Geschlecht und Identität/ medizinische Entwicklung/ Ursachen

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Ursachen von Transsexualismus[Bearbeiten]

Beim Transsexualismus weicht das Wissen um das eigene Geschlecht von dem gonadalen Geschlecht ab. Transsexuelle Frauen sind Frauen mit weiblichen Gehirnen und männlichen Gonaden (= Hoden). Transsexuelle Männer sind Männer mit männlichen Gehirnen und weiblichen Gonaden.[1]

Wissenschaftlich diskutiert man heute eine geschlechtliche Anlage in bestimmten Hirnstrukturen, die in der früheren Embryonalphase geprägt werden. Die These wird dadurch gestützt, dass es keine Form der Therapie gibt, sei es Psychotherapie oder eine Hormonbehandlung, den drängenden Wunsch in die Rolle entsprechend dem Gehirngeschlecht zu wechseln. [2]

Aktuelle Forschungen stützen sich zunehmend auf Ansätze, die nach angeborenen biologischen Mechanismen hinter Transsexualismus suchen. Dabei werden in Studien Zwillingspaare, aber auch Eltern und ihre Kinder sowie Geschwister untersucht, um die mögliche Erblichkeit von Transsexualismus zu untersuchen. Auch anatomische Studien konnten zeigen, dass sich bestimmte Gehirnstrukturen in Frauen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen untersucht in Bezug auf Volumen und neuronaler Dichte von den Gehirnen männlicher Kontrollpersonen unterscheiden. [3]

Genetische Ursache[Bearbeiten]

Im Jahr 2009 konnte die Forschungsgruppe um Lauren Hare einen Genort isolieren, der möglicherweise im Zusammenhang mit Transsexualität bei Menschen mit männlichen Gonaden steht. Untersucht wurde eine vermutete Veränderung in der Länge des Genes für den Androgenrezeptor (AR), des Estrogenrezeptor (ER) und der Aromatase (CYP19). Dabei wurden das Genom von 113 Frauen mit männlichen Gonaden untersucht und 258 Männer als Kontrollgruppe. Es wurde festgestellt, dass die Genlänge für den Androgenrezeptor AR signifikant (p=0,04) länger ist, als bei der männlichen Kontrollgruppe. In der Genlänge für den Estrogenrezeptor und für die Aromatase CYP19 wurde kein signifikanter Unterschied entdeckt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Wissen um das eigene Geschlecht zumindest teilweise durch den Androgenrezeptor beeinflusst wurde. Längere CAG-Folgen im Gen für den Androgenrezeptor AR führten zu einer geringeren Bindungswahrscheinlichkeit des AR-Proteins an den Androgenrezeptor. Das Binden des AR-Proteins an den AR-Rezeptor ist ein Mechanismus, der typischerweise dazu führt, dass das Gehirn in einem sehr frühen Entwicklungsstadium vermännlicht. [4]

Hieraus ergibt sich die interessante Frage, ob der Zusammenhang der Länge des AR-Gens und Transsexualismus stark genug ist, um hieraus einen genetischen Test für Frauen mit männlichen Gonaden zu entwickeln. Hierzu bedarf es aber umfassenderer Untersuchungen dieses Merkmals bei großen Stichproben. Möglicherweise kann diese genetische Veränderung nur bei einem Teil der Trans-Frauen gefunden werden.

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Zwilligsstudien[Bearbeiten]

Es gibt immer mehr Zwillingsstudien, die auf einen möglichen genetischen Einfluss als Ursache für Transsexualismus hinweisen. Eine internationale Studie unter erwachsenen, transsexuellen Zwillingen kommt zu dem Ergebnis, dass unter den eineiigen Zwillingen zwischen 22,9% und 33% bei beiden Zwillingen die Geschlechtsmerkmale von dem Wissen um das eigene Geschlecht abweichen.

In Australien gibt es ein Zwillingspaar, bei dem ein Zwilling kurz nach der Geburt adoptiert wurde und bei beiden Zwillingen der Transsexualismus auftrat. Ein Zwilling (LT) nahm im Alter von 50 Jahren an der Studie teil, während der andere Zwilling (AT) im Alter von 35 Jahren Suizid begangen hat.

Die Zwillinge wurden im April 1962 geboren. Das Zwillingskind AT wurde von einer religiösen und autoritären Familie adoptiert, die das weibliche Verhalten des AT ablehnten. Das Zwillingskind LT lebte in der Familie der leiblichen Eltern, die nicht sehr religiös waren und das weibliche Verhalten der LT unterstützten. LT erfuhr erst im Alter von 15 Jahren, dass es AT gibt und es ein Zwillingskind ist und sie haben ein Familientreffen organisiert, damit AT und LT sich kennen lernen.

Bereits lange vor dem Familientreffen, im Alter von 8 Jahren, zeigten LT und AT weibliches Verhalten und fühlten sich im falschen Geschlecht geboren. Der Entschluss von LT nach einer genitalangleichenden Operation stand im Alter von 14 bereits so sehr fest, dass die Mutter von LT einen Urologen aufsuchte. Beide Zwillinge erfüllten die diagnostischen Kriterien nach DSM-5 für Gender Dysphorie (Transsexualismus), sind also Frauen mit männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Diese Studie weist sehr deutlich auf mögliche genetische Ursachen für Transsexualismus hin. Ebenfalls wird ein starker Einfluss der Familie auf den individuellen Verlauf von transsexuellen Menschen nahegelegt, wie durch den vorteilhaften Verlauf von LT und den tragischen Verlauf mit Suizid von AT gezeigt wird. [5]

Subjektives[Bearbeiten]

Siehe Auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://atme-ev.de/index.php?option=com_content&view=section&id=3&Itemid=7
  2. Stalla, Günter K. Therapieleitfaden Transsexualität. 1. Auflage, UNI-MED 2006, ISBN 3-89599-888-5. S 4
  3. Hare L., Bernard P., Sanchez F., Baird P., Vilain E., Kennedy T., Harley V., Androgen Receptor Repeat Length Polymorphism Associated with Male-to-Female Transsexualism Biol Psychiatry. 2009 January 1; 65(1): 93–96
  4. Hare L., Bernard P., Sanchez F., Baird P., Vilain E., Kennedy T., Harley V., Androgen Receptor Repeat Length Polymorphism Associated with Male-to-Female Transsexualism Biol Psychiatry. 2009 January 1; 65(1): 93–96
  5. Segal N., Diamond M., Identical Reared Apart Twins Concordant for Transsexuality. Journal of Clinical and Experimental Medicine 2014
    http://hawaii.edu/PCSS/biblio/articles/2010to2014/2014-identical.html?utm_content=buffer0e1eb&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer