Innere Medizin kk: Erysipel

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Erysipel,hellrot,heiß,schmerzhaft,flächig

Das Wichtigste[Bearbeiten]

  • Ein  Erysipel ist der Rotlauf, eine ausgeprägte , akute flächige Entzündung der Haut.
  • Sie wird wahrscheinlich fast immer durch Bakterien ausgelöst
  • Betroffen sind vor allem der Unterschenkel, der Fuß und das Gesicht
  • Die Behandlung besteht
    • in lokaler Kühlung und Entzündungshemmung, sowie
    • intravenöser oder oraler Antibiose
    • Hochlagerung und Schonung des betroffenen Körperabschnittes
  • Die Standardbehandlung muss manchmal nach dem klinischem Verlauf geändert werden, da die Krankheit nicht immer auf Penicillin anspricht und gerne rezidiviert.

Titel Krankheitsnummer ( ICD )[Bearbeiten]

A46	Erysipel

Definition engl Bezeichnung + Abkürzungen[Bearbeiten]

Englisch[Bearbeiten]

  • Erysipelas
  • Cellulitis ( Unterhautfettgewebsentzündung , nicht Cellulite !!
    • Im deutschen Sprachraum meist als Phlegmone bezeichnet

Einteilungen[Bearbeiten]

Lokalisation[Bearbeiten]

  • untere Extremität
  • Gesicht

nach dem Verlauf[Bearbeiten]

  • typisches unkompliziertes Erysipel
  • Erysipel, bullöses
  • Erysipel, hämorrhagisches
  • Erysipel, phlegmonöses
  • Erysipel, rezidivierendes

nach dem Erreger[Bearbeiten]

nach der Begleiterkrankung[Bearbeiten]

  • keine
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas
  • Lymphabflussstoerung

Ätiologie Ursachen[Bearbeiten]

Erreger[Bearbeiten]

Da nur ganz selten ein zweifelsfreier Erregernachweis durchgeführt wird und gelingt, ist die Aussage über die Erreger ziemlich unsicher.

  • Streptokokken der Gruppe A; vereinzelt auch Gruppe B,C,G
  • Staphylokokken
  • andere Bakterien
Erysipel bei Adipositas und diabetischer pAVK

Risikofaktoren[Bearbeiten]

  • Alter
  • Diabetes mellitus
  • Adipositas
  • pAVK
  • Varikosis
  • Lymphgefäßkrankheiten
  • geschwächtes Immunsystem

Epidemiologie Statistik Kosten[Bearbeiten]

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

Allgemeine Symptome[Bearbeiten]

Die allgemeinen Symptome gehen nicht selten der lokalen Entzündung um einige Stunden voraus.

  • Frieren, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • erhöhte, ansteigende Entzündunsgwerte im Blut (CRP, Leukos )
  • entgleiste Blutzuckerwerte

Lokale Symptome[Bearbeiten]

Die lokalen Symptome sind meistens ziemlich typisch und leicht erkennbar.

  • rasch ausbreitende, hochrote, scharf begrenzte Hautverfärbung
  • deutliche Überwärmung des entzündeten Gebietes
  • Lokales Ödem
  • selten Einblutungen
  • Entzündliche Infiltration des Fettgewebes im Ultraschall
  • Geschwollene und schmerzhafte regionale Lymphknoten zb in der Leiste
  • selten Einblutungen und Flüssigkeitsblasen

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Diagnose ist meist ziemlich einfach und eine Blickdiagnose.

Bilder[Bearbeiten]

Labor[Bearbeiten]

  • Entzündungswerte
    • CRP
    • Leukozyten
  • Blutkultur

Rötung mit Filzstift markieren[Bearbeiten]

Fotografieren[Bearbeiten]

Differentialdiagnostik[Bearbeiten]

  • Subcutaner Abszess
  • Thrombophlebitis
  • Fasziitis
  • Erysipeloid ("Schweinerotlauf")
  • Erythema chronicum migrans (Borreliose)
  • Phlegmone
  • Kontaktdermatitis

Therapie[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Ruhigstellung und Hochlagerung
  • Kühlung der betroffenen Partien
  • Alkohol lokal
  • Wirksames Antibiotikum oral oder intravenös
  • nach Risikofaktoren suchen und diese behandeln zb eine unerkannte Zuckerkrankheit
  • bei hohem Fieber und Schmerzen Acetylsalizylsäure oder Novaminsulfon

Unwirksam[Bearbeiten]

  • strenge Bettruhe
  • Antikoagulation zb mit Heparin
    • der Blutfluss ist durch die Entzündung stark erhöht und damit die Thromboseneigung nicht vorhanden. Es sei denn mann stellt das Bein komplett ruhig.
  • Zinkleimverband
  • Rutin
  • Salben aller Art
    • mit Ausnahme von kühlenden und desinfizierenden Salben.

Wirksamkeitskriterium[Bearbeiten]

Nach 2 Tagen mit Therapie müssen

  • das Fieber und die Schmerzen weg sein.
  • die Rötung und die Entzündungszeichen müssen deutlich rückläufig sein.

