale Herrscher an der Macht blieben.

Das Abbasiden-Kalifat endete im Februar 1258 mit der Eroberung Bagdads und der Hinrichtung des Kalifen Al-Mustasim. Es gab zwar 1261–1517 ein abbasidisches Ersatz-Kalifat in Ägypten (die Mamluken), das aber außer in Nordindien kaum Anerkennung fand. Die äußere Einheit des Islamischen Reichs war damit beendet.

Ayyubiden[Bearbeiten]

Die Ayyubiden waren eine Islamisch-Kurdische Dynastie, unter Saladin kämpfte sie gegen christliche Kreuzzüge. Die Ayyubiden beherrschten Ägypten bis c.a 1250. Sie konnten Tripolis (1172), Damaskus (1174), Aleppo (1183), Mosul (1185/86) und Jerusalem (1187) von den Kreuzrittern zurück erobern.

Die Mamluken in Ägypten[Bearbeiten]

Mamluken, auch Ghulām, waren ursprünglich Militärsklaven türkischer Herkunft in einigen islamischen Herrschaftsgebieten. Den Mamluken gelang es unter anderem im Jahre 1250 in Ägypten die Herrschaft zu erringen und sie zehn Jahre später auch auf die Levante auszudehnen. Seit 1260 traten den Mongolen mit den Mamluken in Ägypten eine Kraft entgegen, die sich behaupten konnte. Danach wurde das Wort für mehrere Herrscherdynastien verwendet, die von Mamluken abstammten, aber meist selbst keine Sklaven gewesen waren. 1517 wurden die türkischen Mamluken von den ebenfalls türkischen Osmanen unterworfen, beherrschten Ägypten aber faktisch, im Auftrag der Osmanen weiter bis zur Schlacht bei den Pyramiden.

Literatur[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
  1. Vgl. Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007, S. 344ff.
  2. Giuseppe Simone Assemani: Bibliotheca orientalis III 2, S XCVI
  3. Vgl. unter anderem Walter Kaegi: Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge 1992 sowie Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007.

Das Byzantinische Reich in Auseinandersetzung mit Ost und West[Bearbeiten]

Die islamische Expansion

Der arabischen Expansion hatte das Byzantinische Reich unter Kaiser Herakleios (um 575 bis 641) nicht viel entgegenzusetzen. In der entscheidenden Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 unterlagen die Oströmer einem Heer des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab, und der ganze Südosten des Reichs, einschließlich Syriens und Palästinas, ging bis 642 verloren.[1] Im Gegensatz zu seinem langjährigen Rivalen, dem Sassanidenreich, das trotz heftiger Gegenwehr 642/51 unterging, konnte sich das Oströmische bzw. Byzantinische Reich jedoch immerhin erfolgreich gegen eine vollständige islamische Eroberung verteidigen. Die byzantinischen Truppen, die bisher die vorderorientalischen Provinzen verteidigt hatten, mussten sich aber nach Kleinasien zurückziehen, das von arabischen Angriffen heimgesucht wurden (Razzien). Dabei führte die militärische Krise und der endgültige Verlust der reichsten Provinzen zu einer massiven Veränderung im Reich, in dem nun Griechisch endgültig das Lateinische verdrängte.

Was das Reich an Gebieten verlor, gewann es an Gleichförmigkeit. Die antike Zivilisation war seit Jahrhunderten von der Existenz zahlreicher größerer und kleinerer Städte – póleis – geprägt gewesen; diese Zeit endete nun. Die meisten Städte wurden aufgegeben oder schrumpften auf die Größe von befestigten Dörfern, den so genannten kastra. Die verlorenen südlichen bzw. orientalischen Provinzen unterschieden sich kulturell nicht unerheblich vom Norden und gehörten seit dem 5. Jahrhundert mehrheitlich den orientalisch-orthodoxen, monophysitischen Kirchen an, die mit der griechisch-orthodoxen Kirche der nördlichen Provinzen seit 451 im Streit lagen. Dieser Konflikt war vielleicht einer der Gründe für die baldige Akzeptanz der neuen muslimischen Herren in Syrien und Ägypten, was aber in der neueren Forschung wieder stark umstritten ist. Der unter kaiserlicher Kontrolle verbliebene Norden gelangte jedenfalls zu größerer Geschlossenheit und höherer Kampfbereitschaft.

Der Preis für das Überleben war jedoch der Verlust von zwei Drittel des Reiches und der meisten Steuereinkünfte. Die spätantiken Strukturen von Staat und Gesellschaft verschwanden in dieser Zeit zu großen Teilen. Es verwundert ohnehin, dass Byzanz den nachfolgenden, Jahrzehnte andauernden Kampf ums Überleben gegen eine enorme feindliche Übermacht überstand. Mit dazu bei trug wohl das berühmte System von Militärprovinzen, die so genannten Themen. Diese wurde vermutlich erst nach der Regierungszeit des Herakleios geschaffen, anders als in der älteren Forschung oft vermutet, um den ständigen Angriffen und dem Verfall des städtischen Lebens außerhalb der Hauptstadt zu begegnen. Tendenzen, die bereits seit langem vorhanden waren, kamen nach 636 in vielen Bereichen von Staat und Gesellschaft voll zum Tragen. Zugleich endeten zahlreiche Produktionsstränge – die spätantike Phase des Oströmischen Imperiums gelangte an ihr Ende und es entstand das Byzantinische Reich des Mittelalters.[2]

Im Verlauf des 7. Jahrhunderts verlor Byzanz infolge der Islamischen Expansion auch die Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer (Niederlage bei Phoinix 655) und konnte zudem nur mit Mühe Kleinasien halten, wo es immer wieder zu arabischen Überfällen kam, während auf dem Balkan Bulgaren das Reich bedrängten und die kaiserliche Herrschaft auf einige wenige Orte begrenzten. Die Zeit von der Mitte des 7. bis ins 8. Jahrhundert war weitgehend von Abwehrkämpfen geprägt, in denen die Initiative fast ausschließlich bei den Feinden von Byzanz lag. Kaiser Konstans II. verlegte seine Residenz von 661–668 ins sizilianische Syrakus, vielleicht, um von dort aus die Seeherrschaft gegen die Araber zu sichern, doch kehrten seine Nachfolger wieder in den Osten zurück. Im Jahr 679 musste Kaiser Konstantin IV. Pogonatos das neugegründete Bulgarenreich anerkennen. 674–678 kam es sogar zur Belagerung Konstantinopels durch die Araber, die aber durch den Einsatz des so genannten Griechischen Feuers, das sogar auf dem Wasser brannte, zurückgeschlagen werden konnten. Das Reich blieb in der Folgezeit auf den Balkan und Kleinasien beschränkt, hinzu kamen noch Gebiete in Italien sowie bis 698 in Nordafrika.[3]

Das 8. und 9. Jahrhundert: Abwehrkämpfe und Bilderstreit[Bearbeiten]
Die Themen in den 650er Jahren

Kaiser Justinian II., in dessen Regierungszeit Byzanz wenigstens teilweise wieder in die Offensive ging, war der letzte Monarch der herakleischen Dynastie. In einer später oft wiederholten Praxis wurden slawische Siedler vom Balkan nach Kleinasien deportiert und dort angesiedelt. Ziel war eine Stärkung der Grenzverteidigung, es kam in der Folgezeit aber auch immer wieder zu Desertionen; ebenso wurden teils Bevölkerungsgruppen von Kleinasien auf den Balkan transferiert. Justinian fiel 695 jedoch einer Verschwörung zum Opfer, wurde verstümmelt und ins Exil geschickt, wo er eine Prinzessin aus dem Volke der Chasaren heiratete. Er gelangte schließlich mit bulgarischer Unterstützung wieder an die Macht, bevor er 711 umgebracht wurde.

Solidus mit dem Bildnis von Leo III. und seinem Sohn Konstantin V.

Die wohl bedrohlichste Belagerung Konstantinopels durch die Araber fand 717–18 statt; nur dank der Fähigkeiten Kaiser Leos III., der erfolgreichen Flottenoperationen (wobei die Byzantiner wieder das Griechische Feuer einsetzten) und eines extrem harten Winters, der den Arabern schwer zu schaffen machte, konnte sich die Hauptstadt halten. 740 wurden die Araber bei Akroinon von den Byzantinern entscheidend geschlagen. Wenngleich die Abwehrkämpfe gegen die Araber weitergingen, war die Existenz des byzantinischen Reiches nun nicht mehr ernsthaft von den Arabern gefährdet. Auf dem Balkan befand sich Byzanz währenddessen in schwere Kämpfe mit den Slawen verwickelt, die nach dem Zerfall des Awarenreiches in die byzantinischen Gebiete einrückten. Weite Teile des Balkans waren dem byzantinischen Zugriff entzogen, doch gelang es in der Folgezeit Griechenland nach und nach von den Slawen zurückgewinnen, die seit dem 7. Jahrhundert in die Sklaviniai eingezogen waren. Dafür erwuchs dem Reich ein neuer Gegner in Gestalt der Bulgaren, die nun erfolgreich eine eigene Staatsbildung anstrebten.

Kaiser Leo III. entfachte jedoch auch, wohl aus ernsthafter persönlicher Überzeugung, 726 den so genannten Bilderstreit, der über 110 Jahre andauern sollte und mehrmals Bürgerkriege aufflackern ließ, zuletzt den von 843 bis 872 währenden Krieg gegen die Paulikianer.[4] Allerdings sind die Schriften der bilderfeindlichen Autoren nach dem Sieg der Ikonodulen (Bilderverehrer) vernichtet worden, sodass die Quellen für diese Zeit fast ausschließlich aus der Perspektive des Siegers geschrieben wurden und dementsprechend problematisch sind. Ausgelöst durch einen Vulkanausbruch in der Ägäis ließ Leo 726 die Christus-Ikone über dem Chalketor am Kaiserpalast entfernen. Die militärischen Erfolge Leos ermöglichten es ihm offenbar, ohne größeren Widerstand Ikonen (die in der Ostkirche allerdings damals auch keine so große Rolle wie heute spielten) durch Kreuzesdarstellungen zu ersetzen, die von allen Byzantinern anerkannt werden konnten. Dass Leo zur Abkehr von der Bilderverehrung durch Einflüsse aus dem islamischen Bereich angeregt wurde, wird heute eher skeptisch gesehen, waren doch die ikonoklastischen Kaiser auch überzeugte Christen, die eben deshalb die Ikonen ablehnten, weil sie der Meinung waren, dass das göttliche Wesen sich so nicht einfangen ließ. Zudem war das Kreuz, das die Ikonen ersetzen sollte, im islamischen Bereich geächtet. Die moderne Forschung geht auch heute nicht mehr davon aus, dass Leo ein regelrechtes Bilderverbot erließ oder dass es gar zu schweren Unruhen kam, wie die ikonodulen Quellen unterstellen. Offenbar wurde diese Phase des Bilderstreits kaum mit der Härte geführt wie die zweite Phase im 9. Jahrhundert.[5]

Leo führte im Inneren mehrere Reformen durch und war auch militärisch sehr erfolgreich. So ging er in Kleinasien offensiv gegen die Araber vor, wobei sein Sohn Konstantin sich als fähiger Kommandeur erwies. Als Konstantin seinem Vater schließlich 741 als Konstantin V. auf den Thron nachfolgte, setzte er, nachdem er einen Aufstand seines Schwagers Artabasdos niedergeschlagen hatte, die bilderfeindliche Politik Leos fort und schrieb zu diesem Zweck sogar mehrere theologische Abhandlungen. Durch das Konzil von Hiereia 754 sollte die Bilderverehrung auch formal abgeschafft werden. Obwohl militärisch erfolgreich (sowohl gegen Araber wie auch gegen die Bulgaren), wird Konstantin in den meisten Quellen als grausamer Herrscher beschrieben – wohl zu Unrecht und offenbar aufgrund seiner Einstellung gegen die Ikonen. Leo IV., Konstantins Sohn, betrieb eine eher gemäßigte bilderfeindliche Politik, musste sich jedoch mehrerer Umsturzversuche erwehren und starb nach nur fünfjähriger Herrschaft 780. Für seinen minderjährigen Sohn Konstantin VI. übernahm dessen Mutter Irene die Regentschaft; bald allerdings zeigte sich, dass diese nicht beabsichtigte, die Macht abzugeben.[6] Konstantin wurde später geblendet und verstarb an den Folgen. Irene betrieb wieder eine bilderfreundliche Politik. Unter ihrer Herrschaft erlebte der universale Anspruch des byzantinischen Kaisertums mit der Kaiserkrönung Karls des Großen schweren Schaden. 802 wurde Irene, die politisch eher ungeschickt agiert hatte, gestürzt, womit die durch Leo III. begründete Syrische Dynastie (nach dem Herkunftsland Leos III.) endete.

Außenpolitisch war auf dem Balkan gegen die Bulgaren vorerst wenig auszurichten. 811 wurde sogar ein byzantinisches Heer unter Führung Kaiser Nikephoros’ I. durch den Bulgarenkhagan Krum vernichtet, Nikephoros fiel im Kampf. Erst Leo V. konnte sich mit Khan Omurtag vertraglich einigen. Leo war es auch, der erneut einen bilderfeindlichen Kurs einschlug und so die zweite Phase des Ikonoklasmus einleitete. Im 9. und vor allem im 10. Jahrhundert wurden einige bedeutende außenpolitische Erfolge erzielt, auch wenn unter der Amorischen Dynastie (ab der Thronbesteigung Michaels II. 820) Byzanz zunächst Gebietsverluste hinnehmen musste (Kreta und Sizilien an die Araber). Unter Michaels Sohn und Nachfolger, Theophilos, kam es schließlich zu einem letzten Aufflackern des Ikonoklasmus, welcher aber unter Michael III. (842–867), dem letzten Kaiser der Amorischen Dynastie, endgültig überwunden wurde. In Michaels Regierungszeit vollzog sich die Annahme des Christentums durch die Bulgaren – und zwar in dessen östlicher Form, womit die byzantinische Kultur, die nun immer mehr aufblühte, auch zur Leitkultur für das Bulgarische Reich wurde. Der Bilderstreit wurde endgültig beendet, während in Kleinasien mehrere Siege über die Araber gelangen. Flottenexpeditionen nach Kreta und sogar Ägypten wurden unternommen, blieben aber erfolglos. Byzanz hatte die Phase der reinen Abwehrkämpfe damit überwunden.

Die makedonische Dynastie: Byzanz wieder als Großmacht[Bearbeiten]
Themeneinteilung um 950

Michael erhob 866 Basileios zum Mitkaiser, doch ließ Basileios Michael im folgenden Jahr ermorden, bestieg selbst den Thron und begründete damit die Makedonische Dynastie. Michaels Andenken wurde stark verunglimpft – zu Unrecht, wie die neuere Forschung betont. Kulturell erlebte Byzanz jedoch wieder eine neue Blüte (so genannte Makedonische Renaissance) wie etwa zur Zeit Konstantins VII., der von Romanos I. Lakapenos zunächst von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen worden war. Außenpolitisch gewann das Reich zudem nach und nach an Boden: Unter Nikephoros II. Phokas wurde Kreta zurückerobert; die Grenzsicherung im Osten lag nun weitgehend in den Händen der Akriten. Johannes I. Tzimiskes, wie Nikephoros II. nur als Regent für die Söhne Romanos’ II. regierend, weitete den byzantinischen Einfluss bis nach Syrien und kurzzeitig sogar bis nach Palästina aus, während die Bulgaren niedergehalten wurden. Byzanz schien wieder auf dem Weg zur regionalen Hegemonialmacht zu sein.

Byzanz und Europa um das Jahr 1000

Das Reich erreichte unter den makedonischen Kaisern des 10. und frühen 11. Jahrhunderts seinen Machthöhepunkt. Durch die im Jahre 987 vollzogene Heirat der Schwester von Kaiser Basileios II. mit dem ruthenischen Großfürsten Wladimir I. breitete sich der orthodoxe Glaube allmählich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Ukraine, Weißrussland und Russland aus. Die russische Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Basileos II. eroberte in jahrelangen Kämpfen das Erste Bulgarische Reich, was ihm den Beinamen Bulgaroktónos („Bulgarentöter“) einbrachte. Im Jahre 1018 wurde Bulgarien eine byzantinische Provinz, und auch im Osten wurde Basileios expansiv tätig.[7]

Trotzdem durchlief das Byzantinische Reich bald darauf eine Schwächeperiode, die in hohem Grade durch das Wachstum des Landadels verursacht wurde, der das Themensystem untergrub. Ein Problem dabei war, dass das stehende Heer durch teils unzuverlässige Söldnerverbände ersetzt wurde bzw. ersetzt werden musste (was sich 1071 in der Schlacht von Manzikert gegen türkische Seldschuken bereits bitter rächen sollte). Bloß mit seinen alten Feinden, wie dem Kalifat der Abbasiden konfrontiert, hätte es sich vielleicht erholen können, aber um die gleiche Zeit erschienen neue Eindringlinge: die Normannen, die Süditalien eroberten (Fall von Bari 1071), und die Seldschuken, die hauptsächlich an Ägypten interessiert waren, aber auch Raubzüge nach Kleinasien, dem wichtigsten Rekrutierungsgebiet für die byzantinische Armee, unternahmen. Nach der Niederlage von Kaiser Romanos IV. im Jahr 1071 bei Mantzikert gegen Alp Arslan, den seldschukischen Sultan, ging der Großteil Kleinasiens verloren, unter anderem auch, da innere Kämpfe um den Kaiserthron ausbrachen und keine gemeinsame Abwehr gegen die Seldschuken errichtet wurde. Die bedeutendste Provinz ging aber nicht unmittelbar nach der Niederlage verloren, vielmehr begann der Einfall der Seldschuken erst drei Jahre danach, als der neue Kaiser sich nicht an die Abmachungen hielt, die zwischen Romanos VI. und dem Sultan getroffen worden waren. Dies lieferte den Seldschuken einen Vorwand zur Invasion.

Die Zeit der Komnenenkaiser[Bearbeiten]
Das Byzantinische Reich um 1081 n.Chr.

Das nächste Jahrhundert der byzantinischen Geschichte wurde durch die Dynastie Alexios I. Komnenos, geprägt, der 1081 an die Macht gelangte und anfing, die Armee auf Basis eines Feudalsystems wiederherzustellen. Es gelangen ihm bedeutende Fortschritte gegen die Seldschuken und auf dem Balkan gegen die Petschenegen. Sein Ruf nach westlicher Hilfe brachte ungewollt den Ersten Kreuzzug hervor, denn statt der Söldner, um die der Kaiser gebeten hatte, kamen selbstständige Ritterheere, die unabhängig von seinen Befehlen agierten.[8] Alexios verlangte, dass jeder der Kreuzfahrerfürsten, der mit seinem Heer durch Byzanz zu ziehen gedachte, ihm den Lehenseid leisten sollte. Obwohl diese Unterwerfung von den meisten Kreuzfahrerfürsten akzeptiert und der Lehenseid geleistet wurde, vergaßen sie den Schwur gegenüber Alexios doch recht bald.

Weiterhin gestalteten sich die Beziehungen nach dem Ersten Kreuzzug, in dessen Verlauf es bereits zu jenen Spannungen gekommen war, zunehmend feindselig. Für weiteren Konfliktstoff sorgte der Briefwechsel zwischen dem fatimidischen Herrscher Ägyptens und dem byzantinischen Kaiser Alexios. In einem Brief, den Kreuzfahrer zu lesen bekamen, distanzierte sich Kaiser Alexios ausdrücklich von den lateinischen Eroberern des Heiligen Landes, was verständlich war angesichts der traditionell guten und strategisch wichtigen Beziehungen zwischen den Fatimiden und Byzanz, aber auch dadurch begründet war, dass den Byzantinern das Konzept eines „Heiligen Krieges“ eher fremd war.

Ab dem 12. Jahrhundert wurde die Republik Venedig – paradoxerweise einst bis etwa ins 9. Jahrhundert selbst ein Vorposten byzantinischer Kultur im Westen – zu einer ernsten Bedrohung für die Integrität des Reiches. Die gegen militärische Unterstützung beim Kampf gegen Normannen und Seldschuken erworbenen Handelsvorrechte, versuchte Manuel durch Verhaftung aller Venezianer zurückzunehmen. Ähnlich versuchten die Kaiser gegen die anderen italienischen Händler vorzugehen. 1185 wurden zahlreiche Lateiner in einem pogromartigen Massaker umgebracht. Im selben Jahr erhoben sich die Bulgaren nördlich des Balkangebirges unter der Führung der Aseniden und konnten 1186 das Zweite Bulgarisches Reich errichten. Dennoch erlebte Byzanz in dieser Zeit auch eine kulturelle Blüte. Unter Kaiser Johannes II. Komnenos (1118–1143), dem Sohn des Alexios I., und dessen Sohn Manuel I. Komnenos (1143–1180) gelang es, die byzantinische Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan zu festigen.[9] Manuel I. Komnenos hatte sich nicht nur mit den Angriffen des normannischen Königreiches in Süditalien und dem Zweiten Kreuzzug (1147–1149) auseinanderzusetzen, er betrieb auch eine ehrgeizige Westpolitik, die auf territoriale Gewinne in Italien und Ungarn abzielte; dabei geriet er auch in Konflikt mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Im Osten konnte er gegen die Seldschuken Erfolge erzielen. Sein Versuch, ihr Reich völlig zu unterwerfen, endete allerdings in der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Myriokephalon 1176.

Das Byzantinische Reich am Ende der Komnenischen Periode

In der Folge konnten die Seldschuken ihre Macht auf die benachbarten muslimischen Reiche in Kleinasien und auch gegen Byzanz zur Mittelmeerküste hin ausdehnen. Andronikos I., der letzte Komnenenkaiser, errichtete eine kurze, aber brutale Schreckensherrschaft (1183–85), in deren Folge aber auch das von Alexios I. begründete Regierungssystem, das vor allem auf der Einbindung der Militäraristokratie beruhte, zusammenbrach. Damit verkamen auch die schlagkräftigen und straff organisierten Streitkräfte, mit denen das Reich unter Alexios, Johannes und Manuel ein letztes Mal erfolgreich in die Offensive gegangen war. Das Reich wurde unter den nachfolgenden Kaisern aus dem Hause Angelos von schweren inneren Krisen erschüttert, die schließlich dazu führten, dass sich Alexios IV. an die Kreuzfahrer wandte und sie dazu bewog, für ihn und seinen Vater um den Thron zu kämpfen. Als die erhoffte Bezahlung ausblieb, kam es zur Katastrophe: Unter dem Einfluss Venedigs eroberten und plünderten die Ritter des Vierten Kreuzzugs 1204 Konstantinopel und gründeten das kurzlebige Lateinische Kaiserreich. Dies bewirkte eine dauerhafte Schwächung der byzantinischen Macht und sorgte dafür, dass sich die Kluft zwischen den orthodoxen Griechen und den katholischen Lateinern weiter vertiefte.

Die spätbyzantinische Zeit[Bearbeiten]

Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Teilnehmer des Vierten Kreuzzugs 1204 entstanden drei byzantinische Nachfolgestaaten: das Kaiserreich Nikaia, wo Kaiser Theodor I. Laskaris im Exil die byzantinische Tradition aufrecht erhielt, das Despotat Epirus und das Kaiserreich Trapezunt, das sich unter den Nachkommen der Komnenen bereits vor der Eroberung Konstantinopels abgespalten hatte. Theodoros I. Laskaris und seinem Nachfolger Johannes III. Dukas Batatzes gelang es, in Westkleinasien ein wirtschaftlich blühendes Staatswesen aufzubauen und die Grenze zu den Seldschuken, die sich seit ihrer Niederlage gegen die Mongolen 1243 im Niedergang befanden, zu stabilisieren. Gestützt auf diese Machtbasis konnten die Laskariden erfolgreich auch in Europa expandieren, Thrakien und Makedonien erobern und die Konkurrenten um die Rückgewinnung Konstantinopels (das Reich von Epiros, das nach einer Niederlage gegen die Bulgaren 1230 stark geschwächt war, und das Bulgarenreich, das auch durch einen Mongoleneinfall 1241 stark beeinträchtigt wurde) aus dem Feld schlagen.

Die Reichsgrenze von 1270 einschließlich der Vasallenstaaten (Despotat Epirus, Thessalien) stellte die größte territoriale Ausdehnung des Byzantinischen Reiches nach dessen Restauration 1261 dar, die allerdings nach der Katastrophe von 1204 und der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer an die alte Größe des Reiches nicht mehr anknüpfen konnte.

