Geschichte und Politik Tibets/ Stellungnahme Chinas

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Die chinesische Regierung hat erst einhergehend mit dem Tod Mao Tsetungs einige Dokumente veröffentlicht, die die Lage in Tibet und die Rechtmäßigkeit der Besetzung durch China aus chinesischer Sicht beschreiben[1].
Das Hauptargument der chinesischen Regierung war und ist die historische Zusammengehörigkeit Tibets und Chinas, die weiter oben genauer erläutert wurde. Danach sei Tibet seit dem 7. Jahrhundert entweder Teil Chinas gewesen oder habe unter dessen Oberherrschaft gestanden. Die Heirat Songtsän Gampos mit der chinesischen Kaisertochter Wen-Cheng Kung Chu sei der „Beginn der nicht abbrechenden kulturellen Beziehungen“ gewesen. In den drei Jahrhunderten zwischen der tibetischen Königszeit und der mongolischen Yuan-Dynastie in China habe Tibet als tributpflichtiger Vasallenstaat, während der folgenden Herrschaftszeit der Mongolen unter chinesischer Verwaltung existiert. Letztlich sei Tibet unter der Qing-Dynastie Teil Chinas und von dem Schutz Chinas abhängig gewesen, welches auch Einfluss auf die tibetische Verwaltung gehabt habe[2].
Neben diesen historischen Begründungen nennt die chinesische Regierung die Befreiung des tibetischen Volkes von inneren und äußeren Feinden. So steht in dem 1949 getroffenen 17-Punkte-Abkommen unter Punkt 1 die Vertreibung der „imperialistischen Angreifer aus Tibet“[3] und dessen Rückkehr „in die Völkerfamilie seines Mutterlandes, der chinesischen Volksrepublik“[4]. Das Volk sei von tibetischen Feudalherren, womit der tibetische Adel und die Klöster gemeint sind, grausam behandelt, ausgebeutet und unterdrückt worden[5] und sei daher aus seinem eigenen Leid entrissen worden. Auch habe China Tibet vor den Bedrohungen durch die Briten und Amerikaner geschützt[6].
Der dritte Punkt chinesischer Argumentation ist der von China nach Tibet gebrachte Wohlstand. In Tibet habe eine rückständige Form der Leibeigenschaft geherrscht, welche durch China aufgelöst worden sei. Seit der Okkupation 1951 sei nicht nur die Agrarwirtschaft gestärkt und die Industrie nach Tibet gebracht, sondern auch die tibetische Infrastruktur durch über 20000 Kilometer Straße und eine Anbindung an den chinesischen Flugverkehr verbessert worden. Ein weiteres Argument ist der Bau von Schulen und Krankenhäusern, die vor der Okkupation allein Adeligen vorbehalten gewesen seien. Letztlich habe sich seit 1980 auch die Lage des Buddhismus verbessert, indem jeder Tibeter seine Religion ausüben dürfe und eine Vielzahl der Klöster restauriert worden sei[7].
China begründet seinen Anspruch auf Tibet folglich mit den historischen Beziehungen beider Nationen, die nach chinesischer Auffassung eindeutig zeigen, dass China fast durchgehend über Tibets Status gestanden habe, mit der Befreiung des Volkes aus einem feudalen, imperialistischen System, dessen Herren die Tibeter grausam ausgebeutet hätten, und letztlich mit den Investitionen, durch die Tibet modernisiert, restauriert und wirtschaftlich gestärkt worden sei.



[1] „White Paper 1992“ (vgl. http://www.china.org.cn/e-white/tibet/index.htm, 20.01.2006) und „White Paper 2001” (vgl. http://www.china.org.cn/e-white/20011108/index.htm, 20.01.2006)
[2] Vgl. O. Weggel, „Mit zweierlei Maß“, aus „Tibet – Eine Kolonie Chinas“ (Hg. H. Steckel), S. 147-152; im Folgenden angeführt als: O. Weggel
[3] 17 Punkte Abkommen, §1, aus: http://www.tibet-initiative.de/frames.html?Seite=/Kap2/Kap2_2-2.html, 20.1.2006
[4] 17 Punkte Abkommen, §1, aus: http://www.tibet-initiative.de/frames.html?Seite=/Kap2/Kap2_2-2.html, 20.1.2006
[5] Vgl. H. Forster-Latsch und P. L. Renz, 1999, S. 169-170
[6] Vgl. O. Weggel, S. 154/155
[7] Vgl. O. Weggel, S. 155-157