Lokale Antiseptika[Bearbeiten]

  • medizinischer Äthylalkohol
    • Zur Not auch Schnaps > 50 %
  • Propranolol oder Methanol ( billiger als Äthylakohol )
    • Sehr einfach in Form von Desinfektionssprays anzuwenden
  • Povidon-Jod (PVP)
  • Octenidin (OcteniseptR)
    • Hat gegenüber dem Alkohol den Vorteil, dass es nicht brennt.
  • Polihexanid
  • Silber
  • Chlorhexidin

Verlauf und Prognose[Bearbeiten]

Fälle[Bearbeiten]

Fall 1 kein Erysipel, sondern subcutaner Abszess[Bearbeiten]

Männlicher Patient , 75 Jahre alt, kein Diabetes, rechter Unterschenkel entzündet nach stumpfem Trauma vor einigen Tagen, nimmt Clopidogrel, Fieberanstieg und starke Schmerzen trotz mehrtägiger Antibiose und Schmerztherapie

Sonographie Befund[Bearbeiten]

  • Circa 4 * 2 cm grosse subcutane Flüssigkeitszone
    • Nach örtlicher Betäubung mit dicker Verweilkanüle punktiert
    • Es entleert sich rahmiger Eiter
    • Wundhöhle mit circa 50 ml Nacl mehrfach gespült
    • Verweilkanüle in der Wundehöhle belassen für weitere Spülungen

Empfehlung[Bearbeiten]

  • Täglich 2 mal mit ca 20 ml Kochsalzlösung spülen
  • Antibiose fortsetzen
  • Falls nicht besser Chirurgen hinzuziehen

Geschichte der Krankheit[Bearbeiten]

Experten + Krankenhaeuser[Bearbeiten]

Selbsthilfegruppen[Bearbeiten]

Fragen,Anmerkungen[Bearbeiten]

Darf man bei zögerlich abheilendem juckendem Erysipel auch Cortisoncreme äusserlich oder Prednisontabletten 4 Tage geben ??

Gibt es ein gut wirksames orales Antibiotikum beim Erysipel ?

Die Therapie des Erysipels mit Penicillin oder Ampicillin ist manchmal nicht erfolgreich und langwierig. Was hilft schneller ?

  • gute Alternativen zum Penicillin sind
    • Clindamycin
    • Levofloxacin
    • Imipenem iv bei bedrohlichem Verlauf

Bei bedrohlichem Verlauf kann man auch 2 oder 3 Antibiotika kombinieren

Woher weiß man so genau welche Keime für den Rotlauf verantwortlich sind, denn meist erfolgt ja gar kein Keimnachweis ? Wie kann ein effektiver Keimnachweis beim Rotlauf erfolgen ? Wie kann man beim rezidivierenden Rotlauf durch nicht medikamentöse Maßnahmen die Intervalle zwischen den Episoden vergrößeren ?

  • Helfen tägliche Kaltwassergüße des Beines ?
  • Hilft viel Laufen ?
  • Helfen ph-neutrale Cremes ?
  • Hilft eine Desinfektion des Beines mit Alkohol oder Sterilium einmal die Woche oder einmal pro Tag ?

Welcher Rotläufer kann hier eigene positive Erfahrungen beitragen ?

die kenntnis der keime entspringt wohl untersuchungen, die mal durchgeführt wurden. der rest ist empirie. es macht ja auch keinen sinn, jedesmal den keimnachweis zu führen, wenn die keime bekannt sind (bzw. wie sie behandlet werden können). da man mit abstrichen der haut unter umständen zu wenig repräsentatives material gewänne, müßte man eventuell schon ein stück gewebe entnehmen... eher unangenehm für den ohnehin schon schmerzgeplagten patienten. erwähnt seien noch ökonomische zwänge.
ich vermute (ohne recherchiert zu haben), dass zu den hinterfragten behandlungsmethoden keine erfolgsaussichten gesichert sind. von desinfektion mit alkoholischen lösungen ist auf alle fälle abzuraten, da diese die haut austrocknen, zu rißbildungen führen und damit einem rezidiv tür und tor öffnen. also viel spaß beim weitersuchen. --sjøhest 11:39, 20. Jun 2006 (CEST)
Es ist vielleicht nicht ganz unsinnig, Aufgüsse mit Buchweizenblättern zu versuchen. Der Rutingehalt dieser Blätter ist für die antioxidative und schwach antimikrobielle Wirkung verantwortlich. Prinzipiell aber hilft wirklich nur die Beseitigung der zwei Probleme: 1. Lymphabfluss gewährleisten, 2. Lokale Verletzungen verhindern.
Daraus folgt sofort die Antwort auf die konkreten Fragen: ja, Kaltwassergüsse und Laufen helfen, und pH-neutrale Cremes verhindern Austrocknung und damit Risse in der Haut. Auf Fußpilz und eingewachsene Nägel achten, Fußpflege! --Ayacop 11:14, 22. Jul. 2007 (CEST)

Ich dachte immer, die rote Abgrenzung resultiert nicht aus den Keimen sondern aus Abwehrzellen die sich in diesem Gebiet besonders stark konzentrieren.

Literatur[Bearbeiten]

Rezidivierendes Erysipel[Bearbeiten]

  • http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/AllardPierre/diss.pdf
  • Zyklische intravenöse antibiotische Behandlung als effizientes Therapiekonzept rezidivierender Erysipele
    • Aus der Dermatologischen Klinik des St. Josef Hospitals in Bochum Universitätsklinik der Ruhr- Universität Bochum
    • Direktor: Prof. Dr. med. P. Altmeyer
    • Inaugural- Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin
    • von Pierre Allard aus Strasbourg (Frankreich) Bochum 1999
    • Gute Doktorarbeit zum Thema Erysipel + Rezidiv
    • Mit sehr ausführlichem Literaturverzeichnis bis zum Jahr 1999

Links[Bearbeiten]