Nach der kurzen Regierung des hochgebildeten Theodoros II. Laskaris übernahm der erfolgreiche Feldherr Michael VIII. Palaiologos die Regentschaft für den minderjährigen Johannes IV. Laskaris, den er schließlich blenden und in ein Kloster schicken ließ, und begründete so die neue Dynastie der Palaiologen, die das Reich bis zu seinem Untergang regieren sollte.

Kaiser Michael VIII. konnte eine Allianz seiner Gegner (Despotat Epiros, Fürstentum Achaia, Königreich Sizilien, Serbien und Bulgarien) in der Schlacht von Pelagonien in Makedonien 1259 besiegen und durch einen glücklichen Zufall Konstantinopel 1261 zurückerobern. Das Reich war somit wiederhergestellt, aber große Teile des ehemaligen Reichsgebietes unterstanden nicht mehr der Kontrolle der Reichsregierung, denn die Herrscher, die sich nach dem Zusammenbruch im Jahr 1204 in diesen Teilgebieten etabliert hatten, waren nicht geneigt, sich Konstantinopel unterzuordnen. Auch Konstantinopel war nicht mehr die glanzvolle Metropole von einst: Die Einwohnerzahl war erheblich geschrumpft, ganze Stadtviertel waren verfallen, und beim Einzug des Kaisers waren zwar noch reichlich die Spuren der Eroberung von 1204 zu sehen, aber nirgendwo sah man Zeichen des Wiederaufbaus. Byzanz war nicht mehr die alte Großmacht, sondern nur noch ein Staat von höchstens regionaler Bedeutung.[10] Zudem war die Kluft zwischen den Byzantinern und den Lateinern erheblich vergrößert worden. Michael VIII. Palaiologos’ Hauptsorge galt aber nun der Sicherung des europäischen Besitzstandes und vor allem der Hauptstadt gegen erneute Kreuzzugsversuche aus dem Westen (vor allem durch Karl I. von Anjou, der die Staufer in Unteritalien ablöste); deshalb ging Michael VIII. 1274 auch die innenpolitisch höchst umstrittene Union von Lyon mit der Westkirche ein, um den Papst von der Unterstützung von Kreuzzügen abzuhalten. Als Karl I. von Anjou dennoch einen Angriff vorbereitete, setzte die byzantinische Diplomatie 1282 einen Aufstand in Sizilien in Gang, die Sizilianische Vesper. Daneben aber vernachlässigten die Palaiologen die Grenzverteidigung im Osten, was den verschiedenen türkischen Staaten, die sich während des Machtzerfalls des Sultanats der Rum-Seldschuken unabhängig machten, die Expansion nach Westkleinasien ermöglichte, das sukzessive bis in die 1330er Jahre fast vollständig dem Reich verloren ging.

Während sich in Kleinasien auf dem ehemaligen Reichsgebiet verschiedene türkische Beyliks etablierten (Mentesche, Aydin, Germiyan, Saruhan, Karasi, Teke, Candar, Karaman, Hamid, Eratna und die Osmanen in Bithynien), stießen die Palaiologen in einer letzten, kraftvollen Offensive gegen die lateinische Herrschaft in Griechenland, und annektierten bis 1336 ganz Thessalien und 1337 das durch die Familie Orsini dominierte Despotat Epirus. Unterdessen sah sich Kaiser Johannes V. Palaiologos mit den Folgen der Großen Pestpandemie (1347–1351) konfrontiert, die das Fundament des Staates erschütterten, zudem leistete sich das Reich mehrere Bürgerkriege, die längsten (1321–1328) zwischen Andronikos II. Palaiologos und seinem Enkel Andronikos III. Palaiologos. Diesem Vorbild folgend, trugen ebenso Johannes V. Palaiologos und Johannes VI. Kantakuzenos mehrere Machtkämpfe (1341–47 und 1353–54) gegeneinander aus; dabei suchten beide Parteien die Hilfe der Nachbarn (Serben, Bulgaren, aber auch Aydın und Osmanen). Dies ermöglichte dem Serbenreich unter Stefan IV. Dušan den Aufstieg zur beherrschenden Macht des Balkans in den Jahren 1331–1355. So gerieten die Bulgaren nach der Schlacht von Küstendil 1330 in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Serbien, außerdem errang Stefan bis 1348 die Hegemonie über weite Teile Makedoniens, Albaniens, Despotat Epirus und Thessaliens, die unter der Suzeränität des Kaisers standen. Mit seiner Krönung zum Zaren der Serben und Selbstherrscher der Rhōmaíoi, beanspruchte dieser auch den byzantinischen Kaiserthron und die Herrschaft über Konstantinopel. Es gelang ihm aber nicht einmal, die zweite byzantinische Hauptstadt Thessaloníki zu erobern, und sein Großserbisches Reich zerfiel bereits nach seinem Tod 1355 in ein Konglomerat mehr oder weniger unabhängiger serbischer Fürstentümer (Despotate).

Während also die christliche Staatenwelt des Balkans zerstritten war und sich gegenseitig befehdete, setzten sich seit 1354 die Osmanen in Europa fest und expandierten in das byzantinische Thrakien, das sie in den 1360er Jahren großteils eroberten. Ein präventiver Schlag des südserbischen Königs Vukašin Mrnjavčević im Bund mit dem bulgarischen Zaren Iwan Schischman von Weliko Tarnowo gegen das Zentrum der osmanischen Herrschaft in Europa, Adrianopel, endete, trotz zahlenmäßiger Überlegenheit, in der Niederlage an der Maritza 1371. Der Sieg über die beiden slawischen Balkanmächte brachte dem Sultan Teile Südbulgariens, das serbische Makedonien und die Hegemonie über weite Teile des Balkans ein. Schließlich zwang er 1373 den bulgarischen Herrscher, das Supremat der Osmanen anzuerkennen. Diesem Beispiel folgten das zu einem Kleinstaat gewordene Byzanz (Konstantinopel samt Umland, Thessaloniki mit Umland, Thessalien, einige Ägäisinseln, Despotat Morea) und das Nordserbische Reich des Fürsten Lazar Hrebeljanović, der ebenfalls ein Vasall der Osmanen wurde. Mehrmals ersuchte Byzanz den Westen um Hilfe und bot dafür sogar die Kirchenunion an, so 1439 auf dem Konzil von Ferrara und Florenz, was jedoch am Widerstand der byzantinischen Bevölkerung scheiterte („Lieber den Sultansturban als den Kardinalshut“).

Nach der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 und der Niederlage der westlichen Kreuzfahrer bei Nikopolis 1396, schien die Lage des Reiches aussichtslos. Erst die vernichtende Niederlage der Osmanen gegen den mächtigen Turkmenen Tamerlan, der den Byzantinern wohlgesinnt war (bei dem Versuch Konstantinopel 1402 zu belagern, erschienen Tamerlans Unterhändler in Sultans Bayezid I. Lager und forderten ihn auf, dem christlichen Kaiser seine Gebiete zurückzugeben, die er ihm „gestohlen“ habe), bei Angora 1402 und das als Resultat der Schlacht entstandene Chaos im Osmanenreich, gewährten den Griechen eine letzte Atempause. Doch die Möglichkeit, den Todesstoß durch die Osmanen abzuwenden, hatte das Reich durch den Entzug der dafür notwendigen territorialen Basis und Ressourcen nicht mehr, so blieb ihm nichts anderes übrig als der Weg der Diplomatie. Die Gebietsverluste gingen dennoch weiter, da sich die europäischen Mächte auf kein Hilfskonzept für das bedrohte Byzanz einigen konnten. Besonders nach 1402 sahen sie dafür keine Notwendigkeit, befand sich doch das einst potente Türkenreich im Zustand der inneren Auflösung, ein Irrtum, dem viele im Westen erlagen und zudem die einmalige Chance vergaben, die Gefahr, die von der beträchtlich geschwächten Osmanlı Dynastie ausging, für alle Zeit auszuschalten.

Sultan Murad II., unter dem die Konsolidierungsphase des osmanischen Interregnums ihr Ende fand, nahm die Expansionspolitik seiner Vorfahren erneut auf. Er ließ Konstantinopel 1422 erfolglos belagern, wandte sich zum Ausgleich gegen Südgriechenland, indem er einen Plünderungszug gegen die kaiserliche Sekundogenitur, das Despotat von Morea schickte. 1430 annektierte er Teile des „fränkisch“ dominierten Epirus durch die Einnahme von Janina, während sich Fürst Carlo II. Tocco, als dessen Lehnsnehmer, in Arta mit dem „Rest“ abzufinden hatte (die Dynastie der Tocco wurde durch die Osmanen bis 1480 ganz aus dem heutigen Griechenland – Epirus, Ionische Inseln – verdrängt, wodurch die Herrschaft der „Franken“ über Zentralgriechenland, die seit 1204 bestand, bis auf wenige venezianische Festungen, endgültig ein Ende fand). Noch im gleichen Jahr besetzte er das seit 1423 venezianisch dominierte Thessaloníki, welches die Handelsrepublik Venedig vom Andronikos Palaiologos, einem Sohn Kaiser Manuels erwarb, da jener im Glauben war, die Stadt alleine gegen die Türken nicht behaupten zu können. Alsbald zog er gegen das Königreich Serbien des Fürsten Georg Branković, der formell ein Vasall der Hohen Pforte war, da sich dieser weigerte seine Tochter Mara dem Sultan zur Frau zu geben.

Die Belagerung Konstantinopels durch den türkischen Sultan Mehmed II. im Jahr 1453

Eine osmanische Strafexpedition Richtung Donau ließ die serbische Festung Smederevo 1439 zerstören und Belgrad 1440 erfolglos belagern. Der osmanische Rückschlag bei Belgrad rief seine christlichen Gegner auf den Plan. Unter der Führung Papst Eugens IV., der sich mit der Kirchenunion von Florenz von 1439 am Ziel sah, wurde erneut für einen Kreuzzug gegen die „Ungläubigen“ geplant. Ungarn, Polen, Serbien, Albanien, sogar das türkische Emirat Karaman in Anatolien, gingen eine anti-osmanische Allianz ein, doch durch den Ausgang der Schlacht bei Warna 1444 unter König Wladyslaw von Polen und Ungarn und der zweiten Schlacht auf dem Amselfeld 1448 unter dem ungarischen Reichsverweser Johann Hunyadi, zerschlugen sich endgültig alle Hoffnungen der Christen das Byzantinische Reich vor einer osmanischen Annexion zu entsetzen.

Am 29. Mai 1453, nach knapp zweimonatiger Belagerung, fiel die Reichshauptstadt an Mehmed II.. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., starb während der Kämpfe um die Stadt.

Der 29. Mai gilt auch heute noch bei den Griechen als Unglückstag, denn es begann die lange türkische Fremdherrschaft, während der nach teilweiser Sprachübernahme nur die Religion als bindende Kraft erhalten blieb. Die Anfangs- und Enddaten der Unabhängigkeit der Hauptstadt, 395 und 1453, galten lange auch als zeitliche Grenzen des Mittelalters. Bis 1461 wurden auch die restlichen Städte – wie Trapezunt am östlichen Schwarzen Meer und Mystras auf der Halbinsel Morea – erobert. Lediglich Monemvasia unterstellte sich 1464 dem Protektorat von Venedig. Die Stadt stellte staatsrechtlich das dar, was vom „Römischen Reich“ im Lauf der Jahrhunderte übrig blieb. Der Fall von Byzanz war einer der Wendepunkte von weltgeschichtlicher Bedeutung. Das Byzantinische Reich, das sich als eines der langlebigsten der Weltgeschichte erwiesen hatte, war damit untergegangen; mit ihm ging eine über 2000-jährige Ära zu Ende.

