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Přibislav (Hofkaplan)

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Seitentitel: Geschichte der westslawischen Orthodoxie/ Die Frühzeit der westslawischen Orthodoxie/ Přibislav (Hofkaplan)
(Geschichte der westslawischen Orthodoxie/ Die Frühzeit der westslawischen Orthodoxie/ Přibislav (Hofkaplan))
Herzog Oldřich, seine zweite Frau Božena und der trauende Priester, wahrscheinlich der Hofkaplan Přibislav (Miniatur aus der Dalimil chronik)
Denar Oldřichs

Přibislav war der Hofkaplan des böhmischen Herzogs Oldřich, der von 1012 bis zum 9. November 1034 (mit einer kurzen Unterbrechung 1033/34) regierte.

Offenbar in dieser Funktion weihte der Priester Přibislav die 1020 erbaute hölzerne Frauenkirche Dresden am Festtag Mariä Geburt gleichen Jahres, dem 8. September 1020.

Altes Haus in Přibyslav nad Metují
Chaluppe im Polabské národopisné muzeum (wörtl. Elbtaler Volkskundemuseum oder auch Museum für Volksarchitektur)

In Böhmen gibt es allein vier Orte mit dem Namen Přibislav, weswegen eine Herkunftszuordnung des Hofkaplans schwierig ist. Nach einer alten Überlieferung sollen über der Flussschleife der Metuje (deutsch:Mettau) gegenüber der (wohl späteren) Landeswarte auf dem Sendražský kopec (618 m, auch Na Vartě genannt) in Přibyslav nad Metují im 11. Jahrhundert Chaluppen gestanden haben, also bereits zu Lebzeiten des Hofkaplans. Hier mündete die Olešenka (deutsch: Alscherbach, auch Gießhübler Goldbach) in die Metuje. Im 12. Jahrhundert soll eine dem Geschlecht Sendražský gehörende Feste auf dem Sendražský kopec entstanden sein, um die das heutige Dorf Sendraž angelegt wurde.

Die bekanntere Stadt Přibyslav (deutsch: Primislau) hingegen ist wahrscheinlich eine Gründung von Přibyslav, einem Bruder des Jan von Polná aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts und kommt für eine Herkunft nicht in Frage. Aber auch Přibyslav u Nové Paky (deutsch: Pschibislau, ein Ortsteil von Nová Paka), und Přibyslav (deutsch: Zibisschlag, ein aufgelassener Ort in der Gemeinde Dolní Dvořiště), müßten als Herkunftsort nach menschlichem Ermessen ausscheiden, da sie deutlich jünger sein dürften.

Taufe des Pribislaw von Mecklenburg
Denkmalgruppe für Otto I. (ca. 1128-1184), zweiter Brandenburgischer Markgraf und Sohn Albrechts des Bären, mit dem Abt Sibold des Klosters Lehnin und Fürst Pribislaw, Taufpate Ottos I. (rechts).[1]

Der Name Přibislav war vor rund tausend Jahren bei den Westslawen offenbar weit verbreitet. Schon Thietmar von Merseburg erwähnt[2] 1012/18 einen kurz nach 991 gestorbenen Hevellerfürsten Pribislaw[3]. Es gab aber auch weitere Slawenfürsten dieses Namens, so den Nakonide Pribislaw von Alt-Lübeck (Fürst der Wagrier und Polaben), den letzten Hevellerfürst Pribislaw (getauft: Heinrich), den obodritischen Niklotiden Fürst Pribislaw (Herr zu Mecklenburg und Kessin) und die beiden Fürst von Parchim-Richenberg, Pribislaw I. und Pribislaw II.

Diese Aufzählung ist längst noch vollständig, erhellt aber, dass der Name Pribislaw in vielen westslawischen Völkern verbreitet war, da viele (unbekannte) Knaben gemäß der Sitte nach den jeweils regierenden Fürsten benannt worden sein dürften.

Anmerkungen

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  1. Pribislaw ist mit mit einem Fellmantel über einem Panzer und einer Fellmütze über einem bärtigen Gesicht dargestellt, in der linken Hand eine Pergamentrolle haltend, die Schenkungsurkunde für sein Patenkind Otto I.
  2. Chronik des Thietmar von Merseburg IV, 64, in: Rudolf Buchner (Hrsg.): Thietmar von Merseburg: Chronik, übertragen und erläutert von Werner Trillmich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1992. S. 181.
  3. Pribislav (Heveller)