Zeittafel[Bearbeiten]
  • 326: Grundsteinlegung Konstantinopels
  • 330: Am 11. Mai wird Konstantinopel als Nova Roma Hauptstadt des Römischen Reiches
  • 395: Reichsteilung
  • 451: Konzil von Chalcedon
  • 533: Der Feldherr Belisar erobert Karthago
  • 535–555: Gotenkriege des Kaisers Justinian I.
  • 582: Awaren und Slawen dringen auf dem Balkan vor
  • 610: Die von Karthago aus operierende Flotte unter Herakleios besetzt Konstantinopel. Sturz und Hinrichtung des Kaisers Phokas. Herakleios wird Kaiser, Beginn des Mittelbyzantinischen Reiches. In den folgenden Jahren wird Griechisch Amtssprache, Kaisertitel nun „Βασιλέυς (Basileus)“ statt „Imperator“.
  • 611–619: Die Sassaniden überrennen die orientalischen Besitzungen Byzanz’.
  • 622: Beginn der byzantinischen Gegenoffensive unter Kaiser Herakleios.
  • 626: Awaren, Slawen und Perser belagern Konstantinopel, Verlust der letzten Besitzungen auf dem spanischen Festland an die Westgoten.
  • 627: Sieg über die Sassaniden im Nordirak. Rückgabe aller eroberten Gebiete durch die Sassaniden.
  • 636: Niederlage bei der Schlacht am Jarmuk gegen die Araber. In den folgenden Jahren fallen sämtliche orientalischen Besitzungen an die Araber (bis 640 auch Ägypten und der Rest Syriens), ausgenommen Kleinasien. Ende der Spätantike.
  • 697/698: Karthago fällt an die Araber. Endgültiger Untergang des byzantinischen Nordafrikas.
  • 726–843: Byzantinischer Bilderstreit
  • 797: Kaiserin Irene: Erstmals Alleinregierung einer Frau im Römischen Reich. Der römische Papst nimmt dies zum Anlass, den Frankenkönig Karl zum römischen Kaiser zu krönen, da er die Herrschaft einer Frau nicht anerkennt.
  • 860: Erster Flottenangriff der warägischen Rus auf Konstantinopel.
  • 869: Photios-Schisma
  • 872: Basileios I. der Makedonier besiegt und vernichtet die Paulikianer.
  • 907: Flottenangriff der Rus auf Konstantinopel, der byzantinische Kaiser zahlt Tribut und bietet Handelsprivilegien an. Weitere Angriffe folgen 911 und 940.
  • 944: Die Byzantiner erobern Edessa von den Arabern zurück und erhalten zudem das als Reliquie wichtige Mandylion.
  • 1018: Eroberung des Bulgarenreiches. Die Donaugrenze ist wiederhergestellt.
  • 1054: Morgenländisches Schisma
  • 1071: Niederlage bei Mantzikert gegen die Seldschuken. Zusammenbruch der oströmischen Herrschaft über weite Teile Kleinasiens, der „Kornkammer“ des Reiches. Beginn der türkischen Kolonisation durch die Gründung des Sultanats der Rum-Seldschuken.
  • 1096: Beginn des Ersten Kreuzzugs und der Rückeroberung Kleinasiens bis auf das zentralanatolische Gebiet
  • 1176: Byzantinische Niederlage bei Myriokephalon. Letzter ernsthafter Versuch einer byzantinischen Rückeroberung des türkischen Teils Kleinasiens.
  • 1186: Abfall Bulgariens von Byzanz. Die byzantinische Vorherrschaft auf dem Balkan ist beendet.
  • 1204: Eroberung von Byzanz im Vierten Kreuzzug, Errichtung des Lateinischen Kaiserreichs und Bildung von byzantinischen Nachfolgerstaaten in Kleinasien und auf dem Balkan.
  • 1261: Rückeroberung von Konstantinopel; Wiederherstellung der Reichseinheit (außer Kaiserreich Trapezunt).
  • 1274: Auf dem Konzil von Lyon wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch nach kurzer Zeit.
  • 1330er: Endgültiger Verlust Bithyniens damit Kleinasiens durch sukzessive Eroberungen der Osmanen (Fall von Bursa 1326, Nicea 1331, Nikomedia 1337), bis auf wenige Ausnahmen wie Chrysopolis, Chalcedon oder die Enklave Philadelphia.
  • 1351: Der Hesychasmus wird anerkannt und revitalisiert die byzantinische Spiritualität.
  • 1354: Übergreifen der Osmanen über die Dardanellen auf den europäischen Kontinent durch die Einnahme von Gallipoli.
  • 1361: Eroberung Thrakiens durch die Osmanen. Verlegung der osmanischen Hauptresidenz von Bursa nach Adrianopel.
  • 1373: Kaiser Johannes V. sieht sich als erster oströmischer Herrscher gezwungen, die osmanische Suzeränität über sein Reich anzuerkennen, das nach dem Verlust Thrakiens und der kleinasiatischen Vororte Konstantinopels de facto zu einem Stadtstaat wird.
  • 1439: Auf dem Konzil von Florenz wird die Wiedervereinigung der West- und Ostkirche verkündet. Die Union scheitert jedoch wiederum am Widerstand der einfachen Christen des Ostens.
  • 29. Mai 1453: Konstantinopel wird von den Osmanen erobert.
  • 1460: Die Osmanen erobern das byzantinische Despotat Morea auf der Peloponnes.
  • 1461: Unterwerfung des griechischen Kaiserreichs Trapezunt durch die Osmanen. Der letzte Kaiser, David Komnenos, wird später hingerichtet.
Literatur[Bearbeiten]
  • Hans-Georg Beck: Das Byzantinische Jahrtausend. C.H. Beck, München 1994.
    (Einblick in das „Wesen von Byzanz“ durch die Darstellung verschiedener Aspekte der byzantinischen Gesellschaft.)
  • Alain Ducellier (Hrsg.): Byzanz. Das Reich und die Stadt. Campus Verlag, Frankfurt a.M.-New York 1990.
    (Gut lesbare Gesamtdarstellung, in der nicht nur die politische Geschichte, sondern auch die Sozial- und Kulturgeschichte berücksichtigt wird.)
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
  1. Walter Kaegi: Byzantium and the Early Islamic Conquests. Cambridge 1992; Hugh Kennedy: The Great Arab Conquests. Philadelphia 2007.
  2. Allgemein zur Entwicklung im 7. Jahrhundert vgl. die wichtige Studie von Haldon, Byzantium in the Seventh Century.
  3. Für die mittelbyzantinische Epoche siehe neben den betreffenden Kapiteln in den diversen Handbüchern vor allem Whittow, Making of Byzantium.
  4. Zum Bilderstreit vgl. unter anderem Leslie Brubaker, John Haldon, R. Ousterhout: Byzantium in the Iconoclast Era (ca. 680–850): The Sources. Aldershot u. a. 2001
  5. Allgemein siehe Dirk Jäckel: Leon III. und die Anfänge des byzantinischen Bilderstreits. In: Mischa Meier (Hrsg.): Sie schufen Europa. München 2007, S. 259ff.
  6. Für die Zeit von 780 bis 842 siehe etwa Treadgold, Byzantine Revival.
  7. Zu Basileios II. und seine Zeit siehe Catherine Holmes: Basil II and the Governance of Empire. Oxford 2005.
  8. Allgemein zum Verhältnis zwischen Byzanz und den Kreuzfahrern: Lilie, Byzanz und die Kreuzzüge.
  9. Paul Magdalino: The Empire of Manuel I Komnenos. Cambridge 1993.
  10. Nicol, The Last Centuries of Byzantium.

Asien[Bearbeiten]

China[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Chinas

Nach der Jin-Dynastie ging die politische Einheit wieder verloren, doch der Buddhismus erlebte eine Blütezeit. Unter den Sui wurde der Kaiserkanal angefangen. Die darauf foldende Tang-Dynastie bedeutete nach den Han einen zweiten Höhepunkt der chinesischen Geschichte.[1] Unter ihnen wurde Chang'an zur größten Stadt der Welt. Außerdem gab es in vielen Bereichen einen kulturellen Höhepunkt: Dichtkunst (Li Bai, Du Fu), Malerei, Musik (Pipa), keramische Produktion erreichten ein hohes Niveau, auf technischem Gebiet entwickelte sich der Buchdruck, und die Herstellung von Schießpulver gelang. Außerdem sind folgende Entdeckungen und Erfindungen zu nennen: die Entdeckung von Diabetes mellitus um 640, die Erfindung des Hartporzellans 700, der Streichhölzer 577 und nicht zuletzt auch die Zeitung.

Indien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Indiens

Zwischen 606 und 647 regierte Harshavardhana in Nordindien. Er gilt als einer der letzten großen Förderer des Buddhismus, seine Zeit markiert den Übergang zum indischen Mittelalter. Sein Versuch zur Unterwerfung Zentralindiens scheiterte aber: hier wechselten sich die Chalukya- und Pallava-Könige ab.

Vom 8. bis 10. Jahrhundert teilten sich die Rashtrakuta in Zentralindien (ca. 752-973), die Pala in Bengalen (ca. 750-1161) und die Pratihara (ca. 730-1036) im Nordosten Indiens die Macht. Die Pratihara-Könige sind die Vorgänger der Rajputen-Fürsten, und übernahmen wie diese auch die Verteidigung gegen die muslemischen Eindringlinge (wie z.B. Mahmud von Ghazni).

Die Macht der Könige basierte auf den Vasallen, die Zentralverwaltungen waren schwach. Nicht nur Vasallenkönige, sondern auch Provinzgouverneure hatten ein eigenes Heer. Da ihr Amt oft weitervererbt wurde, entstanden aus ihnen neue Dynastien.

Im 10. und 11. Jahrhundert nahmen Landschenkungen an Brahmanen zu, da die Könige damit eine Schwächung der Provinzgouverneure und einen starken Rückhalt für sich selbst anstrebten. Der Buddhismus wurde zurückgedrängt. Teile seiner Lehren und Ausdrucksformen wurden in den Hinduismus integriert.

Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert beherrschte das Chola-Reich große Teile Südindiens. Seine wichtigsten Rivalen waren die Chalukya (ca. 550-750 und 973-1190) und Pallava (250/575-897). Im Norden begann zur Blütezeit der Chola im 11. Jahrhundert die Invasion der Moslems unter Mahmud von Ghazna, welche die Rajputen-Könige besiegten und bis Kannauj vordrangen.

Japan[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Japans

Das Zeitalter des Feudalismus dauerte in Japan von 1185 bis etwa 1600. In der Kamakura-Zeit von 1185 bis 1333 spielte der Konflikt zwischen den Familien Taira und Minamoto eine zentrale Rolle. Er ist als Gempei-Krieg in Japans Literatur eingegangen. Minamoto no Yoritomo errichtete in Kamakura das erste Shogunat. Seine Regierung (Bakufu) war ganz militärisch ausgerichtet. Unter den Hōjō unternahmen die Mongolen 1274 und 1279 zwei refolglose Invasionen. Doch die Abwehr kostete einen hohen Aufwand, ohne dass Land zur Belohnung der Krieger erobert worden wäre. In der folgenden Muromachi-Zeit (1333–1568) kam es unter Ashikaga Yoshimitsu zu einer kurzen Hochphase, doch bald darauf zerfiel das Shōgunat im Ōnin-Krieg (14671477).

Mongolisches Reich[Bearbeiten]

Das Reich der Mongolen entstand bereits um 1130 unter Kabul Khan geeint, nach einem Zusammenbruch stieg es erst unter der Führung Dschingis Khans (1155/1162–1227) zum größten Landreich der Geschichte (29.000.500 km² und über 100 Millionen Untertanen) auf.

Auf dem Höhepunkt gehörten die größten Teile des Kaiserreiches China, Koreas, Khorassans (heute zu Afghanistan und Iran), Georgiens, Armeniens, Russlands, Ungarns, Persiens und die dazwischen liegenden Länder dazu. Dabei hatte Dschingis Khan ursprünglich nicht die Absicht, ein Weltreich zu errichten.[2]

Europäisches Mittelalter[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mittelalter

In der Zeit von 500 bis 1500 wurde die politische und kulturelle Dominanz des griechisch-römisch geprägten Mittelmeerraums abgelöst durch eine neue, fast ganz Europa umfassende Welt christlicher Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften. Grundzüge des europäischen Mittelalters waren eine nach Ständen geordnete Gesellschaft, eine gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend für diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus. Vieles vom alten Wissen der antiken Hochkulturen ging in der Folgezeit im Westen verloren, der Handel verkümmerte teilweise und die Menschen kehrten zu ländlichen Gemeinschaften zurück.

Die erste entgegengesetzte Entwicklung war eng mit der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum (römischen!) Kaiser im Jahre 800 verbunden. Die neue Reichshauptstadt Aachen wurde zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den Anstoß zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter Rückbesinnung auf die Antike. Karl eroberte große Teile von Italien und anderen umliegenden Ländern und vergrößerte damit sein Reich. Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht länger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunächst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Langobarden und Sarazenen schützte, später aber wurden die Güter des Papstes ein unabhängiger Staat in Mittelitalien. Die Aufteilungen des Reiches unter seinen Nachkommen führte nach langwierigen Erbfolgekonflikten 962 zur Gründung des Heiligen Römischen Reiches durch Otto I., und zur Gründung des Westfränkischen Reiches.

Zur gleichen Zeit übernahmen Normannen einige ihnen fremde Gebiete Europas und drangen in die alten Herrscherdynastien ein.

Ein weiteres Anzeichen der Wiedergeburt einer westeuropäischen Zivilisation nach der karolingischen Renaissance kann im 11. Jahrhundert beobachtet werden, als die ersten Universitäten in Italien gegründet wurden und der Handel bedeutender wurde, wodurch wirtschaftliches und kulturelles Wachstum der unabhängigen Stadtstaaten wie Venedig und Florenz begannen. Gleichzeitig formten sich neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und dem Kirchenstaat Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und die Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhängiger Städte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden.

Eine der größten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war die erste Epidemie von 1346 bis 1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte.

Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgültigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner größten Ausdehnung den Nahen Osten, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.

Renaissance[Bearbeiten]

Hauptartikel: Renaissance

Ab dem 14. Jahrhundert, verstärkt aber nach dem Fall Konstantinopels, als viele griechische Wissenschaftler nach Italien kamen, begann man sich wieder für die Überlieferung aus der Antike zu interessieren. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv.[3] Außerdem fanden während der Reconquista auf der Iberischen Halbinsel die christlichen Eroberer viele Werke griechischer und arabischer Autoren, die antike Vorstellungen überliefert hatten.[4] Die Werke von Künstlern wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael waren weltzugewandter als die religiöse Kunst des Mittelalters und führten perspektivische Malerei und Porträtkunst auf einen neuen Höhepunkt. Die Naturwissenschaften erlebten einen Aufschwung (Galileo Galilei, Francis Bacon). Johannes Gutenberg erfand den Druck mit beweglichen Lettern und in der Literatur wurden von Dante Alighieri und William Shakespeare unübertreffbare Werke der Weltliteratur geschaffen.

Amerika[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Amerikas

Maya[Bearbeiten]

Hauptartikel: Maya

Während der Postklassik bildete eine Zeit lang die Liga von Mayapán ein Machtzentrum auf der Halbinsel Yucatán, doch verlagerte sich der Machtschwerpunkt allmählich in Richtung Zentralmexiko. Dort herrschten vom 11. bis zum 13. Jahrhundert die Tolteken; danach zerfiel ihr Reich unter dem Ansturm einiger Stämme aus dem Norden Mexikos. Ab dem frühen 14. Jahrhundert bis zur Eroberung durch die Spanier entwickelte sich dann das Reich der Azteken. Kulturelle Mittelpunkte waren in dieser Zeit Cobá, Chichén Itzá, Ek Balam, Mayapán, Tulúm und Uxmal.

Azteken[Bearbeiten]

Das heutige Wappen Mexikos, Adler auf einer Schlange, greift den Gründungsmythos von Tenochtitlán auf.
Hauptartikel: Azteken

Die Azteken kamen wohl zwischen 1320 und 1350 nach im Gebiet von Tenochtitlán, das heutige Mexiko.[5] Nach anfänglicher Abhängigkeit von den Tepaneken gelang es dem aztekischen Dreibund sich im Tal von Mexiko und darüber hinaus durchzusetzen.[6]

Moctezuma I. führte[7] so genannte Blumenkriege zur Beschaffung von Sklaven ein, die als Menschenopfer zur Besänftigung der Götter dienen sollten.[8] Unter Auítzotl dehnte sich das Herrschaftsgebiet der Azteken auf seinen größten Stand aus. Dass es Hernán Cortés 1519 rasch gelang, Mexiko zu erobern, erklärt sich aus der außenpolitischen Isolation der Azteken und der passiven Haltung Moctezumas II.. Doch dass Cortés sich trotz eines erfolgreichen Aufstandes der Azteken von 1520 endgültig durchsetzen konnte, erklärt sich wohl nur durch eine Pockenepidemie in der Hauptstadt Tenochtitlán.

1535 wurde das Vizekönigreich Neuspanien errichtet und die einheimische Bevölkerung weitgehend christianisiert.[9] Doch die alte Sprache Nahuatl hat sich bis heute bei den Nahua erhalten (vgl. die Wikipedia in Nāhuatl).

Inka[Bearbeiten]

Die Ausdehnung des Inkareiches und des Chimúreiches
Hauptartikel: Inka

Historisch[10] lassen sich fünf Herrscher der Inka fassen. Pachacútecs (1438-1471) herrschte in seiner Hauptstandt Cuzco vom Titicacasee bis nach Junín, Arequipa und zur Küste. Túpac Yupanqui erreichte die größte Ausdehnung des Reiches (bis Quito im heutigen Ecuador und Santiago im heutigen Chile). Nach seinem Tod kam es zum Bürgerkrieg, bei dem sich Huayna Cápac durchsetzte.[11] Er verlegte seinen Hauptsitz nach Tomibamba, (Cuenca (Ecuador)),[12] [13][14] wo er insgesamt über 200 Söhne und Töchter zeugte, und errichtete Höhenfestungen mit steinernen Schutzwällen.[15] In seinen letzten Jahren erreichte ihn noch die Meldung von bärtigen, weißen Männern an Bord von Schiffen.[13]

Nach seinem Tod kam es zwischen seinen Söhnen Atahualpa (in der nördlichen Region[16] mit der Hauptstadt Cajamarca) und Huáscar (im Süden mit der Hauptstadt Cuzco) zum Bürgerkrieg. Huáscar wurde geschlagen und die Leichen seiner engsten Verwandten an Pfählen auf den Straßen zur Schau gestellt.[17]

Afrika[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Afrikas

Aus Berichten von Herodot geht hervor, dass schon in der Antike Verbindungen zwischen Nord- und Schwarzafrika gab. Diese wurden seit dem 5. Jahrhundert nach Chr. wegen des Reiches von Ghana ausgebaut.[18] Über die Bornustraße zwischen dem Tschadsee und Tripolis wurden Pferde, Stoffe und Waffen in den Süden geliefert. Dort waren Sklaven das Hauptexportprodukt. Vo diesem Handel profitierte das Reich von Kanem-Bornu. Ab 1450 stieg im Songhaireich Timbuktu am Niger zum bedeutendsten Handelszentrum in der Sahelzone auf.

Globalisierung[Bearbeiten]

Vom Kolonialismus zum Imperialismus[Bearbeiten]

Der Aufstieg Europas[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Europas

Im 15. Jahrhundert waren in Europa mächtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die säkularisierenden Einflüsse der Renaissance viel von ihrer Macht verloren.

Kolonialismus[Bearbeiten]
Hauptartikel: Kolonialismus

Die neuen Staaten trieben die Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt voran, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frühen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung führend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in Südamerika sowie Handelsposten an den Küsten Afrikas und Asiens gründeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.

Spanien hatte die Kontrolle über große Teile Südamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Teile Südostasiens (Französisch-Indochina) und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. Später erwarben auch andere Mächte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, außerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.

Natürlich gab es bei der Kolonialisierung auch Rückschläge, insbesondere durch die Unabhängigkeitserklärungen der USA und der südamerikanischen Staaten.

Reformation und Gegenreformation[Bearbeiten]
Hauptartikel: Reformation, Gegenreformation

Mit Martin Luthers Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 gewannen reformatorische Tendenzen allgemein europäischen Einfluss. Dieser Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus führte überall in Europa zu religiös-politischen Auseinandersetzungen, die in Frankreich in den Hugenottenkriegen, in England mit Begründung der anglikanischen Kirche durch Heinrich VIII. eine weitgehende konfessionelle Einheit des Staates zum Ergebnis hatten, in Deutschland aber über den Dreißigjährigen Krieg die zentrale Autorität entscheidend schwächten und mit der Souveränität der Landesherren endeten.

In den sich herausbildenden Nationalstaaten und den Territorien des Heiligen Römischen Reiches bildete sich der Absolutismus heraus, der in Frankreich unter der Herrschaft Ludwigs XIV. seine deutlichste Ausprägung erfuhr.

Revolutionszeit[Bearbeiten]
Industrielle Revolution[Bearbeiten]
Hauptartikel: Industrielle Revolution

Allgemein ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine starke Zunahme von Erfindungen festzustellen; diese waren insbesondere bei der neuartigen Nutzung nicht-menschlicher Energie und im Textilgewerbe auszumachen. Die Zahl der gültigen Patente wuchs in England von 102 im Jahr 1750 auf 6155 im Jahr 1850.

Die Textilindustrie ist die Schlüsselindustrie der Industriellen Revolution[19] in England. Der britische Historiker Eric Hobsbawm bringt es auf den Punkt: "Wer Industrielle Revolution sagt, meint Baumwolle."[20] Technische Erfindungen wie die Spinning Jenny und der mechanische Webstuhl erlaubten ihre maschinelle Verarbeitung und schufen die Grundlage für das entstehende Fabriksystem, eine auf innerbetrieblicher Arbeitsteilung und Maschinennutzung beruhende neue Produktionsform (Industriekapitalismus). Die Textilindustrie gab Anstoß zur Entstehung und Entwicklung weiterer Industriezweige.

Mit nachhaltigen Folgen verbesserte James Watt 1769 die von Thomas Newcomen erfundene Dampfmaschine, deren Effektivität die neuen industriellen Unternehmer zu nutzen verstanden. Ihre Einführung und Verbreitung führte zu einer noch stärkeren Intensivierung der Industrieproduktion. So wurde z.B. die Textilindustrie von den vorher heimischen Kleinproduktionsstätten in große Fabriken umgelagert, wo dampfgetriebene Spinnmaschinen und Webstühle schnell und produktiv die auf dem europäischen Kontinent begehrten Stoffe herstellten.

Als Folge mechanisierter Produktion stieg die Nachfrage nach Brennstoffen, wodurch Kohleabbau lukrativ und durch weitere Erfindungen immer produktiver wurde. Weiterhin wichtige technische Grundlage war die Erfindung des Kokshochofens zur Eisenverhüttung durch Abraham Darby. Mit Rädern versehen und auf Schienen gestellt, wurde die Dampfmaschine als Eisenbahn (Robert Stephensons' "Rocket") erfunden, die eine enorme Produktivitätssteigerung im Transportwesen ermöglichte. Durch fortschreitende Spezialisierung[21] trieb die Industrialisierung im Kontext der kapitalistischen Kommerzialisierung in einem bis heute anhaltenden Prozess immer neue Gewerbe hervor.

Bürgerliche Revolutionen[Bearbeiten]

Die Industrielle Revolution brachte im Lauf des 19. Jahrhunderts tief greifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich. Diese führten in Europa nach amerikanischem Vorbild in Frankreich zur ersten bürgerlichen Revolution, der Französischen Revolution. Die Ideen der Menschenrechte wurden auch im übrigen Europa aufgegriffen. In den Revolutionskriegen, insbesondere durch Napoleon und im Zusammenhang mit Widerstand und Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft, wurden dann weitere Errungenschaften der französischen Revolution im kontinentalen Europa verbreitet. Als die Monarchen in der Restaurationszeit diese Entwicklungen zurückzudrängen versuchten, kam es ab 1830 von Frankreich ausgehend zu einer Reihe von Revolutionen (Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, Märzrevolution 1848/1849).

Vom Nationalismus zum Imperialismus[Bearbeiten]
Hauptartikel: Nationalismus, Imperialismus
Europa im Jahr 1890

Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, waren um 1860 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern wurde der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich) in Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoléon III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik.

Während in den Revolutionen ab 1830 Handwerker und Arbeiter zwar mitgekämpft, aber die Ziele nur unwesentlich mitbestimmt hatten, kam es 1871 im besetzten Frankreich zur ersten Erhebung, in der die Arbeiterschicht sozialistische, marxistische (von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 formulierte Vorstellungen) und anarchistischen Ideen kurzfristig verwirklicht werden konnten, zur Pariser Kommune.

Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Überhöhung des Nationalismus. Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen Bündnissystems, das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum Ersten Weltkrieg.

Asien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Asiens

Die Verbreitung von Schießpulver und damit Musketieren und Kanonen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts führte zur Entstehung der drei großen islamischen Reiche der Osmanen, Safawiden und Großmoguln. In dieser Zeit setzten sich in China die Ming durch. Alle diese Reiche litten unter der Kleinen Eiszeit im 17. Jahrhundert und sahen sich mit eindringenden Europäern konfrontiert.

Naher Osten[Bearbeiten]
Osmanisches Reich bis 1683

Mit dem Regierungsantritt Mehmets II. 1451 wandelte sich das seit dem 14. Jahrhundert in Anatolien und auf dem Balkan expandierende Osmanische Emirat zum Osmanischen Reich. 1453 wurde Konstantinopel erobert und darauf zur Hauptstadt des neuen Imperiums. Dieses drang bis Mitte des 16. Jahrhunderts nach Persien, Ägypten und bis nach Wien vor (Belagerung von 1529). Die Stärke des Reiches beruhte auf den an Soldaten ausgegebenen Pfründen (Timar-System) und den nur dem Sultan unterstellten Elitetruppen der Janitscharen. Als die Expansion endete, kam es zu einer Landknappheit, die das Timar-System schwächte. So stürzten die teuren Kriege das Reich in eine innere Krise. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts führten fähige Großwesire Reformen durch, die den Osmanen eine zweite Phase versuchter Expansion gegen Habsburger, Perser und Russen ermöglichten. Doch im 18. Jahrhundert wurde das Reich endgültig außenpolitisch defensiv (Tulpenzeit).

Persien unter den Safawiden

1501 gründete Shah Ismail I. im persischen Reich die Safawiden-Dynastie. Sie erlebte um 1600 eine Blütezeit. Ein stehendes Heer mit Feldartillerie ermöglichte Rückeroberungen von Gebieten der Osmanen. Die Safawiden waren schiitisch, aber trotzdem religiös tolerant. Mit dem durch die Europäer verursachten Rückgang des interkontinentalen Handelsvolumens über Land allerdings sank die Macht der Safawiden. 1722 kam es zu einem Aufstand afghanischer Stämme, die von Nadir Shah (1736-1747) zurückgedrängt wurden. Doch nach dessen Ermordung entstand ein unabhängiges Afghanistan. In Persien folgt nach lang andauernden Nachfolgekämpfen 1796 die Dynastie der Kadscharen.

China[Bearbeiten]
Ming-Dynastie - 1580
Hauptartikel: Geschichte Chinas

Der Ming-Dynastie gelang es die Mongolen zu vertreiben und eine neue straffe Herrschaft über ganz China zu errichten. Zunächst wurde eine expansiven Politik betrieben, die durch Expeditionen nach Zentralasien, Vietnam und See-Expeditionen unter Admiral Zheng He gekennzeichnet war. Doch nachdem 1449 der Ming-Kaiser nach einer Schlacht gegen die Oiraten gefangengenommen worden war, verhielten sich die Ming nur noch defensiv. Die Große Mauer wurde ausgebaut. Nach einem wirtschaftlichen Niedergang zu Beginn des 17. Jahrhunderts gelang es dann den aus den Jurchen hervorgegangenen Mandschu 1644 Beijing zu erobern. Deren Qing-Dynastie versuchte eine Sinisierung zu vermeiden. Zwar behielt sie chinesische Verwaltungssystem bei, doch es wurde durchweg mit Manchu besetzt. Im 18. Jahrhundert gelang es ihnen, ihre Herrschaft auch in den entlegenen Provinzen und bis nach Tibet durchzusetzen. Der Kontakt mit den Europäern erwies sich zunächst als fruchtbar, da mit den von ihnen übernommenen Kulturen von Mais, Süßkartoffel und Erdnüssen die landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgeweitet werden konnten, so dass die Bevölkerung wieder zunahm.

Japan[Bearbeiten]
Hauptartikel: Geschichte Japans

Trotz einer Phase innerer Zertrittenheit (Sengoku) gelang es Japan 1592 im Imjin-Krieg das Korea der Joseon-Dynastie zu erobern. Mit Unterstützung durch die chinesischen Ming konnten sich die Koreaner aber schon nach sieben Jahren wieder befreien.

Durch Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu wurde Schritt für Schritt die Einheit Japans (1600) wieder hergestellt. Unter den Tokugawa zwischen 1603 und 1868 folgte eine Periode des Friedens, die aber auch durch Abschließung von der Außenwelt charakterisiert war.

Südostasien[Bearbeiten]

Unter den Thaistaaten gewann im 16. Jahrhundert das Königreich Ayutthaya die Vormachtstellung. Daraus ging das Reich von Siam hervor. Es stand in Konkurrenz mit Birma und dem Vietnam zur Zeit der Le-Dynastie, in der die Familien der Nguyen und Trinh) die Herrscher stellten.

Indien - Reich der Großmoguln[Bearbeiten]
Das Mogulreich um 1700
Hauptartikel: Mogulreich

Der erste Großmogul Babur (reg. 1526 bis 1530), ein aus Zentralasien stammender Fürst der Timuriden-Dynastie,[22] eroberte ausgehend vom Gebiet der heutigen Staaten Usbekistan und Afghanistan das Sultanat von Delhi. Als bedeutendster Mogulherrscher gilt Akbar (reg. 1556 bis 1605), der das Reich militärisch, politisch und wirtschaftlich festigte. Unter Aurangzeb (reg. 1658 bis 1707) erfuhr das Mogulreich seine größte Ausdehnung, wurde aber finanziell und militärisch überspannt, so dass es im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer untergeordneten Macht im politischen Gefüge Indiens herabsank. 1858 wurde der letzte Großmogul von den Briten abgesetzt, sein Territorium ging in Britisch-Indien auf. Der Nachwelt erhalten geblieben sind reiche Zeugnisse einer von persischen und indischen Künstlern geprägten Architektur, Malerei und Dichtung.

Amerika[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Nordamerikas; Geschichte Mittelamerikas; Geschichte Südamerikas
Nordamerika[Bearbeiten]

Die Kolonisierung Nordamerikas begann bereits Mitte des 16. Jahrhundert durch Spanier und Briten, doch erst am Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zu dauerhaften englischen Siedlungen an der Ostküste Amerikas. Dabei kam zum Zusammenprall dreier Kulturen: indianische Ureinwohner, weiße Siedler und Sklaven aus Afrika. Unter Dezimierung der Indianer um 90% in den ersten 100 Jahren nach der Besiedlung und Preisgabe moralischer wie christlicher Werte kam es zum "Sieg" der weißen Kultur und zur Gründung von 13 britischen Kolonien an der amerikanischen Ostküste. Diese Kolonien waren untereinander unabhängig, jedoch dem Mutterland, England, untergeordnet. Sie erhielten ihren Verfassungsstatus durch einen sog. Charter. Dieser sprach sie entweder einer Siedlungsgesellschaft (corporate charter), einem Privateigentümer (proprietary charter) oder der Krone selbst zu (Kronkolonie). Dieser Status änderte sich in vielen Fällen während der Kolonialzeit. Diese Kolonien erkämpften sich im amerikanische Unabhängigkeitskrieg ihre Loslösung von der britischen Krone. Die neugegründeten Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten sich bald zur Vormacht auf dem Kontinent.

Mittelamerika[Bearbeiten]

In Mittelamerika entstand aus dem Vizekönigreich Neuspanien, aus dem 1821 das Mexikanische Kaiserreich unter Agustín I..

1860

1823 bildeten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, und Costa Rica die Zentralamerikanische Konföderation, doch sie zerbrach im Bürgerkrieg (1838–1840).

Mit Ausnahme von Kuba, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik gerieten die Staaten der Karibik seit dem 16. Jahrhundert aus der spanischen Herrschaft unter den Einfluss der westeuropäischen Kolonialmächte England, Frankreich und Niederlande. Die letzten spanischen Kolonialgebiete wurden nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von den USA abhängig. Auf allen karibischen Inseln wurde die indianische Bevölkerung weitestgehend ausgerottet und afrikanische Sklaven als Plantagenarbeiter eingesetzt. Im Unterschied zum Festland erlangten die karibischen Staaten (außer Haiti, der Dominikanischen Republik und Kuba) relativ spät, nämlich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit.

Südamerika[Bearbeiten]

Bereits 1494 wurde Südamerika im Vertrag von Tordesillas von Papst Alexander VI. zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Der östliche Teil, große Teile des heutigen Brasilien, wurde Portugal zugesprochen. Panama und der Rest des Kontinents fiel an Spanien. Die spanische Eroberung erfolgte von Mittelamerika und aus der Karibik, auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado. Die Portugiesen eroberten den Bereich des heutigen Brasilien.

Die ersten Siedlungen der spanischen Einwanderer entstanden bereits um 1520 im heutigen Venezuela, Kolumbien und Argentinien. Angetrieben durch die reichen Goldquellen in Mexiko, erkundete Francisco Pizarro von Panama aus die Pazifikküste Südamerikas für die spanische Krone, auf der Suche nach Reichtümern. Dabei gelangte er im Jahr 1526 ins heutige Ecuador und Peru. In den beiden Jahren 1532/1533 verstand er es die Wirren des Bruderkrieges zwischen den Inka Huáscar und Atahualpa auszunutzen und unterwarf das riesige Inkareich. Zu Hilfe kamen ihm dabei die von den Einwanderern mitgebrachten Krankheiten, die auf die ursprüngliche Bevölkerung verheerende Folgen hatten.

Die indianische Bevölkerung wurde innerhalb kurzer Zeit weitgehend ausgelöscht (allerdings nicht so stark wie in der Karibik). Auch bei anderen Eroberungen, z.B. Perus, kam es zu exzessiven Massakern. Um die Frage der Behandlung der Indianer entspann sich ein umfassender ideologischer Konflikt mit den Exponenten Bartolomé de Las Casas als "Generalverteidiger der Indios" und Juán Ginés de Sepúlveda, der die Indios als eine Art Untermenschen betrachtete. Dieser Streit führte zum Erlass der "Neuen Gesetze" von 1542, die zwar die Indios teilweise schützten, vielfach jedoch unwirksam waren und teilweise zurückgenommen wurden. Auch spätere Ansätze der spanischen Krone, eine Gesetzgebung zum Schutz der Indianer zu entwickeln, scheiterten an mangelndem Umsetzungswillen und der Realität der kolonialen Gesellschaft angesichts der Profitabilität der Ausbeutung.

Entwicklung vom Kolonialismus zum modernen Staatensystem in Südamerika ab 1700

Traurige Berühmtheit erlangten dabei die Silberminen von Potosí, in denen im Lauf der Kolonialzeit unzählige Indios unter unerträglichen Bedingungen arbeiteten und weit über eine Million daran zugrunde ging. Auch die Zwangsarbeit im Rahmen der Encomienda führte zu desolaten Verhältnissen für die indigene Bevölkerung, dazu kam die soziale Zerrüttung durch die Vernichtung der indigenen Kultur im Namen der Religion und Zivilisation. Außerdem nahmen die Indios den niedrigsten und schwächsten Rang in der kolonialen Kastengesellschaft ein.

Besonders radikal war die Verfolgung der Indios in jenen Gebieten, die im 19. Jahrhundert von den Europäern abgerungen wurden, in den berühmten Indian Wars aber auch bei der Eroberung Patagoniens. Hier kam es zur gezielten Auslöschung ganzer Stämme, sodass man hier von einem bewussten Genozid sprechen muss.

In den südamerikanischen Unabhängigkeitskriegen wurden die spanischen Vizekönigreiche (Vizekönigreich Neugranada, Vizekönigreich Peru und Vizekönigreich des Río de la Plata) beseitigt und die Unabhängigkeit beinahe aller Staaten Südamerikas, nämlich Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela erreicht. 1822 erlangte auch die portugiesische Kolonie Brasilien eine zwar friedliche, aber auch nur scheinbare Unabhängigkeit. Nach 1825 blieben nur Britisch Guyana, Holländisch Guyana und Französisch-Guayana als europäische Kolonien bestehen.

Afrika[Bearbeiten]

Unter der Führung Heinrichs des Seefahrers wurde eine Reihe von Entdeckungsreisen unternommen, die andere Seefahrer zu weiteren Expeditionen anregte. 1432 erreichten portugiesische Schiffe das Kap Bojador und 1445 Kap Verde, 1482 erreichte Diogo Cão die Mündung des Kongo, sechs Jahre später gelangte Bartolomeu Diaz zum Kap der Guten Hoffnung, und 1498 erreichte Vasco da Gama auf dem Seeweg den indischen Subkontinent, wobei er die afrikanische Ostküste entdeckte. Mit diesen Entdeckungen war der Grundstein für eine erste Kolonisierung Afrikas durch die Portugiesen gelegt.

Die Guineaküste, die den Portugiesen ab 1480 vollständig bekannt war, stand in der Frühphase des Kolonialismus im Zentrum europäischer Interessen. 1482 wurde São Jorge da Mina, der erste europäische Stützpunkt, errichtet, ihm folgten zahlreiche andere Forts. Die Haupthandelsgüter waren Sklaven, Gold, Elfenbein und Gewürze. Durch die Entdeckung und Kolonisierung Amerikas erlebte besonders der Sklavenhandel, der zuvor hauptsächlich von arabischen Staaten betrieben worden war, einen Aufschwung. Das hohe ökonomische Potential dieses Gebiets zog bald auch andere Nationen an die Guineaküste. Im Laufe der Jahrhunderte verlagerte sich die koloniale Vormachtstellung von den Portugiesen zunächst auf die Holländer, später auf die Franzosen und Briten. Doch bis ins späte 19. Jahrhundert beschränkten sich die Kolonialmächte auf die Besetzung von kleinen Handelsposten entlang der Küste, das Hinterland blieb lange Zeit unerforscht und (zumindest politisch) unabhängig.

Bis 1520 eroberten die Portugiesen entlang der ostafrikanischen Küste alle muslimischen Sultanate zwischen Sofala und dem Kap Guardafui und machten Mosambik zum Zentrum ihrer Besitzungen. Anders als in Westafrika versuchten sie hier früh, in das Landesinnere vorzudringen, wo man sich erhoffte, große Mengen Gold zu finden. Allerdings gelang es ihnen nicht, diese Gebiete dauerhaft unter Kontrolle zu halten.

Südafrika wurde bis ins 17. Jahrhundert keine große Bedeutung zugemessen, und das Kap der Guten Hoffnung diente lediglich als Rastplatz auf dem Weg nach Indien. 1620 erklärten zwei britische Offiziere der Britischen Ostindien-Kompanie auf eigene Initiative das Kap zur britischen Kolonie, was von der Regierung in London jedoch nicht anerkannt wurde. Vom Desinteresse der britischen Regierung profitierten die Holländer, die 1652 die erste dauerhafte weiße Siedlung in Südafrika gründeten. Unter den ersten Siedlern befanden sich auch Hugenotten, die aus Frankreich geflohen waren und in den Niederlanden Asyl gefunden hatten. Zunächst sah man die Kapkolonie nur als westlichsten Vorposten von Ost-Indien, doch nach und nach dehnten die Holländer ihren Einfluss- und Siedlungsbereich nach Norden hin aus. Der Kampf gegen Napoleon veranlasste die Briten, die niederländische Kapkolonie zu besetzen. Nach langen Kämpfen befanden sich schließlich die Siedlungen in Südafrika 1814 in britischen Händen.

1830 besetzten die Franzosen Algier und beendeten damit die - freilich nur noch nominelle - Herrschaft des Osmanischen Reiches. Durch Feldzüge in das Atlas-Gebirge kamen die Berber unter französische Herrschaft. Bis 1855 waren auch große Teile der nördlichen Sahara unterworfen. Der Anführer der muslimischen Völker dieser Region, Abd el-Kader, hatte sich bereits 1837 dem französischen Oberbefehlshaber General Bugeaud, unterwerfen und ins Exil in den Libanon gehen müssen.

Australien und Ozeanien[Bearbeiten]

Australiens Bundesstaaten und Territorien im Laufe der Zeit
Hauptartikel: Geschichte Australiens, Geschichte Ozeaniens
Australien und Tasmanien[Bearbeiten]

James Cook nahm 1770 die Ostküste Australiens formell als Neusüdwales für die britische Krone in Besitz.[23] Da die USA von Großbritannien unabhängig geworden waren, nutzte die britische Regierung diese Kolonie zur Deportation von Sträflingen. Insgesamt wurden von 1788 bis 1868 etwa 160.000 Sträflinge nach Australien gebracht.

1835 handelten tasmanische Geschäftsleute den Aborigines 2.400 km² in der Gegend des heutigen Melbourne ab und gründeten Port Phillip. Obwohl dieser Handel als illegal galt, gab die Kolonieführung dem Druck der wachsenden Bevölkerung nach und gab das Land offiziell zur Besiedlung frei. Am 1. Januar 1901 formierten sich die einst voneinander unabhängigen Kolonien zum "Commonwealth of Australia". Erste Hauptstadt Australiens wurde Melbourne. Hier eröffnete am 9. Mai 1901 das erste Parlament des Landes. Am 26. September 1907 erhielt der Australische Bund mit dem Dominionstatus die nahezu vollständige Unabhängigkeit vom Mutterland Großbritannien. 1911 wurde das Australian Capital Territory geschaffen, um die neue Hauptstadt Canberra aufzunehmen. Melbourne blieb aufgrund der langandauernden Bauarbeiten in Canberra aber noch bis 1927 Regierungssitz. Mit dem Statut von Westminster von 1931 wurde den Dominions des Empire formal die Unabhängigkeit verliehen. Das australische Parlament stimmte dem aber erst 1942 zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine progressive Einwanderungspolitik betrieben, die einerseits zur Massenimmigration aus Europa und nach Aufgabe der White Australia policy auch aus Asien und anderen Erdteilen führte. So kam es in kurzer Zeit zu starken demografischen Veränderungen, aber auch zu wirtschaftlichem Aufschwung. 1986 gab Großbritannien mit dem Australia Act die letzten Kompetenzen bezüglich der australischen Verfassung ab. Am 6. November 1999 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent jedoch gegen die Schaffung einer Republik und blieb somit formal eine konstitutionelle Monarchie unter Elizabeth II..

Im Herbst 2007 wurde Kevin Rudd Premierminister einer Labour-Regierung. Er setzte auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den pazifischen Nachbarn und entschuldigte sich erstmals offiziell bei den Aborigines für das ihnen durch weiße Australier zugefügte Unrecht.[24]

Ozeanien[Bearbeiten]

Ozeanien wurde schon ab 1512 kolonisiert. Der Portugiesen errichteten ihren ersten Stützpunkt auf den Molukken. 1526 wurde Neuguinea entdeckt und noch im 16. Jahrhundert ein Großteil der im Pazifik gelegenen Inselgruppen.[25] Im 17. und 18. Jahrhundert sind verstärkt Niederländer, Briten und Franzosen an den Entdeckungen beteiligt. Da jetzt, vor allem von James Cook, recht sorgfältig kartiert[26] wird, können einmal entdeckte Inseln erfolgreich wieder angesteuert werden.[27] Im 19. Jahrhundert versuchen im Zuge des Imperialismus auch Deutschland und die USA sich festzusetzen, doch sichert sich zunächst Großbritannien die meisten Stützpunkte. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) etablieren sich daneben die USA als Vormacht.

Von Weltkriegen zur Weltpolitik[Bearbeiten]

Weltkriegszeit[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg – beteiligte Staaten
  •  Entente und Alliierte
  •  Mittelmächte
  •  Neutrale*
  • *Abessinien, Darfur (nicht eingezeichnet), der Senussi-Staat (nicht eingezeichnet) und Persien kämpften teilweise auf Seiten der Mittelmächte. Zentralarabien und der Hedschas (nicht eingezeichnet) standen auf Seiten der Entente
    Erster Weltkrieg[Bearbeiten]
    Hauptartikel: Erster Weltkrieg

    Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) wurde in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien geführt und kostete über neun Millionen Menschenleben. Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, auf der einen Seite und den Entente-Mächten, Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen. Anlass war ein Attentat auf den österreichischen Thronfolger, Ursache waren die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Wegen seiner schwerwiegenden Folgen gilt er vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.

    Es war der erste Krieg, der mit massivem Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen im Stellungskrieg auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten.

    Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

    Die internationale Ordnung, die durch den Friedensvertrag von Versailles und die Errichtung des Völkerbundes angestrebt wurde, erwies sich allerdings als unstabil. Nachkriegsschwierigkeiten wie z.B. die deutsche Inflation, die Angst vor dem Kommunismus und schließlich die Weltwirtschaftskrise führten zu Erfolgen autoritärer und totalitärer Gruppierungen in vielen europäischen Ländern und in einigen Fällen, dazu, dass sie die Regierung stellten: Die Faschisten unter Benito Mussolini in Italien (1922), die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in Deutschland (1933), die Franquisten in Spanien (nach Ende des Bürgerkriegs 1939) und auch in anderen Ländern wie in Japan[28] und in Ungarn (1920).

    Nach der Allianz der so genannten Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan und nachdem ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet war, lösten der deutsche „Führer“ Adolf Hitler am 1. September 1939 und der sowjetische Machthaber Josef Stalin am 17. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus.

    Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]
    Hauptartikel: Zweiter Weltkrieg

    Der Zweite Weltkrieg stellt den bislang größten und verlustreichsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte dar. Er ist der einzige Krieg, in dem sowohl atomare – von den USA gegen Japan – als auch biologische und chemische Waffen – hauptsächlich durch Japan gegen China – eingesetzt wurden (ABC-Waffen).

    In Asien begann der Zweite Weltkrieg bereits mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges am 7. Juli 1937.

    In Europa begann er mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf Polen, nachdem der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt für beide Staaten den Weg für militärische Expansionen (Polen beziehungsweise Finnland) freigemacht hatte. Die im Dreimächtepakt verbündeten Staaten Deutschland und Italien begannen zunächst Eroberungsfeldzüge gegen angrenzende Staaten, die sie ihren Interessen unterordnen wollten. Ihre militärischen Hauptgegner waren dabei Frankreich und Großbritannien.

    Am 22. Juni 1941 brach die deutsche Seite den Nichtangriffspakt durch den Überfall auf die Sowjetunion. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 nahmen schließlich die Vereinigten Staaten von Amerika auf Seiten der Alliierten am gesamten Kriegsgeschehen teil, nachdem auch das Deutsche Reich und Italien vier Tage später den Vereinigten Staaten den Krieg erklärt hatten.

    Der Zweite Weltkrieg endete mit der vollständigen Niederlage Italiens (1943), Deutschlands (8. Mai 1945) und Japans (2. September 1945).

    Der Zweite Weltkrieg forderte 55 bis 60 Millionen Menschenleben. Er war seitens der Achsenmächte durch eine starke rassistische Ideologisierung geprägt, die zu zahlreichen Kriegsverbrechen und gewaltsamen, zumeist systematischen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung führte. Mit Kriegsverlauf und Kriegsführung war auch untrennbar der Holocaust verbunden, dem durch die Nationalsozialisten allein sechs Millionen Juden zum Opfer fielen.

    Nach dem Krieg brach die Allianz der Siegermächte auseinander. Unter der Führung der sich etablierenden Supermächte Sowjetunion und USA mündeten die weltanschaulichen Gegensätze und Machtinteressen der sich bildenden Staatenblöcke in den Kalten Krieg.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

    Militärbündnisse zu Zeiten des Kalten Kriegs

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von den alliierten Kriegsgegnern Hitlerdeutschlands und Japans die Vereinten Nationen gegründet, doch bald zerbrach die Gemeinsamkeit der Alliierten, und es bildeten sich zwei Blöcke. Die USA beanspruchten Westeuropa für ihre Einflusssphäre und gründeten die NATO als Schutz vor einer möglichen sowjetischen Invasion. Die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR) und gründete den Warschauer Pakt. Europa war durch den „Eisernen Vorhang“ getrennt. Es begann ein im Kalter Krieg zwischen den neu entstandenen Supermächten, den kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion.

    Ehemalige Kolonien oder von den Industrieländern kontrollierte Gebiete erlangten die Unabhängigkeit: Dank Gandhi Indien und Pakistan 1947, unter Mao Zedong 1949 China und außerdem Indonesien. Im Koreakrieg 1950-1953 kam es erstmals zu einer militärischen Konfrontation zwischen den Blöcken. Aufstände gegen die Herrschaft der Sowjetunion wurden niedergeschlagen (Deutschland 1953, Ungarn 1956). Mehr und mehr ehemalige Kolonien wurden selbständig.

    Nachdem in der Kubakrise 1962 die Gefahr eines Dritten Weltkrieges akut geworden war, bemühten sich beide Supermächte um Entspannung. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (1957) entwickelte sich zur Europäischen Union (1993). Der Kommunismus verlor an innerer Legitimation, als klar wurde, dass er nicht einen ähnlichen wirtschaftlichen Wohlstand schaffen konnte wie die westlichen Industrieländer und - angesichts der Zerschlagung des Prager Frühlings 1968, dass er reformunfähig war.[29] Schließlich regte sich in Polen wie im von der Sowjetunion 1980 besetzten Afghanistan Widerstand. Der Reformkurs Michail Gorbatschows führte zur Beendigung des Kalten Krieges und zum Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion. Dadurch entstand eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien. China begann unter Führung Deng Xiaoping schon bald nach Maos Tod (1976) tiefgreifende Wirtschaftsreformen.

    Obwohl schon weit früher vor Umweltverschmutzung gewarnt worden war, wurden die Gefahren unkontrollierten Umweltverbrauchs erst aufgrund der Studie Grenzen des Wachstums von 1972 intensiv öffentlich diskutiert. Nach einer ersten Umweltkonferenz 1972, wurde nach zwei Ölkrisen (1973 und 1979/80) und mehreren wissenschaftliche Studien über die Gefahren des Treibhausklimas 1992 in Rio de Janeiro ein Prozess angestoßen, der zu regelmäßigen UN-Klimakonferenzen und internationalen Abmachungen wie dem Kyoto-Protokoll (1997) führte.

    Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks[Bearbeiten]

    Zunächst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges aufgrund allgemeiner Abrüstung zu einer Friedensdividende und zu allgemeiner Demokratisierung führen. Jedoch das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und mehr noch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA durch al-Qaida beendigten diese Hoffnung. Die USA riefen einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus aus. Sie griffen 2001 Afghanistan und im März 2003 den Irak an. Es kam zu weiteren Terroranschlägen in Madrid (2004), in London (2005) und in Mumbai (2008).

    2004 nahm die Europäische Union 10 neue Mitglieder auf. Im August 2008 kam es zwischen Russland und Georgien zum Konflikt.

    Fußnoten[Bearbeiten]

    1. Die Chinatowns in amerikanischen Städten heißen auf Chinesisch Tang-Ren-Jie (Straßen der Tang-Menschen).
    2. Jeder seiner Eroberungen ging eine besondere Erörterung der sich entwickelnden politischen Lage und der ökonomischen Vorteile voraus. Ein Beispiel ist die Eroberung der nordchinesischen Hauptstadt Peking 1215. Er schlug nach der Eroberung der Hauptstadt die Chance aus, die Erweiterung auf ganz Nordchina auszudehnen und kehrte nach seinem Sieg einfach nach Hause zur Steppe zurück. Der Krieg gegen das Choresmische Reich 1219–21 begann aufgrund von Handelstreitigkeiten.
    3. Strathern, Paul: The Medici: Godfathers of the Renaissance (2003) p81-90, p172-197
    4. Allein die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 Bücher umfasst haben. (The Islamic World to 1600, Tutorial der University of Calgary, abgerufen 11.11.08)
    5. Hanns J. Prem: Die Azteken. Geschichte - Kultur - Religion. Verlag C.H.Beck, 4. Auflage, München 2006, S. 76, daneben steht allerdings auch eine Datierung auf 1100-1200 (Kultur | News | Aktuell | www.mzbern.ch |
    6. Itzcóatl ließ aus bisher nicht ganz geklärten Gründen viele alte Bilderhandschriften vernichten. (Hanns J. Prem: Die Azteken. Geschichte - Kultur - Religion. Verlag C.H.Beck, 4. Auflage, München 2006, S. 86
    7. Vermutlich aufgrund einer Hungersnot zwischen 1445 und 1450
    8. Hanns J. Prem: Die Azteken. Geschichte - Kultur - Religion. Verlag C.H.Beck, 4. Auflage, München 2006, S. 92
    9. Zeitgenössische Quellen sind Aztekencodices wie der Codex Mendoza von 1541 und die zweisprachige (spanisch/nahuatl) „Historia General de las Cosas de la Nueva España“ des Franziskaners Bernardino de Sahagún,
    10. Lavallée, Danièle; Lumbreras, Luís Guillermo: Die Andenvölker - Von den frühen Kulturen bis zu den Inka, München, 1986, ISBN 3-406-31148-2, S. 332
    11. Helga Lippert: Terra X – Von den Oasen Ägyptens zum Fluch des Inka-Goldes. München 2001, ISBN 3-453-19700-3, S. 309
    12. Manuel Lucena Salmoral: Amerika 1492 – Portrait eines Kontinents vor 500 Jahren. München 1991, ISBN 3-517-01215-7, S. 30
    13. 13,0 13,1 Wolfgang Behringer (Hrsg.): Lust an der Geschichte – Amerika – Die Entdeckung und Entstehung einer neuen Welt. München 1992, ISBN 3-492-10472-X, S. 265
    14. Miroslav Stingl: Das Reich der Inka – Ruhm und Untergang der Sonnensöhne. Augsburg 1995, ISBN 3-86047-212-7, S. 174
    15. Wolfgang W. Wurster: Die Schatzgräber – Archäologische Expeditionen durch die Hochkulturen Südamerikas. Hamburg 1991, ISBN 3-570-01000-7, S. 231
    16. Miroslav Stingl: Das Reich der Inka – Ruhm und Untergang der Sonnensöhne. Augsburg 1995, ISBN 3-86047-212-7, S. 168
    17. Helga Lippert: Terra X – Von den Oasen Ägyptens zum Fluch des Inka-Goldes. München 2001, ISBN 3-453-19700-3, S. 310
    18. Im Austausch für das Gold der Wangara lieferten die nordafrikanischen Händler hauptsächlich Salz aus den Salinen von Taghaza (Nordmali) und Idschil (Westmauretanien), da Salz im tropischen Westafrika sehr begehrt war. Endpunkt des Handels im Maghreb war bis ins 11. Jahrhundert Sidschilmasa.
    19. David S. Landes fasst den technischen Kerngehalt der Industriellen Revolution in drei Prozessen zusammen: 1. die Mechanisierung von Handarbeit durch Maschinen, 2. die mechanische Energieerzeugung und Energieumwandlung vor allen durch die Dampfmaschine, 3. die massenhafte Verwendung der mineralischen Grundstoffe Kohle und Eisen. (David S. Landes: Der entfesselte Prometheus. Köln 1973, S. 52)
    20. Eric J. Hobsbawm: Industrie und Empire I. Frankfurt am Main 1969, S. 55
    21. Spezialisierung von Produzenten und Produktionsstätten auf die Produktion bestimmter Arten von Gütern und Dienstleistungen, vgl. Arbeitsteilung
    22. Annemarie Schimmel: Im Reich der Grossmoguln. Geschichte, Kunst, Kultur. München 2000, S. 7
    23. Der Zweck seiner Reise war das Auffinden der sogenannten Terra Australis (Latein), von der man damals glaubte, sie müsse als Gegengewicht zu den Landmassen im Norden der Erdkugel vorhanden sein.
    24. Am 13.2.2008 entschuldigte sich der australische Premier bei den Mitgliedern der „stolen Generations“ für das Unrecht, das den Aborigines vom australischen Staat getan worden ist. (Spiegel online vom 13.2.2008, abgerufen am 30.12.2008)
    25. Marianen, Mikronesien, Melanesien, Marshallinseln, Elliceinseln, Salomonen. Marquesas
    26. Eine erste kartografische Zeichnung gab es schon 6200 v. Chr. in Zentralanatolien als Wandmalerei. In Babylonischer Zeit gab es viele in Tontafeln eingeritzte Karten. Für Jahrhunderte prägend wurde das Weltbild des Griechen Ptolemäus (um 100 n.Chr.) werden. Moderne präzise topografische Karten wurden vor allem ab 1750 bei der Vermessung Frankreichs entwickelt.
    27. Davor waren Entdeckungen nicht selten rasch wieder in Vergessenheit geraten. So wurde Tahiti 1767 von Samuel Wallis entdeckt und im April 1768 nochmals Louis Antoine de Bougainville „entdeckt“ und für Frankreich in Besitz genommen.
    28. vorbereitet 1926, endgültig ab 1940
    29. "... das war die wirkliche Lektion von 1968, zunächst für die Tschechen und dann für alle anderen -, nie wieder konnte irgend jemand behaupten, der Kommunismus beruhe auf allgemeiner Zustimmung oder der Legitimität einer reformierten Partei oder gar auf den Lehren der Geschichte." (Tony Judt: Die Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart. München 2006, S.504)

    Literatur[Bearbeiten]

    Klassische Universalgeschichte[Bearbeiten]

    • Burckhardt, Jakob: Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905
    • Gerard Serrade: Leere Zeiten – oder: Das abstrakte Geschichtsbild. Logos, Berlin 1998, ISBN 3897220164
    • Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. Band 1, Wien 1918, Band 2, München 1922
    • Toynbee, Arnold J.: A Study of History, Bd. I-X, London 1934-1954, Zusatzbde. XI-XII ebda. 1959/61 (autorisierte deutsche Kurzfassung: Der Gang der Weltgeschichte, 2 Bde., Zürich 1949 u. 1958)
    • ders.: Mankind And Mother Earth - A Narrative History Of The World, Oxford, 1976 (dt. Menschheit und Mutter Erde. Die Geschichte der großen Zivilisationen, Claassen Verlag GmbH, Düsseldorf, 1979)

    Traditionelle Weltgeschichte der Nachkriegszeit[Bearbeiten]

    Moderne World History/ Weltgeschichte[Bearbeiten]

    • Bayly, Christopher A.: Die Geburt der modernen Welt. Eine Globalgeschichte 1780-1914. Campus Verlag, 2006, 700 Seiten, ISBN 978-3593381602
    • Bentley, Jerry H. (1996): Cross-Cultural Interaction and Periodization in World History. In: American Historical Review 101 (3), S. 749-770.
    • Bentley, Jerry H./ Ziegler, Herbert F. (2006): Traditions and Encounters. A Global Perspective on the Past. 3rd edition. Boston: McGraw-Hill. - Rezension, Rezension
    • Borchardt, Knut (2001): Globalisierung in historischer Perspektive. (= Bayerische Akademie der Wissenschaften, Sitzungsberichte, Jahrgang 2001, Heft 2). München: Verlag der bayerischen Akademie der Wissenschaften/ Beck.
    • Sebastian Conrad, Andreas Eckert, Ulrike Freitag (Hrg.): Globalgeschichte. Theorien. Ansätze, Themen. Campus Verlag, 2007, ISBN 3593383330
    • Crosby, Alfred W. (1986): Ecological imperialism: the biological expansion of Europe, 900 - 1900. (Studies in environment and history). Cambridge: Cambridge University Press. - Rezension
    • Diamond, Jared (1999): Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Frankfurt/ Main: Fischer Taschenbuch Verlag. - Rezension, Rezension, Rezension
    • Geiss, Imanuel (2006): Geschichte im Überblick: Daten und Zusammenhänge der Weltgeschichte. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Reinbek: Rowohlt.
    • Edelmayer, Friedrich/ Feldbauer, Peter/ Wakounig, Marija (Hg.) (2002): Weltregionen 4 - Globalgeschichte 1450 - 1620. Wien: Promedia. - Verlagsinformation und Rezensionen
    • Grandner, Margarete/ Komlosy, Andrea (Hg.)(2004): Vom Weltgeist beseelt: Globalgeschichte 1700 - 1815. Wien: Promedia. - Rezension, Rezension
    • McNeill, William Hardy (1964): The Rise of the West. A history of the human community. 5. impr.. Chicago: Univ. of Chicago Press. XVIII, 829 S.
    • McNeill, John R./ McNeill, William H. (2003): The Human Web. A Bird's Eye View of World History. New York: Norton. - Rezension
    • Nolte, Hans-Heinrich (2005): Weltgeschichte. Imperien, Religionen und Systeme, 15.-19. Jahrhundert. Wien/Köln/Weimar: Böhlau. ISBN 3-205-77440-X
    • Nolte, Hans-Heinrich (2009): Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wien/Köln/Weimar: Böhlau. ISBN 3-205-78402-9
    • Weber, Wolfgang E. J. (2001): Universalgeschichte. In: Aufriß der Historischen Wissenschaften, Band 2: Räume, S. 15-98, Stuttgart.

    Big History[Bearbeiten]

    • Christian, David (2005): Maps of Time. An introduction to Big History. Foreword by William H. McNeill. Berkeley: University of California Press. ISBN 0-520-24476-1. Verlagsdarstellung, Rezension
    • Spier, Fred (1998): Big History. Was die Geschichte im Innersten zusammenhält. (Originaltitel: The Structure of Big History from the Big Bang Until Today). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

    Siehe auch[Bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten]